Warum Trainer nicht zuhören und Fans schlecht einparken.

Die nicht erfolgte Vertragsverlängerung von Alexander Thamm hatte zwar keine Palastrevolution zur Folge, dafür war die Saison zu erfolgreich. Diese Personalentscheidung aber, sie sorgte für einen interaktiven Sturm der Entrüstung. Zurecht wie ich finde. Je länger ich aber darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Entschluß, das es uns Fans um mehr, als „nur“ den Spieler Alexander Thamm geht.

Bevor ich hier weiter die Annäherung an ein schwieriges Thema versuche, noch einmal für das Protokoll: Ich bin Fan, ich habe viele Spiele gesehen, und aus meiner Sicht hätte Alexander Thamm durchaus das Potential, sich in einer höheren Liga zu behaupten. Unter normalen Gesichtspunkten würden wir hier also von einem Spieler reden, der erst ein Jahr an der Hafenstrasse kickt, und jedes Saisonspiel bestritten hat. Ohne größere Schwankungen nach oben oder unten kam er in der Saisonabrechnung der Revier Sport auf eine Durchschnittsnote von 2,69! Das kann sich sehen lassen. Und, ganz wichtig auch folgender Satz in der abschließenden Beurteilung: „Durch Körpersprache, Auftritt und Leistung als Leitwolf der jungen Mannschaft gar nicht zu überschätzen“.

Halten wir fest: Guter Mann, schade, daß er wechselt, aber Spieler kommen und gehen nun mal. Kein tamm, tamm um Thamm, der Spieler wäre alsbald Geschichte. Einer von vielen. Aber, genau jetzt kommt er: Der Grund, weshalb Alexander Thamm es in der wechselhaften Geschichte des RWE in den Kreis derer geschafft hat, von denen man noch seinen Enkeln erzählen wird: Homberg, NRW Liga, insolvent. Nachspielzeit, es steht 0:0 und eine blutjunge, aus der Not geborene Mannschaft spielt engagiert und zur Freude von über 6.000 Fans auf und berennt ohne Pause das Homberger Tor. Dann dieser wunderschöne Seitfallzieher nach einer Flanke wie aus dem Lehrbuch: 1:0 für den RWE; Es folgte ein Jubel, der einer Eruption der Gefühle gleichkam. Hurra, wir leben noch, wir sind Rot Weiss Essen, wir sind unkaputtbar. Im Anschluß wird dieses Tor auch noch gewürdigt, es wird das Tor des Monats. Verdient für den Schützen, unbezahlbare Imagekampagne für den RWE.

Der weitere Saisonverlauf ist hinreichend bekannt. Und neben seiner guten (ja, auch manchmal etwas leichtsinnigen) Leistung auf dem Platz wird Alexander Thamm neben Capitano Timo Brauer zum wichtigsten Fixpunkt dieser jungen Mannschaft, kreiert sogar eine Kunstfigur, den Hattinger. Die Spieler, sie suchen und finden den Schulterschluß mit uns, den Fans und bekommen ihn. Es war ja nicht nur der sportliche Misserfolg, der schmerzte: Es waren die Söldner, die Abkassierer, ihre Berater, die Selbstdarsteller und die falschen Weichensteller, die weh taten. Und nun dieses Tor, dieser Jubel, diese Jungs. Es ging weiter bis zum Double und zum Stadionbau. Für den gemeinen RWE Fan, auch wenn sich alles nur in der Fünftklassigkeit abspielt: UNFASSBARE Glücksgefühle. Endlich einmal schien alles zu passen. Natürlich auch auf Leitungsebene. Zum Schluß der Saison jagte eine Party die nächste und keiner hatte sich bis dato damit beschäftigt, daß nach der Saison vor der Saison ist. Carpe Diem also, und nach uns die Personalentscheidungen. Wozu auch, Verein und Fans endlich wieder vereint. Des Vereines ursprünglicher Bedeutung wurde also erreicht. Vielleicht erst zum zweiten- oder dritten Male in der Vereinsgeschichte.

Der Fan außer Rand und Band, des Einparkens unfähig. Der Trainer aber, der hat wohl nicht richtig zugehört, eine Weiterverpflichtung von Alexander Thamm hatte doch schon in der 92. Minute des ersten Saisonspieles stattgefunden. Scheinbar. Denn der Trainer ist, abgesehen von der Tatsache, das Waldemar Wrobel ein verdammt guter Trainer und Typ ist, auch vom Fach und hat seine fachliche Sichtweise auf das Spiel. Tauscht sich dazu auch noch mit dem sportlichen Leiter aus, spult das Band immer wieder vor und zurück und bekommt vielleicht in vielen kleinen Sequenzen einen ganz anderen Alexander Thamm zu Gesicht, als wir Fans auf der Tribüne während der 90 Minuten. Die wir nicht anhalten können, um gerade ein Stellungsspiel zu sezieren. Wenn ich unseren Trainer, sowie den kompletten Stab richtig einschätze, wussten sie, wie schmerzlich gerade diese Entscheidung sein wird. Für die Fans, vor allem aber auch für den Spieler selbst.

Die Jungs dieser Saison, die wussten um ihre einmalige Situation, in der sie sich befanden. Es gibt viele Zweitligaspieler die noch kein Heimspiel vor über 12.000 Zuschauern bestritten haben. Fakt ist und wird wohl auch bleiben: Alexander Thamm wird den RWE verlassen müssen. Aber er hat etwas geschafft, worauf er stolz sein kann: Nämlich mit einem wunderbaren Tor den Dosenöffner für eine weitere Zukunft des RWE gegeben. Genau aus diesem Grund (zuzüglich Leistung und Charakter) schmerzt diese Trennung so sehr. Vierzig Jahre nach dem Bundesligaskandal gab es endlich wieder Momente einer heilen Welt rund um die Hafenstrasse. Jede positive Nachricht wurde mit allen Poren aufgesogen und genossen. Wir alle waren noch nicht wieder bereit, so schnell auf den Boden der sportlichen Tatsachen zurückgeholt zu werden. Und doch: Wenn der Trainer auch nicht zugehört hat, glaube ich, weiß er was er tut. Und er geht einen geraden Weg, das hat er gerade bewiesen. Alex, Danke und alles Gute!

Ein Kommentar

  • Kerl inne Kiste! Ein Astreiner Beitrach Herr Kollege!

    Et grüßt aus Altendorf Opa Luscheskowski sein Enkel!

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