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Leserbrief, die Frühstückslektüre.

Es gibt ja schon erste Stimmen, denen der aktuelle Zuschauerschnitt an der Hafenstraße Kummer bereitet, da man sich möglicherweise von Erfolgsfans umgeben sieht. Ich denke, es ist noch verfrüht, um von Erfolgsfans zu sprechen. Und wenn doch….ja warum soll sich denn keiner ganz frisch und unverdorben von unserem RWE angezogen fühlen? So viele Jahre wurden die alten Fans aus dem Stadion gespielt, da wäre es doch schön, wenn sich überhaupt noch jemand angespielt fühlt, anstatt reflexartig zur Bayern oder Dortmund Bettwäsche zu greifen. Und bevor die nächste Stufe die ist, dass sich auch noch Rasendosendoof in heimischen Schlafzimmern breit macht, dann doch bitte lieber ehrliches Bier statt ekeliger Brause.

Aber, um direkt wieder zu deeskalieren: Der aktuelle Zuschauerschnitt beinhaltet meiner Meinung nach nicht einen einzigen Erfolgsfan! Die aktuelle Mannschaft hat sich lediglich langjährige Fans zurückerspielt und gibt sie hoffentlich nicht so schnell wieder auf. Erst wenn an der Hafenstraße die Lücken bebaut werden, dann hält auch der Erfolgsfan Einzug in die Selbsthilfegruppe 97a. Und dann sollten wir alle sie sozialisieren. Darauf vorbereiten, dass Erfolg und Freude bei Rot-Weiss Essen im Anschluss auch eine lange Leidensphase bedeuten kann. Und wer dass dann mitträgt, ja Mensch, da freut sich sicher auch der olle Melches einen Pin in die Wolke.

Es gibt aber auch diejenigen, die mit Rot-Weissen ganz alter Schule das Leben teilen und nun endlich aufgehört haben, sich zu wehren. Sind mit an die Hafenstraße und haben einen schönen Abend gehabt, wie diese Mail im Anschluss belegt. Und da diese auch noch so herrlich geschrieben ist, darf ich sie mit Erlaubnis der Verfasserin hier veröffentlichen. Zeit zu schmunzeln. Auch das relativ neu rund um unseren RWE!

Hallo Herr,

heute habe ich in der NRZ ihren Kommentar „Mythos Hafenstraße 97a“ gelesen und was soll ich sagen?

Nur der RWE! Was sonst?

Das muss „Frau“ nur erst mal verstehen.

Vor Jahren hätte mir das mal einer erzählen sollen, dass ich als Essen-Stadtwälderin mal in Borbeck wohne und nen Rot-Weissen heirate. Das ist das eine.

Das andere, dass ich damals auch nie geglaubt hätte, mal mit einer Flasche Stauder in der Hand vor dem Hafenstübchen zu stehen und die Massen zu sehen, die sich Richtung Stadion bewegen. Selbstverständlich auch mit lecker Stauder in der Rechten. Wie der Gang zur heiligen Messe, nur besser besucht.

Vor dem Stadion noch schnell eine kurze fuffzehn ergattern. Der Rentner vor mir sagt lautstark: „Ey Nobby gib ma eine, ich muss noch kacken“. Nee is klar. Hier wird das wichtigste auf den Punkt gebracht. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen.

Gegen Wattenscheid am letzten Freitag „musste“ ich mit. Jahrelang habe ich mich widersetzt. Aber jetzt: Unser Sohn im Feriencamp und mein Ehemann hat schon Wochen vorher kleine Stiche gesetzt mich zu überzeugen mitzugehen. Gibt es eigentlich einen größeren Liebesbeweis einer Frau an ihren Angetrauten? Ich habe mich natürlich breitschlagen lassen. Nicht zuletzt, weil auch meine Berufskollegen auf mich eingeredet haben wie auf einen sturen Esel. Das darfst du dir nicht entgehen lassen und wenn du erst mal Stadionluft geschnuppert hast … So könnte ich es jetzt endlos weiterführen.

