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Und jetzt das Wetter…

Der DFB als Weltbester Spaltpilz hat es einmal mehr geschafft, den Fußball unseres Landes effektiver zu teilen, als es jeder Trennschleifer vermag. So stellt es sich mir nach einem Fußballwochenende dar, welches sportpolitisch zu den schwärzeren gehören dürfte. Jetzt ist der DFB  nicht einmal der Auslöser gewesen, waren das aktuell die allseits bekannten Protestplakate. Nun ist seit Samstag sehr viel darüber geschrieben und berichtet worden. Sehr viel einseitiges aus dem Hause Sky, Sport1 und ZDF zum Beispiel. Weiterhin hetzte das Hetzblatt Nummer 1 auch wieder ungefiltert und unreflektiert darauf los usw. Zudem werden gar Inhaftnahme und andere Sanktionen gefordert. Ach, es war bisweilen zum Fremdschämen, wie sich dort aufgeführt wurde.

Zur Einordnung: Ich muss jemanden nicht mögen, aber ein Konterfei hinter einem Fadenkreuz gehört für mich nicht öffentlich ausgestellt. Und die Beleidigung, der Sohn einer rechtschaffenen Mutter im horizontalen Gewerbe zu sein, höre ich im Stadion nur zu oft. Ich mag es einfach nicht mehr hören. Unabhängig von den aktuell handelnden Personen. Man kann auch jemanden kritisieren, indem man witzig und kreativ agiert. Hoppe, Hoppe Reiter, wenn er fällt dann schreit er. Ach so: Gegen Kollektivstrafen!

Beide Banner wurde aber gezeigt und das hatte etwas zur Folge, was ich in dieser Vehemenz nicht erwartet hätte. Einmal abgesehen von den Spielunterbrechungen natürlich. Zum einen die peinlichste TV Darstellung, die ich jemals im Fußball erlebt habe: Während ein Sky Kommentator hyperventilierend die Bannerverantwortlichen im Bayern Block seinerseits „durchbeleidigt“, wird der Beleidigte von jenem Mann auf das Feld geführt, der sich seinerseits schon mal beleidigend gegen den Verein des Beleidigten geäußert hat. Und sich selbst nicht wirklich zur Moralinstanz unseres Landes zählen dürfte. Der Rest dieses Tages ist bekannt.

Wie aus heiterem Himmel schienen intern längst abgesprochene Schritte auf beiden Seiten zu greifen: „Yippie Yah Yei Schweinebacke“, endlich Eskalation! In Folgespielen und unabhängig von der Liga zeigten Fans, bisweilen auch zum Unwillen vieler andere Fans, ebenfalls Transparente und Banner. Der DFB seinerseits reagierte direkt mit dem Griff zum roten Telefon: Der Stufenknopf wurde gedrückt. „Wenn wir schon nicht gegen Rassismus und Diskriminierung vorgehen, dann schützen wir wenigstens einen der Unseren“. So stellt es sich dem verblüfften Betrachter dar, der sich nun auf ständig wechselnde Zeiten einstellen darf, wann ein Spiel beendet wird. Die folgenden Sendungen verschieben sich ab sofort um XY Minuten!

Das Dumme dabei: Keiner hat den Unparteiischen nun explizit mitgeteilt, welche Schriftstücke und Bildformate nun eine Unterbrechung nach sich ziehen. So wurde in Meppen beispielsweise für eine „Tapete“ unterbrochen, die von einem durchaus respektablen Reim geziert wurde. Keine einzige Beleidigung, Bedrohung oder dergleichen stand dort geschrieben. Der Pfiff erfolgte trotzdem. Sogar zum Unverständnis mancher Protagonisten auf dem Feld. Der DFB hat mal wieder den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht und vergessen, zuerst in Gelsenkirchen einen Keller zu mieten, aus welchem sich zukünftig der #BAR melden wird. Der Banner Assistent Referee wird sich dann noch einmal die strittigen Banner anschauen und dem Unparteiischen zeitnah mitteilen, ob unterbrochen wird, oder eben nicht. Ohne #BAR wird wahrscheinlich in Zukunft bei jedem Banner abgepfiffen; selbst wenn es sich um eine blanko Raufaser oder ein unbemaltes Bettlaken handelt.

