Claus & Dieter #267
Vor dem Spiel bei Energie Cottbus haben wir sieben Spiele gemeinsam gewonnen. Das achte Spiel nun haben wir gemeinsam verloren. Auf eine Art und Weise, die rational jetzt nicht wirklich zu erklären ist. Da kann man besser versuchen, die Relativitätstheorie zu erklären, und die versteht auch weiterhin so gut wie niemand. Es gibt Spiele, die tauchen immer wieder in den Annalen auf, werden nicht selten als Jahrhundertspiele bezeichnet. Keine Sorge, ich möchte das Spiel von Energie Cottbus gegen unseren RWE nicht auf ein Schild heben wie das als solches betitelte Halbfinale der WM 1970 zwischen Italien und Deutschland. Die Aufholjagd der Reds 2019 daheim gegen Barca beispielsweise. Oder so viel mehr Spiele, die es auf den Olymp der schönsten Erinnerungen geschafft haben.
Aber in der Rückschau der jemals besten Spiele in der 3. Liga mit all seiner Dramatik und dem verrückten Spielverlauf, da wird dieses bittere 3:5 von RWE bei Energie noch viele Jahre seine Erwähnung finden. Der Legendario des kleinen Mannes, sozusagen. Der Verein am Ende der Welt an der Gelsenkirchen-Grenze, namentlich Rot-Weiss Essen, wurde also abrupt in seinem Lauf gestoppt. Aber wenn die vergangenen sieben Spiele außer breiter Brust und einundzwanzig Punkten noch etwas ganz Besonderes mit dem Umfeld gemacht haben, dann war es diese neu gewonnene Resilienz, die daraus hervorgegangen ist.
Eine Niederlage die uns zumeist jetzt nicht direkt wieder in den Panikmodus versetzt hat. Das Umfeld bleibt ruhig, die Reaktionen sind fast durchgehend besonnen und die Mannschaft wurde nach dem vogelwilden Fußballspiel noch im Stadion wieder aufgebaut. Wenn es also überhaupt die Niederlage zum richtigen Zeitpunkt gibt, dann war es für uns vielleicht diese bei Energie Cottbus. Unter dem Strich bleibt nun weiterhin Tabellenplatz zwei und das ganz wichtige Momentum im Sport, noch alles in der eigenen Hand zu haben.
Das ist etwas, was wir den Mannschaften hinter uns voraushaben, was sich unsere Mannschaft erarbeitet und erspielt hat. Und das wird sie nicht hergeben wollen, so meine steile These. Zudem dürften die letzten vier Spiele der Saison mindestens atmosphärisch allesamt Heimspiele für die Roten werden. Daheim gegen Saarbücken und Verl vor voller Hütte, dann bei Andrea Berg vor der Hütte in Großaspach und zu guter Letzt bei den Spatzen in Ulm. Dort, wo man vielleicht das vorerst letzte Spiel in der 3. Liga austrägt, sollten diese dann nicht mehr von den Dächern des Profifußballs pfeifen. Es darf also gerne weiter Hoffnung im Herzen herrschen und einen ganzen Verein weiter mit Optimismus erfüllen.
Auch wenn man direkt nach dem Abpfiff einmal tief durchatmen musste. Also ganz tief! Die fachliche Analyse des Spiels durch Trainerteam und Mannschaft wird sicher viele Stunden in Anspruch genommen haben, die gewonnenen Schlüsse daraus werden wir dann gegen die Saarländer auf dem Platz sehen. Für uns auf den Rängen reicht zumeist einfache Küchenpsychologie: Laut sein von der ersten Minute an. Diese Saison ist eine dermaßen turbulente, mit so vielen kleinen und großen Geschichten rund um Rot-Weiss Essen. Mit so viel Emotionen, zwischenzeitlichen Enttäuschungen und wieder aufkeimender Hoffnung. Diese Saison kann einfach nicht in die Sommerpause gehen, ohne im Mai noch etwas ganz Besonderes für uns parat zu haben. Und wenn es ist, dass Claus-Dieter endlich feststellt, sich schon mal danebenzubenehmen.
Das Spiel bei Energie somit abgehakt, beginnt unverzüglich die Vorfreude auf Saarbrücken. Muss ja. Geht auch gar nicht anders.