Monatsarchive: Mai 2013

Mikroorganismen (Pornobalken reloaded)

Abpfiff. Das Spiel des Lebens gerade gewonnen oder verloren. Von Emotionen gezeichnet. Sieger oder Verlierer! Aber, wir haben doch keine Zeit. Hektisch stürmen mobile Kameras mitsamt Träger das Spielfeld; Begleitet von Mikrofonen, deren Träger nur einen Auftrag haben: Erste Stimmen einzufangen.

Im Hintergrund sieht der Zuschauer am Empfangsgerät wichtige Menschen, mindestens mit Headset, meistens mit fliegendem Jackett durch das Bild huschen. Mitunter einen der Sieger oder Verlierer (nachfolgend Sportler genannt) sanft in Richtung Kamera und Mikrofon drängend. Blitzschnell tauchen aus dem Nichts ganze Raumteiler mit Sponsorenlogos auf. Hintergrund für Vordergründiges. Bei den ganz großen Finalspielen werden gar ganze Triumphbögen für das Siegerfoto erschaffen.

Und dann ist er da, der unausweichliche Moment für den ausgepumpten Sportler: Die erste Frage! Erinnert zumeist an qualitativ hochwertige Reflektionen in Folge einer pädagogischen Übung: „Wie fühlen Sie sich ?“ oder: „Was geht (Alternativ: ging) in Ihnen vor ?“. „Möchten Sie noch jemanden grüßen ?“, oder: „Wann geben Sie Ihren Wechsel bekannt ?“ Die Frage nach dem „Was haben Sie sich dabei gedacht ?“ geht dabei schon etwas mehr ins Detail. Wird dem Sportler doch vorab das Prädikat verliehen, zu denken.

Aber was denkt denn nun ein Sportler, wenn er in Bruchteilen einer Sekunde zum Eigentorschützen oder Schützen des goldenen Tores wurde ? Und, möchte ich das sofort wissen ? Möchte ich überhaupt direkt nach Abpfiff als Fan mit dieser Methodik konfrontiert werden ? Oder möchte ich mich auch als Fan zunächst einmal sammeln, sowie sich auch Sportler und Fans im Stadion sammeln sollten. Stumm oder laut vor Freude, mit Tränen in den Augen oder schluchzend vor Trauer.

Ich möchte das nicht! Möchte ein paar Minuten nur eine Kamera, die mir die Emotionen von Sportlern, Verantwortlichen und Fans wiedergibt. Ohne diese und mich zu nötigen. Wenn es geht, ohne Kommentar für den Moment. Bei allem Verständnis für die Synergieeffekte zwischen Sport, Medien und Wirtschaft: Weniger ist manchmal mehr. Zum Glück haben scheinbar die Verantwortlichen der Vereine aus dem DFB Fauxpas von 2008 gelernt und kommen nicht sofort mit „Danke für Eure Unterstützung“ Planen auf das Feld gerannt. Sieger T -Shirts und Bierduschen sind schon schlimm genug.

Aber wenn zudem noch bei der Ankunft am Flughafen fast exakt die selben Fragen wie Stunden zuvor warten, da gefriert auch schon einmal die mediale Eloquenz eines Jürgen Klopp zwischen den Bartstoppeln ein. Das Finale verloren und eine Frage doppelt gestellt bekommen: Matthias Sammer hätte den Reporter wohl aufgegessen. Manchmal möchte man doch einfach nur nach Hause.

Definitiv die Frage „Was haben Sie sich dabei gedacht“, gehört den Organisatoren des Schlachtengebildes vor dem Finale am Samstag gestellt. Wie viele Fans jeglicher Kategorie wurden nicht mit Stadionverbot belegt, als sie ähnliche Szenarien auf das Spielfeld gebracht haben. Vielleicht etwas zu unorganisiert und gegen die Anweisung der Regie, was dann den Tadel und die vergebliche Akzeptanz für das Schauspiel zur Folge hatte. Zwei Deutsche Armeen in London in die Schlacht ziehen zu lassen, ist grundsätzlich eine mutige Entscheidung.

Gehen wir aber davon aus, dass diese Idee grundsätzlich schon weit im Vorfeld für das Endspiel geplant war. Es hätten also auch Schotten gegen Engländer in die Schlacht ziehen können, Spanier gegen Katalanen, Heineken gegen Budweiser. Wie dem auch sei: Paul Breitner konnte seine ganze schauspielerische Erfahrung dank „Potato Fritz“ in die Waagschale werfen, während bei Lars Ricken Talent alleine ausreichte.

