Monatsarchive: November 2009

Oh, und bitte nicht den Hirsch verpassen!

Darum bittet Anton Corbijn beim Betrachten des folgenden Videos, signalisiert der Hirsch doch Unschuld,Sexualität und Vorahnung. Asche über mein Haupt, ich wusste bis vor kurzem noch nichts von der Existenz eines Videos zu dem 2002 veröffentlichten Song “Electrical Storm”. Ein Lied, welches ebenso wie zum Beispiel das treibende “Lady With The Spinning Head” in der Tradition großartiger “B-Side” Songs von U2 steht. Das Video toppt das grandiose Lied dann aber doch: Im typischen Anton Corbijn Stil entwickelt Larry Mullen jr. hier mit Unterstützung der Schauspielerin Samantha Morton ungeahnte Leinwand Qualitäten. Sein markantes Gesicht bietet mehr Mimik als sonst bei einer kompletten Tour zusammen. Und was nun den Hirsch und seine Rolle betrifft: In diesem Video, welches wie so viele Lieder dieser Welt von einer unglücklichen Liebesbeziehung handelt, huscht er mal kurz durch das Bild. Aber auch das ist mir erst sehr viel später aufgefallen. Kurzum: Super Song und endlich ist der Mann aus dem Hinter- im Vordergrund.

Reclaim the Game

Ende letzter Woche wurde ich gefragt, ob “ISDT” in einer Schaffenskrise steckt. Ich habe noch nicht explizit auf die Frage geantwortet, geschweige denn mir Gedanken darüber gemacht, ob dem so ist. Ich muss auch nicht darüber nachdenken, denn die Antwort ist denkbar einfach: Spätestens seit der Handballeinlage von Thierry Henry hat es bis heute keinen Spaß mehr gemacht über den Fußball zu schreiben. Und der Spaß und die Liebe zum Spiel ist doch mit der Antrieb, ist man mit Vereinen wie dem RWE oder der heimischen Eintracht “gesegnet”. Letztendlich dokumentiere ich doch hier nur sportliche Misserfolge, Abstiege, Finanznöte und katastrophale Vereinsführungen hüben wir drüben. Das ist aber alles noch mit der Seele eines Fans zu erklären, zu begreifen und von “Leidensgenossen” zu verstehen. Selten aber gab es in einer solch gefühlten Dichte Nachrichten und Ereignisse rund um das so faszinierende Spiel, welche mich bis dato höchst irrational traurig (Robert Enke), wütend (Wettskandal, erneute Gewaltspirale,Stadionbau in Essen, Henry) und somit sprachlos machten. Nicht, dass ich davon ausgegangen bin, im Fußball einen Hort der Glückseligkeit vorzufinden (ich bin RWE Fan….), aber scheinbar ist nicht mehr auf dem Platz wichtig. Eben noch die ehrliche kollektive Anteilnahme und mahnende Worte, sich im Umgang miteinander wieder bewusster zu verhalten; So tauchen wenige Tage später andere auf, die sich bewusst so verhalten haben, die Kollekte der Teilnehmer an Wetten unter sich zu verteilen. Hier winkt dem Sport ein Fass ohne Boden und werden sicherlich immer wieder neue Fakten und auch Personen zutage gefördert. Vielleicht bekommen auch manche Spiele nun im nachhinein einen faden Beigeschmack. Ich fühlte mich sofort an das alles entscheidende Spiel des RWE gegen den VfB Lübeck erinnert. Eine Woche zuvor wurde das fast unmögliche möglich gemacht, in Magdeburg die Hoffnung Klassenerhalt geschürt und dann im letzten Saisonspiel eine volle Hafenstrasse, ein bereits abgestiegener Gegner. Nun, das Ergebnis dürfte bekannt sein und die schlechte Leistung einiger Leistungsträger habe ich damals auf die Freigabe im Abstiegsfalle geführt….. Vielleicht entwickelt nun manch Fan seine persönliche Paranoia in Bezug auf ein besonderes Spiel seines Vereins. Sicherlich wird es aber zu Misstrauen führen und zwar auf vielen Ebenen. Kann ich als Fan noch der Mannschaft in Gänze vertrauen? Oder als Verein? Spielen die Angestellten noch zum Wohle des Wappens, welches doch gelegentlich so gerne geküsst wird oder vielleicht doch nur für den schnellen Euro nebenher? Und mein Mitspieler? Habe ich den Pass deshalb, obwohl frei vor dem Tor stehend, nicht bekommen? Natürlich gab es vorher Wettskandale und auch zu Zeiten, in denen das Internet noch als Quark im Schaufenster stand. Nur, heute ist die Vernetzung eben eine ganz andere und die Drahtzieher daher sehr schwer zu lokalisieren. Eine ganze Sportart steht unter Verdacht, hoffentlich wird sie entlastet werden können.

