Von Guten und Bösen

Ligaauftakt in der Regionalliga West gegen die Mainzer Zweitvertretung. Genau acht Tage nach dieser magischen Pokalnacht. Kein Flutlichtspiel, nicht ausverkauft und dazu unangenehm schwül. Weiterhin galt es noch die Ausfälle der treibenden Mittelfeldspieler Timo Brauer und Suat Tokat zu kompensieren. Das gelang in der ersten Hälfte auch noch gut, versuchte der RWE recht schnell das Heft in die Hand zu nehmen, auch wenn der „Ordner“ doch auf dem Platz fehlte. Lohn der Mühen das frühe 1:0 durch Koep, durch die Ausfälle in die Anfangsformation gerutscht. Die Mainzer, recht karnevalistisch gekleidet, hielten aber gut dagegen, bisweilen verdammt hart und übermotiviert. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wurde das Spiel nur mit neun Feldspielern beendet.

Die weitere Torfolge nach der Pause: Der RWE erhöht durch Grund auf 2:0 und schon kurz darauf kommt der FSV durch Durm zum Anschluß- und einzigen Tor der Mainzer. Endergebnis also 2:1 für den RWE und drei Punkte für den Aufsteiger. Optimaler Saisonauftakt de facto mit den beiden Erfolgen in Pokal und Meisterschaft. Und doch gibt es ein paar Misstöne, die schnell geklärt werden sollten, sonst ist es spätestens nach der ersten Heimniederlage vorbei mit der neuen, schönen RWE Welt. Der Grund heißt hier nicht Kevin, sondern: Es gab Pfiffe gegen die eigene Mannschaft! Vereinzelte zwar nur, wohl von der Haupttribüne! Durch die an diesem Tag verhaltenere Anfeuerung aber gut hörbar.

Gut, das Spiel in der zweiten Halbzeit war auch nicht mehr besonders, aber das sollte der Mannschaft auch zugestanden werden! Eine Liga höher, nicht in Bestbesetzung und trotzdem in Führung liegend. Einen dümmeren Zeitpunkt für pfiffige Bemerkungen hätten sich die dazu veranlasst gefühlten Zuschauer nicht aussuchen können. Selbst auf der Pokalwolke konnte keiner mehr schweben in diesen Minuten nach dem Anschlußtreffer. Ich gebe es ja auch offen zu: Zu diesem Zeitpunkt hat mich das Spiel des RWE auch enttäuscht, aber das darf es auch und doch würde ich niemals auf die Idee kommen, zu pfeifen. Das nicht aus lauter Dankbarkeit darüber, daß es den Verein überhaupt noch gibt, sondern aus meinem Selbstverständnis heraus.

Ich habe es nie verstanden, warum der Fan als solcher bei einem 5:0 singt, als ob es kein Morgen gibt, diese gräßliche Paola kreisen lässt und sich selbst feiert. Bei einem knappen Rückstand dagegen, bekommt die Mannschaft keine Unterstützung mehr. Gerade dann muß man es doch krachen lassen. Soweit der Blick in meine Fanseele. Problematisch wird es nun aber, wenn sich auch die Spieler recht dünnhäutig zeigen und Vincent Wagner zum Beispiel via Facebook seinen Unmut über die Pfiffe äußert. Das ist natürlich sein gutes Recht, wird aber selbstredend von zig Fans kommentiert. Und da ist ganz klar der Tenor zu lesen: „Die „Haupt“ ist schuld, da sitzen nur Meckerköppe. Von daher sollte ein Spieler sich immer seiner Vorbildfunktion und Meinungsbildung bewusst sein und vorsichtig im öffentlichen Umgang mit den neuen Medien (Natürlich soll hier aber auch der Fairness halber nicht unterschlagen werden, daß sich Vincent Wagner ein paar Einträge später noch sehr lobend über den „Block D“ auf der Haupttribüne geäußert hat). Ich bin auch auf der Haupttribüne und möchte nicht per se in eine Meckerecke gedrängt werden. Schwarz – Weiß Denken bei Rot Weiss.

Wenn wir dem nicht frühzeitig entgegengewirken, haben wir bald wieder das klassische und altbekannte: „Alle gegen Alle“ an der Hafenstrasse. Die Tribünen untereinander fühlen sich falsch verstanden und die Spieler nach einem schlechten Spiel auch. Fakt aber: Mit diesem Typus Zuschauer werden wir auch in Zukunft leben müssen, dagegen gibt es keine Marketingstrategie. Vielleicht kann man ihnen immer wieder nur erklären, daß der Eintritt lediglich beinhaltet, für die Dauer des Spieles ein Stadion zu betreten. Nicht aber die Garantie auf eine Sternstunde des Fußballs inklusive grandiosen Erfolg der eigenen Mannschaft.

Die Fans des 1.FC Union haben da einen wunderbaren Konsens getroffen und als „eiserne Gesetze“ verbrieft, den ich mir überall wünschen würde: (Das die Fans trotzdem ihre Enttäuschung ausdrücken können und dürfen, haben einige ja beim Pokalspiel bewiesen, als sie einfach die Tribünen verlassen haben. Pfiffe gab es dagegen keine). Also, anbei die Gesetze und die nochmalige Erkenntnis für all die Frustrierten: Wir, also der RWE, haben mit 2: 1 gewonnen. Und was sagt uns das: Nur der RWE ! Und von daher möchte ich zum Abschluß den Trainer zitieren: „Immer locker durch die Unterhose atmen“

Pfeife nie die eigene Mannschaft aus!

Mache nie einen unserer Spieler zum Sündenbock!

Gehe nie vor dem Abpfiff aus dem Stadion!

Heiserkeit ist der Muskelkater des
Unioners!

3 Kommentare

  • Also um das klar zu stellen! Ich liebe Block D und die Haupt war gegen Berlin von der Stimmung her auch insgesamt Weltklasse.
    Logisch ist doch das die kommunikation in der 2ten Halbzeit vorallem mit Block D passiert da wir ja meist auf die Ost spielen. Da hilft es enorm, wenn wie gegen Mainz in der 80igsten nochmal richtig angestimmt wird und man so die letzten Minuten „problemlos“ übersteht.Der Tenor sollte sein: Gemeinsam und zwar nur Gemeinsam werden wir Erfolg haben!

  • Danke für den prompten Kommentar, und ich denke unterm Strich sind wir einer Meinung. Ihr macht das schon. Aber wie geschrieben: Die Nörgler wird es (leider) immer geben. Der große Rest folgt Euch auch bis „Hintertupfingen“. Viele Grüße!

  • Ich verstand die Pfiffe auch nicht. Auf der Nord war es so, dass dann was angestimmt wurde und die ganze Nord mitgezogen hat. Meiner Meinung nach das einzige Mittel, da es Pfeiffer immer geben wird.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s