Monatsarchive: September 2011

Klotz am Bein

Welch ein undankbarer Titel, sollte ich damit wirklich unser altes Georg Melches Stadion meinen. Aber genauso ist es in den letzten Jahren gewesen. Dieses historische Bauwerk, welches nun schon lange nicht mehr ganz dicht, und noch weniger im Fokus des höherklassigen Fußballs gewesen ist.
Dieses wunderbare Stadion an der Hafenstrasse, welches so viele dramatische, schöne und auch schlimme Momente erlebt hat. Diese kolossale Tribüne mit ihrem spannenden Innenleben, diesen ganz besonderen Stufen, dem direkten Zugang zu diversen verräucherten Räumlichkeiten und der Einzigartigkeit, Wohnraum aufzuweisen.
Soweit die Romantik des kleinen Mannes. Zurück also zum Klotz: Je öfter man nun um das Stadion schweift, in dem Wissen, die Abrissbirne steht bereit, umso mehr fällt einem die Baufälligkeit auf. Die aufkommende Verlustangst aber schlug den desaströsen „Ist – Zustand“ immer wieder in die Flucht. Vor Jahren wäre es auch mein Wunsch gewesen, die „Haupt“ zu sanieren und den Rest drumherum neu aufzubauen.
Seit gestern aber weiß ich: Das Georg Melches Stadion wird abgerissen und das ist gut so! Ich meine, ich weiß schon länger, daß die Resterampe abgerissen wird, aber nun ist es in Ordnung für mich.
Mit freundlicher Genehmigung des Bauherren durfte ich gestern auf die Baustelle und mir ein Bild, beziehungsweise viele Bilder, des neuen Stadions an der Hafenstrasse machen. Die Bauarbeiten schreiten gut voran, sogar die Dimensionen der Tribünen sind erkennbar, gar eine erste „Ecke“. Und dann fällt vor allem eines auf: Das neue Stadion steht viel höher als unser jetziges. Würde man also versuchen, eine Tribüne zu erhalten, so würde das neue Erdreich für Parkplätze diese allein schon bis zur Mitte verschlucken!
Schlicht und einfach: Das neue Stadion wird endlich gebaut, wir wollten es unbedingt und sollten nun loslassen. Was hat uns denn letztendlich dieser Mythos gebracht? Sportlich doch immer wieder nur Nachteile. Aber das Gefühl und die besonderen Spiele und Momente, das alles behält man doch im Herzen. Und dann gibt es doch noch die vielen, vielen Fotos, die ein jeder sicher hat.
Der RWE wird niemals eine neue, echte Chance bekommen, wenn wir immer nur an den alten Dingen hängen bleiben. Ich habe gestern Abschied genommen und freue mich nun auf das Neue. Bis dahin aber freue ich mich noch auf einige schöne Stunden im Georg Melches Stadion an der Hafenstrasse 97A. Und eines weiß ich auch seit gestern: Wir werden viele und wichtige emotionale Elemente dieses Stadions an diversen Plätzen und Ecken wiederfinden. Wir sollten darauf vertrauen!

Baustellenfotos, 20. September 2011:

Stadion Essen, Mitte September 2011

Und etwas Retroperspektive:

Stadion Essen, das GMS

Trudi

Die Trudi aus Köln, da in ihrem Viertel. Die Trudi, die mal der Arno war. Die Trudi, die ihre Mietwohnung im zweiten Stock als ihr Refugium bezeichnet (Welches dann auch so aussah). Diese mitfühlende Frau, die für jeden ein offenes Ohr hat und deren Alter Ego Arno sich zudem noch rührend um seine ehemalige Frau Gerda kümmert. Auch wenn sich die Kommunikation zwischen beiden zumeist auf einseitige Vorwürfe reduziert. Trudi kümmert sich halt nach eigener Aussage und steht immer irgendwo dazwischen.
Und doch ging auch Trudi einen Schritt zu weit: „Kümmern mit Todesfolge“, so könnte das Delikt bezeichnet werden, mit welchem Trudi zusammen mit der Exfrau ihre langjährige Vermieterin ihres Amtes quasi entbunden hat. Mit ziemlicher Sicherheit wird Trudi eine der wenigen Mittäter(innen) in der Tatort Historie sein, zu der man in den 90 Minuten eine ungeahnte Sympathie aufgebaut hat. Denn, natürlich war ja auch die Vermieterin eine gar fürchterliche Person. Intolerant und gar ihren eigenen Sohn verhöhnend. Soweit erst einmal zur Trudi.
Und damit direkt zu Edgar Selge, denn er verkörperte die Trudi. Das in einer Art und Weise, die den Zuseher mehr und mehr in seinen Bann zog. Sparsam in den Gesten, leise in der Aussprache, aber von beeindruckender körperlicher Präsenz. Damit meine ich nicht nur die Männerwaden in Stöckelschuhen, die sicheren Fußes unterwegs waren. Das Bild war Trudi und Trudi war das Bild. Edgar Selges Spiel brachte eine Figur stets in den Mittelpunkt, die sich selbst nie in diesen gedrängt hätte, um doch zu jeder Zeit die Handlung zu dominieren. Und so drängte Edgars Trudi die sonstigen Hauptprotagonisten auf angenehme Weise in den Hintergrund.
Wohltuend, bot sich der Figur Max Ballauf endlich Zeit, sich seinem vernachlässigtem Liebesleben zu widmen. Geradezu enttäuscht sackte der Ballauf Sympathisant in sich zusammen, als sich auf der anderen Seite der Rosen nicht die erhoffte Adressatin befand. Aber hier besteht ja noch Hoffnung. Und in diesem ganzen Geflecht der leisen Gefühle durfte natürlich auch Kollege Schenk nicht zu kurz kommen. Ungewohnt einfühlsam in der Milieustudie mit Trudi beim gemeinsamen Spaziergang, verstand Freddy zwischendurch immer nur den berühmten Bahnhof, die Liebe und Wiesbaden betreffend. Auch das große Auto konnte da nicht über die kleinen, gut gespielten, Unsicherheiten hinwegtäuschen. Der Freddy mag den Max halt und muß ihn seinerseits nicht mehr in jeder Folge machen.
Zu diesem wunderbaren Krimi trugen natürlich auch die anderen Protagonisten und Verdächtige bei. Stamm, Roeder und Sophie, stimmige Figuren mit eigener Problematik, die alle ein Motiv hatten, ohne jedoch pauschal den Täter zu geben. Ein leiser Krimi also, und doch spannend ob seiner Figuren. Edgar Selge darf zurecht stolz auf seine grandiose Leistung sein. Bleibt nur noch eine Frage: Wann endlich dürfen wir Frau Schenk kennenlernen?

Niemand hat die Absicht, eine Niederlage zu errichten.