Fremdschämen

Ich hoffe, hier wird reagiert und das Tor im nachhinein aberkannt. Wobei: Ich glaube bisweilen nicht mehr an Gerechtigkeit im Fußball. Ich hoffe, Sie konnten gut schlafen, Thierry Henry….

Kugeln von hinten

So betitelte Otto Sand bereits 2003 in der Juni Ausgabe der 11 Freunde seinen Bericht über den Mythos der Waldhof Buben und dessen Hang zur vereinsinternen Selbstzerstörung. Wohlgemerkt vor 6 Jahren. Seitdem hat sich für den Waldhof nicht wirklich viel geändert.Durch den Lizenzentzug ging es für den Verein vom Alsenweg direkt von Liga 2 in die Viertklassigkeit. Der Umweg des doppelten sportlichen Abstiegs wurde den Fans somit “erspart”, es wurden direkt provinzielle Fakten geschaffen. Und seit dieser Zeit kommt der Waldhof einfach nicht zur Ruhe. Fusionsgedanken, Mannheim als Standort erster Bundesligaambitionen aus Hoffenheim, interne Schlammschlachten und so weiter. Und, wie das dann so ist mit den Traditionsvereinen, die einen sportlichen und wirtschaftlichen Absturz nicht verhindern konnten: Geblieben, und manchmal die einzige Basis und Hoffnung eines Vereines, sind die Fans. Erstaunliche Parallelen zeigen sich hier auf, betrachtet man die Geschehnisse rund um den Waldhof und den RWE. So können beide Fanszenen ihren natürlichen “Erzrivalen” nur in Form der Nachwuchsmannschaften treffen und leben diese Begegnungen doch in einer Intensität aus, die den neutralen Beobachter schaudern lassen würde. Wen wundert es da also, dass das Auswärtsspiel am kommenden Freitag für den RWE beim SV Waldhof das Auswärtsevent der Saison darstellt. Mithalten können da noch die Spiele in Münster oder dem Ludwigspark zu Saarbrücken. Der Rest ist immer noch gefühlte Scham. Und dann reden wir hier nicht einmal von einem Spitzenspiel der Liga, sondern von einem Treffen, wo es ausschließlich gegen den Abstieg gehen wird. Auch für die Waldhofer Fanszene stellt das Spiel gegen den RWE etwas besonderes und eine Remineszens an vergangene Zweitligazeiten dar. Wie auch der Flyer auf der Homepage der rührigen Ultras Mannheim belegt, für dessen Veröffentlichung ich mich herzlich bedanke. Auch das Klientel der Ränge birgt Gemeinsamkeiten: Hauptsächlich aus der der Arbeiterschicht stammende Fanbasis, eine Ultraszene, die den Verein bisweilen am Leben erhält, manchmal aber auch vor Probleme stellt und für erstaunliche Choreografien sorgt, und eine große Anzahl an sogenannten “Problemfans”. Allen gemein aber die Tatsache, dass der Verein über allem steht. Über allem sollten für den RWE am Freitag zunächst 3 überaus wichtige Punkte stehen. Vielleicht hilft ja das Fluidum eines Bundesligatauglichen Stadions, eventuell sogar recht gut gefüllt, um die Spieler zu Höchstleistungen anzuspornen.

