Monatsarchive: September 2019

Wenn du den Regenbogen willst, musst du mit dem Regen klar kommen.

Es hat am Sonntag viel geregnet. Bisweilen sogar vertikal und somit auch auf die eigentlich überdachten Sitzplätze verschiedener Bereiche in unserem Stadion. Es werden schon sehr viele Fans nass, die für einen überdachten Tribünenplatz bezahlt haben. Das muss man einfach auch mal so kommunizieren, denn es hält bei ähnlichem Wetter zukünftig Fans ab. Und das kann keiner wollen. Ich hoffe trotzdem, dass die beiden Fans, die eher mit dem Wetter als mit dem Spielergebnis haderten, trotzdem wiederkommen. Ich kann ihren Ärger verstehen, aber wir sind nun mal keine Turnhalle. In einer solchen will kein Mensch Fußball schauen.

Warum startet man ausgerechnet zu einem Spiel gegen den SC Verl euphorisch? Das vermag ich jetzt auch nicht mehr zu schreiben; heute morgen jedoch erschien es mir irgendwie recht logisch: Heute verliert Verl. Gegen uns! Vielleicht war das der Denkfehler. Egal! In der aktuellen Euphorie befindlich, musste sogar mal wieder ein Schal außerhalb des Fensters vom Ziel der Fahrt zeugen. Das ging soweit auch ganz gut, doch leider war es der schwere Strickschal, der von außen und von Regen getränkt, bei Tempo 140 dermaßen gegen den Lack knallte, als wollte er diesen vom Chassis lösen. Nee, da fing das also schon mal an mit den schlechten Omen. Ein Parkplatz musste her und wurde gefunden. Gut, wenn man stets ein Arsenal an RWE Fanschals mit sich führt: Der klatschnasse Strickschal wurde gegen ein leichteres Modell ausgetauscht.  Schlechtes Omen abgewehrt.

Doch das Nächste tat sich auf, denn 450 Meter vor der Ausfahrt Essen/Gladbeck verhinderte eine Vollsperrung nach Unfall die nun wieder euphorische Weiterfahrt. Da knallte gar nichts mehr gegen den Lack, alle Räder standen still. Vorbildlich wurde übrigens die Rettungsgasse eingehalten. Es geht also! Und es ging alsbald auch weiter. Proppenvoll mittlerweile der Parkplatz an der Hafenstraße, die selbst nicht so voll war, wie vielleicht erhofft und/oder erwartet. Was allerdings ein Luxusproblem darstellt, war es doch trotzdem wieder fünfstellig. Möglicherweise hielten Wetter und Kuchen manch weitere potentielle Besucher an diesem usseligen Sonntag ab. Unsere Mannschaft dürfte jedenfalls keinen Hinderungsgrund mehr darstellen, die Konstellation der Begegnung schon mal gar nicht.

Die erstaunlich vielen Verler an Deck hatten Fahnen im Gepäck; auf dem Feld schwor die Unseren ein der Ruthenbeck. Grundstimmung immer noch leicht euphorisch, das Ganze leicht durchnässt. Die Fahne hing. Was sich jedoch schnell wandelte, also das mit der Euphorie, wurde unsere Abwehr doch schon nach fünf Minuten ihrerseits nass gemacht. Das ging eindeutig zu leicht für die Verler Sportskameraden und wurde zunächst noch durch einen verwandelten Elfmeter korrigiert. Gefühlt die Stimmung auf den Rängen noch bei „Uns kann keiner“ und auf dem Feld ein wenig Laissez-faire. Vielleicht würden wir hier auch das Wort pomadig in Erwähnung ziehen. Auf jedem Falle herrschte alles andere als Unsicherheit auf dem Feld. Bei den selbsternannten Bauernlümmel schon mal gar nicht, und auch bei den Unseren herrschte noch relative Ruhe. Unser Trainer hingegen, der ging schon das ein oder andere mal aus dem Sattel und beorderte das nicht mehr ganz so geheime Geheimrezept Ersatzbank mit Auftrag „warm machen“ in den Regen. Ran an die Schüppe also für alle.