Soweit die Schlagzeile zur ersten Saisonniederlage im zweiten Saisonspiel. Da aber einer solchen wenigstens ein erklärender Text folgen sollte, was bis dato nicht passiert ist, blieb es erst einmal über Wochen dabei.
Der Ball rollte trotzdem weiter und somit steht morgen schon der sechste Spieltag an. Der RWE betritt nach Köln Müngersdorf wieder eine der großen Bundesliga Bühnen. Borussia Mönchengladbach die Zweite heißt der Gegner und Borussia-Park der Spielort. Es soll auch noch genügend Karten für Kurzentschlossene geben.
Aber zurück zur ersten und bisher einzigen Niederlage: Ob es die Ehrfurcht vor dem Stadion, oder gar ein wenig Überheblichkeit nach den ersten Erfolgen war, man weiß es nicht. Die erste Halbzeit wurde jedenfalls völlig verschlafen und so fielen zwangsläufig die Kölner Tore zur 2:0 Halbzeitführung. Die zweiten 45 Minuten brachten Spielerwechsel und Feldüberlegenheit mit sich. Später den Anschluß durch Elfmeter und auch ein Punkt war durchaus im Bereich des Möglichen. Die Mannschaft wurde trotzdem mit Applaus verabschiedet. Ich war sogar recht zufrieden ob dieser frühen Niederlage. Verhalf sie doch wieder zu etwas mehr Bodenhaftung und dem ein- oder anderen Spieler zu einer fälligen Pause.
Heimspiel, zu Gast der SV Elversberg. Auch hier zwei völlig gegensätzliche Halbzeiten. Weder war es die zweite Halbzeit, in welcher die rot weissen den Gegner in den Griff bekamen, und einmal mehr Laufbereitschaft in Verbindung mit Kombinationssicherheit die Grundsteine für den Erfolg legten. Endergebnis: 2:0 für den RWE.
Auswärtsspiel: Fast ein historisches, ging es doch das erste Mal nach der Insolvenz in ein anderes Bundesland. Das Spiel endete 0:0 und glich in Anbetracht der Regenmassen eher einem Glücks- denn einem Fußballspiel. Warum die RWE Fans nicht auf die große überdachte Hintertortribüne gelassen wurden, wird auf ewig ein Geheimnis der TuS Verantwortlichen bleiben.
Heimspiel: Zu Gast der SC Verl. Wie der SV Elversberg kein Verein mit großer sportlicher Vita und vielen Fans im Gepäck, aber keine Zweitvertretung. Und daher wohnten an einem Mittwochabend 7708 Essener und 4 Verler Zuschauer einer, dem Vernehmen nach, hochklassigen Begegnung bei. Diese konnte der RWE mit 3:1 für sich entscheiden. Und wieder einmal brachten die zweiten 45 Minuten die Entscheidung. Es ist, über die ersten sechs Pflichtspiele der Saison betrachtet, der rot-weisse Faden, der sich durch das RWE Spiel zieht! In einer Phase, in welcher gemeinhin Konzentration und Kraft nachlassen, kann der RWE noch einmal zulegen, drückt den Gegner in die eigene Hälfte und zwingt diesen dadurch zu Fehlern. Hinzu kommen Einwechselungen durch Waldemar Wrobel, die den Spielverlauf positiv beeinflusst und sich so nahtlos in das Spiel eingefügt oder belebt haben.
Fazit also nach fünf Spieltagen: 10 Punkte, die als Aufsteiger einen stolzen dritten Platz bedeuten. 7077 Zuschauer im Schnitt sprechen für sich selbst, die Erwähnung der Platzierung ist, ohne arrogant klingen zu wollen, überflüssig. Waldemar Wrobel und Team haben die Mannschaft im Griff, die Neuzugänge scheinen integriert und auch die Berliner Hertha scheint erst einmal aus den Köpfen verschwunden. Der Stadionbau läuft und auch das Kulturgut wurde etwas heruntergefahren, alles mal wieder zu schön um wahr zu sein.
Morgen nun also Spiel sechs und die Bundesliga legt eine Länderspielpause ein. Kann bedeuten: Borussia Mönchengladbach nutzt das Spiel gegen den namenhaften Gegner RWE und verschafft Spielern aus dem Bundesligakader Spielpraxis. Was natürlich einer Wettbewerbsverzerrung gleichkommen würde, aber vom DFB ja so gewollt ist. Wie geschrieben: Es kann dazu kommen, muß aber nicht. Prophylaktisches Aufregen hilft aber ungemein.
Und zum Schluß noch etwas in eigener Sache: Die langjährigen Probleme unter anderem im Halswirbelbereich münden zur Zeit in einem Reha- Programm, welches gnadenlos Schwächen aufdeckt, über den Schmerz hinausgeht und darauf aus ist, den Körper an den Schwachstellen gezielt zu stärken. Das Tippen von längeren Texten bereitet mir aber weiterhin große Probleme und so natürlich auch keinen Spaß. Ich möchte als Folge dessen „Im Schatten der Tribüne“ nicht für immer schließen, dafür hänge ich zu sehr daran. Aber, es kann immer mal wieder zu längeren Pausen kommen. Und wenn nach einer solchen trotzdem noch mitgelesen wird, mich würde es freuen. Glück auf!