Das Finale aber, das ließ das Vorspiel schnell vergessen. Welch ein Fußball, was für ein Spiel. Es hätte einige Minuten des Innehaltens für alle bedurft, statt der sofortigen ersten Frage. Ohne Frage.

Ansaugatmung

Kommenden Samstag, 25. Mai 2013,  ist es endlich soweit! Millionen Fußballfans freuen sich auf die beiden Höhepunkte des diesjährigen europäischen Fußballkalenders: Zunächst trifft Rot Weiss Essen auf die Sportfreunde Siegen und im Anschluss dann der FC Bayern München auf Borussia Dortmund. Es ist mit Einschaltquoten zu rechnen, die alles bisher Erlebte in den Schatten stellen dürften. Ja, auch Nick Tschiller oder Florian Silbereisen.

Wer an diesem Tage das ZDF einschaltet, darf sich umfassend informiert fühlen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dann wieder der Ansaugatmung von Oliver Kahn. Dieses leicht zischende Geräusch als Vorbereitung auf einen längeren Exkurs, welcher zumeist in der eigenen Erfahrung als Profi mündet. So etwas musst Du eben aushalten, wenn Du auf diesem hohen Niveau Fußball guckst. Das ist der Druck für den die Eier erfunden wurden. Aber, eines wird in diesen Tagen schlichtweg vergessen: Diejenigen unter uns, die mit dem Fußball nichts am Hut haben!

Wir Fans können uns ja noch bis Samstag durch die Woche schleppen: Donnerstag promoviert der 1. FC Kaiserslautern, Freitag relegieren der VfL Osnabrück und Dynamo Dresden, Samstag Nachmittag geht es noch schnell an die Hafenstraße. Das Leben ist rund. Was aber bietet nun der Samstag ab ca. 20.00 Uhr für ein Leben ohne Finale ? Wir haben uns einmal in der Fernsehlandschaft sowie der näheren kulturellen Umgebung umgesehen und einige Tipps herausgesucht:

Fernsehen:

N24 verzichtet an diesem Abend auf die sonst üblichen Panzerdokumentationen und strahlt ab 20.15 Uhr eine Naturdokumentation aus: „Unser blauer Planet – An der Küste“ Wir unterstellen dem Sender einmal, damit bei den Schalker Fans punkten zu wollen.

VIVA steigt um 20.30 Uhr mit einer Show namens „World`s Sexiest Bodies“ in den Quotenring. Das zu dieser Sendung keine weiteren Informationen vorliegen dürfte nicht verwundern, selbst Oliver Pocher und Matze Knoop haben für diesen Abend abgesagt. Lothar Matthäus fühlte sich nicht in Form.

Bibel TV hat an diesem Abend extra seinen gewohnten Weg der Predigt verlassen und setzt sich auf einen Blockbuster: Mit der Erstverfilmung des Bühnenstückes von Carl Zuckmayer „Der Hauptmann von Köpenick“ hofft man, die Fans des 1.FC Union vom ZDF fernhalten zu können.

Das Erste: Die ARD fährt ganz brutale Geschütze auf, um den Hausfrieden vor den Empfangsgeräten zu stören: Die Schmonzette „Stürme in Afrika“ dürfte die Fußballfremden zu Tränen rühren.

KIKA: Das Kind in uns kann den Abend ohne Fußball mit einer Comedyserie gestalten und wird doch nur veräppelt: „Bernd das Brot mit den besten Witzen aller Zeiten“. Bernd das Brot hat noch nie Witze gemacht und ist alles, aber keine Comedy. Womit wir wieder bei Oliver Pocher wären.

Kultur:

GOP Varietè Theater Essen: „La fète – ein französisches Varietè Spektakel. Das hier versucht wird, auch ahnungslose Fußballfans anzulocken, auf Glanzstücke eines Franck Ribèry hoffend, dürfte auf der Hand liegen.

Aalto Theater: Hier werden Fußballfremde Kulturfreunde mit dem Stück „Tristan und Isolde“ beglückt. Ein Zitat dieses Dramas dürfte aber so oder ähnlich durchaus im Hause Lahm vor dem Abflug gefallen sein: „Wenn Du heimkommst, ohne Deiner Mutter etwas mitzubringen, wird die Hölle los sein“

Alter Bahnhof Essen – Kettwig: „Seitensprung für Zwei“. Etwas plumpe Anregung, den Fußball guckenden Partner sich selbst und seinem Schicksal zu überlassen, um zur Tat zu schreiten.

Ruller Haus, Wallenhorst: Ab 20.00 Uhr findet eine Lesung statt. „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Hier ist sicher nicht von Franz Beckenbauer die Rede, welcher keine Lust mehr auf das nächtliche Bankett hat. Genauere Informationen können wir zu dieser Veranstaltung nicht bieten.