Ist Stand also momentan: Sogenannte Szenen gegen den DFB (beziehungsweise stellvertretend dafür gegen eine Person). DFB gegen Mitglieder sogenannter Szenen, die bisweilen gar mit Terrorzellen verglichen werden (Überspitzt formuliert). Fans gegen Szenefans. Viele TV Anstalten, die abhängig von Fußballübertragungen sind gegen Szenefans. Rechtsanwalt gegen Szenefans. Fananwälte gegen Vorverurteilung, vernünftig reflektierende Medien gegen einseitig agierende Medien usw. usw. Und zum allen Überfluss haut man in Leipzig eine Love & Peace Choreo raus, um im selben Spiel Besucher rauszuwerfen, die man via Herkunft als potentielle Virusträger verortet.

STOP! Bitte alle mal schütteln oder tief durchatmen.

So geht das alles nicht mehr weiter. Merkt Ihr selber, woll? Ich weiß, ich kann hier keine Intellektuelle Aufarbeitung der Geschehnisse in einem ausgewogenen Kontext anbieten, wie es einige gestern und heute schon gemacht haben. Schon gar nicht als harmoniesüchtig bekannter „Rosamunde Pilcher der Fußballblogger“. Aber ich kann in meinen Worten darlegen, dass es so kein gutes Ende nehmen wird. Und dann sind wir am Ende alle die Verlierer. Denn einen Gewinner wird es lange nicht mehr geben. Den feuchten Traum des DFB, die Premier League mit all seinen Nachteilen Vorteilen auch in Deutschland zu etablieren, wird der hiesige Fan nicht mitträumen. Keiner will per App den Nachbarn denunzieren, weil er steht. Wir wollen weiter stehen, uns mal Dinge verbaler Natur an den Kopf werfen; ein gepflegtes rektaler Ausgang oder ähnliches zum Beispiel nach Foul oder nicht gegebenem Elfer. (Und nochmals: Ich kann das H****sohn einfach nicht mehr hören), Wir wollen unbequem sein und uns einmischen. Eben, weil man sich beim DFB und seiner Ausrichtung einfach einmischen muss. Der DFB dieser Tage möchte wohl am liebsten eine Dreier Liga mit den Bayern (ohne dessen Ultras), der TSG Hoffenheim und natürlich dem Konstrukt aus Leipzig. Der einfache Fan hingegen wünscht sich aber leider wohl eher Rot-Weiss Essen gegen Chemie Leipzig. Klar, dass man so nicht zusammenkommt.

Der DFB lebt nach dem Motto „Was kümmert mich mein Versprechen von gestern“, und bekommt nun genau das von einigen Tribünen vor die Füße geworfen. Leider schaffen es diese Tribünen nicht, den Protest so zu gestalten, dass er nicht als justiziabel und skandalös erachtet wird. „12:12“, das war zum Beispiel ein Protest, der richtig Wirkung gezeigt hat. Im Stadion und an den TV Bildschirmen. Hier wurde keiner ins Fadenkreuz genommen, sondern gemeinsam ein Weg gefunden, zu protestieren. Diese laute Stille war seinerzeit mehr als beeindruckend! Daher glaube ich, dass wir aus der aktuellen Nummer nur rauskommen, wenn wir Fans zeigen, dass wir die Klügeren sind und mit Witz und Biss malen und protestieren, wenn es etwas zu protestieren gibt.

Und nun zum Wetter!

Prolog:

Reinhold Ertel war von 1972 – 1975 Trainer des damaligen Zweitligisten Barmbek -Uhlenhorst. Auch als „BU“ bekannt. Nach einem Spiel sprach er 1975 folgenden Satz in das Reportermikrofon: „Ich muß noch mal die Dilettanterie in Hinnahme der Gegentore ansprechen“. Wie schön konnte man doch seinerzeit das scheinbare Versagen der eigenen Mannschaft in punkto Abwehrverhalten erklären. Auch ohne jedwede Beleidigung wusste man respektvoll: Das war Mist! Manches war früher durchaus besser.

Der offene Blog an den DFB

Lieber DFB, natürlich kannst Du nicht jedes Deiner einzelnen Fußballschäfchen kennen. Dafür sind wir doch viel zu viele und zählen Millionen. Also versuche ich einfach mal so, Dir einen Wunsch zukommen zu lassen, der mich schon seit längerer Zeit beschäftigt:

Vielleicht ist es Dir ja noch gar nicht aufgefallen vor lauter strategischen Planungen die Zukunft betreffend. Zudem will muss auch das Sommermärchen aufgearbeitet werden und nimmt viel Zeit in Anspruch. Der eigene Fanclub will koordiniert werden, denn natürlich bedarf ein jedes noch so unwichtige Spiel seine eigene Choreo; die Amateure als Basis unseres so geliebten Sports wollen beruhigt und eigentlich doch nur abgezogen werden. Der TV Fußball soll nun über allem stehen. Die DFL natürlich auch sehr wichtig. Neue Schlagwörter wie Setzlisten und angestrebte weltweite Präsenz der führenden Vereine bestimmen aktuell das Geschehen. Und noch so viel mehr ist zu tun. Da ist es also, um darauf zurückzukommen, kein Wunder, dass Dir noch nicht aufgefallen ist, was uns (ältere) Fans immer mehr beschäftigt:

Es gibt zu viel Fußball am heimischen Empfangsgerät. Natürlich gibt es diejenigen die gar nicht genug Fußball gucken können und auf diversen Internet Plattformen auch noch das Derby Lions Gibraltar FC gegen Gibraltar United FC anschauen würden. Zum Beispiel jetzt. Bestenfalls noch mit der geöffneten App der Wettanbieters der Wahl um noch schnell eine Wette zu platzieren. Der Rubel muss schließlich rollen. Oft genug erscheint es heutzutage so, als ob eben jener rollende Rubel wichtiger ist als die rollende Kugel. Ich jedoch, als Kind von 1966 und durch Uwe Seeler zu seinem Vornamen gekommen; endgültig fußballerisch sozialisiert mit der WM 1974 im eigenen Land, möchte den Fußball noch als etwas besonderes erleben und mich darauf freuen. Oft genug habe ich in kalten und zugigen Stadien der 80er Jahre gestanden. Und es war auch toll! Nach der Schule die Hausaufgaben vernachlässigt, weil sich Eberhard Stanjek via schlechter Telefonleitung aus dem nebeligen Sofia gemeldet hat, um ein Europapokalspiel der Landesmeister in der ARD zu kommentieren. Nachmittags wohlgemerkt. Das Rückspiel im UEFA Pokal 1980 zwischen der Frankfurter Eintracht und der Borussia aus Mönchengladbach habe ich abends im Radio verfolgt obwohl kein Fan eines der beiden Finalisten. Fußball im Radio, bisweilen und auch immer noch, eine packende Art, Fußball zu verfolgen. Weisst Du noch, die legendäre Schlusskonferenz 1999? Das war Fußball pur. Heute verkommt Fußball bald zu einer Art Ramschware: Alles muss raus, alles muss gezeigt werden. Fußballübertragungen fluten den Fernseher wie Castingshows.

Heutzutage blicke ich oftmals gar nicht mehr durch, welcher Wettbewerb gerade mal wieder am Fernseher gezeigt wird, oder um welchen Spieltag es sich überhaupt handelt. Es muss ja alles auseinander gezerrt werden, um möglichst viele Spiele live zu zeigen. Auf die Fans im Stadion nimmst Du dabei schon lange keine Rücksicht mehr. Willst Du überhaupt noch Fans im Stadion? Man kann doch technisch sicher schon Stimmung simulieren. Schließ uns doch komplett aus, dann kannst Du endlich Spiele ansetzen, wie Du lustig bist. Aber jetzt mal im Ernst: Vielleicht ist das Angebot für Fans jeden Alters, die kaum über Stadionerfahrung verfügen und diese wohl auch nicht mehr bekommen werden, durchaus ein gutes. Aber wir, die wir wissen, dass kein TV Spiel jemals den Stadionbesuch ersetzen kann, wir brauchen das nicht immer! Der FC Bayern und der BVB zum Beispiel erfreuen sich einer stets immer größer werdenden Fanschar, aber eben aufgrund der medialen Präsenz in Einklang mit den vielen sportlichen Erfolgen. Es wird dabei fast vergessen, dass auch diese beiden Vereine über Jahrzehnte schon von Fans begleitet wurden, die auch schlechte Zeiten und nicht immer gefüllte Stadien mitgemacht haben. Für sie tut es mir manchmal leid, dass sie sich heute ihren Verein mit dem modernen (TV) Fan teilen dürfen. Aber auch das nur nebenbei, ich schweife ab. Die Emotionen.