Kleinanzeige

Viel zu selten konnte ich mich in diesem Jahr um die Belange der besten Mannschaft der Welt, dem Wittekindshofer FC, kümmern.Das Gute daran: Es war auch gar nicht mehr von Nöten, hat sich unsere Mannschaft doch gut im DJK Arminia integriert und nun auch das Recht eines regelmäßigen Trainingsbetriebes. In der kommenden Woche beginnt das Training in der Halle und im darauffolgenden Frühjahr werden wir hoffentlich wieder am Turnier der Lebenshilfe Nordhorn teilnehmen dürfen. Bis dahin vergeht aber noch viel Zeit und so stellt sich die Frage, ob es nicht irgendwo eine weitere integrative Fußballtruppe gibt, die an einem Freundschaftsspiel interessiert ist. Oder gar ein Fußballturnier für Mannschaften, bestehend aus geistig behinderten Fußballern/innen ausrichtet. Gerne würden wir unseren sportlichen Horizont erweitern und auf neue Mannschaften treffen. Wie immer gilt: Das sportliche Niveau ist ganz unten, aber die Lust am Fußball ganz oben anzusiedeln.Ich denke, einen Umkreis von bis zu 150 Kilometern sollten wir logistisch betrachtet, bewältigen können, eine entsprechende Planungsphase mit einkalkuliert. Wenn also jemand jemanden kennt, der seinerseits wieder jemanden kennt….einfach über das Vereinsheim Kontakt aufnehmen. Unsere WFCG`ler würden sich freuen.

Ohne Moos nix loos

Fußball wird mit den Beinen gespielt und mit dem Kopf gewonnen. Diese einleuchtende These könnte für die erneute Heimniederlage des RWE gegen die Zweitvertretung aus Mönchengladbach herangezogen werden. Der Kopf hat nämlich keinen Gehaltseingang zu verzeichnen gehabt, wie soll er da seinen Beinen einen guten Lauf empfehlen? Das Ende vom Lied: Eine weitere Hiobsbotschaft für den RWE und seine Fans. Und besonders bitter auch für die Angestellten des Vereines, die sicherlich momentan einen besseren Job verrichten als die Wanderarbeiter auf dem grünen Rasen: Auch sie warten noch auf ihr Gehalt. Welch Ansammlung der schlechten Nachrichten in dieser Woche. Quo Vadis, RWE? Ja und dann gab es noch den 2:1 Erfolg der heimischen Eintracht über die Kickers aus Emden. Und ja, ich würde auch gerne wieder etwas mehr über den Verein vom Heideweg schreiben, nur gibt es doch nicht viel neues, und wenn dann auch nur finanzielle Horrorszenarien. Und Informationen unter dem Mantel der Verschwiegenheit werde ich hier natürlich nicht veröffentlichen. Ein Spiegelbild der höherklassigen Amateurligen als Folge des DFB Gebaren hier auch in Nordhorn: Keine Trikotsponsoren, wilde Sau spielende Gästefans (bzw. Subunternehmer in Sachen Randale aus dem Emsland) und grundsätzlich zu wenig Zuschauer, um auf Dauer höherklassigen Amateurfußball anzubieten. Wahrscheinlich waren die Stromkosten höher als die Einnahmen. Und zu guter Letzt: Bevor sich der alte Vorstand nicht öffentlich erklärt und in einer Mitgliederversammlung entlastet wird, ist es sehr schwer, dem Verein noch kreativ gegenüberzustehen. Dabei bleibe ich.