1. Burgtor Bad Bentheim: Dieser Nachtwächterrundgang dürfte ausnehmend interessant werden, sind doch viele feiernde oder trauernde Spezies in Fußballkostümen nächtlich im Anschluss an das Finale unterwegs. Nicht zu empfehlen, will man sich dem Fußball komplett entziehen.

ZAK: Der Abend hier steht unter dem Motto „Models & Bottles“. Und irritiert zudem: Sind jetzt Models Flaschen ? Ist das Motto des Abends eine Hommage an George Best, hat sich Ansgar Brinkmann angekündigt ? Wir wissen es nicht.

Es gibt sie also durchaus, die Alternativen für einen fußballfreien Abend. Wer sich aber dem Partner zuliebe doch für das Endspiel, die Ansaugatmung und menschliche Dramen entscheidet: Sie oder ihn an diesem Abend einfach so nehmen, wie es das Spiel entscheidet.

Gegebenenfalls stumm in den Arm nehmen oder laut kreischend um den Hals fallen. Gucken, ob das Bier sich dem Ende neigt und gegebenenfalls ein Neues öffnen. Nicht fragen, was Abseits bedeutet oder warum gestandene Männer in neonfarbenen Fußballschuhen über den Platz laufen. Fußball ist schließlich Kultur.

Der Doktor und das liebe Fan

Das letzte Auswärtsspiel der Saison. Zudem noch beim designierten Meister und Relegationsplatzbenutzer. In Lotte bei den dortigen Sportfreunden also. Die lieben Sportfreunde. Zwischendurch schon insolvent geschrieben, treten eben jene Sportfreunde nun gegen Red Bull Leipzig an, um einen Aufsteiger in die Dritte Bundesliga zu ermitteln. Eine Relegation, geschmacklich irgendwo zwischen River und Freeway Limonade. Aber, sportlich erreicht. Und daher: Herzlichen Glückwunsch.

Wer denn nun auch durch den DFB Trichter in Richtung Dritte Liga schlüpfen mag, bei beiden Protagonisten bleibt für den Fan eines Vereines vom Schlage Rot Weiss Essen nur Stirnrunzeln oder hysterisches Lachen. Hier die Sportfreunde Lotte mit einem als Stadion getarnter Werbebande und ungefähr 800 Zuschauern im Schnitt. Dort die allseits bekannte Brause. In der Beliebtheitsskala Seite an Seite mit der TSG Hoffenheim. Vielleicht sind wir aber auch nur neidisch. Neidisch auf eine Mannschaft, die sportlich schlicht und ergreifend eine gute Saison hingelegt hat, während unsere Rot Weissen recht divenhaft agierten. Immer wenn es für den lustvollen Sprung an die Tabellenspitze gereicht hätte, kam die unverhoffte Migräne. Scheissendreck.

Vielleicht gar neidisch darauf, nicht im Fokus der Red Bull Standortsuche gelandet zu sein. Oder darauf, keinen Selfmademan im eigenen Verein zu wissen. Zudem pfeift der RWE in diesen Tagen personell aus dem letzten Loch, stellt doch der Orthopäde die Mannschaft auf. Man sollte also meinen, wir treten brav zur Seite und bilden das Spalier für eine rauschende Meisterfeier der Sportfreunde Lotte. Das dann aber trotzdem irgendwo zwischen 800 und 1000 Fans aus Essen anreisen, darauf wurde in Lotte nicht gewettet.

Dem Vernehmen nach waren sie gut drauf, richtig gut! Mottofahrten, Pornobrille und das gute alte Trikot. Eine gesungene dritte Halbzeit. Alles was noch laufen konnte, auf Krücken angehumpelt kam, auf der einen, und alles was in „Vokuhila“, Trikots und großer Klappe daherkam auf der anderen Seite des Zaunes. „Wir sind der Verein, wir sind RWE….“ Spielern wie Fans wurde sicherlich in diesen Momenten bewusst, dass letztendlich der Verein die Basis für all dessen ist, was während einer Saison geschieht. Aber die Achterbahnfahrten der letzten Monate interessierte die Fans in diesen Minuten herzlich wenig. Hier wurde der Verein besungen, welcher schlussendlich mehr bedeutet als das sportliche Abschneiden. Wahnsinn.

