Kategorie-Archiv: RWO

SUNSHINE ON LEITH. ABSATZ Zwei.

Eigentlich war ich mit Absatz eins ja noch nicht wirklich fertig. Die Idee war, dass, wenn nun alle Vereine ihre Ligen verlassen und „rübermachen“ wollen, auch der RWE einfach eines Tages die Regionalliga West verlässt. Lass die einen ihre Superliga für Sofafans und wieder andere eine  Liga Nordish by Nature schaffen usw. Wir gehen nach Schottland und versuchen in der dortigen Championship Fuß zu fassen. Der Vorteil: Wir wären numerisch wieder zweitklassig und könnten endlich auch die Spiele gegen Rot Weiß Oberhausen zu den Akten legen. Das Derby in der Championship würden wir dann gegen den alten und bisher einzigen Europapokalgegner Hibernian Edinburgh spielen. Natürlich spielen die Hibs ihre Derbys eigentlich und ausschließlich gegen die Hearts, aber die Medien brauchen ja immer was um „hochzusterilisieren“  und trennen doch beide Hauptstadtvereine aktuell eine Liga. Da würden wir einfach die entstandene Lücke füllen. Gut, die Auswärtsspiele wären für uns Fans etwas beschwerlicher, was Zeit- und monetären Aufwand beträfe, aber was täte man nicht alles für den Verein. Und Schottland ist immer eine Reise wert.

Ok, das Konjunktiv mal beiseite gepackt, steht in der Realität tatsächlich mal wieder ein Besuch in Oberhausen bei RWO an. Da wo es meistens regnet. Von oben, nicht Punkte für uns. Das gilt es mal wieder zu ändern, schließlich waren die letzten Ligaspiele gegen die Kleeblätter ernüchternd genug. Wie immer würden drei Punkte auch Argument dagegen sein, die Saison schon frühzeitig als Wettbewerb um die goldenen Ananas abzuhaken. Wir sind zwar immer noch im Jahr1 von Hoch3, aber größtmögliche tabellarische Spannung täte natürlich allen Vereinen im Flaschenhals Regionalliga gut. Es sei denn, man ist eine Zweitvertretung und nicht wirklich auf Zuschauereinnahmen angewiesen. Ananas will ich nur auf Toast Hawai, aber nicht im Saisonverlauf.

Sonntag also die nächste Gelegenheit für die wahren rot-weissen, sich weiter zu stabilisieren und endlich den ersten Dreier seit dem 3.8.2012 bei den Kleeblättern einzufahren. Überhaupt sind ja die bis dato gewonnenen Spiele bei RWO deutlich in der Minderheit (Das natürlich die jeweilige Ligenzugehörigkeit im Zeitfaktor eine Rolle spielt, schenken wir uns mal in der Betrachtung). Vor 2012 war es 1995, als unsere Roten mit dem knappsten aller Ergebnisse dort gewinnen konnten und davor sorgte Frank Mill 1979 mit seinen zwei Treffern für einen 2:1 Erfolg. Also erst 16 Jahre und dann 17 Jahre auf einen Erfolg gewartet. Das würde bedeuten: Auf Basis dieser Grundlage müssten wir nun 18 weitere Jahre auf den nächsten Dreier im Niederrheinstadion warten. Um Himmels Willen, das wäre dann ja 2030. Geht gar nicht. Und vielleicht gibt es den Fußball dann überhaupt nicht mehr, da die Blase doch mal geplatzt ist. Also: Wir können nicht warten. Sonntag wird gewonnen und gut ist. Punkt! Also unter dieser Aussage, sonst natürlich deren drei.

