Halbfinale

Februar 2008; Auswärtsspiel bei RW Ahlen. Die zum Monat gehörende Sonne knallte ordentlich vom Himmel, als ein RWE Fan vor den Kassenhäuschen,und somit der kompletten Gästewarteschlange lautstark kundtat, seit zwei Tagen nicht mehr onaniert zu haben. Nun, wir wissen heute nicht mehr, was zu diesem traumatischen Erlebnis geführt haben mag; und ehrlich gesagt wollen wir es auch gar nicht wissen. Damals wie heute! Eines aber wurde deutlich: Der Fan von Rot-Weiss Essen hält mit seiner Meinung nicht hinter den Berg, sondern posaunt diese hinaus. Er kann gar nicht anders. Das entspricht seinem Naturell.

Einige Wochen später in Emden: Auswärtsspiel bei den Kickers [Ältere Nordhorner werden sich noch an den Verein Kickers Emden erinnern]. Ältere Fans des RWE hingegen an die allseits bekannte Zaunfahne „RWE Fans Zetel“. Jahrelang hatte sie ihren Platz ziemlich in der Ecke zwischen „Nord“ und abgerissener „West“. Im Matsch von Emden sah ich sie also das letzte Mal hängen, ohne ihren Aufhänger ausfindig machen zu können.Wer sind oder waren also die RWE Fans Zetel?

Meppen, Ende Februar 1988: Der RWE zu Gast im Emsland [Das ist das Gebiet hinter der Grafschaft Bentheim]. Aus Angst vor den marodierenden Menschen aus dem Ruhrpott wurde vor dem Anpfiff als Gastgeschenk „Adiole“ intoniert. „Kenne ich nur frohe Stunden“…. [wer um alles in der Welt hat ein Lied mit diesen Zeilen an die Hafenstraße gebracht?] „Frohe Stunden“, da lache ich mir doch den selbigen ab, um mal einen Fußballtrainer zu zitieren. Es ist natürlich nichts passiert, an diesem Tag im Emsland. Wie eigentlich doch nie etwas passiert, ist der RWE zu Gast in Deiner Stadt.

Aber natürlich gab es Tage und Spiele, die dazu beitrugen, dass Rot-Weiss Essen auswärts stets mit einer Mischung aus Angst, Respekt und übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen empfangen wurde. Löwen machten der Gelsenszene Beene. Umgekehrt natürlich auch. Nachzulesen alles ohne Gewähr im „Fan Treff“, seinerzeit das Spaßblatt für viele Fußballfans. Fakten und Mythen schufen die Begrifflichkeit einer äusserst schwierigen Fanszene. Hochgradig emotional, mitunter fest zupackend. Aber immer den Verein liebend. Dem Arbeitermilieu entstammend. So will es die Sage.

So hatten es zum Beispiel die 2002 gegründeten Ultras auch erst sehr schwer, Fuß zu fassen. Neumodischer Scheiss an der Hafenstraße. Kam erst gar nicht gut. Zu vergleichen vielleicht noch mit Strukturen am Bieberer Berg zu Offenbach. „UE“ ist seinen Weg jedoch unbeirrt weitergegangen, stellt heutzutage somit eine ernstzunehmende, und wohl auch zahlenmässig die grösste  Fangruppierung an der Hafenstraße dar. Und, wie das in einer tiefen Liebesbeziehung nun mal so ist, besteht der Alltag aus Höhen und Tiefen im gemeinsamen Miteinander. Aktuell leben wir mal wieder in einer schwierigen Phase. Es fehlen einfach die Höhepunkte, die es bedarf, um gemeinsam glücklich zu sein.

Rot-Weisse Höhepunkte aber immer wieder die Vielschichtigkeit derer, die sich um das Wohl und Wehe eines sportlich eher schlechten Ruhrpottvereins kümmern: Wir haben ein exquisites Fanzine zu bieten, gute Fotografen, Barden und Bands, Rapper und Rhetoriker, Fahnengirls und Fanbuchautoren. Wir, also der RWE, haben einen Lothar, einen Happo einen Cappo. Also Capo. Wir haben auch Fans, die nicht massenkompatibel sind, Fans mit fragwürdiger Weltanschauuung und doch Rot-Weiss. Es gibt also nicht den typischen RWE Fan. Es gibt aber den RWE. Diese Katastrophe im Vereinsregister, unser aller gemeinsamer Nenner. Nur der RWE!

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