Der Doktor und das liebe Fan

Nur der RWE ©By Radio Hafenstrasse

Leo

Der Torwart des VfL WE Nordhorn machte seine Mitspieler durch den altbekannten Befehl lautstark darauf aufmerksam, dass er diesen Schuss aus den Reihen des Lokalrivalen SV Vorwärts zu fangen gedenkt. Es gelang ihm auch recht passabel, kurz vor Ende dieser Begegnung der Bezirksliga Weser Ems. Handgezählte 175 Zuschauern aus Stadtflur und der Blumensiedlung wohnten dem Stadtduell bei. Traten auch miteinander in den Dialog, um recht schnell beim SV Eintracht und der Erkenntnis: „Kommste wenigstens mal von der Frau wech“, zu landen. Unser Tipp an dieser Stelle: Einfach mal die Frau mitnehmen!

Um das anschließende Finale der Europa League kümmerte sich jedoch kaum einer. Das Fazit am Würstchenstand: Wer will das sehen ? Der Fokus ist allerorten in diesen Tagen nur auf ein Ereignis ausgerichtet, und das ist nicht der Eurovision Song Contest. Das Finale zwischen dem FC Chelsea und Benfica Lissabon war trotzdem eines von hohem Unterhaltungswert inklusive geradezu brutalem Ausgang. Die Angst der Portugiesen vor dem erfolgreichen Abschluss wurde bestraft durch eine Effizienz, welche auch schon der FC Bayern zu spüren bekam. Der Fußball ist manchmal schon ein rechtes A……..! Die Konfettikanonen rückten dann aber die Bedeutung dieses Pokalwettbewerbes wieder gerade, wurde doch mit dem Ausstoß an Konfetti ziemlich gespart. Und auch ein Schuster sollte vielleicht doch lieber bei seinen Leisten bleiben.

Ein weiterer Programmpunkt auf dem Weg nach Wembley konnte also abgehakt werden. Nun steht noch der allerletzte Bundesligaspieltag an, werden aber spätestens Samstag ab 17.15 Uhr  Tage und Stunden gezählt. Wembley, alleine dieser Name verleiht dem Finale einen zusätzlichen Glanz. Wembley und die Deutschen, auch immer ein ganz besonders spannendes Thema. Was nun etwas störend wirkt sind diejenigen Schlagzeilen, welche von einem Deutsch – Deutschen Finale sprechen. Es gibt keine zwei Deutschen Staaten mehr. Und auch der Fußball unseres Landes wird dadurch nicht direkt in Form der Nationalmannschaft wieder von Erfolg zu Erfolg eilen.

Ganz daneben der Versuch, beide Fanlager zu einer gemeinsamen Choreografie zu überzeugen. Möglicherweise sitzen zudem Besucher im Stadion, welche Choreografie ausschließlich mit Ballett in Verbindung bringen. Man weiss es nicht. Was wir aber wissen ist eine geeignete Unterkunft für die Nacht der Nächte und dürfen hier gerne auf das Hotelangebot von HRS verweisen. Der Fußball in Form der beiden Endspielteilnehmer kommt aber natürlich nicht nach Hause, sondern das Zuhause des Fußballs lädt ein, ein Endspiel bei sich auszutragen. Ein Endspiel, welches zwei verdiente Teilnehmer sieht und nun den neutralen Fan vor große Probleme stellen wird: Wem drückt man denn nun die Daumen ?

Künstlerkolonie

Seit fast sieben Jahren wohnt ISDT nun in dieser Wohnung. Recht günstig, die Nebenkosten halten sich im Rahmen. Dafür sind die Räumlichkeiten aber möbliert, recht karg und renovierungsbedürftig. Die Bilder hängen schief, die Seitenleiste fällt andauernd von der Wand und die Werbeplakate lassen sich nicht mehr verlinken.
Einige Nachbarn sind weggezogen und auch die Verkehrsanbindung ist  nicht mehr zeitgemäß. Nun bietet sich die Möglichkeit einer eigenen Wohnung in der Künstlerkolonie WordPress. Ich gucke mir das aber erst ganz genau an. Probier mal aus, wie eine Wohnung dort zu gestalten ist. Eventuell benötige ich auch noch Hilfe beim Umzug, denn in so langer Zeit sammelt sich einiges an und ich möchte doch alles mitnehmen. Die neue Adresse kenne ich aber schon, sie lautet: imschattendertribuene.com . Ich fahre da gleich noch mal hin. Ausmessen und so. Ach, und sollte bei den Planungen und möglichem Umzug etwas schief laufen: Dann sind wir einfach weg. Was auch kein Beinbruch wäre.