Das Signal kam an bei den Ostwestfalen (Kommen mittlerweile eigentlich alle Vereine aus Ostwestfalen?), so dass sie nach einer guten halben Stunde erneut in Führung gingen. Eine Rot-Weisse Drangperiode folgte, der Lautstärkepegel war bisweilen eng an die Pfiffe des Unparteiischen gekoppelt. Wäre die Begegnung eine höherklassige gewesen, so hätte sich möglicherweise das ein oder andere Mal die Kölner Unterwelt eingeschaltet. Glücklicherweise zählt bei uns noch der Tatsachenentscheid. Und das ist auch gut so, selbst wenn es dann gegen uns ausgelegt wird. Fußball passiert in Echt- und nicht nach Wartezeit. Applaus zur Halbzeit. Etwas gemäßigt, aber aufmunternd. Das ist der erspielte Kredit.

Die zweite Halbzeit hatte nicht nur fünfundvierzig plus X Minuten parat, sondern durchaus auch eine Drangperiode unserer Rot-Weissen. In jener auch die Kulisse ohne wenn und aber wieder zu 1907% bei der Sache. Aber irgendwie fehlte das letzte Quäntchen Glück; die entscheidende Idee. Außerdem  waren die Verler Bauernlümmel einfach zu abgewichst. Die hatten ihren Fuß ständig im Weg und wussten einen Weg heraus aus dem eigenen Sechzehner. Und nicht nur das: Sie fanden auch noch zweimal recht einfach den Weg in den unseren. Inklusive Abschluss. 1:4 somit nach 82. Minuten. Trübsal in den Gesichtern rundherum, alle irgendwie ein wenig nass gemacht. Von oben und von Verl. Auf der West wurde derweil für Fans ohne Eintrittskarte und gegen einen Verein aus der Nachbarstadt gesungen. Auch wenn heute nix ging, zum Ende ging es doch raus mit Applaus.

Dass ist möglicherweise die wichtigste Erkenntnis des gebrauchten Spiels gegen den SC Verl: Es war nur eine Frage der Zeit, wann auch uns die erste Niederlage ereilen wird. Aus unserer Regionalliga kommt diese Saison keine Mannschaft, ohne mal aufs Auge zu bekommen, oder sich eine Beule einzufangen. Die Beule heute tat natürlich nicht nur weh, sondern verletzte sich mit David Sauerland (Gute Besserung!) auch noch ein Abwehrspieler von Format. Ein gebrauchter Tag also. Kennen wir. Glücklicherweise können wir uns direkt Donnerstag schon wieder gen Mönchengladbach aufmachen, den Regenbogen in Form von drei Punkten zu suchen. Und wir werden ihn finden!

Nur der RWE!

 

Familie Kasuppke. Prolog: Saison 18/19.

Seufzend legte Ursula Kasuppke die Montagsausgabe der Tageszeitung beiseite und nahm einen großen Schluck Kaffee aus dem Kaffeepott. Rot-Weiss Essen hatte verloren. Diesmal jedoch nicht in irgend so einem relativ unbekannten „Dorf“, sondern mal wieder in Aachen, bei der dortigen Alemannia. Ihr längst verstorbener Mann Willi würde sich im Grabe umdrehen, dachte Ursula so bei sich und überlegte schon, was sie ihrem Willi denn sagen könnte, um die Niederlage so gut wie möglich zu verkaufen. Bei mittlerweile zwölf Niederlagen kann man da unten ja auch schon mal Drehschwindel bekommen! Andererseits kann sich Willi darüber ja eigentlich nicht mehr groß aufregen, sinnierte sie bei einem weiteren Schluck Kaffee und einem tiefen Zug aus der Zigarette: Schließlich ist Willi ja tot!

