Verdichtung

Vielleicht müssen die übertragenden Rechteinhaber der 1. Bundesliga in medias res gehen und schnell noch bei Magenta Sport anklopfen, ob sie nicht auch ein Stück vom heißesten Ligascheiß abhaben können, den es zurzeit auf dem Fußballmarkt zu übertragen gibt. Natürlich wären wir alle lieber selbst erstklassig, aber in Sachen Spannung und Attraktivität ist dort nun mal der Bummelzug der Ligen Pyramide unterwegs. Es geht halt wieder seinen gewohnten Gang. Dagegen ist die schon die 2. Bundesliga ein wahrer Abenteuerspielplatz der Emotionen zuzüglich sich ständig verändernder Aufstiegskonstellation. Nur im Tabellenkeller, da könnten sich Regensburg und Ulm wirklich mal etwas mehr anstrengen.

Aber all das ist nichts im Vergleich zu der wilden Sause, den die 3. Liga gerade anbietet. Es findet aktuell eine solche Verdichtung im Abstiegskampf statt, so dass es rein theoretisch noch jeden Verein treffen könnte, der nicht schon seine über vierzig Punkte im trockenen hat. Aktuell somit den Quotendurchmarschierer aus Cottbus, die Dynamos aus Dresden und den 1. FC Saarbrücken. Der bekanntermaßen beim Tabellenletzten Unterhaching verloren hat, anstatt das eigene Punktekonto weiter auszubauen. Es gibt einfach keine Mannschaft auf, im Keller brennt überall noch ausreichend Licht.

Was zur Folge hatte, dass die kleinen Stuttgarter in Ingolstadt punkten, der Waldhof mal eben die Kogge aber sowas von versenkt, und der VfL Osnabrück dort weitermacht, wo er gegen uns begonnen hat. Nur mit noch mehr Toren. Es hätte also für uns also ein richtig übel ausgehender Spieltag Nummer 24 werden können. Wurde es aber nicht, denn unser glorreicher RWE konnte aus dem Wiesbadener Wellblechpalast nicht nur zwei Turbane, sondern auch drei immens wichtige Punkte entführen. Das auf beeindruckende Art und Weise. Eine verunsicherte Mannschaft in höchster Abstiegsnot tritt so nicht auf. Die Truppe hat Charakter und bleibt dadurch erneut über dem Strich.

Die Crux an der Sache: Eben nur knapp über dem Strich, der angesprochenen Verdichtung geschuldet. Etwas also, was das Ganze weiterhin brandgefährlich erscheinen lässt. Da tut es schon gut zu erleben, wie sich auch andere Vereine wieder am Abstiegskampf beteiligen und Teil des Spannungsbogen werden möchten. Daher ein herzliches Willkommen nach Aachen, Aue, Sandhausen und München. Am liebsten wäre es mir ja, wenn alle Zweitvertretungen runtergehen. Allein um den feuchten Traum einiger Erstligisten und des DFB unsanft zu stören, die 3. Liga als eigenes Nachwuchsleistungszentrum zu missbrauchen.

Nun kooperiert die Spvgg Unterhaching bereits mit einem unbedeutenden Verein aus der 1. Bundesliga, aber allein Manni Schwabl hätte es in seiner Klarheit und Empathie für die Dinge verdient, weiter in der Liga zu bleiben. Allerdings dann kommende Saison bitte mit Untertitel bei den Interviews. Vorhersehbar ist also nichts in dieser wilden Liga, möglicherweise kann man stand heute von einem Abstieg der Hachinger sowie der Zweitvertretungen aus Stuttgart und Hannover ausgehen, auch wenn die Gegenwehr dieser Vereine noch richtig heftig werden dürfte.

Zur Not haben die dann auch mal welche aus der Ersten dabei! Was im Klartext bedeutet: Ein Dickschiff der Liga müsste ebenfalls mit runter. Einer dieser Namen also, von denen man eher davon ausgeht, dass sie irgendwann die 2. Bundesliga entern, anstatt in die Viertklassigkeit abzutauchen. Rot-Weiss Essen wird es nicht treffen, somit einen anderen Verein. Aber Rot-Weiss Essen wird sich noch wochen- und monatelang dermaßen anstrengen müssen, eben nicht dieser eine andere Verein zu werden! Wir sollten uns darauf einstellen, dass es richtig an die Substanz gehen und alle im Verein und auf den Tribünen auf das Äußerste fordern wird.  