Constanze

Täuscht der Eindruck oder waren die Mannschaften „früher“stabiler in ihren Leistungen ? Entweder stabil gut, oder stabil schlecht ? Stabiles Mittelmaß, noch stabilere graue Maus. SG Skandalnudel, Vfl Unabsteigbar und was weiss ich nicht noch alles.
Der RWE war in der Regel eher stabil schlecht, daher auch die Ligazugehörigkeit. Stabil allein der Namenszusatz „Traditionsverein“. Instabil leider oft in seinen Beziehungen: Zur Stadt, zu Spielern, dem DFB, bisweilen zu den eigenen Ansprüchen. In der Regel war eine Saison trotzdem ein ruhiger langer Fluss: Es ging mal rauf, aber meistens konsequent runter.
Betrachtet man aber nun speziell die letzten 15 Partien der aktuellen Saison, so bleibt letztendlich ein großes Fragezeichen zurück. Die Mannschaft hat uns mitgenommen auf eine Achterbahnfahrt, welche nicht wirklich TÜV geprüft war. Mal kurz auf Wolke Sieben, dann im Tal der Tränen. Fremdschämen und Freudentränen. Pflichtsiege und Pokalpleite. Das totale Gefühlschaos der Mannschaft und dem Verein gegenüber.
Dazu noch der Abriss der alten Bude. Die einen sagen so, die anderen so: Das Verhältnis derer, die eine konsequente sportliche Weiterentwicklung unter Einhaltung wirtschaftlicher Gegebenheiten wollen, hält sich in etwa die Waage mit denen, die eine sofortige Aufnahme in die Zweite Bundesliga fordern, dafür bereit sind, richtig Geld in die Hand zu nehmen (lassen!). Trainer, Vereinsführung und das kickende Personal werden hochgelobt um direkt im Anschluss in Frage gestellt zu werden.
Die Foren quergelesen ergeben bisweilen den Eindruck einer drohenden Vereinsspaltung: Aus Rot Weiss Essen wird Schwarz Essen und Weiss Essen. Führen wir uns aber den sportlichen Istzustand recht emotionslos vor Augen, befinden wir uns schlicht in der Grauzone der Ligenpyramide. Das wir trotzdem nicht im Niemandsland der Aufmerksamkeit gelandet sind, liegt an dem oben genannten stabilen Namenszusatz!
Versuchen wir nun das Unmögliche, nämlich die Achterbahnfahrt dieser letzten fünfzehn Spiele zu verstehen.:
RWE – SV Verl  0:1
Wasserschlacht, kein Fußballspiel. Hätte nicht stattfinden dürfen. Kann aber passieren. Kein Vorwurf.

RWE – SG Bergisch Gladbach 09  4:1
RWE – Bayer Leverkusen II  4:0
1. FC Köln II – RWE  1:4

Der erste kleine gemeinsame Nenner namens „Tiki – Taka Fußball“! Aufstiegsträume, Kerim Avci im Fokus.

RWE – Fortuna Köln  0:1

Spitzenspiel. Direkt mit Anpfiff den Schneid verloren. Nie in das Spiel gefunden. Etwas Pech im Abschluss. Direkter Konkurrent mit eindeutigerer Körpersprache.

FC Kray – RWE  0:0
Fortuna Düsseldorf II – RWE  1:1

Spielerischer Offenbarungseid  gegen große Stadtteilkämpfer. Unruhe im Auditorium. Komplettblamage gerade noch verhindert. Im Anschluss wieder stets bemüht. Aber ohne den Glanz zuvor.

RWE – FC SChalke II  1:0

Kein Derby. Keine Erstvertretung. Trotzdem aber eine Mannschaft eben dieses Vereins. Eine Niederlage hier, und die Spieler könnten gleich einpacken.

VfB Hüls – RWE  5:0

Komplettblamage!

SC Wiedenbrück – RWE  1:4
RWE – Viktoria Köln  4:0

Wiedergutmachung. Kampfspiel. Geld gewinnt doch keine Spiele. Wieder jeweils Vier eigene Tore, leichte Hoffnung keimt wieder auf.

SV HöNi – RWE  2:1

Pokalblamage. Europapokaleinzug vergeigt. TV Spiel ausgelassen. 100.000 € Minimum weniger Budget. Keine Eisernen.

MSV Duisburg II – RWE 2:0

Luft raus. Fans feiern sich selbst!

RWE – VfL Borussia Mönchengladbach II  1:6

Komplettblamage reloaded. Nur noch kompletter. Familientag, 10.500 Fans. Wie das den Kindern und Nachwuchsfans erklären. Die „Alten“ fühlen sich verarscht. Volksseele kocht. Forum platzt!!