So hatte sie aktuell nicht nur ganz alleine die Sorgen um den geliebten RWE auf ihren mittlerweile schmalen Schultern zu tragen, sondern musste sich zudem ständig ausdenken, wie sie ihrem Willi im montäglichen Zwiegespräch auf dem Margareten Friedhof das Wochenendspiel schönreden konnte. Im Falle einer Niederlage natürlich. Denn wenn ihre Jungs das Spiel gewinnen konnten, da sprudelte es nur so aus ihr heraus. Manchmal kam es ihr dann auch so vor, als könnte sie spüren, wie Willi mit ihr leidet oder sich freut. Was sie Willi seit seinem Tod verschwiegen hat, und was sie seitdem belastet, ist dieser Relegationsquatsch aus der Regionalliga. Selbst dieses Wort hat sie Willi niemals gegenüber erwähnt. Und bei „Vierte Liga“ täuscht Ursula am Grabe sitzend jedesmal einen Hustenanfall vor. „Der Willi da unten denkt doch noch, wir spielen in der zweiten Liga“, so entschuldigt sich Ursula jedesmal bei ihren Grabstättischen Nachbarn über Tage und am Grabe, wird dort bei ihren Ausführungen die Stirn gerunzelt. Weil inhaltlich ja nicht so ganz korrekt.

Ach der Willi….An diesem Punkt hielt Ursula stets kurz inne, denn manchmal ist es nach so vielen Jahren wirklich nicht mehr leicht, sich daran zu erinnern, ob erst die Liebe zu Willi oder die zu RWE ihr Leben bestimmte. Oder ergab das eine dann auf einmal auch das andere? Wenigstens, so sinnierte Ursula weiter, wenigstens lebt der Verein immer weiter. Nicht so wie Willi und die vielen anderen Rot-Weissen Fanseelen, die schon gegangen sind. Wie gerne würde sie noch einmal Hand in Hand mit Willi die Hafenstraße Richtung Stadion hinaufgehen. Wie viele ältere und ganz alte Fans gibt es wohl, die nicht mehr in das Stadion gehen, weil es den Partner nicht mehr gibt. Oder weil es alles zu aufregend geworden ist und manchmal auch nicht mehr schön wegen der vielen Polizei und der Knallerei. Sie wusste darauf keine Antwort. Und eigentlich kannte sie „ihre Jungs“ ja auch schon lange nicht mehr beim Namen, so oft wie Spieler kamen und gingen.

Also reicht ihr mittlerweile das Endergebnis und der Spielbericht. Den Rest konnte sie sich aus so vielen Jahren und Spielen an der Hafenstraße denken, hat die Geräuschkulisse noch in den Ohren, den Stadiongeruch in der Nase und die wehenden Fahnen vor Augen. Wie auch immer: Willi bekam das Spiel auf jeden Fall immer mit Leidenschaft nacherzählt.

Fortsetzung über das Leben der fiktiven Familie Kasuppke folgt (möglicherweise)…..

Ja! Ich will!

Haben wir schon diesen Lauf, dieses gewisse Etwas, welches im Laufe einer Fußballmannschaft vielleicht nur alle zehn Jahre einmal vorkommt? Haben wir diese Mannschaft, die es schaffen könnte, uns allen einen langgehegten Traum zu erfüllen? Haben wir eine Mannschaft, die uns aufsteigen lassen könnte? Man könnte versucht sein, mit „JA“ zu antworten, so schön ist es gerade rund um die Hafenstraße. Und wir sollten jede Sekunde mit dieser, unser aller, Mannschaft genießen. Denn natürlich werden auch Rückschläge kommen. Nicht, dass ich mich darauf freue, aber ich finde es schlicht nur fair uns allen gegenüber, daran zu erinnern.

Es droht kommendes Frühjahr sogar der Supergau aller Rückschläge, nämlich die Meisterschaft in der Liga und die darauf folgende Niederlage in der größtmöglichen Perversion des DFB, der Relegation. Man frage hierzu gern auf dem Waldhof nach. Nun kickt der Waldhof endlich ebenso wieder in der dritten Liga wie auch die geldgeführte Viktoria aus Köln. Beide mischen mittlerweile erstaunlich gut in der dritten Bundesliga mit. Es gilt also irgendwie diesen schmalen Flaschenhals zwischen Regionalliga und dritter Liga zu überwinden, und es lässt es sich wesentlich befreiter aufspielen. Margarine wäre eine Möglichkeit, dann flutscht es besser. Gleitgel, immer gut. Hat aber den Touch des Verruchten.