Und was soll ich sagen? Tolles Spiel, großartige Stimmung, eine grandiose Familie! Alles findet sich da harmonisch zusammen. Der Vater mit den Kindegartenknirpsen vor uns, denen ich eine Fanta mitgebracht habe und er es irgendwie nicht verstanden hat, dass die kids was trinken wollen und ich ihnen das Getränk einfach so mitbringe. Sagt der Mittvierziger neben uns: „Musse nich kapiern, so is dat halt bei Rot Weiss, nimmet einfach“.

Und ich komme natürlich wieder, keine Frage. Nicht ständig aber dann und wann. Die Jungs müssen ja auch etwas eigenes haben. Meine größte Sorge vorher, der Seuchenvogel zu sein, hat sich zum Glück nicht bestätigt.

Auf ein Neues

Nur der RWE

Mit besten Grüßen

SAABine aus Borbeck

(das ist natürlich mein „Künstlername“)

Möge nun unser RWE Ihr in Zukunft ein ebenso treuer Begleiter sein, wie der geliebte Saab in der Garage.

Heute, also gleich, geht es für viele einmal mehr in das nahegelegene Niederrheinstadion. Die letzten Jahre sportlich und atmosphärisch eher als Nullnummer verbucht, könnte es vielleicht doch mal wieder etwas werden mit dem ersten Dreier seit sieben Jahren. Ganz sicher sollte es etwas mehr werden an Gastfreundschaft und definitiv wenig an Pfeffer. Gesprüht natürlich nur. Das Spiel als solches darf ruhig mit ganz viel Pfeffer aufwarten. Am Ende zusätzlich mit einem richtigen Sahnehäubchen für unsere Rot-Weissen. Alles geben RWE!

Prefa, der Fußball wird immer extremer!

Wir stehen so ziemlich in allen Ligen am Anfang einer noch langen Saison und doch fühlt man sich andauernd an einen Werbespot erinnert: Brachte man sich noch vor einigen Jahren frühestens nach dem 10. Spieltag in Stellung um die Messer zu wetzen, so geschieht dieses bisweilen direkt nach Abpfiff der ersten Begegnung.

Manchmal wird aber gnädigerweise ein zweites Spiel abgewartet, um die digitale-, multimediale-, und Expertenflut loszutreten. Ein Trainer in Gelsenkirchen beispielsweise: Gegen Ende der letzten Saison dann doch im Sattel geblieben, schwadronierte ein freier Mitarbeiter einer Münchener Brauerei und früherer Inhaber einer peinlichen Fußballtalkshow in einem etwas angeseheneren Fußball Talk über diesen Trainer. Der HSV zum Beispiel bekommt leider kein Heimspiel zu seinem Alleinstellungsmerkmal und wird doch nach dem zweiten Spiel zu einem RWE auf allerhöchsten Niveau: Fanunterstützung en masse, aber sportlich schon seit Jahrzehnten nichts mehr bewegt. Aber halt die dauerhafte Erstklassigkeit in seiner Vita. Dass  sofort der Name Felix Magath gehandelt wird, nehmen wir dankend zur Kenntnis.

In Düsseldorf wird ein Spieler zur persönlichen, verbalen Zielscheibe einiger Spielbesucher, in Essen bekanntermaßen der Trainer nebst einigen Spielern und überhaupt. Die Fans des VFB Stuttgart hadern weiter mit Bruno Labbadia während in Dresden direkt Nägel mit Köpfen gemacht wird: Trainerentlassung jetzt! Die von uns so geliebte Fußballtradition scheint also ein wenig zu schwächeln, was grausam und eiskalt in Hoffenheim und Wolfsburg ausgenutzt wurde. Peter Neururer wird peinlich und auch die Hochfinanz von Viktoria Köln hat schnell ihre erwarteten Problemchen: Erst in Essen gewinnen, und dann wieder Streit anfangen. Das hätte Euch auch früher einfallen können!

Unter dem Strich zählt also nicht das ich, sondern früh das Prinzip: Alle gegen alle. Nicht zu vergessen auch der FC Bayern, der seinen Fans zwar Pokale schenkt, ihnen aber die Seele nimmt. „Das ist doch populistische Scheiße. Für die Scheißstimmung seid ihr doch zuständig und nicht wir“. Dieser legendäre Ausspruch kommt bisweilen wie blanker Hohn daher. Vielleicht war aber auch nur eine Abteilung im Finanzamt gemeint.