VfL Bochum II – RWE  1:1

Sie waren bemüht. Bemühungen erbrachten Ausgleich in der Nachspielzeit. Anfeuerung über 90 Minuten. Trotz  Komplettblamage zuvor. Heimlicher Sieger des Abends: Die Bratwurst bekam lobende Worte im Forum. Zeigt die Prioritäten dieser Tage.


Liest sich nicht wirklich stabil. Dabei ist das Spiel des RWE durchaus intelligent ausgerichtet. Der Platz wird konsequent in seiner Gänze genutzt, die Ballsicherheit der RWE Spieler sorgt für Passgenauigkeit und  manch genialen Abschluss. Meines Erachtens weiss der Trainer was er da tut. Hat sich zudem ein Spieler wie Cebio Soukou konsequent gesteigert. 

Andere Spieler stagnierten eher und tauchten bisweilen gar unter. So bleiben in der Summe diese Saison nur wenige Feldspieler im Gedächtnis zurück. Eher schon die Torwart Trilogie. Verletzungspech, auch das durchaus ein Thema. Vielleicht auch schon Vertragsgespräche. Der Fußball dieser Tage bereitet überhaupt das unbehagliche Gefühl, als ob nur noch Berater wichtig sind, Spiel und Psyche somit nachhaltig beeinflussen.
Aus der Viertklassigkeit will eben jeder noch den Sprung höher schaffen. Sei es sportlich oder monetär. Vereinstreue oder volle Tribünen sind doch Wurstegal, stimmt das Angebot. Diese Zeiten sind vorbei. Zahlt ein Verein mit 37 Zuschauern im Schnitt besser als unser RWE, ist der Spieler weg! Würden wir es anders machen, umgemünzt auf unsere jeweiligen Arbeitgeber ?
Aber zurück zum Spiel: Läuft es von Anfang an bei RWE, dann lief es wirklich gut. Die Spieler liefen, der Ball auch und die Gegner hinterher. Es bedurfte keines großen kämpferischen Einsatzes. Kamen aber körperlich robuste, bisweilen überhart agierende Mannschaften auf den Platz, wollte man manches Mal über die Bande hüpfen, um unsere eher schmächtigen Spieler schützen. So speziell in den Spielen gegen Fortuna Köln oder den Spochtunfreundlichen aus Lotte.
Lief es dann sowohl spielerisch als auch körperlich nicht, dann war keiner da, der die Mannschaft noch auf dem Feld wachgerüttelt und mitgerissen hat. Da mag der Trainer noch so schreien, die Fans noch so anfeuern: Der Leitwolf fehlte oder hat sich nicht herauskristallisiert.
Was dieser Mannschaft fehlt, ist vielleicht ein „Enforcer“. Einer, der direkt mal eben dem Gegner auf die Socken steigt, oder der klassischen Grätsche mächtig. Einer, der zur Not auch eine Karte riskiert oder den Ball unter das Tribünendach drischt, wenn es eng wird. Einer, der seinen Mannschaftskameraden situativ ein kompetentes „Quäl Dich Du Sau“ zuwerfen darf, um denjenigen dann anerkennend auf die Schulter zu klopfen.
Noch drei Spiele, dann haben wir es vorerst alle wieder geschafft. Aber schon direkt am nächsten Tag beginnt sie wieder: Die Spekulation um Neuzugänge und Platzierung, die Vorfreude auf die kommende Saison. Der Verein indes sollte sich ganz stark Gedanken über die Verpflichtung einer Constanze machen. Dieses Auf und Ab ist nicht gut für den Blutdruck und wir werden alle nicht jünger.

Von der Unlust und dessen Freude.

