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Endlich wieder Senfflecken auf dem Trikot.

Herzlake:

Erstaunen lag in seinem Gesicht, als Roland Sauskat neunzig Minuten vor Spielbeginn aus dem Hasetal-Stadion kam. War es doch kein Problem, einfach dort hinein zu spazieren. Das Tor sperrangelweit geöffnet, so dass auch die komplette Mannschaft des RWE nebst Entourage über den eigentlichen Gästeeingang Zugang fand, um mit Sack und Pack über den Platz zu den Kabinen zu latschen. Vielleicht war es aber auch so gewollt, denn die beiden großen Busse aus Emmen parkten fein aneinandergereiht vor dem Haupteingang. Wie dem auch sei: Der Gästeeingang blieb geöffnet und jeder zufällig vorbeikommende Fußballfreund hätte so das Stadion betreten können. Was dann tatsächlich doch irgendwann auch einem Verantwortlichen des sehr netten Gastgebers VfL Herzlake auffiel. Und so war genau dann Schicht im Schacht, als eine kleine Essener Reisegruppe Einlass begehrte. Die Handys wurden gezückt wie weiland die Colts in einem beliebigen Western. Und eine Lösung gefunden, die aus Zaun- Tribünengäste werden ließ. Für so dröge Emsköppe war das ein richtig schneller Move. Unter Zuhilfenahme des RWE natürlich, das sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

So viele neue Gesichter im Kader unseres Herzensvereins. da ist man froh, wenn man direkt einen „Herze“ entdeckt. Oder einen der anderen aus der vergangenen Saison. Die Saisonvorbereitung und seine Testspiele sind immer auch aus der Kategorie „Namen lernen und Gesichter dazu merken“. Vielleicht ist auf dem kommenden Ausweichtrikot daher der Spielername wesentlich größer geschrieben als der unseres Vereins. Ein Trikot welches den Spielern auf den sportlichen Leib geschneidert ist, und sowohl in seiner Schlichtheit als auch der kernigen „Typo“ zu überzeugen weiß. Aber, der Verein steht immer über dem Spieler. Diese kommen und gehen. Der Verein jedoch bleibt. Deshalb wäre meine einzige Kritik an dieser Stelle das minimalistische Rot-Weiss Essen im Verhältnis zum Spielernamen. Ich hoffe da stark auf ein Umdenken im Heimtrikot, welches nach Aussage von Marcus Uhlig das Schönste sein wird, was wir je hatten. Um direkt im Anschluss augenzwinkernd hinzuzufügen, dass er dass ja vor jeder Saison sagt, es diesmal aber wirklich stimmt! Es wird also stofftechnisch spannend bleiben bis zu dem Vorbereitungsspiel gegen den langjährigen Rivalen mit ohne passendem Stadion aus Verl.

Das ist ja schon fast ein Treppenwitz, der uns da aus Verl erreichte: Warum ist man plötzlich geschockt über die (fragwürdigen) DFB-Richtlinien in Sachen Stadionkapazität? An der Zahl von 10.001 hat sich auch durch Corona nichts geändert. Das war also bekannt, und man hätte an der Poststraße reagieren können, oder wie geschehen, eben nicht. Daher wundert man sich eher darüber, dass man sich in Verl darüber wundert. Aber, um auch für den SC Verl zu schreiben: Man hat sich dort ein zweckdienliches und den eigenen Ansprüchen komplett ausreichendes Stadion geschaffen. Designtechnisch gar nicht mal unterste Schublade. Der Zuschauerschnitt passt dazu und überhaupt: Womit ist diese Zahl von 10.001 für die 3.Liga begründet? Nun treten mittlerweile fast alle in Lotte den dortigen Sportfreunden den Rasen kaputt und zu den Hochsicherheitsrisikospielen gegen den TSV Havelse, Türkgücü München oder Viktoria Berlin zum Beispiel muss man wohl auf die Bielefelder Alm ausweichen. Das ist alles teuer und fern jeglicher Realität. Verbandswesen halt.

