Es musste mal so kommen, es musste mal geschehn….

Die Zeitumstellung zweimal im Jahr ist nicht wenigen ein Dorn im Auge, und so ganz erschließt sich der Sinn aus heutiger Sicht auch nicht mehr. So ehrbar der Gedanke bei Einführung auch war, Energie zu sparen, so kann diese eine Stunde mehr oder weniger aus heutiger Sicht nicht mehr damit konform gehen. Wenn wir allerdings an diesem Wochenende die Uhren eine Stunde vorgestellt haben, so hat das als Fan von RWE wenigstens einen veritablen Vorteil: Wir dürfen uns eine ganze Stunde weniger über die mehr als verdiente Niederlage in Verl ärgern!

Ich gehe nicht davon aus, dass auch nur irgendjemand rund um die Hafenstraße erwartet hat, dass wir bis Saisonende alle Spiele siegreich oder wenigstens ungeschlagen bestreiten werden. Punktverluste sind also immer mit einkalkuliert und oftmals gerade dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Punktverluste passieren zudem durch Pech oder durch Benachteiligungen. Vielleicht durch Platzverweise oder einem Gegner, der an diesem Tag einfach alles richtig macht. Nicht im Hinterkopf bei solch Hochrechnungen ist die Option, dass fast die ganze eigene Mannschaft unter ihren Möglichkeiten auftritt.

Das Spiel in Verl war eines dieser ganz seltenen Spiele, wo unsere Mannschaft im Kollektiv ein Spiel verloren hat, welches allerdings selbst bei guter Leistung wirklich aller nur schwer zu gewinnen gewesen wäre. Der SC Verl einfach mal wieder zu gut für den RWE. Also eigentlich wie immer möchte man sagen, wenn es mittlerweile nicht so frustrierend wäre, was unsere Bilanz gegen den SC Verl angeht. Dabei war ich vor dem Spiel noch richtiggehend positiv gestimmt. Geradezu lässig unterwegs. Visualisiert könnte man sich für die eigene Grundhaltung vor dem Spiel am besten ein Foto des stets entspannten Steve McQueen mit einer Fluppe im Mundwinkel vorstellen. Nicht dass ich annähernd so cool ausschaue, zudem bin ich Nichtraucher, aber ich hatte einfach dieses gewisse Gefühl vor dem Spiel.

Eventuell habe ich aber schon den Schuldigen für dieses ungewohnte Selbstverständnis vor einem Spiel, und dann auch noch in Verl, gefunden: In meinem Falle habe ich wohl zu oft auf die bisherige Rückrundentabelle geschaut, oder zu oft von einem der formstärksten Teams bisher im Jahr 2025 gelesen. Wenn man sich dort ganz oben findet, vergisst man zu leicht, dass solche Tabellen und Rechenspiele genau so unsinnig sind wie beispielsweise Expected Goals oder andere grafischen Spielereien.

Was einzig zählt, ist die reale Tabelle vor dem Spieltag selbst. Und da standen wir vor dem Gang nach Verl wie festgetackert weiterhin in der unteren Hälfte. Immer noch in unmittelbarer Nähe zu den Abstiegsrängen. Immer noch den Atem der unter uns stehenden Mannschaften im Nacken. Wir sollten im Saisonverlauf mittlerweile zwei elementare Dinge gelernt haben: In der Saison 2024/25 will keine Mannschaft vorzeitig aufsteigen. Vor allem aber will auf Gedeih und Verderb keine Mannschaft absteigen. Es hat sich zudem in den letzten Spielen, zuzüglich Oberhausen, abgezeichnet, dass unsere Mannschaft der einige Spieltage andauernde, höchst erfolgreiche, Parforceritt viel Kraft gekostet hat.

Vielleicht kommt dann zwangsläufig ein Auftritt wie vergangenen Freitag an der Poststraße in Verl, bei dem man einfach nichts zustellt. Weder den Gegner noch Punkte nach Essen. Möglicherweise ist es die Klatsche zur richtigen Zeit gewesen, um uns allen zu verdeutlichen, dass das Ziel noch in weiter Ferne liegt. Das Ziel ist der Klassenerhalt. Die Kirsche obendrauf wäre der Gewinn des Niederrheinpokals. Aber Abstieg und Pokalsieg? Will erstmal keiner, die Freude über letzteres würde verhaltener sein. Bis zur Auslosung dann! Abstieg und Finalniederlage? Erst recht Kappes!

Ich denke, dass schon mit Abpfiff in Verl allen im Team bei RWE und auch so gut wie allen im Gästebereich auf den Tribünen klar geworden ist: Scheiße, wir sind immer noch und vor allem wieder mittendrin. Aber wir packen das, und zwar gemeinsam. So auch die Botschaft von außen. Einfach mal alle temporären Tabellen oder Wasserstände ausblenden und die einzig wahre Tabelle als Maßstab nehmen. Ich kann mir vorstellen, dass unseren Spielern eine harte bis sehr harte Trainingswoche droht, um im Heimspiel gegen die Kogge wieder das andere RWE-Gesicht zu zeigen. Dann kann auch gerne wieder die Euphorie angekurbelt werden, die durch das Spiel in Oberhausen und dem Auftritt in Verl doch ordentlich an Schwung eingebüßt hat.