Hilft also alles nichts, der eigene sportliche Erfolg muss es richten. Nebst einer gehörigen Portion Glück und den passenden Ergebnissen der Konkurrenz. Betrachtet man nun den bisherigen Saisonverlauf und das Auftreten der eigenen Mannschaft, so kommt man nicht umhin zu sagen: „Ja, ich will!“. Ach quatsch, ich sage es nicht, sondern ich rufe es, so laut ich kann heraus: „ Ja, ich will diese beiden Relegationsspiele (diese Perversion) erreichen“. Gegen wen und wann auch immer. Und warum sage, beziehungsweise rufe ich das? Weil ich mittlerweile davon überzeugt bin, dass es diese eine Saison sein wird, wie sie eben nur alle zehn Jahre nur einmal vorkommt, und bei einem Verein wie RWE auch wohl  nur vorkommen kann.

Wir haben aktuell enorme Qualität auf dem Platz und an der Seitenlinie. Wir haben eine Mannschaft. Wie haben Spieler, die es genießen, die Hafenstraße zum Leben zu erwecken und Teil dieses schlafenden was auch immer sein wollen. Unsere aktuellen Vertragsspieler haben nicht nur Blut, sondern auch Rot-Weiss geleckt! Wollen hier endlich, wieder oder immer noch gemeinsam durchstarten. Und wer auch immer diese Mannschaft gescoutet hat, dem gebührt ein ganz großes Lob: Selten wurden alle Positionen bei RWE qualitativ so gleichwertig und hochwertig besetzt. Da wurde mit großem Fachwissen gepuzzelt.

Und da das geneigte Publikum an der Hafenstraße über ein ebenso großes Fachwissen auf sportlicher und emotionaler Ebene verfügt, honoriert es den Auftritt der eigenen Mannschaft endlich wieder und belohnt es mit ständig fünfstelligen Kulissen. Für Spieler, die zum Beispiel in Wolfsburg bei der dortigen Zwoten vor fünf Zuschauern gespielt haben, ein emotionaler Quantensprung. So wie die Hafenstraße in schlechten Zeiten die Beine lähmen kann, so sehr beflügelt sie diese auch in guten Zeiten. Nun haben wir gute Zeiten. Endich haben wir sie wieder. Und wir sollten alle gemeinsam daran arbeiten, dass es auch noch länger sportlich gute Zeiten bleiben.

Das nächste Spiel ist wieder zuhause; Ist wieder an der Hafenstraße. Gegner im wirklichen Spitzenspiel dann der SC Verl. Ein unangenehmer Vertreter seiner Zunft. Kategorie Angstgegner. Aber keine Angst, diesmal machen wir dem Angstgegner Angst: Weil wir ihn von Anpfiff an verbal in Grund und Boden „stampfen“, indem wir unsere Mannschaft ohne Unterlass anfeuern und zum Erfolg tragen werden. Dies wird unsere Saison!

Warau kado niwa fuku kitaru

Für eine gute Überschrift ist uns kein Weg zu weit, deshalb hat es uns diesmal sogar bis in das ferne Japan verschlagen: „Das Glück tritt gern in ein Haus ein, in dem Frohsinn herrscht“, so die Übersetzung dieser japanischen Weisheit. Nähert man sich der Überschrift auf den RWE bezogen inhaltlich an, so liegt in ihr, wie in so vielen asiatischen Weisheiten auch, mehr als nur ein Quentchen Wahrheit. Runtergebrochen auf den schnöden niederklassigen Fußball hierzulande reden wir also davon, dass es uns gerade verdammt gut geht, da unser Verein uns momentan sehr fröhlich stimmt. Frohsinn Hafenstraße.

Wir haben die Grauzone verlassen und finden uns auf einer kleinen Welle der Euphorie wieder. Nicht, dass wir zu Beginn der letzten Saison auch schon mal darauf herumgeritten sind, aber dann kam Lippstadt. Diesmal kamen wir nach Lippstadt, und es ging noch einmal gut aus. Kleine Welle und euphorische Ansätze bestehen weiter, tragen einander von Spiel zu Spiel. Viel zu lange aktuell die Zeiten zwischen Abpfiff und Anpfiff. Man möchte sofort wieder mitfiebern und anfeuern; kann es gar nicht abwarten, bis es wieder losgeht. Welch ein Kontrast zu den letzten Jahren. Unglaublich, wie sportlicher Erfolg der eigenen Mannschaft zugleich Seelenheil und eben auch Frohsinn bedeutet.

