Monatsarchive: Juli 2011

Das Omen

„Sag mal, Du hattest meine Pokalkarte gesehen?“…. „Jahaa, ist in der Küche im „Sammla“!“…. „Hm, ich finde hier nichts“…..“Dann vielleicht zufällig in der Ablage gelandet, oder schon im Auto?“….[beide leicht nervös werdend, denn in einigen Minuten wird das Altpapier abgeholt] :“Nein, weder noch, aber Du hattest sie doch ?..“….“Ja klar, hatte ich auch, das weiß ich ganz genau“ [Stimme wird leiser, Schritte entfernen sich, im Hintergrund an der Straße wird in der Altpapiertonne gewühlt…]….atemlose Spannung liegt über der Szenerie….[doch plötzlich erkenne ich etwas weißes in der Hand, hochgehalten mit glücklichem Gesichtsausdruck]…“ich hab sie!“

Glück gehabt“……oder ein gutes Omen 😉

"Roadmovie Zürcher Südkurve"….der Text

Es wäre schlicht gelogen zu behaupten, den Urlaubsort nicht automatisch auf ein Fußballspiel hin zu „überprüfen“. Für den Zeitraum des Aufenthaltes natürlich. Zürich bot da gleich zwei Möglichkeiten, ein Spiel der höchsten Schweizer Liga zu besuchen. Die Grashoppers gegen Lausanne Sports, oder den FC Zürich gegen den Aufsteiger Servette Genf. Der FCZ und seine weit über die Grenzen hinaus bekannte Zürcher Südkurve bekam den Zuschlag. Zudem ist auch der zur EM 2008 komplett umgebaute Letzigrund das traditionelle Heimstadion des Stadtclubs, während GC sich seit Abriss des eigenen Hardturm nur als Gast wähnt. Und bei einem Verein, dem der Ruf des Arbeiterclubs vorauseilt, bin ich sicher auch besser aufgehoben.

Urban geblieben, also das Umfeld rund um das Stadion. Es ist nicht so, das bei einem Besuch von 9200 Zuschauern die öffentlichen Verkehrsmittel zum Bersten gefüllt sind. Aber das Viertel vor dem Bereich der Südkurve füllte sich stetig. Vor vielen Kneipen, Bratwurst- oder sonstigen Ständen versammelten sich die aktiven Fans. Hafenstrassen- Ambiente machte sich breit. Die Identifikation mit dem FCZ drückt sich auch optisch aus, denn so ziemlich jeder Fan trägt die Farben des Vereines. Entweder die ansehnliche offizielle „Streetwear“ Produktpalette, oder die der eigenen Gruppe. Der Schick der Sonnenbrillen und die Leichtigkeit der Seidenschals zeugen zudem eher von der Nähe zu Italien als zur Kutte. Wobei auch ein niederländischer Einschlag zu inhalieren war. Das ziemlich offen und fast an jeder Ecke. Keine Spur jedoch von aggressiver Stimmung. Polizei oder private Sicherheitsdienste waren kaum zu sehen oder hielten sich bewusst zurück. Und Genf ist nicht Basel.

Im Stadion selbst herrscht optimale Sicht, trotz Tartanbahn. Sanft steigen die Ränge nach oben hin an, edel in den Materialien und Optik der Gesamteindruck, ohne zu mondän zu wirken. Fußball passt so gerade noch hinein, dafür sorgt auch das Wohnquartier drumherum. In etwa zu einem Drittel war der Letzigrund zu Spielbeginn gefüllt, was den Blick oft auf leere Blöcke schweifen lässt, steht man selbst in der gefüllten Heimkurve. Der Bochum- Effekt sozusagen. Um das Spielfeld herum verrichteten handverlesene 12 Pressefotografen ihren Job, auch sonst war der Innenraum im Vergleich zur Bundesliga leer. Sepp Blatter war dankenswerterweise auch nicht da. Angenehm auch das Prozedere vor Spielbeginn, eigentlich kaum vorhanden. Die Fans können sich einsingen und zu Spielbeginn gibt es reichlich Fahnen zu sehen. Aus Genf sind geschätzte 300 Fans vor Ort, kaum zu hören aber ständig in Bewegung.