Drei Fahnen der Ultras Essen werden geschwenkt. Gegenüber, auf der alten Haupttribüne der Lohrheide, hängt einsam eine Fahne des VfL Bochum. Das Kamerateam der Polizei positioniert seinen Aufnahmewagen noch einmal neu vor dem heute ungewohnt kleinen Block der Essener Fans. Balljungen widmen sich der Hochsprungmatte.
Anwesende Fotografen versammeln sich zumeist einsam rund um das Eckige und der Stadionsprecher begrüßt die zahlenden Zuschauer mit der Begeisterung einer Bahnhofsdurchsage. Wattenscheid, Stadion Lohrheide an einem Dienstagabend. Regionalliga West. Spiel Eins nach dem Heimdebakel gegen die Zweitvertretung der Borussia aus Mönchengladbach.
Ich hatte überhaupt keine Lust auf Fußball, keine Lust auf die Mannschaft des RWE dieser Tage. Aber, da ist auch der Beruf. Und ein Klient, welcher eigentlich von Haus aus Königsblau. An Spieltagen aber im RWE Trikot zur Schule gehend und um jedes Spiel weiss. In seinen Worten fragt, wann es mal wieder zum Fußball geht. Den Ablauf klar festgelegt: Es bedarf der Eintrittskarte, möglichst einer Stadionzeitung und mindestens zwei Stadionwürste. Es winkt ein Hinweg in überbordender Freude und Mitteilungsdrang, im Anschluss ein Rückweg in Stille, da Zufriedenheit eingekehrt ist in einen unruhigen Geist, welcher nun die ihm wichtigen Dinge in der Hand hält. Welcher noch tagelang von einem Spiel schwärmt, welches ich heute privat nicht besucht hätte.
Es fehlen dann auch die Argumente, sich für ein sportlich bedeutungsloses Fußballspiel auf den weiten Weg zu machen. Achthundert Besucher haben sich trotzdem an diesem Abend auf den Weg in das Lohrheide Stadion gemacht. Bochum zu Gast in der Eingemeinde und sportlicher Heimat der SG Wattenscheid 09. Die älteren Fußballfans mögen sich erinnern.
Mit Beginn der Begegnung nahmen auch die Ultras Essen und ihr Umfeld die Unterstützung der Mannschaft auf. Das hätte ich in dieser Form so nicht erwartet. In den kurzen Gesangspausen kam dann immer wieder ein wohliges Gefühl von Bezirksliga in Anbetracht der Kulisse und der Bemühungen der Aktiven auf dem Rasen auf. Bemüht waren sie durchaus, die Spieler des RWE. Kurz vor der Halbzeit gab es sogar eine Phase, die man getrost als Druckphase hätte bezeichnen können. Ohne diese in Tore umzumünzen.
Alles in allem aber ein erste Halbzeit, welche so dahinplätscherte. Da sich der Großteil der Essener Fans auf der Sitzplatztribüne niedergelassen hatte, blieb in den Kurvenblöcken genug Platz für die restlichen Fans des RWE. Ungefähr Vierzig an der Zahl. Eine Enttäuschung monetärer Natur natürlich für den einzigen, unter einem Partyzelt positionierten, Bratwurststand. Andererseits vielleicht auch nicht ganz so schlecht für den Mann an der Grillzange, war sein Mitteilungsdrang doch bisweilen ausgeprägter als seine eigentliche Aufgabe, der Würstchenzubereitung.
In der zweiten Halbzeit wirkte das Spiel etwas geordneter und auch mit mehr Drang zum jeweils gegnerischen Tor. Der VfL Bochum ging dann durch einen Elfmeter in Führung, welcher aber durch die weite Entfernung nicht klar als solcher definiert werden konnte. Hatte zudem noch mindestens eine klare Torchance, welche jedoch vergeben wurde. Etwas, was sich im Fußball zumeist rächt. Das Auslassen klarer Torchancen jetzt.
In der Nachspielzeit kam der RWE somit doch noch zu seinem verdienten Ausgleich. Endstand also 1:1. Während des Spiels übrigens monierte die Bahnhofsdurchsage noch Essener Leuchtfeuer und fielen die vielen Rückpässe in Richtung eigenes Tor beim RWE auf. Tja, und das war es dann auch, an diesem Abend Anfang Mai.
Ich hatte immer noch keine Lust auf Fußball und den RWE. War auf der Rückfahrt genau so still wie auf der Hinfahrt, mit den Gedanken ganz woanders. Aber auch mit einem Lächeln und der Gewissheit, einem ganz tollen Menschen heute ein paar schöne Stunden beschert zu haben. Und Morgen, wenn ich denn abgerechnet habe, geht auch die Eintrittskarte endgültig in seinen Besitz über.

