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„Am Ende wird alles gut. Leider befinden wir uns erst am Anfang vom Ende“ ©ERnst Ferstl

Diese Saison verlangt nicht nur den Spielern und Vereinsvertretern unglaublich viel ab. Auch als Fan ist man arg strapaziert und würde seine Nerven gerne mal auf der Massagebank durchkneten lassen. Es hat Kraft gekostet, so lange an den Aufstieg zu glauben und dass ohne Wenn und Aber auch ständig zu kommunizieren. Sogar ungefragt. Es gab so viele tolle Spiele unserer Roten, nach denen wir gar nicht abwarten konnten, dass uns schon der nächste Stream dem gelobten Land ein Stück weit näher bringen wird. Seit Pfingstsonntag wissen wir mit höchster Wahrscheinlichkeit, dass das gelobte Land einmal mehr eine weitere Saison auf Rot-Weiss Essen und uns verzichten muss. Sehr unwahrscheinlich, dass die Zweitvertretung jetzt noch die nötigen Punkte abgibt um uns auch nur annähernd wieder in Position zu bringen. Nach dem Spiel in Köln besteht zudem kein Anlass zu spürbarem Optimismus, die eigenen letzten beiden Spiele betreffend, so schlecht der Auftritt dort. Speziell die erste Halbzeit war eine ungewollt und ungewohnt kollektive Absage an jegliche Aufstiegshoffnungen. Das war noch schlechter als der Auftritt in Ahlen. Der zweiten Halbzeit war dann wenigstens das „stets bemüht“ nicht abzusprechen. Unseren vielen Indianern auf dem Feld fehlt gefühlt der Häuptling, der in solchen Spielen vorangeht, aufrüttelt und notfalls auch mal anschreit. Wen auch immer. Viele scheinen irgendwie nur mit sich selbst und der eigenen Zukunft beschäftigt zu sein. Die Niederlage und das Ende fast aller Aufstiegshoffnungen somit verdient. Der hohe Aufwand des BVB inklusive Pippi Langstrumpf Lebensmotto, sich die (Liga-)Welt so zu machen, wie es ihm gefällt, hat sich am Ende der Saison ausgezahlt.

Sich nun schon vor Monaten ein Trikot mit „Aufstieg 21“ beflocken lassen, wirkt im Nachgang sicher komplett arrogant. Ebenso wie die Aufstiegstorte in der Kühltruhe mit selbiger Aufschrift. Aber es sah doch alles auch danach aus. Selbst die Kommentare einer Sportzeitung mussten immer mal wieder durch neue Kommentare revidiert werden, kam doch der Abgesang zu früh (Zu früh sollte man übrigens auch nicht mit einem Endergebnis und erstem Text online gehen, während das Spiel noch läuft. Das ging gegen Straelen so richtig nach hinten los). Es gab also Phasen in dieser langen Saison, da schipperten wir auf ruhiger See dem Sonnenuntergang entgegen und träumten zu Recht von dem finalen Pfiff, welcher uns endlich auf den aufsteigenden Ast bringen würde.

Es kam nun leider doch alles anders und nicht der Sonne entgegen: Trotz der vielen erfolgreichen Schichten bleibt Rot-Weiss Essen einmal mehr unter Tage stecken. Die Grubenlampe im finsteren Stollen Regionalliga hatte zum Schluß nicht mehr genug Saft, um den Weg zum Förderkorb Richtung gelobtes Land dritte Bundesliga zu weisen. Die Gefühle direkt nach Abpfiff im Kölner Südstadion zwiegespalten: Auf der einen Seite der Sturz in komplett vollumfängliche Enttäuschung und Traurigkeit. Auf der anderen Seite aber auch die rationale Erkenntnis und Dankbarkeit, dass es aufgrund der Punktausbeute eine der wohl besten Spielzeiten seit so vielen Jahren ist. In manch anderen Jahren wäre man zudem schon längst aufgestiegen. Das macht es ja auch um so vieles frustrierender: Ein prallvolles Punktekonto und am Ende doch nichts in den Händen! Und doch macht sich mit zunehmenden Abstand zum Spiel noch eine weitere, eher ungewöhnliche, Empfindung bemerkbar: Das Gefühl der Erleichterung. Bei aller Traurigkeit erleichtert es ungemein, sich nicht mehr andauernd der Tabelle und den Rechenspielen widmen zu müssen wollen. Endlich mal (wenn auch gezwungenermaßen) den eigenen rot-weissen Kompressor ausschalten können, der seit dem 05. September 2020 geistige Schwerstarbeit zu verrichten hatte.

Die Erkenntnis des abermaligen Nichtaufstiegs zeitgleich an einem Wochenende zu erlangen, an dem die Jubelbilder der Aufsteiger aus dritter und zweiter Bundesliga die Runde machen, ist jetzt nicht wirklich einer besseren Stimmung zuträglich. Sie zeigen aber einfach auch nur, wie begehrenswert ein solcher Moment sein kann. Aktuell hat es das, nach Rot-Weiss Essen, sportlich Sympathischste, was das Ruhrgebiet zu bieten hat, nach vielen Jahren mal wieder in die Bundesliga geschafft. Glückauf und herzlichen Glückwunsch, lieber VfL! Auch wenn die Bundesliga langsam aber sicher zur unattraktivsten Spielklasse mutiert. Und endlich haben sich auch Fans und Polizei wieder. Wobei es sich mir komplett entzieht, warum man sich jetzt auch schon bei freudigen Ereignissen kabbeln muss.

Mittwoch endlich sind auch an der Hafenstraße wieder Fans zugegen. Frisch getestet und leider genau so frisch desillusioniert. Die ersten aus dem Lostopf der Dauerkarteninhaber/-innen gezogenen bieten ihre Karten aus dem Frust des Köln Erlebnisses direkt wieder an und verzichten freiwillig. Andere wiederum freuen sich einfach nur darauf, endlich mal wieder das eigene Wohnzimmer betreten zu dürfen. Außerdem kann man sich gebührend von „Platzo“ verabschieden. Oder mal wieder Timo Brauer zuhause begrüßen. Es muss ja irgendwie immer weitergehen.

Mit dem letzten Heimspiel kommenden Mittwoch gegen die Sportfreunde aus Lotte verabschiedet sich vorerst wohl auch „Hafenstraße Live“ in die verdiente Sommerpause. Noch ist nicht absehbar, wie sich die nächste Saison zuschauertechnisch gestalten wird. Dürfen wir rein, ist der Stream vielleicht raus und umgekehrt. Daher der beste Zeitpunkt, um allen Beteiligten einmal ein großes Dankeschön zu übermitteln, uns die Heimspiele auf den heimischen Monitor gebracht zu haben. So zwischen Wäsche falten und Hunderunde.

Ach, was waren wir nah dran. Hoffentlich kommt das nochmal wieder. Und ganz vielleicht kommt auch dem DFB mal langsam aber sicher die Erkenntnis, dass das mit den Zweitvertretungen nicht so ganz im Sinne aller sein kann. Aber, der DFB muss wohl selbst erst einmal zu Sinnen kommen.