Aber zurück zu unserem Spiel in Herzlake gegen den Eredivisie Absteiger des FC Emmen. Das war eine gute erste Halbzeit, die unsere Mannschaft gegen die ebenfalls neuformierte Mannschaft aus Emmen gespielt hat. Man hat es geschafft, sich aus anfänglicher Umklammerung zu lösen um seinerseits immer wieder Torchancen zu kreieren. Was die Emmener Mannschaft geritten hat, zwischenzeitlich aus unserer Mannschaft Hackfleisch machen zu wollen, wusste im Stadion kein Mensch. Weder stand ein Derby an, noch musste die Deutsch-Holländische Fußballrivalität belebt werden. Das waren keine Emmentaler, dass waren Emmener Heißsporne. Aber, auch so kann man als Mannschaft lernen, dagegenzuhalten. Was in der zweiten Halbzeit dann nicht mehr so wirklich gelang. Einem Freistoßtor der Marke „Unhaltbar“ folgten zwei eher unglückliche Gegentore.

Das Endergebnis von 0:3 ging somit aufgrund der zweiten Halbzeit in Ordnung. Grundsätzlich und überhaupt sollte man den Testspielergebnissen keine zu große Beachtung schenken. Hier gibt es keine Tabelle, sondern nur Erkenntnisse. Und nur, weil wir im vergangenen Jahr noch gegen denselben Gegner gewonnen haben (damals sogar noch Erstligist), bedeutet dass im direkten Umkehrschluss keineswegs, dass unsere Mannschaft aktuell schwächer ist. Aber wir wissen ja: Selbst Vorbereitungsspiele sind im Ergebnis Wasser auf den Mühlen der Dauernögler.

Wielen:

Die Fünfhundertfünf Köpfe zählende Gemeinde Wielen mit seinem ASC GW 49 Gastgeber und Gegner zugleich für das zweite Vorbereitungsspiel im Rahmen des diesjährigen Trainingslager. Morgens noch trainiert, im Mittag die Koffer gepackt und am Nachmittag raus aus dem Emsland in die schöne Grafschaft. Als der Mannschaftsbus ca. eine Stunde vor Spielbeginn den Sportplatz am Heideschlösschen erreichte, wirkte er in Relation zu dem ländlichen Umfeld viel größer als sonst an der Hafenstraße. Der erste Schock für die Medienbeauftragten des RWE direkt nach dem Aussteigen: In der Niedergrafschaft und besonders in Wielen sind die Tornetze oftmals stabiler als das Funknetz. Ganze Spiele im „offline“ sind hier keine Seltenheit. Vielleicht wirken die Menschen hier daher um einiges entschleunigter. Komplette Entspannung also vor dem Eingang, Smalltalk und nette Begrüßung inklusive. Die aktuell geltenden Einlassmodalitäten wurden mit Grafschafter Bierruhe und Essener Lässigkeit flott erledigt.

Endlich wieder Bratwurst in der Hand und Senfflecken auf dem Trikot. Nirgendwo findet man übrigens lässiger Menschen an einer Spielfeldbande stehen, wie rund um einen Fußballplatz. Meistens ein Bein vorgestellt, den Poppes etwas nach hinten gekippt und eine Bierflasche in der Hand. Bier und Bratwurst, die Essenz des Fußballs umrahmten dieses Testspiel somit ebenso wie die etwa vierhundertfünfzig Zuschauer aus nah und fern. Die aus der Ferne bekamen durch den Stadionsprecher zusätzlich noch neunmal eine Kostprobe für das „rollende R“ der Niedergrafschaft auf die Ohren. Es passte einfach alles.

Damit es auch am Ende einer intensiven Woche für alle Spieler passt, hat Trainer Christian Neidhart gleich zwei Mannschaften aufgeboten. Wenn ich richtig liege, haben bis auf Keeper Daniel Davari und die Rekonvaleszenten alle Spieler in Wielen Einsatzzeit bekommen. Und präsentierten sich überaus spielfreudig und ehrgeizig zugleich. Sowohl die Mannschaft der ersten Hälfte, als auch die Truppe in der Zwoten. Der Kampf um die Plätze in vollem Gange. Da auch die Mannschaft des ASC GW 49 richtig Lust auf das Spiel hatte, war das Geschehen auf dem Platz durchaus interessanter, als es das Endergebnis von neun zu null für unseren RWE vielleicht auf den ersten Blick vermuten lässt.