Partisanen

Der Fall der Mauer ist in diesen Tagen in aller Munde. Aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar, dass ein solch historisches Ereignis ohne Privatfernsehen, Internet, Handys oder gar Twitter passieren konnte. Und doch, es war so und so wie es war, war es auch gut. Die Historie dieser Tage kennt jeder, aber können wir, die wir nicht in der ehemaligen DDR gelebt haben, uns wirklich ein Bild davon machen, was es bedeutet hat, in diesem Staate zu Leben, wenn man nicht Teil des Systems war? Nach zwanzig Jahren gestehe ich mir ein, dass die DDR damals sehr weit weg war, und eine Vereinigung auch noch nicht in meinem realen Leben stattgefunden hat. Dieses ist vielleicht wirklich auch geographischen Gesichtspunkten geschuldet, denn hier in Nordhorn sind wir sowas von “Wessis”, dass wir fast schon eher “Ostholländer” denn Sachsen sind. “Unsere” Grenze war die in Richtung Niederlande, zwei Kilometer entfernt und ein kleiner Junge hat es damals als sehr spannend empfunden, kontrolliert zu werden. Natürlich haben wir nie mehr als die erlaubten Mengen an Kaffee und Tabak in die BRD eingeführt, davon gehe ich nun mal aus. Aber eine Grenze in einer solch Dimension wie die Zonengrenze, das konnte man sich hier nicht vorstellen. Die Bundesjugendspiele 1986 haben uns dann nach Berlin geführt und auch durch die “Zone”. Aber auch hier die Frage: Was haben wir denn von der DDR seiner Tage mitbekommen? Schon spannend, wie die Grenzer den Bus des Turnverein Nordhorn unter die Lupe genommen haben. Viel wichtiger aber doch der Intershop. Noch spannender der Grenzübergang in Berlin selber: Eine Straße, und doch zwei Welten, zwei Länder gar und unterschiedliche Systeme. Und auch hier unserer Eindruck: Berliner Weisse mit Schuß im Palast der Republik. Ergo: Dieses Land war uns sehr fremd und nun trat unsere Psychologiedozentin am Morgen des 10. November 1989 vor uns und berichtete all denen, die es noch überhaupt nicht mitbekommen hatten, von den Ereignissen der damaligen Nacht. Das alles ist nun zwanzig Jahre her und erst jetzt bekomme ich langsam, aber sicher einen Eindruck, welch perfidem System die Menschen in der ehemaligen DDR unterworfen waren. “Schuld” daran unter anderem die Stasi Akte andoras und sein nicht endendes Engagement, darauf hinzuweisen, dass letztendlich nicht wirklich eine Revolution stattgefunden hat, in der man seine Peiniger aus dem Land jagt. Trotzdem ist es immer ein Grund zu feiern, wenn ein Land seiner Fesseln beraubt wird. Nur, wo sind denn all die Schergen geblieben, die dem System zu seiner Existenz verholfen haben und was ist in den vergangenen zwanzig Jahren im Osten unserer Republik nun letztendlich passiert? Ich denke, dass es noch ein langer Weg sein wird, bis sich Ost und West wirklich angeglichen haben und vorurteilsfrei miteinander umgehen können. Und es ist nicht böse gemeint, wenn mir Denekamp näher als Dresden ist.

Zelluloid

Der November bringt nicht nur neue Folgen über das Wirken des Egomanen Pastewka oder des notorischen Widerlings Stromberg mit sich, sondern auch Filme mit Bezug zum runden Leder auf die Leinwand:

Achterbahn der Gefühle

Für sein Sprachförderprojekt ist Rot-Weiss Essen als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet worden. Fast zeitgleich tobt hinter den rot-weissen Kulissen eine handfeste Schlammschlacht. Und auf dem Feld wurde bei den Sportfreunden Lotte mit 0:3 verloren. Dabei fing eigentlich alles so gut an: Von den knapp 3000 Zuschauer in der zarten Arena fieberten fast zwei Drittel unverwüstliche mit dem RWE und nun greift wieder der zum Running Gag werdende Konjunktiv: Wenn Sascha Mölders in der dritten Minute den Ball anstatt an die Latte in das Tor gedonnert hätte….leider lohnt es sich nicht, weiter darüber nachzudenken. Und während ich hier schreibe, kommt gerade via Twitter eine Meldung herein, dass die Spieler noch auf ihre Oktober Gehälter warten. Zwar scheint das Geld schon angewiesen zu sein, aber ein unbehagliches Gefühl bleibt allemal. Was ist da momentan los in Essen, rund um den RWE? Angeblich droht keine Insolvenz, aber statt der erhofften sieben Punkte konnte die Mannschaft nur zwei aus den letzten drei Spielen ergattern, Aufstiegshoffnungen ade, und wir begrüßen einen alten Bekannten, das Abstiegsgespenst. Ach, das Spiel in Lotte: Ich bin 20 Minuten vor Schluß gefahren, die Erfahrung lässt ein Ergebnis erahnen. Der RWE hat gar nicht mal so schlecht gespielt, nur die Sportfreunde standen halt wesentlich kompakter, hatten das nötige Selbstbewusstsein und drei ehemalige rot weisse in ihren Reihen, die nicht nur besonders motiviert, sondern auch in Gemeinschaftsproduktion am ersten Tor beteiligt waren. Und wenn schon Frust, dann auch richtig: Selbst das Stadion der Sportfreunde wirkte nicht mehr nur heimelig, sondern vor lauter Product Placement muss der Ball erst einmal gefunden werden. Wirrer Bericht meinerseits, aber kann das alles rund um diesen Verein in einem lässigen Bericht untergebracht werden? Ich bin sehr geschockt. Der RWE darf nicht untergehen…….