In Oberhausen sind in der Regel um die 10.000 Fans vor Ort, treffen RWO und RWE aufeinander. „Seismographische Ausschläge“ inklusive: So waren es am 11.4.1970 28.000 Fans, die eng an eng stehend die gute Kanalluft erleben wollten. Zehn Jahre später, am 21.12.1980 waren es hingegen nur 3.500 Fans, die den Weg in das Niederrheinstadion gefunden hatten. Auch wenn es Sonntag wohl nicht fünfstellig werden wird, die 5.600 Fans der vergangenen Saison sollten doch übertroffen werden. Obwohl das Wetter Sonntag mal wieder pünktlich den Novemberblues zu beinhalten scheint. Frieren für den RWE vor und während des Spiels. Nach Abpfiff jedoch scheint uns hoffentlich die Sonne aus dem Allerwertesten und wärmt die Fanseele somit wieder auf. Für Rechenexempel an der Tabelle taugt aber auch ein möglicher Dreier noch nicht. Aktuell ist es wohl am Besten, einfach von Spieltag zu Spieltag zu denken, sich eher an einer eintretenden Konstanz im Spiel und gesunden Spielern auf dem Rasen zu erfreuen. Alles andere macht nur kirre.

Kirre machen bisweilen auch folgende Gedanken: Ist eigentlich unsere Tradition an diesem nicht enden wollenden Dilemma der Viertklassigkeit mit schuld? Oder anders gefragt: Hindern uns vergangene Erfolge und die Erinnerung daran, endlich eine Mannschaft in Ruhe wachsen zu lassen, um uns aus diesem sportlichen Tal der Tränen zu führen?  Fakt ist, wir können an der Tradition von Rot-Weiss Essen nichts ändern. Wir werden immer weiter mit Attributen wie Deutscher Meister; schlafender Riese; Zuschauerkrösus; Helmut Rahn und Willi Lippens; Bundesliga etc. in Verbindung gebracht werden. Und das ist auch gut so, weil es gut war. Selbst wenn wir rund um das Stadion alles abbauen und verbuddeln würden, was an bessere sportliche Zeiten erinnert: Man würde uns wieder daran erinnern. Aus der Nummer kommen wir einfach nicht mehr raus. Also sollten wir die Tradition bewahren; stolz darauf sein aber nur nicht vergessen, dass wir im Hier und Heute spielen und nach vorne gucken müssen. Nur vorne wartet ein Aufstieg. Hinten lediglich schöne Gedanken an früher! Wer nun nicht mehr auf unsere Tradition Wert legen möchte, oder auf unser mitunter kompliziertes und hochemotionales Umfeld: Wer also ausschließlich sportlichen Erfolg will; ja für den wurde extra der zukünftige Deutsche Meister  Rasendose Leipzig erfunden.

Um nun als Fan des RWE aber durchzuhalten gehört wohl auch, nicht wie so oft über Gegner zu jammern, die manch Fan als zu unwürdig für unsere einstmals glorreichen Kicker betrachtet. Das bringt rein gar nichts. Wir spielen immer gegen genau die Gegner, die sich in der gleichen Liga oder im selben Pokalwettbewerb befinden wie wir auch. Dem Namen nach klangvollere Vereine muss man sich erarbeiten. Außerdem gehe ich ja wegen Rot-Weiss Essen in`s Stadion und nicht des Gegners wegen. OK, und für Bratwurst und Stauder. Nur der RWE!

Das Gesetz der Trägheit

Ungekannte Gefühle machten sich vor diesem Spiel breit: So etwas wie Vorfreude schlich sich ein. Tatsächlich: Ich freute mich auf das Spiel des RWE gegen den Nachbarn aus Oberhausen. Aber warum eigentlich? Vielleicht weil es bis auf weiteres der letzte Besuch sein dürfte, oder weil sich die sportliche Situation etwas entspannt hatte? Auf die Freunde vor Ort oder auch darauf, Fritz Herkenrath zu Ehren applaudieren zu dürfen? Zwei Tage danach gibt es keine Antwort mehr auf diese Frage, denn die eigenen Mannschaft hat einmal mehr und diesmal so richtig ohne Ansage enttäuscht. Vor dem Spiel jedoch ging es nach Monaten mal wieder mit der „RWE Hit Mix CD“ an Bord auf die Reise gen Glutofen Essen. Lautstark mitgesungen wurden etliche Fanbusse eines benachbarten Bundesligisten  überholt. Denn sie wissen nicht was sie tun!