Gestern Abend also, das Testspiel in Mailand gegen Italien zum Beispiel: Ich kenne die TV Quoten nicht und mache mir jetzt auch nicht die Mühe, diese zu recherchieren. Denn ich weiss von so vielen Fußballfans, die sich dieses oder ähnlich gelagerte Spiele nicht angeschaut haben und in Zukunft auch nicht anschauen werden. Das geht nicht gegen den Fußball oder Deine Mannschaft, die ja auch die unsere ist. Nur es ist für alle außerhalb Deines Trainerstabs ein Spiel ohne sportlichen Wert und daher nicht sonderlich von Interesse. Und wenn Du ehrlich bist, weisst Du das auch. Daher frage ich Dich einfach mal ganz frech: Warum muss das letzte Spiel des Jahres auch erst um 20:45 Uhr beginnen? Die Vorweihnachtszeit beginnt gerade und somit wäre doch auch schon jetzt mal die Zeit für ein Geschenk gewesen: Millionen junge Kicker und Kickerinnen schnüren ab der G- Jugend (Bambini) die Fußballschuhe und versuchen oftmals noch im Rudel das Runde in das Eckige zu bekommen. Gleichwohl müssen sie aber früh zu Bett, denn schon am nächsten morgen klingelt früh der Wecker, da Schule. Warum also machst Du nicht mal Deiner Zukunft in Stutzen ein Geschenk und überträgst ein solches Testspiel nicht schon um 17:00 oder 18:00 Uhr?

So bekommst Du sicher auch Deine erhoffte TV Quote und Millionen Nachwuchsfußballer hätten vielleicht das Gefühl, dass ihre Nationalmannschaft, von der sie doch insgeheim alle träumen, ausschließlich nur für sie spielt. Ja, das wollte ich Dir eigentlich nur schreiben. Denk doch bitte einmal darüber nach.

Und wenn Du schon mal nachdenkst, dann vergiss auch bitte nicht die unselige Aufstiegsregelung aus den Regionalligen. Da besteht dringend Handlungsbedarf. Aber das ist natürlich nur ein rein egoistisches Anliegen meinerseits. Mir jedoch ganz wichtig ist: Verliere einfach nicht den Bezug zu uns, den wir den Fußball lieben. Denn lieber DFB: Wer meint etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.

Herzlichst,

Uwe

Auflagenmeister & Zwangsabstiegsweltbester

Es ist nicht das, woran Sie jetzt denken: Rot-Weiss Essen hat natürlich kein Problem mit bewusstseinserweiternden Substanzen und musste diesbezüglich desöfteren einen Entzug antreten. Rot-Weiss Essen hatte seit dem Ende der Ära Georg Melches und irgendwie auch mit Inbetriebnahme der Haupttribüne stets ein monetäres Problem. Spielerverkäufe stopften immer mal wieder die dringendsten Löcher, zumeist auf Kosten des sportlichen Erfolges.

Der Rote Kontostand zog sich wie ein roter Faden durch viele Jahre der Roten. Alles immer ganz eng auf Kante gestrickt. Und dann kam es öfter als bei anderen Vereinen so, wie es unweigerlich kommen musste (Ich habe mich nun nicht durch die Lizenzhistorie alle anderen Vereine gearbeitet; ich behaupte das jetzt einfach mal so)! Als Verein kannst Du eigentlich nur auf drei Arten absteigen oder während einer laufenden Saison um sportlich erkämpfte Punkte gebracht werden:

1.Du steigst sportlich ab. 2. Schalke manipuliert mal wieder alles und jeden und 3. Der DFB entzieht Dir die Lizenz oder manch wichtigen Punkt. Oder abwechselnd Punkt und Lizenz im Paket. Obendrauf dann noch den Abstieg als Extraprämie. Und natürlich gibt Dir der Deutsche Fußball Bund dann für die darauffolgende Saison auch noch mehr Auflagen mit, als jede Hotelkette auf Mallorca in ihrem Bestand hat.

Soweit also die Szenarien, die Rot-Weiss Essen als treu ergebenes Verbandsmitglied immer mal wieder in Anspruch genommen hat. Seit den achtziger Jahren haben wir uns den Entzugsmeistertitel mit folgenden Leistungen redlich verdient. Aus Platzgründen nachfolgend lediglich die wichtigsten „Titel“ der Zeitleiste. Denn eigentlich sind alle Monate davor und auch danach geprägt von wirtschaftlichem Überlebenskampf. Es ging gelegentlich auf der imaginären Uhr bis kurz vor Zwölf, so dass bangende Fans immer mal Kerzen als Symbol der Hoffnung am Georg Melches Stadion anzündeten. Es heisst wohl nicht umsonst auch „Gott schütze Rot-Weiss Essen“. Eigentlich war es eher stets Viertel nach!