Über das Spielgeschehen der ersten Halbzeit mache ich von meinem Recht, zu Schweigen Gebrauch! Auf einer eigenen Skala zwischen Champions League im TV und NRW Liga live im Stadion würde ich gefühlt bei Regionalliga stehenbleiben. Die Saison ist aber auch in der Schweiz noch sehr jung, da verzeiht man noch einiges. Die zweite Halbzeit bot dann wesentlich mehr: Fünf Tore, zwei für den FCZ und derer drei für Servette sorgten für den 2:3 Endstand. Einhergehend mit einer spielerischen Steigerung um einige Ligen auf besagter Skala. Übrigens: Die melodischen Gesänge waren leiser als erwartet, aber dafür durchgängig. Zu keinem Zeitpunkt war es komplett ruhig im Stadion. Abseits der Stimmungsblöcke wurde aber so gut wie nie unterstützend eingegriffen. Dafür nach Schlußpfiff bisweilen kräftig gebuht. Es ist also auch hier wie fast überall: Diejenigen, die anfeuern sehen wenigstens den Einsatz und applaudieren dafür. Aber diejenigen, die 90 Minuten schweigen, werden erst nach Spielschluß laut: Gegen die eigene Mannschaft. Fußball als Sinnbild für schwarz/weiß Denken!

Am kommenden Mittwoch spielt „Dä Stadtclub vo Züri“ übrigens in der Qualifikation zur Championsleague bei Standard Lüttich. Mit der Leistung von Samstag wird dort kaum zu bestehen sein. Ich drücke aber der mitfiebernden Verwandtschaft feste die Daumen. Daumen hoch auch bei den Preisen. Die sind nämlich so! Aber die Preisgestaltung der Liga liegt sicher auch dem grundsätzlich hohem Preisgefüge in der Schweiz zugrunde. Nach Spielschluß entlässt der Letzigrund die Besucher durch seine Bauweise recht schnell wieder auf die Straße und auch die öffentlichen Verkehrsmittel stehen schon parat. Ein schöner Abend, verbunden mit der Erkenntnis, das ein neues Stadion auf jeden Fall viele Vorteile bietet, vor allem wenn die Planer es schaffen, einiges an Erinnerungen mit hinüber zu nehmen.

Urlaub

„Redaktionsurlaub“. Aber danach geht es weiter: Mit neuen Ideen, einer Buchrezension, Ausblick auf das Pokalspiel des RWE gegen die Eisernen und Teilhabe an anderen Dingen. Und hoffentlich auch weiterhin ein wenig Interesse an „ISDT“ Eurerseits. Eines sagt mir aber mein Bauchgefühl schon mal vorab: Diese Saison mit Rot Weiss Essen wird definitiv eine weitere Aufregende! Nur der RWE…

Neuzugänge

Falls ich den Text rekonstruieren kann, erscheint er eines Tages über dem Bild. Wie unschwer zu erkennen, beschäftigte sich der Text mit den diesjährigen Neuzugängen des RWE. Wie dem auch sei: Text weg, Spieler da. Glück auf!

"Ich mache ihm ein Angebot,das er nicht ablehnen kann"

Mit dem gestrigen 5:0 Erfolg in Bottrop beim dortigen VfB wurde die neue Saison für den RWE auch auf dem grünen Rasen offiziell eingeläutet. Eine historische, da Schuldenfreiheit genießend. Kommt ja nicht so oft vor an der Hafenstrasse. Die Mannschaft wurde in zwei Teams aufgeteilt, welche jeweils 45 Minuten zu bestreiten hatten. Mir persönlich hat die zweite Halbzeit besser gefallen. Das aber nur am Rande, habe ich doch von Fußball eigentlich keine Ahnung.