Warum nun schon um 13:00 Uhr angepfiffen werden musste, konnte nicht so richtig in Erfahrung gebracht werden; der guten Laune rund um das Stadion tat es aber scheinbar keinen Abbruch, sollte doch der endgültige Klassenerhalt ( Für temporäre Leser: tatsächlich Klassenerhalt, nicht Relegationsplatz oder dergleichen!) hier und heute gesichert werden. Nur unsere Mannschaft jedoch, die hat davon leider nicht viel mitbekommen! Würde man von Stehgeigern oder von Sommerfußball sprechen, so würde man jeden Stehgeiger und jeden Sommerfußballer prinzipiell beleidigen. Welch blutleere und fast pomadige Vorstellung in der ersten Halbzeit. Zugegebenermaßen von beiden Mannschaften! Vielleicht hatte ja doch die ungewohnte Anstoßzeit inklusive ebenso ungewohnt hoher Temperaturen seine Finger mit im Spiel. Das war bei allen schlechten Spielen in dieser schlechten Saison definitiv die schlechteste Halbzeit. Paradox wirkte im Verhältnis dazu die nimmermüde und durchgängige Anfeuerung von der „West“.

Mit dem Ende der torlosen ersten Halbzeit rissen die schlechten Nachrichten allerdings noch lange nicht ab: Denn es folgte ja tatsächlich noch eine zweite Halbzeit, die es zu überstehen galt. Hätte man abstimmen lassen, ob weitergespielt oder das Spiel zur Halbzeit als beendet gewertet werden dürfte, so hätten sich die allermeisten der geduldigen  Zuschauer sicher für das sofortige Ende entschieden. Natürlich wurde die zweite Halbzeit gespielt; lag der Fokus zudem immer noch auf die Beruhigung der Seele durch die möglichen drei Punkte auf dem Platz. Wenn die erste Halbzeit nun überhaupt eine sportlich verwertbare Erkenntnis brachte, dann die, wie wichtig ein Benjamin Baier aktuell für unser Spiel ist. Jemand der wenigstens einmal aus der zweiten Reihe den unverhofften Schuss ansetzt, und auch mal die eigenen Mitspieler wachrütteln kann. Dem neuen Trainer jedoch wurde endgültig und deutlich deutlich vor Augen geführt, auf welches Abenteuer er sich mit der aktuellen Mannschaft eingelassen hat.

Der Nachbar aus Oberhausen, selbst auch in dieser ersten Halbzeit nicht die hellste Kerze auf der Spieltorte konnte in der zweiten Halbzeit gar nicht mehr anders, als die Essener Trägheit mit Toren zu bestrafen. Endlich wurde das Betteln erhört, in Rückstand zu geraten. Blitzsauber wurde zweimal die Abwehr ausgehebelt und an Heimann vorbei eingeschoben beziehungsweise reingestochert. Man lacht an der Emscher wahrscheinlich noch immer darüber, wie simpel das an diesem Samstag möglich wahr. Vielleicht war es Galgenhumor, oder die Freude an einem wirklich gelungenen, neuem Lied auf der Tribüne: Die „West“ sang unverdrossen weiter, es kamen keine Schmähungen gegen die eigene Mannschaft, die es ansonsten schon bei wesentlich  besseren Leistungen und Rückstand gegeben hätte. Das Werfen von Gegenständen sollte trotzdem und überhaupt endlich einmal unterlassen werden! Wir sind nur noch auf Bewährung auf den Tribünen! Eine Atmosphäre also , die in der Beziehung zwischen den Geschehnissen auf Rasen und Tribünen einem Verwirrspiel glich.

Es wurde also nichts mit dem vorzeitigen Klassenerhalt. Wie dumm auch von uns Fans, das von der aktuellen Mannschaft zu erwarten. Wie dummdreist aber auch von nicht einmal einer Handvoll trunkener und scheinbar von Sonnenstich  geplagten Besuchern die Aktion, die Würde eines gegnerischen Spielers anzutasten. Das geht in keinster Weise und wurde entsprechend im Spielverlauf von Leon Binder kommentiert und geregelt. Eine bedauernswerte Randnotiz, die im Spielverlauf außer den Beteiligten selbst wirklich kaum einer mitbekommen hat. Ich denke, dann hätte es einen größeren Aufschrei gegeben. So jedenfalls war der Weg frei für den Berichterstatter der RevierSport, den RWE einmal mehr unter Generalverdacht zu stellen.