Wirtschaftliche Probleme in der Saison 1983/84 zwangen den Verein dazu, den Essener Jungen und  Borbecker Kobra Jürgen Wegmann an den Reviernachbarn Borussia Dortmund abzugeben. Was aufgrund seiner Torquote dem sportlichen Tafelsilber gleichkam. Die Saison 1990/91 brachte dann endlich den Lizenzentzug. Lange genug hatte man schließlich darauf hingearbeitet. Zudem brachte der Verstoß gegen die Lizenzbedingungen auch gleich einen Zwangsabstieg mit sich.

Wieder über den grünen Rasen sportlich hochgearbeitet; zudem einmal verdient die nördlichen Nachbarn im DFB Pokal ausgekontert, folgte schon 1993/94 der nächste Lizenzentzug inklusive Zwangsabstieg. Diesmal wurden die Lizenzunterlagen gefälscht. Nach dem Motto „Nimm 3 für 2“ gab es noch obendrauf, dass alle Spiele der Saison nur für den Gegner gewertet wurden. Dem RWE selbst waren keine Punkte mehr vergönnt. Und doch schafften es die Mannen um Jürgen Röber bis in das unvergessene DFB Pokalfinale am 14.Mai 1994 in Berlin und wurden gegen Werder Bremen von allen gefeiert. Nicht gefeiert hingegen der DFB. Zu hart die damalige Entscheidung gegen einen Verein, der schon zu Saisonbeginn mit schwerem Auflagengepäck bedacht wurde. Aber auch diese Phase überstand der Verein. Nicht zuletzt einfach nur durch die unglaubliche Treue seiner Fans.

Als nächstes folgte die Phase Kinowelt, die dem RWE keine Blockbuster, sehr wohl aber fast die Insolvenz einbrachte. Auch hier wieder ein monatelanger Kampf gegen das Aus unseres Vereins. Kerzen. Es dauerte bis kurz nach der Jahrtausendwende, als auch der DFB endlich wieder sein gütiges und wachsames Auge auf sein schwarzes Schaf Rot-Weiss Essen warf. Verstoß gegen die Lizenzauflagen für die Saison 2001/02 heuer der Vorwurf und schwups, war wieder mal ein Punkt weg. Danach pendelte es sich sportlich zwischen zweiter Bundesliga und Drittklassigkeit, bis das Lübeck Desaster und der damit verbundene Absturz in die Viertklassigkeit das klamme Finanzkartenhaus erneut zusammenkrachen liess.

Man schleppte sich bis 2010 durch, doch dann war Schluss: Rot-Weiss Essen drohte wieder mal der Lizenzentzug. Da auch die Stadt Essen eine erforderliche Liquiditätsreserve nicht zur Verfügung stellen konnte oder wollte; musste die Vereinsführung einen Antrag beim DFB auf Auszahlung einer Bürgschaft in Höhe von 2,7 Millionen Euro stellen. Gerade dort. Aber auch der DFB verweigerte sich und der RWE konnte diese Summe natürlich auch nicht aufbringen. Da konnten selbst Willi Lippens und Manni Burgmüller in teilweise an Übersprungshandlungen erinnernde Spendenläufe nicht retten, was nicht mehr zu retten war. Es blieb keine Alternative mehr: Der Vorstand von Rot-Weiss Essen meldete Anfang Juni 2010 Insolvenz an. Und keiner wusste in den darauffolgenden Tagen und Wochen, ob unser geliebter Verein überlebt, oder sogar aus dem Vereinsregster gelöscht wird. Verzweiflung, Wut und Trauer bei den Fans, denen der Verlust eines großen Stück Lebens drohte.

Nun wissen wir heute, dass es nicht dazu kam, sondern der Insolvenz ein weiterer Zwangsabstieg folgte und damit die Nordrhein Westfalen Liga das neue sportliche Zuhause sein sollte. Fünfte Klasse, aber überlebt. Es soll das Finanzgebaren so vieler Jahre an der Hafenstraße nicht entschuldigen, aber auch der DFB sollte und muß sich in seinem Strafenkatalog durchaus hinterfragen lassen, ob er nicht manches Mal mit zweierlei Maß misst. Andere Vereine türmen derart hohe Schuldenberge auf, so dass die Titanic unter der Last auch schon vor dem Eisberg untergegangen wäre, und manch kleinem Verein ohne Lobby wird hingegen schon mal recht schnell der Lappen entzogen. Aber wir möchten den weltgrössten Verband auch nicht mit unseren vergangenen Vereinsbefindlichkeiten nerven, dort hat man dieser Tage genug mit sich selbst zu kämpfen. Wie heisst es doch so schön im Volksmund: „Unter jedem Dach ist auch ein Ach!“