Dabei eröffnen sich doch gerade für den RWE Perspektiven, an die man damals bei Spatenstich für unsere aktuelle Bude noch gar nicht gedacht hat: Zum einen geht es finanziell in eine richtig solide Zukunft und zum anderen kam die Nachricht von OB Thomas Kufen, dass er eine Ratsvorlage für den Ausbau des Stadions an der Hafenstraße unterzeichnet hat. Es obliegt nun dem Rat der Stadt Essen, in seiner Sitzung am 09. April darüber zu beraten. Laut Prognose würden die Bagger dann ab Juli 2026 rollen.

Und welches Argument würde allen Befürwortern am ehesten helfen? Natürlich Rot-Weiss Essen weiterhin im Profifußball (Laut Definition Fußball in den ersten drei Ligen. In Wahrheit wohl Fußball bis teilweise in die Kreisliga) zu sehen. Ich finde es bitter, dass der DFB nicht in Erwägung gezogen hat, die Stadt Essen und somit das Stadion an der Hafenstraße als Austragungsort für die Frauen-EM 2029 zu nominieren. Es wäre nicht nur die fällige Anerkennung für die SGS als eigenständiger Fußballverein und somit dem Dasein als eine der letzten Mohikanerinnen ihrer Zunft. Essen wäre auch mal ein frisches Gesicht in dem erlauchten Kreis der ewig gleichen Standorte für internationale Turniere in NRW wie Dortmund, Gelsenkirchen oder Köln. Wirklich schade!

Mit in diese Nachricht „Ecken dicht“ keimte bei einigen direkt wieder die Sehnsucht nach dem seligen Georg-Melches-Stadion auf. Ich habe diese alte Kabachel auch geliebt, und mein Favorit wäre damals gewesen, die Haupttribüne zu erhalten, energetisch zu sanieren, und drumherum einfach drei neuen Tribünen zu bauen. Es kam bekanntermaßen anders. Und es kam vor allem auch zu einer Zeit, in der zuallererst die Worte Insolvenz und Niederrheinliga mit Rot-Weiss Essen in Verbindung gebracht wurden.

Der Profifußball erstmal in weiter Ferne und das Stadion der Zukunft eher Am Hallo als an der Hafenstraße. Trotzdem bekamen wir unsere neue Bude, wenngleich seinerzeit auch alles vermieden wurde, es so aussehen zu lassen, als wäre es unser Stadion. Rot-Weiss Essen musste für jeden Nagel um Erlaubnis bitten, den man in die Wand hauen wollte. Das alles ist mittlerweile Geschichte. Wir sind und bleiben in der 3. Liga, und auch das Stadion an der Hafenstraße hat meines Erachtens durchaus schon rot-weisse Patina angesetzt. Ich mag unser Stadion, die kleine Gruga, den Helmut-Rahn-Platz und die Georg-Melches-Straße. Die Malereien auf den Kassenhäuschen der West und die Stimme von Walter.

Außerdem: Wenn wir alle mitmachen, stehen wir der Atmosphäre im GMS doch in nichts nach. Das diese immer und zu jeder Zeit legendär gewesen sein soll, ist bisweilen eher der sentimentalen Verklärung an einen wundervollen Ort geschuldet. Und genauso wie im GMS nicht immer Partystimmung geherrscht hat, ist auch im Stadion an der Hafenstraße nicht immer tote Hose. Es gab damals wie heute legendäre Spiele. Mit dem einen Unterschied, dass wir halt im Stadion an der Hafenstraße diese weiterhin kreieren können. Aber dafür bedarf es nicht die Klage darüber, dass früher alles besser gewesen sei, sondern vor allem die Bereitschaft, dass schon im nächsten Heimspiel alles wieder besser wird. Und dann bieten wir der Kogge als nächsten Gegner nicht nur auf dem Rasen Paroli, sondern versenken sie zeitgleich verbal auf den Tribunen. Und bitte nur dort.

Ein Kommentar

  • Avatar von rueweigel

    Nach den Spielen in Köln und gegen Dynamo sollte man gewarnt gewesen sein. Das Remis gegen die Dresdener hatte sich eher wie eine Niederlage angefühlt. Aus drei Spielen einen Punkt? Und ein Auftritt in Verl, der dem in Aachen aber auch so was von ähnlich war. Da stellt sich die Frage: ist der Koschinat-Effekt schon verpufft? Und was ist mit der Mannschaft los? Nach dieser erfolgreichen Serie diese Auftritte? Da scheint etwas ganz stark im Argen zu liegen.

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