Aber wenn man sich dessen klar wird, zudem temporäre Rückschläge akzeptieren kann, dann kommen wir am Ende gut aus dieser so unglaublich spannenden wie attraktiven Saison heraus. Daran könnten dann selbst die üblichen Verdächtigen im Forum nichts auszusetzen haben. Obwohl, irgendwas Negatives geht ja immer, das ist bisweilen Programm.

Unser nächster Gegner nun der FC Ingolstadt. Zwar ein wenig hinter den eigenen Anforderungen platziert, aber immerhin noch Tabellenvierter. Die Schanzer in Sachen aktiver Auswärtssupport auf Augenhöhe mit Wiesbaden und Sandhausen, was einen eher spärlich gefüllten Gästeblock bedeuten wird. Für uns aber auch die Möglichkeit, einen weiteren Block zu füllen. Und das sollten wir dann auch mal tun. Nicht nur, um der Mannschaft in noch größerer Zahl den Rücken zu stärken, sondern auch um starke Argumente für einen Eckenschluss im Stadion zu bieten. Bleibt die Hütte im Heimbereich aber so gut wie nie ausgebucht, verpuffen die Argumente.

Der Traum einer geschlossenen Hafenstraße lebt weiter, schließlich sind die Fundamente ja auch schon lange gelegt. Und so wie auch der Aufstieg in die 3. Liga nach unfassbar vielen Jahren wahr wurde, oder kürzlich die kommende Reunion in Edinburgh (sofern die Hibs nicht zuvor finanziell die weiße Flagge schwenken, sieht gerade nicht so gut aus), so werden wir hoffentlich auch diesen Höhepunkt Essener Stadiongeschichte für den RWE, die SGS und viele Konzerte noch zu Lebendzeiten erleben.

Erleben, und nun wird es persönlich, ohne dass in den Vordergrund stellen zu wollen, durfte ich das Ehrenamt, welches rund um ein Heimspiel von Rot-Weiss Essen ausgeübt wird. Es war vor dem Heimspiel gegen die Zwote aus Hannover, als ein der Anspannung geschuldetes, nennen wir es kardiologisches Ereignis, eintrat. Die oftmals kritisierten Ordner in G1 kooperativ, die Ehrenamtler der Johanniter Unfallhilfe ziemlich klar im Urteil und fix in der Sache. Es ging also mit dem RTW noch vor Anpfiff in ein Krankenhaus irgendwo in Essen Borbeck. Die Aufnahme nun nicht so spektakulär, wie man es aus diversen Arztserien kennt, aber die RTW-Besatzung blieb an meiner Seite. In den folgenden Stunden durfte ich nun einen Querschnitt der Gesellschaft zuzüglich medizinischer Kompetenz erfahren, die gleichzeitig zu beruhigen wusste, wie nachdenklich machte.

Die Erstversorgung nahm eine griechische Gesundheitspflegerin vor, die für eine Leiharbeitsfirma zwischen den Kliniken im Pott pendelt. Nur um sich ihren Traum zu erfüllen, auf Lehramt zu studieren. Die diensthabende Kardiologin türkischer Herkunft, die alles gegeben hat. Untermalt wurde das ganze Szenario in der Notaufnahme von rassistischen Schreiereien einer psychisch auffälligen Patientin, der die Wartezeit wohl etwas zu lang wurde und ausschließlich nach doitschem Personal verlangte!

Möglicherweise war sie nicht nur auffällig, sondern einfach nur ein Arschloch! Es gab nach vielen Stunden Entwarnung und so durfte ich das Krankenhaus verlassen. Viele Stunden später als geplant daheim gab es folgende Erkenntnis: Ohne das Ehrenamt und ohne Medizinerinnen aus allen Damen Länder, hätte das für mich ziemlich böse ausgehen können. Das war in Summe großes Kino. Danke, Danke! Und das „Stadionverbot“ wurde auch aufgehoben.

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