Und jährlich grüßt Bottrop.

Juchhu, der Ball rollt wieder. Obwohl, ist das jetzt gut oder eher schlecht? Betrachtet man die Reaktionen zur Halbzeit und nach Spielende, so fielen diese naturgemäß komplett unterschiedlich aus. Und einige konnten es nach den ersten fünfundvierzig Minuten einfach nicht lassen, die eigenen toxischen Gedanken RWE gegenüber weiter in jede sich bietende Kommentarspalte zu tackern. Ich stelle mir das sehr anstrengend und unbefriedigend vor, das hat schon was von Warten auf Godot.

Nach Spielende fiel das Ergebnis dann glücklicherweise standesgemäß (wer legt eigentlich die Parameter für einen standesgemäßen Ausgang zwischen Mannschaften aus unterschiedlichen Spielklassen fest? Kann man die irgendwo nachlesen?) für unsere Roten aus, so dass man Milde walten ließ. Aber unabhängig von diesem ersten Testspiel beim VfB Bottrop: Natürlich ist es gut, dass der Ball wieder rollt. Rot-Weiss Essen wurde schließlich dafür gegründet, um Fußball zu spielen. Die Spiele sind doch der Kitt, der uns bestenfalls zusammenhält. Außerdem ist uns bei der Jahreshauptversammlung schon der Kitt aus der Brille gefallen, so dass es jetzt vor allem die Mannschaft braucht, um uns wieder einander näher zu bringen.

Natürlich bedeutet der Testspielauftakt nicht, dass die uns verschiedentlich bewegenden Probleme jenseits des Platzes nun schnell in den Hintergrund gedrängt oder gar unter den Teppich gekehrt werden. Ich glaube, man ist sich bei RWE sehr wohl seiner Verantwortung bewusst, hat die berechtigten Rhythmus Störungen im Vereins-EKG akzeptiert und Prozesse angestoßen, um wieder bessere Werte hinzubekommen. Vielleicht müssen wir Fans es nun hinbekommen, im Laufe der Saisonvorbereitung unser Päckchen RWE, an dem wir in letzter Zeit schwer zu tragen hatten, etwas zu erleichtern. Versuchen die Probleme zu trennen. Gefühlt ist so viel zusammengekommen, so dass die Dinge gar nicht mehr differenziert betrachtet, sondern immer gleich als ein großer Klumpatsch wahrgenommen werden. Das ist in der Tat belastend.

Geholfen hat mir, die vergangene Saison abzuhaken und jetzt komplett bei nullanzufangen. Es geht doch auch gar nicht anders, denn sonst sind wir doch schon Samstag wieder bei „Dabrowski raus“ Rufen, wenn die Lackschuhe nicht standesgemäß (das sollten wir wirklich dringend geklärt wissen) bezwungen werden. Es ist richtig, kritisch zu beobachten und konstruktive Kritik zu üben. Aber bei Testspielen ist mir das zu früh. Ebenso kann ich doch nach nur neunzig Minuten keinem Spieler direkt die Qualität absprechen oder ihn gleich über den grünen Klee loben.

Natürlich bekommen wir auch weiterhin Gegentreffer per Kopf, obwohl aktuell allesamt „Kanten“ verpflichtet wurden, um die alleinige Lufthoheit zu gewinnen. Und selbst, wenn unseren Kaderplanern noch der so sehnlichst erhoffte große Wurf in Sachen Stürmer gelingt: Man stelle sich nur einmal vor, der Mann trifft in den ersten beiden Testspielen nicht dreizehn Mal. Ja dann brennt aber auch wieder direkt der Baum. Es ist jetzt die Zeit für unser Trainerteam, aus den zur Verfügung stehenden Spielern von Tag zu Tag mehr eine Mannschaft zu formen, die ein System spielen kann, welches erfolgreicher und definitiv auch schöner anzuschauen ist, als dass der vergangenen Saison.

Dafür braucht es viel Maloche. Und die sollten wir versuchen, etwas entspannter zu begleiten, als das aktuell so manchmal der Fall ist. Und auch die Dauerkarten kommen. Und die neuen Trikots. Und die verbesserte Kommunikation und überhaupt. Aber es braucht einfach immer auch ein wenig Geduld.

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