Der erste Auftritt von Rot-Weiss Essen in der Grafschaft Bentheim überhaupt ein ziemlich gelungener. Und spätestens nach einigen Kilometern auf der Heimfahrt gen Pott (Oder gen Nordhorn) war auch das Netz wieder stabil, was zu Erleichterung bei vielen geführt haben dürfte.

Den Verantwortlichen des ASC GW 49 und den vielen Ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen gebührt der Dank für einen rundum gelungenen und schönen Fußballabend. Und wie wir ja aus der Historie wissen: Immer, wenn der RWE in der Grafschaft zu Gast war, gelang am Ende der Saison der Aufstieg…

Ode an den Optimismus.

Es war das fünfte Testspiel vor der bald beginnenden Saison 2018/19: Auf neutralem Boden irgendwo im nirgendwo wurde gegen die Sportvereinigung 07 Elversberg mit 0:1 verloren. Zuvor gab es ein torloses Remis gegen Kölner Südstädter; eine 0:1 Niederlage gegen den TuS Jeddeloh im Trainingslager und ein anschließendes Torfestival gegen die Helene. TuS nicht Fischer. Auch die Lackschuhe konnten mit mehr Toren bezwungen werden, als es dieser Kumpel und Dingsbumsverein gestern zu tun vermochte. Unter dem Strich also viele Tore gegen unterklassigere Vereine, während die Spiele gegen Teams auf gleicher oder höherer Ebene durchgehend torlos gestaltet wurden. Bei zwei Gegentoren.

Für manch Freunde der Kommentarspalten waren diese Ergebnisse schon wieder Anlass genug, um wütend auf die Tastatur oder in das Handy zu hacken, dass das doch wieder nichts werden wird. Die nächste arme (Spieler-)Sau, die durch das mediale Dorf getrieben werden könnte, ward auch schon gefunden. Was haben auch Vater und Sohn zusammen in und rund um eine Mannschaft verloren? Es war jetzt nicht der große Sturm der Entrüstung, welcher sonst nach Niederlagen über das Social Media Team und auf die Spieler unseres Vereins hereinprasselt, aber es war doch ein Signal: Es geht heutzutage leider nicht mehr ohne negatives Denken und Handeln. Manch einer erwartet eine andauernde Siegesserie mit mindestens 1907 Toren Unterschied und findet trotzdem noch etwas zu motzen, sollte es eines Tages tatsächlich dazu kommen.

Das Problem: Wie geschrieben: Diese andauernde negative Denke! Diese perfide Lust darin, bei Nichtgefallen sofort und ohne Rücksicht auf Wortwahl und Respekt vor Spielern und Verein verbal draufzuhauen.

Dumm nur, dass dieses Problem ein neues Problem schafft: Es motiviert einfach nicht, andauernd bepöbelt zu werden. Sondern es schafft Barrieren. Im Kopf und im Miteinander. Hindert junge Sportler darin, besser zu werden und hindert den Pöbler als solchen daran, sich auch einmal mit Niederlagen abzufinden und trotzdem zum nächsten Spiel wieder optimistisch gestimmt an die Hafenstraße zu pilgern. Es muss doch auch unzufrieden machen, wenn man immer nur negativ geprägt in ein Stadion geht. Egal ob nun Essen oder Mailand. Hauptsache Madrid.

Wir machen das nun schon eine Dekade durch und der Trend geht ja leider immer weiter in Richtung soziale Eiseskälte. Wir sollten also damit aufhören.

Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Fans, Verantwortliche, Mannschaft, Mitarbeiter und Sponsoren. Wir alle wollen endlich wieder aufsteigen. Das geht aber nur, wie wir langsam aber sicher festgestellt haben dürfen, gemeinsam. Dazu bedarf es natürlich keinen lächerlichen DFB Hashtag, sondern es braucht nur eine Sache:

OPTIMISMUS!

Ja echt jetzt! In der Tat. Wir müssen endlich aufhören, negativ zu denken. Haben wir lange Jahre bis zum Exzess ausgiebig gemacht. Hat natürlich auch keinen Aufstieg eingebracht, sondern uns nur immer tiefer in die Abwärtsspirale reingeritten. „Alle gegen Alle „war schicker als ein positives Wort. Schuldige wurden gesucht und durch die Plattformen getrieben. Auch hier: Aufstieg Fehlanzeige. Natürlich sind gelegentliche Negativgedanken nicht verkehrt, schützen sie doch vor Enttäuschungen oder helfen dabei, einen „Plan B“ immer parat zu haben. Nur im Sport, da nützt es meines Erachtens nicht viel.

OPTIMISMUS: zuversichtliche, durch positive Erwartung bestimmte Haltung angesichts einer Sache, hinsichtlich der Zukunft

Was stimmt mich also nun zuversichtlich für die kommende Saison? Ich glaube zum einen, dass dieser lange Prozess der Spielerinflation nun langsam aber sicher abgeschlossen ist und ich glaube zum anderen, dass wir mit Karsten Neitzel einen guten Trainer bekommen haben, der in seiner Art sehr gut an die Hafenstraße passt. Vielleicht kann uns somit der „Agi-Quicki“ noch zum Vorteil gereichen, indem uns sein unerwarteter Abgang einen sehr guten Nachfolger beschert hat. Auch die Neuverpflichtungen wirken mit Sinn und Verstand ausgewählt und scheinen Lust auf die Hafenstraße zu haben. Im positiven Sinne natürlich.

Machen wir uns nichts vor: Die Sache wird für Rot-Weiss Essen nicht einen Millimeter einfacher, nur weil es endlich den direkten Aufsteiger geben wird. Im Normalfall werden wir den Platz an der Sonne nicht belegen. Wir kommen von Platz Zehn und sollten erst einmal kleine Brötchen backen. Schließlich hat der Viktorianische Gönner leider immer noch nicht die Lust an seinem Spielzeug verloren und will mit seinen wunderlichen Typen endlich den direkten Weg in Liga Drei schaffen. Scheissegal, ob dass in Köln weder Geißbock, Hai noch Fortune interessiert. Aber optimistisch betrachtet: Warum eigentlich mal nicht wieder ganz oben angreifen? Was spricht dagegen?

Wird dieser schäbige Gästeblock aka Verschlag in Rödinghausen ohne Niederlage verlassen und gelingt vielleicht die Revanche gegen die aus dem Tal: Das wäre nicht fatal. Könnte uns alle auf eine gemeinsame Reise mitnehmen und den Hauch von Euphorie versprühen.

Gut, dem gegenüber steht der Konjunktiv. Aber, ich denke es ist klar geworden, worum ich hier mit vielen Worten bitte: Lasst das pöbeln. Es bringt auch keinen Aufstieg. Hat es noch nie!

Einen Titel haben wir seit Samstag definitiv schon sicher: Werder in einer Halbzeit zu besiegen, das war natürlich ganz nett. Ohne wenn und aber sind wir jedoch direkt und ansatzlos Sieger des „Trikot Award am goldenen Kleiderbügel 2018“ geworden.

Was eine Hommage an den Verein, seine Farben und seine Lieder. Dieses Trikot verkörpert so viel von dem, was unseren RWE ausmacht. 

Das in diesem Trikot und seiner Gestaltung auch noch geistiges Input von Michael Welling steckt ist eine gute Sache, denn es bedeutet, dass es Vorgänger und Nachfolger zuallererst um den Verein ging und geht. Dass Gutes weiter umgesetzt wird und neue Wege beschritten werden.

Für den Verein.

Nur der Optimismus und nur der RWE!