Horizontales Dunkel am Silberstreif

Ich war ja in Bielefeld. Zwei Klienten an der Hand, die Kamera auf dem Bauch ruhend, einen Schal in den auswärtigen Farben um den Hals. Und wie ich da so stehe, Kaffee trinkend ein Foto schieße, wundere ich mich über manch grimmigen Blick. 
Diese Blickdichte führe ich einmal auf die Kamera zurück. Da ich, welch Glückes Geschick, mir aber manchmal auch anschaue, was ich da überhaupt fotografiere, betrachte ich nun das Objekt: Ein Schild, welches den heimischen Fanbereich auswies und auswärtige Farben und Gesänge verbot. Gesungen haben wir nicht. Da es aber nur ein Freundschaftsspiel war, ging alles gut aus, wir haben überlebt. 
Das es nach dem Spiel wieder eine negative Presse für den RWE und seine Fans gab, ist bedauerlich. Unverständlich allemal. Was aber laut Polizeibericht im Anschluss dann auf Seiten eben der Polizei für ein Aufwand betrieben wurde, verursacht auch Kopfschütteln. Unser Dank jedenfalls gilt den Behindertenbeauftragten der Arminia. 
Erstaunlich also, wie nah in und um ein Fußballstadion herum positive wie negative Erlebnisse beieinander liegen. Zumal in der aufgeheizten Stimmung dieser Tage schon kleinere Vorkommnisse von allen aufgebauscht werden, so daß zum Schluß kaum noch einer wirklich weiß, was genau passiert ist und warum. 
Nun steht der DFL seit kurzem mit Andreas Rettig ein Mann vor, dem der ernsthafte Dialog mit den Fans zuzutrauen ist. Natürlich ist auch Andreas Rettig kein Messias für Fans und Funktionäre, mit Bengalo in der einen und Stadionverbotsrichtlinien in der anderen Hand. 
Aber, ihm kann wohl glaubhaft ein ernsthaftes Interesse darin attestiert werden, die Rückkehr zur Normalität anzustreben. Wobei Normalität auch immer sein wird, daß es ab und an zu Problemen kommt. Wie auf jedem Dorfschützenfest halt. Oder dem Oktoberfest. Nur werden dort noch keine Truppen eingeflogen. Echt langweilig! 
Zurück zum Fußball, zurück zum Thema. Könnte man meinen, ist aber nicht so: Das Testspiel gegen den 1.FC Köln wurde abgesagt. Unbespielbarkeit des Platzes zum einen und nicht geräumte Zufahrtswege zum anderen. Eine Absage nicht nur zum Ärgernis des 1.FC Köln oder denjenigen, welche sich schon im Vorfeld eine Karte gesichert hatten. Zumal wir doch in der neuen Bude über eine Fußbodenheizung verfügen. Aber leider teuer! Ärgerlich vor allem einmal mehr für den RWE, der somit nun zum dritten Mal in relativ kurzer Zeit mit sogenannter „schlechter Presse“ aufwarten kann. Das waren wir fast nicht mehr gewohnt. 
Ein wenig ist es wie mit den Fans und dem DFB: Einer sorgt für die volle Bude (RWE) und einer stellt die Bedingungen (GVE). Ist das nun zu einfach dargestellt oder entspricht nicht der Wahrheit? Nun, dann ist auch hier der Dialog gefordert. Vor allem aber wirklich die Einsicht auf Seiten der GVE, dass es den wirtschaftlichen „Harakiri RWE“ der Vergangenheit nicht mehr geben wird. 
Dieses Stadion Essen funktioniert nur in einer gesunden Wechselwirkung zwischen allen Beteiligten, inklusive der SG Schönebeck. Aber liebe Leute, was spricht dagegen, einfach zuzugeben, dass es das neue Zuhause des RWE ist ? Was spricht gegen unsere Memorabilien an den Wänden ? Jeder Mieter darf doch seine Wohnung nach seinem Gusto gestalten. So ist unser schönes neues Stadion noch Kleinkackenfenne. Es kann und sollte im Interesse aller Beteiligten sein, dass das Thema Stadion nun bald keines mehr sein wird und sich alle auf das konzentrieren können, was zählt. 

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