Vor dem gestrigen Anpfiff gab es aber natürlich die Sommerpause. Da hatte es kurz den Anschein, als ob die Revolution ihre Kinder frisst: Die nicht stattfindende Vertragsverlängerung von Alexander Thamm gerade verdaut, sorgte die neue Preisgestaltung für erneute interaktive Unruhe. Turm in der Forumsschlacht der Fanvertreter, welcher mit Fakten aufkommender Polemik weitestgehend begegnen konnte. Anbei ein lesenswerter Artikel der jawattdenn`s zu dem Thema. Natürlich freue ich mich gerade als auswärtiger Fan nicht darüber, in Verbindung mit hohen Fahrtkosten an der Tageskasse 2€ mehr zahlen zu dürfen. Aber, ich weiß wofür, verstehe die Intention und das ist es mir wert. Zum Opfer fallen wird dafür dann halt die Halbzeitfrikadelle (Vorsatz!). Doch zurück zu den Preisen: Es mutet ein wenig an wie die Angebotspalette eines fiktiven Mobilfunkanbieters und macht doch Sinn: Viele Dauerkarten geben Planungssicherheit für Verein und Sponsoren, wohlwissend, daß die letzte Saison im alten GMS Gefühle über Geldbeutel stellt. Ich möchte auch vor Abriss meine Sitzschale mit Namen darauf nach Hause nehmen. Und den treuesten der Treuen auf der Osttribüne garantiert die Dauerkarte den gleichen Preis in der nächsten Saison übergangsweise auf einer Sitzplatztribüne. Wird doch der neue Heimblock erst nach Abriss des GMS hochgezogen. DAS wiederum finde ich überhaupt nicht gut. Natürlich spielen da aber auch wieder Verkehrs- und Sicherheitskonzepte eine Rolle. Eine Heimkurve im Westen wird es daher nie mehr geben.

Leider aber wohl auch keine Vereinskneipe im Bauch der Haupttribüne. Neben den üblichen finanziellen Zwängen spielt es auch sicher eine Rolle, das es ja in offizieller Sprachregelung ein Stadion Essen sein wird. Demzufolge kein Privileg für den RWE. Und der „Bauch“ der Tribüne hat auch nicht den Umfang zu bieten, den wir heuer vorfinden. Trotzdem: Diese verqualmte, schmucklose, mit Devotionalien und vielen Tränen behangene Lokalität wird fehlen. Und diese einmalige Mischung an Fans, die sich zu jedem Spiel dort einfindet um Currywurst und Frikadelle direkt aus der Kumme auf den Teller zu bekommen. Hier besteht sicher noch Handlungsbedarf.

Gehandelt wird dafür an anderer Stelle, und zwar in einer Geschwindigkeit, die älteren Vereinsmitgliedern Schwindelanfälle bescheren dürfte. Die neuen Kreativen des RWE, sie kommen den eigenen und staunenden Fans anderer Vereine gerade mit einer Idee nach der anderen. Das ganze in kurzen Zeitabständen, so daß ich mir wünsche es nicht zu übertreiben. Zu schnell könnte der alte Begriff „Mythos“ und sein kongenialer Nachfahre „schützenswertes Kulturgut“ sonst zum Treibgut werden und keine Emotionen mehr auslösen. Bis dato macht die Mannschaft um den „Doc“ (Der erste Vorsitzende nach Georg Melches, der sich auch auf dem Weg dahin befindet, ein schützenswertes Kulturgut RWE zu werden) eben so ziemlich alles richtig und stellt den Verein wieder auf gesunde, gar populäre Füße. Eine Party jagt die nächste, bringt Geld in die Kassen, den RWE in die Öffentlichkeit und dem Verein ein Gespür dafür, was die Fans möchten. Dazu ein Buch in Vorbereitung über das Georg Melches Stadion. Optionen, ein Stück Stadion mit nach Hause zu nehmen, einen eigenen Facebook Auftritt und so weiter.

Getoppt aber wurde das ganze nun durch die Neuverfilmung des Paten. Wenn Michael Welling seine schauspielerische Vita im Sinne des RWE weiter ausbauen möchte, dann steht uns demnächst sicher eine Neuverfilmung der „Blues Brothers“ bevor. Vielleicht vor dem Heimspiel gegen den Gelsenkirchener Vertreter: Der „Doc“ als Elwood Blues mit Gaststar Willi Lippens als Jake Blues in folgendem, berühmten Dialog: Elwood: „Schalke!“ – Jake: „Was?“ – Elwood: „Ne, Streife!“ – Jake: „Nein!“ – Elwood: „Doch!“ – Jake: „Scheiße!“