Pornobalken

In der Ecke des Wohnzimmers hat sie nun ihren Platz gefunden, die über 30 Jahre alte Sitzschale, bis vor kurzem noch Bestandteil der Haupttribüne des Georg Melches Stadion in Essen. Der Fernseher ist ausgeschaltet, im Hintergrund singen Heart „Alone“ und ein letztes Bier ward geöffnet. 
Es ist Ruhe eingekehrt, nachdem nun auch die Berichterstattung des zweiten Halbfinales der diesjährigen Champions League Saison geendet hat. Das Finale steht fest, der BVB und die Bayern werden dem Deutschen Fußball die Fußballkrone Europas bescheren. Was jetzt nichts an der Einsamkeit ändert, sicher aber an der schon seit einiger Zeit hyperventilierenden Berichterstattung über den hiesigen Fußball. 
Scheinbar haben sich die Medien an uns Fans abgearbeitet, die Frontberichte wirken nicht mehr ganz so martialisch. Wehe aber, ein Mitarbeiter eines Sportsenders kehrt wieder auf einen Trainerstuhl zurück. So erlebt im Falle eines Peter Neururer. Tagelang hatte sein Haussender das eh schon karge Programm noch weiter reduziert: Zwischen Verkauf und unlustiger Lust kam der Peter. Als Thema natürlich. Wer aber nicht im selbigen und somit in Kenntnis darüber war, dass Peter Neururer lediglich einen abstiegsbedrohten Zweitligisten für den Rest der Saison übernehmen wird, hatte nur die Wahl zwischen Nachruf und Papst. 
Als sich die Nachrichtenlage wieder etwas beruhigt hatte, sickerten weitere Nachrichten durch, welche die Bundesliga, einst mediales Lieblingskind, fast zur Persona non grata erklärte! Erklären musste: Zwei Deutsche Teilnehmer im Halbfinale der Champions League. Zudem Wechselabsichten, Weschselankündigungen und Wechselungereimtheiten zwischen München und Dortmund. Ganz nebenbei nun auch zum Deutschen El Clasico` erklärt. 
Es gab wichtigeres, als über eine profane Bundesliga Saison oder den heimischen Pokalwettbewerb zu berichten. Ja und dann wechselt auch noch unverhofft ein Spieler des BVB in der nächsten Saison an die Isar. Nicht nur der juvenilen Bettwäsche wegen. Geht es plötzlich für einen um die Wurst, der selbige doch sonst produziert. Mario Götze und Uli Hoeneß brachten den schon siedenden Nachrichtentopf zum Überkochen. Man kam nicht mehr vorbei am Fußball, der doch reduziert wurde auf zwei Vereine, seine Spieler und einen Zocker. Talkshows schmissen ihr Programm um, wir twitterten und posteten bei Facebook, was das Zeug hielt. 
Der Fußball hielt einem in Atem, lenkte ab. Auch wenn es außerhalb der beiden schon erwähnten Vereine und ihrer Protagonisten kaum erwähnenswertes zu geben schien. Einmal abgesehen von der Tatsache, man ist Fußballlehrer im Wartestand und Experte bei einem gelegentlich Sport sendenden Sportsender! Der Finaleinzug des VfB Stuttgart, die Viertelfinalpleite des RWE auf dem Acker von Hönnepel – Niedermörmter, der immer konzentrierter werdende Aufstiegskampf in der Dritten Liga, das Aufbäumen des FC Augsburg oder das Duell der ersten Fußballklubs aus Köln und Kaiserslautern um Platz drei und die Relegation. Alles in den Hintergrund gedrängt. 
Obwohl, dem Aufstieg der Braunschweiger Eintracht wurde einiges an Aufmerksamkeit gewidmet. Proportional betrachtet sogar mehr, als dem der Berliner Hertha. Aber klar, Hertha BSC steigt regelmässig in die Bundesliga auf und dann wieder ab, der BTSV Eintracht nur alle 28 Jahre. Ergibt für den Moment die besseren Schlagzeilen, die bessere Quote. 
Was erschwerend natürlich für all die anderen Vereine hinzu kam: Der BVB und der FC Bayern boten einen Fußball, der bisweilen schöner kaum sein konnte. Zudem Spannung, welche dem abgestandenen Malaga Eisbecher zu neuer Blüte verhalf. Geile Spiele, die uns da geboten wurden. Und wenn es dann drohte, wieder zu einsam zu werden, verhalfen der FC Basel und die Tottenham Hotspurs dazu, zwei weitere Abende in Anbetracht faszinierenden Fußballs herumzubekommen. Wenn auch eine Etage unterhalb der Champions League. 
Wir fassen zusammen: Mit Fußball ist man etwas weniger einsam, Fußball beschert grandiose Stunden und wunderbar spannende Spiele. Über Fußball lässt sich immer und überall reden. Scheinbar besonders in diesen Tagen. Fußball wird aber durch die Medien dermaßen ausgeschlachtet, so dass sich der ganz normale Fan zwischendurch zu fragen hat, ob noch wichtich auf´m Platz oder nur in den Nachrichten. 
Und nun das Deutsche Finale in Wembley. Wir werden in den nächsten 25 Tagen alles, wirklich alles aus Dortmund und München erfahren. Ob Extensions bei Matthias Sammer oder Zahnreinigung bei Jürgen Klopp: Nun wird alles offen gelegt, was wir noch nie wissen wollten. Fußball wird Boulevard. Ach ja, Fußball wird aber auch noch gespielt. In Essen, in Nordhorn, in Liverpool.Und er lenkt ab. Wie gesagt.