Ich denke und hoffe, das man sich auch anderswo über den momentanen Erfolg des RWE freut und ein  bisschen Frohsinn verspürt. In Mainz und Aschaffenburg zum Beispiel. in Lotte und Aalen. Oder wo auch immer ehemalige Rot-Weisse vergangener Jahre nun verstreut sind. Denn sie alle wollten auch nur das Beste für unseren Verein, haben für den Erfolg geschuftet. Ok, bei einem Herrn Harttgen weiss ich nicht ganz genau, was auf seiner Agenda stand, aber bei allen anderen gehe ich davon aus. Und sicher wären einige auch weiterhin gerne ein Teil unseres Vereins. Ihr seid es!

Vielleicht bedeutet es in Essen einfach auch diesen einen Tick mehr Frohsinn/Verzweiflung/Leidenschaft als an anderen Fußballstandorten. Vielleicht sind wir hier mehr verwurzelt mit unserem Verein als anderswo. Haben und wollen manchmal auch nichts anderes als unseren RWE. Sind an Spieltagen mit Bier und Wurst zufrieden, vergessen die Ernährungspyramide für den Moment. Brause macht schließlich auch nichts anderes als fieses Sodbrennen. Sogar sportlicher Natur.

Wie wir nun aktuell unsere eigene sportliche Natur mögen, spiegelt sich natürlich auch in den  Zuschauerzahlen wieder: Sowohl an der Hafenstraße, als auch in der Fremde, sorgt der RWE momentan für Zahlen, die manch Dritt- und gar Zweitligisten vor Neid blass werden lassen. Fünfstellig Hafenstraße. Gut, dass wir das Stadion haben, was wir haben. Dorthinein können noch viele weitere Fans zurückgeholt werden, ohne dass irgendjemand um seinen angestammten Platz fürchten muss. Die Familie Rot-Weiss kommt endlich wieder zusammen.

Wie fragil unser Gebilde natürlich noch ist, auch dem modernen Zirkus Fußball geschuldet, zeigen erste kleine Bedenken, die darin bestehen, dass doch andere Vereine  nun auf unseren guten Lauf aufmerksam werden und Personal abwerben könnten. Kann passieren, muss aber nicht. Keine Panik diesbezüglich. Alle haben Vertrag und wissen, was sie an der Hafenstraße einmaliges bewirken können. Wenn Du hier Erfolg hast, dann bist Du wer. Für ziemlich lange Zeit. Manchmal sogar für immer!

Freitag Abend nun betritt einmal mehr der Bonner SC unser Haus und wird nicht nur mit vollen Tribünen und Flutlicht konfrontiert, sondern auch mit jenem herrschenden Frohsinn. Und sogar mit Geduld. Geduld, das war das immer so ein Ding in den letzten Jahren: Lief es in den ersten drei Minuten nicht direkt wie erhofft, wurde Geduld stante pede in die Tonne gekloppt und zum Gegenangriff auf die eigenen Mannschaft gepfiffen. Diese spielte sich in die Verunsicherung und das Drama nahm seinen Lauf. Kannste aktuell vergessen, denn die Mannschaft hat sich einen Kredit erspielt, der regelmäßig bedient wird. Sonderzahlungen wie dieses Dingen mit den Toren durch Einwechselspieler inklusive. Der Fan würde momentan ohne zu zögern gerne auch den Kredit erhöhen, den Dispo der Saison 19/20 ausweiten oder was auch immer nötig ist, um dieses kleine Glück im eigenen Haus zu belassen.

Seit wir zwei uns gefunden…..

 

Kulinarische Körperintelligenz.

Der Niederrheinpokal und seine zweite Runde: Aus Rot-Weissem Selbstverständnis wohl eher eine Mischung aus Testspiel und Zahnwurzelbehandlung. Schließlich bedeutet die automatische Teilnahme am unterklassigen Pokal stets auch, nicht hochklassig zu spielen. Was ja an sich schon ein Affront ist. Leider jedoch wurde der Niederrheinpokal in der letzten Dekade zu unser täglich Brot. Potentielle Testspiel- oder früher eher belächelte Gegner wurden zu Pflichtspielgegner. Namenhafte Fußballstädte wurden bespielt, statt auf den VfL oder den MSV traf man dort leider „nur“ auf den 1.FC oder den HSC.

