Martin oder Meiderich #217
Die Zweitvertretung von Hannover 96 hatte in der vergangenen Spielzeit der Regionalliga Nord einen Zuschauerschnitt von exakt 779 Fans. Und hätte als Meister dieser Liga den Direktaufstieg in die 3. Liga verdient. So wie es auch in unserem Stadion immer noch zurecht als Forderung auf einem Banner steht. Also das Meister aufsteigen müssen. Nicht unbedingt die Zwote aus Hannover. Aber auch die Würzburger Kickers hätten den Direktaufstieg als souveräner Meister der Regionalliga Süd verdient. Und so beginnt wieder die unselige Crux des DFB namens „Relegation“. Eine schier teuflische Institution, die nur eines im Sinn hat: Den sportlichen Erfolg einer ganzen Saison in die emotionale Hölle zu schicken.
Ist eine Relegation an sich schon schlimm genug, so treibt es die Relegation zwischen einem eigenständigen Verein und einer Zweitvertretung dann wirklich auf die Spitze. Hier werden sämtliche vom DFB geduldeten Ungerechtigkeiten in Summe dermaßen sichtbar, so dass man es mit der Wut bekommen kann. Das Heimspiel dann in die große Arena verlegt, anstatt die kleine Heimspielstätte zur Pflicht zu machen. Die dann herrschende Wucht einer Heimkulisse, für die die 96 Zwote ansonsten über 32 Heimspiele benötigt hätte. Und schaut man sich explizit die Protagonisten auf Hannoveraner Seite im Elfmeterschießen an, dann findet man dort einige Spieler, die möglicherweise in der Viertklassigkeit nicht einmal gegen den Ball getreten haben.
Es ist also alles ganz fürchterlich und hier erlaube ich mir die (bei vielen Fans sicher unpopuläre) Meinung, dass ich den MSV-Abstieg wirklich genossen habe, aber übernächste Saison lieber wieder zweimal gegen die Zebras in der Liga gewinnen will, anstatt immer mehr Zweitvertretungen ertragen zu müssen. Gerade bei 96 kommt ja noch erschwerend hinzu, dass das Kind in der 2. Bundesliga immer mal in den Brunnen gefallen ist, aber in der 3. Liga möglicherweise doch mal wieder den Martin machen will.
Wie gut funktioniert dagegen doch das Ligen System in England. Lassen wir die abgehobene Glitzerwelt der Premier-League einmal außen vor, funktioniert das Ökosystem zwischen den Ligen einfach hervorragend. Quittung für schlechte Leistungen: Der direkte Abstieg. Lohn für gute Leistungen: Die Play-Offs. Sicher auch der höheren Zahl an Vereinen pro Liga geschuldet. Aber hier wird eine überragende Saison als Meister nicht mit den Füßen getreten, so wie bei uns. Die Zwoten spielen ihre eigenen Wettbewerbe, mit maximaler Intensität. Im Mutterland des Fußballs zählt immer erst der Verein, so dass selbst in der achten Liga der Ramsgate FC, Hednersford Town, Prescot Cable FC usw. mehr Zuschauer im Schnitt haben als die Zwote von 96.
Ja und dann war dann noch der zweite Dämpfer des vergangenen Fußballwochenendes: Unser RWE trifft im DFB-Pokal auf die Getränkeabteilung aus Fuschl am See. Ich hatte die gar nicht auf dem Schirm, während ich fasziniert die Auslosung verfolgt habe. Die Gedanken waren eher bei „Gottseidank schon weg“ und „noch drin, diesmal wird es was“. Die Option Leipzig hatte ich komplett verdrängt. Aber dann bestreiten wir den Blockbuster „Hopfen versus Taurin“ eben sportlich und sind dann in der zweiten Hauptrunde mit besseren Aussichten erneut im Lostopf vertreten. Außerdem können sicher mehr RWE-Fans dem Pokalspiel Mitte August beiwohnen als gegen jeden anderen Gegner. Im Namen der Dose ist man bekanntermaßen ja nicht so reisefreudig unterwegs, so dass ein Block auf der „Gottschalk“ reichen dürfte. Aber egal ob 96 oder RBL: Hauptsache RWE!