Aber nicht nur Vereine, Trainer und Spieler haben aktuell ihre Problemchen: Ein wichtiger Bestandteil des Fußballs beginnt scheinbar langsam aber sicher zu eskalieren. Der allseits bekannte Slogan, welcher alle über einen Kamm schert, mag mir nicht gefallen! Aber einige Einsatzleiter und -Kräfte der Polizei haben definitiv jegliches Gespür für den Fußball, seine Emotionen und diejenigen, die ihn lieben verloren.

An dieser Stelle sei noch mal erinnert: Der Fußball ist ein Spiel, in welchem zwei gegnerische Mannschaften versuchen, mittels Fußlümmelei einen Gewinner zu ermitteln. Bisweilen haben Mannschaften auch Fans! Gute Fans, böse Fans, weibliche Fans, junge Fans, alte Fans, männliche Fans. Kutten, Normalos, Ultras, Hools und Allesfahrer. Früher gab es Listen, welcher Verein denn nun die härtesten Fans hatte, welche Auswärtsfahrt am gefährlichsten sei usw.

In den wackeligen Videos der 80iger rennen sportliche Männer mit Blue System Sweater und Hodenhochstand fördernden Jeans um die Wette, begleitet von einigen Polizisten im Galopp. Und eigentlich war alles gar nicht so schlimm, bisweilen galt sogar ein Ehrenkodex und konnten normale Fans unbehelligt ihrer Wege gehen. Heutzutage ist es scheinbar genau andersherum: Hundertschaften martialisch gekleidete sportliche Männer und Frauen rennen um die Wette, begleitet von einigen Fans mit Fahne vorneweg im Galopp. Ein Kessel Buntes.

Statt großer Kurven mit Platz für alle gibt es manchmal nur Kuchenstücke mit Platzangstgarantie. Und nun droht die Stimmung zu kippen, fühlt sich auch der normale Fan immer mehr gegängelt, droht Pfeffer im Gesicht statt Hummeln im Hintern. Bleiben Kinder aus Angst lieber zuhause. Aber aus Angst vor der Polizei, dem eigentlichen Freund und Helfer. Was ist Provokation im Stadion, oder worauf darf ich in Zukunft auf bloßen Verdacht hin untersucht werden ? Es gab doch runde Tische. Hat denn da gar keiner zugehört?

Sollte zum Beispiel der RWE jemals wieder ein Ligaspiel gegen den FC Schalke bestreiten, darf dann unsere Vereinsführung der Polizei einen Tipp geben, dass wir rot weissen uns von den blau weißen Trikots provoziert fühlen ? Und dann reitet die Polizei ein und sprüht alles blaue weg ? Es geht nun nicht um eine Generalanklage Richtung Polizei, auch wir Fans bieten weiterhin genug Anlass zur Kritik! Aber was nach den beiden ersten Spieltagen an strategischen Fehlern gemacht wurde, stimmt in der polizeilichen Taktik nachdenklich und lässt zum Beispiel für das morgige Spiel des RWE gegen Alemannia Aachen einiges befürchten. Zumal die Stimmung im Essener Lager schon gereizt genug ist. Ein Spiel, vielleicht die erste wirkliche Härteprobe auf allen Ebenen nach der Insolvenz.

Da nun kaum davon auszugehen ist, dass Johannes Baptiste Kerner auf dem Innenhof der ARD Sendeanstalt Waldemar Hartmann und Oliver Pocher aus Gründen der Anschaulichkeit Pfefferspray in das Gesicht sprüht, erhoffe ich mir Selbstreflektion. Ja, diesen pädagogischen Scheiss! Aber, aktuell ganz deutlich auf Seiten der Polizei. Denn ich möchte sie vor Ort wissen, wenn es Hilfe bedarf. Und den Rest der Zeit bitte im Hintergrund. Denn Fußball ist immer noch ein Fest! Übrigens wird gemunkelt, die Rotterdamer kommen morgen auch….