Rot-Weiss Essen benötigt in der kommenden Saison nicht nur endlich wieder eine Mannschaft, die diesen Namen und unser Trikot auch verdient; sondern auch eine Berichterstattung, die sich mit Fakten und Fußball beschäftigt, anstatt in Boulevard Manier Geschehnisse oder Gesagtes aus dem Zusammenhang zu reißen und auf mögliches Fehlverhalten einiger weniger zu warten. Wir sind nicht doof, wir Fans wissen doch, dass der RWE nicht sonderlich gut gelitten ist im Hause RevierSport. Wir wollen keine Hofberichterstattung, denn das ist auch keinem zuträglich! Aber ich glaube, Verein, Fans und natürlich auch auch Medien ihrerseits haben ein Recht auf eine gegenseitig faire Behandlung. Auf gut recherchierte Beiträge, deren Inhalte den Sachverhalt erzählen und nicht auf eine reisserische Überschrift, der kaum  wirkliche Fakten folgen, dafür aber Klicks generieren . Wenn in längst vergangenen Tagen vielleicht mal Fehler auf beiden Seiten gemacht wurden, dann ist es an der Zeit, nun einen Punkt zu setzen. In Münster zum Beispiel hat diese Form der Berichterstattung leider auch Überhand genommen, was die Preußen gar zu einem offenen Brief veranlasste. Weniger ist manchmal mehr! Die WAZ Essen kann es doch auch, berichtet sportjournalistisch und den Tatsachen geschuldet. Und das sicher nicht nur, weil die West ihren Namen trägt.

Diesen finalen Punkt können wir alle ja bald auch endlich unter die aktuelle Saison setzen. Gottseidank. Nie zuvor habe ich so viele Fans so müde erlebt. Veteranen in Rot und Weiß, der ständigen Enttäuschungen überdrüssig. Vielleicht kann ja  kommenden Samstag endlich der Klassenerhalt geschafft werden und dann das Endspiel im Europapokal der Landesmeister gegen den Wuppertaler SV die Saison wenigstens auf Papier und Konto halbwegs noch retten. Nur der RWE!

Heute nur Kummer.

Der Tatort vorbei, alle anderen nun zu Bett. Das Sonntagsritual verlangt nach den Regionalsportsendungen. Lustlos „hin- und hergezappt“ arbeitet der Kopf auf Hochtouren, sucht nach Gründen. Whattsapp oder sms zeugen von Gleichgesinnten, welche sich ebenfalls krank vor Kummer fühlen ob der erneuten Niederlage. Feuchte Augen ohne sich dafür zu schämen.

Der Erfolg gegen Bochum ließ erahnen, dass es das Spiel ist, welches nicht spielerisch leicht anzuschauen ist. Drei Punkte, dass war es aber, was zählt. Somit galt es sich überzeugen zu lassen. Dem negativen Bauchgefühl zum Trotze. Heute dann wieder so ein Spiel. Allerdings ohne die stets alles übertünchenden Punkte. Der RWE hat bei RWO mit 0:1 verloren. Und somit aktuell wohl auch die Chance auf den Relegationsplatz nachhaltig verspielt. Verspielt… welch Anachronismus!

Schlecht gestartet, miteinander geredet, dann die Herbstmeisterschaft….ja dann kommst Du doch mit einer Brust aus der Winterpause, die so breit, dass Pamela Anderson vor Neid erblasst. Läufst in Aachen und Oberhausen vor Tausenden mitgereister Fans und Hoffnungen auf. Wirst geliebt und unterstützt. Aber wer bin ich, nun in Kritik zu verfallen. Still leiden kann ich aber auch nicht und teile dieses also mit.

Lieber RWE, ich bin nicht traurig über die Spiele nach der Winterpause: Nein, meine Welt ist heute zusammengebrochen. Wird wohl wieder besser.