Bisweilen hatte man Gefühl, die Auslosungen erfolgten bestimmten Regularien, wie zum Beispiel dem Prinzip, dass sich erst alle Essener Vereine eliminieren, bevor es auswärts geht. Die Zuschauerzahlen hielten sich dabei stets in Grenzen; der „Szene“ war ein aktiver Besuch höchstens ab Halbfinale nebst namenhafter Gegner einen lautstarken Besuch wert. Manchmal aber,  ja manchmal bescherte uns dieser eher ungeliebte Wettbewerb auch epische Spiele. Epische Halbfinals wie gegen den MSV Duisburg und erfolgreiche Finalspiele gegen RWO und den WSV zum Beispiel. Somit auch ab und an ein Ticket für den wirklich wichtigen Pokalwettbewerb, für den wir uns eigentlich und von Haus aus gerne ständig qualifiziert wissen wollen.

Recherchiert man die letzte Dekade an Zweitrundengegnern, so kommt man einerseits zu der Erkenntnis, dass unser aller RWE stets weiterkommen konnte. Andererseits waren die Spiele auch von scheinbar so untergeordneter Bedeutung, so dass lediglich dass Spiel vom 09.10.2009 beim Hamminkelner SV insoweit aktenkundig ist, so dass neben dem Ergebnis von 4:0 für den RWE auch eine Zuschauerzahl von knapp 2.000 Fans ermittelt werden konnte.

Für die weiteren neun Zweitrundenspiele jener Dekade, egal ob in Rellinghausen, Twisteden, Kleve oder am Uhlenkrug zum Beispiel, ließen sich Zuschauerzahlen kaum ermitteln. Dafür bekommt man bei Eingabe der Partien Perlen der Internetrecherche zu lesen, wie zum Beispiel „Bürgerverein spendiert freies Planschen im Freibad Mirke“, „Bundeswahlleiter will Skandalseite stoppen“, „Bestes Schmerzmittel gegen Arthrose“ oder eben auch „Kulinarische Körperintelligenz“. Man ahnt: Suchmaschinen interessieren sich nicht wirklich für einen unterklassigen Pokalwettbewerb.

Heute Abend jedoch, da wird mal wieder alles anders. Da bekommt ein Zweitrundenspiel eines unterklassigen Pokalwettbewerbs eine Aufmerksamkeit, wie sie nicht einmal manch Zweitligaspiel vergönnt ist. Medial vielleicht, aber auf den Rängen sicher nicht. Es wird also doch richtig gelost und nicht zugeordnet, hätte es die Partie RWE – KFC Uerdingen ansonsten kaum zu diesem frühen Zeitpunkt gegeben.

Der Vorverkauf, er ist gut angelaufen und lässt auf eine gute Kulisse hoffen. Ob es wirklich fünfstellig werden wird, dass vermag, kurz nach Mitternacht, noch keiner zu sagen; definitiv jedoch wird es die größte Kulisse sein, die jemals einem Zweitrundenspiel im Niederrheinpokal beiwohnen wird. Und ebenso definitiv bewahrheitet sich aktuell, dass der RWE ein schlafender Zweitrundenriese ist. Aktuell könnte der RWE selbst gegen Eintracht Nordhorn spielen, und die Hafenstraße wäre gut gefüllt. Man hat wieder Lust auf den RWE! Mir doch egal, wer da kommt, aber ich will die Mannschaft sehen. Und heute kommt nicht einmal irgendwer, heute kommt mit dem KFC Uerdingen ein Drittligist.

Numerisch und auf dem Papier daher Außenseiter, kann man im Gegenzug aber mannschaftliche Geschlossenheit, Flutlicht, Hafenstraße und gewiTITZte Einwechselungen in die Pokalwaagschale werfen. Es wird ein spannender Abend anne Hafenstraße 97a. Es kribbelt grad so schön, wir sollten daher jede Minute mit unseren Rot-Weissen genießen.