Kugeln von hinten

So betitelte Otto Sand bereits 2003 in der Juni Ausgabe der 11 Freunde seinen Bericht über den Mythos der Waldhof Buben und dessen Hang zur vereinsinternen Selbstzerstörung. Wohlgemerkt vor 6 Jahren. Seitdem hat sich für den Waldhof nicht wirklich viel geändert.Durch den Lizenzentzug ging es für den Verein vom Alsenweg direkt von Liga 2 in die Viertklassigkeit. Der Umweg des doppelten sportlichen Abstiegs wurde den Fans somit “erspart”, es wurden direkt provinzielle Fakten geschaffen. Und seit dieser Zeit kommt der Waldhof einfach nicht zur Ruhe. Fusionsgedanken, Mannheim als Standort erster Bundesligaambitionen aus Hoffenheim, interne Schlammschlachten und so weiter. Und, wie das dann so ist mit den Traditionsvereinen, die einen sportlichen und wirtschaftlichen Absturz nicht verhindern konnten: Geblieben, und manchmal die einzige Basis und Hoffnung eines Vereines, sind die Fans. Erstaunliche Parallelen zeigen sich hier auf, betrachtet man die Geschehnisse rund um den Waldhof und den RWE. So können beide Fanszenen ihren natürlichen “Erzrivalen” nur in Form der Nachwuchsmannschaften treffen und leben diese Begegnungen doch in einer Intensität aus, die den neutralen Beobachter schaudern lassen würde. Wen wundert es da also, dass das Auswärtsspiel am kommenden Freitag für den RWE beim SV Waldhof das Auswärtsevent der Saison darstellt. Mithalten können da noch die Spiele in Münster oder dem Ludwigspark zu Saarbrücken. Der Rest ist immer noch gefühlte Scham. Und dann reden wir hier nicht einmal von einem Spitzenspiel der Liga, sondern von einem Treffen, wo es ausschließlich gegen den Abstieg gehen wird. Auch für die Waldhofer Fanszene stellt das Spiel gegen den RWE etwas besonderes und eine Remineszens an vergangene Zweitligazeiten dar. Wie auch der Flyer auf der Homepage der rührigen Ultras Mannheim belegt, für dessen Veröffentlichung ich mich herzlich bedanke. Auch das Klientel der Ränge birgt Gemeinsamkeiten: Hauptsächlich aus der der Arbeiterschicht stammende Fanbasis, eine Ultraszene, die den Verein bisweilen am Leben erhält, manchmal aber auch vor Probleme stellt und für erstaunliche Choreografien sorgt, und eine große Anzahl an sogenannten “Problemfans”. Allen gemein aber die Tatsache, dass der Verein über allem steht. Über allem sollten für den RWE am Freitag zunächst 3 überaus wichtige Punkte stehen. Vielleicht hilft ja das Fluidum eines Bundesligatauglichen Stadions, eventuell sogar recht gut gefüllt, um die Spieler zu Höchstleistungen anzuspornen.

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