Monatsarchive: November 2013

Herr und Frau Breitbach

Rot Weiss Essen und die 70er, Karsten Kiepert hat sie in einem Buch beschrieben. Und diesem Buch nun einen „Sidekick“ hinzugefügt, wie er im Buche steht. Neunzehn Protagonisten jener Tage kommen in „Interviews mit Legenden“ zu Wort [Warum dieses Buch, zudem noch zeitversetzt, erklärt Karsten Kiepert in seinem Vorwort]. Eigentlich ist der Untertitel falsch gewählt, besteht grundsätzlich ein Interview doch aus Fragen und Antworten, es sei denn der „Prinz von Homburg“ steht Rede ohne Antwort.

Hier werden jedoch Geschichten erzählt, wird ein guter Pass gespielt, der geschickt aufgenommen zu einer feinen Anekdote verwertet wird. Die heutige „Ich sag mal“, „Ja gut äh“ oder verständnislos guckende „Mixed Zone“ Spielergeneration wird wohl kaum in 30 Jahren eine ähnlich freie Erzählweise über damalige Erlebnisse bieten können. Despektierlich gewiss, aber auch der Generation geschuldet und daher nicht böse gemeint. Für alles andere haben wir Jürgen Klopp und Philipp Lahm.

Frappierend ähnlich die letzte Aussagen derer, welche eine spannende Dekade an der Hafenstraße maßgeblich mitgeprägt haben: In dem Zeitraum der Interviews um 2010 hatte fast keiner mehr Kontakt zu RWE. Von „Der Verein kümmert sich auch kein bisschen um seine Vergangenheit“ bis hin zu „Aber ein bisschen abstossend ist natürlich das, was die in den letzten 25 Jahren aus dem Verein gemacht haben“ reicht die Bandbreite, welche sich leider zumeist auf ein „Nein, keinen Kontakt mehr“ reduziert.

Spannend auch zu lesen, wie sehr ein Willi Lippens zu dieser Zeit polarisierte. Fast ein jeder der ehemaligen Mitspieler hat ihn in der Rubrik „Nullsieben Fragen“ als bester oder lustigster Spieler auf dem Zettel. Bisweilen jedoch auch als Unruheherd, und das nicht nur für den Gegner, in Erinnerung. Gut zu wissen auch, dass eine Ente nach verlorenen Pokerpartien an den Fingernägel kaut. Und Harry de Vlugt als Schlaghosen Model: Privatfotos aus jener Zeit als großes Kino!

Schön zu lesen bei einigen die immer noch vorhandenen Emotionen, geht es um die Hafenstraße, die Fans und überhaupt den Verein! Dieses Schalke ist oft ein Thema, zudem wurde heimlich im Bus geraucht und fühlten sich  einige als Lieblinge von Herrn und Frau Breitbach, obwohl die Spieler bisweilen den Anschein hatten, dass dem Platzwart zunächst der Rasen und dann die Spieler ans Herz gewachsen waren.

Nun hat sich Karsten Kiepert von „Books on Demand“ über Taschenbücher zu einem Hardcover hochgeschrieben,  und wissen wir nicht, in welcher Verpackung sein nächstes rot weisses Werk gestaltet wird; Aber: Dieses Buch kann  getrost hübsch verpackt und unter den Weihnachtsbaum gelegt werden.IMG_1890

Dem Herr Rahn sein Denkmal!

Herr Rahn sein Denkmal, nett dass Sie sich einen Moment für uns Zeit genommen haben. Wie geht ?

Muss! Ich steh hier so in der Gegend herum, kann mich kaum mehr bewegen, und ab und zu wollen einige Kids mal mit mir auf`s Foto. Wenn dann abends hier die Lichter ausgehen, dann bin ich ziemlich allein.

Als Sie damals hierhin versetzt wurden, hat man Ihnen eine Klausel eingeräumt, die Ihnen die Möglichkeit zur Rückkehr an die Hafenstraße bietet ?

Als die Gespräche mit mir, der „Kurzen Fuffzehn“ und dem Flutlichtmast geführt wurden, war zunächst einmal vorrangig, dass wir unseren Platz räumen, um dem neuen Stadion nicht im Wege zu stehen. Allerdings traf es dann nur die „Kurze Fuffzehn“ und mich. Der Mast hatte dem Vernehmen nach einen gewieften Berater, der seinerzeit direkt ein Bleiberecht auf Lebenszeit ausgehandelt hatte.

Haben Sie seitdem noch Kontakt zum Kollegen „Kurze Fuffzehn“, oder schwingt gar ein wenig Neid mit, wenn Sie nun an den Mast denken ?

Ach wissen Sie, Im Fußball ist alles immer so schnelllebig: Spieler kommen und gehen, nur die Fans bleiben bestehen! Ich hatte schon gehofft, dass wir alten Recken so schnell als möglich an die Hafenstraße zurückkehren können, so wie es uns ja auch zugesichert wurde. Wobei, ich habe es da ja noch gut getroffen: Kann hier Fußball gucken, ab und an rennen hier welche vom Verein herum, planen Visionen und höre ich ja auch von vielen Fans, dass sie mich an der Hafenstraße brauchen. Zum Anlehnen, der Identifizierung und diesem emotionalen Gedöns.

Die Kurze Fuffzehn dagegen, oder gar die Marmorplatte… die hat´s richtig blöd getroffen. Ich glaube, die sitzen in irgendeinem Keller und haben nicht mal dieses Internet. Wobei ich persönlich glaube, dass sich das Internet auch nicht durchsetzen wird.

Ganz schlimm hat es ja die Stadionkneipe getroffen. Wurde einfach verhökert. Das hat einen Theken Troubadour wie mich fast vom Sockel gestürzt. Das würde bedeuten, also dass heisst ja….wir haben keine Kneipe mehr anne Hafenstraße ? Rot Weiss ohne Kneipe, dass ist ja wie Schalke mit Schale: Unvorstellbar!

Ach der Mast! Wissen Sie, den und seine drei Brüder konnte ich noch nie leiden: Ständig die Lampen am glühen, aber sich etwas darauf einbilden, dass sie den Fans den Weg zur Hafenstraße weisen würden. Also wenn die meinen, der Morgenstern für Fußballfans zu sein, dann bin ich das Kind in der Krippe und die Kurze Fuffzehn einer der heiligen Drei Könige. Gucken Sie sich das Ding doch heute mal an: Wie eine Fliegenklatsche ohne Klatsche. Die sollen mich bloß weit weit weg von diesem eingebildeten Fatzke stellen.

Herr Rahn sein Denkmal, wenn Sie so in die Zukunft schauen, was sehen Sie da? 

ISDT, nicht so Zeuch fragen und schon gar nicht auf diese Art! Ich bin eine Statue, ich kann nicht gucken! Wir kennen uns nun lange genug, Du hast nach Lübeck bei mir zu Füßen gesessen und geheult, mich mit Senf bekleckert! Ich will wieder nach Hause, will wieder an die Hafenstraße. Will meine Kumpels aus der Memorabilien Gruppe treffen. Rot Weiss Essen wird es immer geben. Vielleicht aber können meine Kumpels und ich dazu beitragen, dass nicht in Vergessenheit gerät, um welchen Verein es sich hier handelt.

Herr Rahn sein Denkmal, vielen Dank für dieses ehrliche Interview!