Überdreht

Der Fußball im übertragenen Sinne scheint Kopf zu stehen. Im eigentlichen Sinne kann er das natürlich nicht, denn er ist ja rund. Soweit der Spitzfindigkeiten. De facto aber hat der Fußball seine Balance verloren und vermittelt mir das Gefühl, seiner Seele beraubt und in der medialen Respektlosigkeit unserer Tage angekommen zu sein. Wie sonst lässt es sich erklären, dass der Kicker “Brennpunkte” beleuchten muss, anstatt über ganz normale personelle Veränderungen zu berichten; Kommentare zur Besonnenheit mahnen, oder geschasste Funktionäre ebenfalls via Kommentar in Schutz genommen werden. Verträge sind scheinbar nur noch Schall und Rauch und Medienberater sollen die Äußerungen ihrer Klienten richtig plazieren. Im eigenen Interesse natürlich, und wohl kaum im Sinne des Vereines oder des Verbandes. Im nachhinein wird natürlich wieder dementiert. Wohlgemerkt: Zur Zeit drehen die Verantwortlichen am imaginären Rad, nicht die Spieler. Den pädagogischen Ansatz von Matthias Sammer zu den Geschehnissen dieser Tage habe ich zwar gelesen, doch der Glaube fehlt: Bei einem entsprechenden Angebot würde auch Matthias Sammer wechseln. Behaupte ich einfach mal. Und auf dem Feld? Das Wappen nach einem Torerfolg dürfen für mich nur noch Spieler wie Paolo Maldini oder Steven Gerrard küssen, denen der Verein wirklich noch etwas bedeutet. Sonst regiert auch hier mittlerweile die “Ich AG Stutze und Co.”. Das dumme dabei ist nur: Fußball ist und bleibt immer noch ein Mannschaftsport. Es wird zusammen gewonnen und zusammen verloren. Und wenn dann verloren wird, womöglich noch ein entscheidendes Spiel, dann haben auch einige Fans immer schneller ein “Rad ab”: Dieses Wochenende aktuell in Oldenburg und Halle. In Essen haben die Macher von jawattdenn in einem emotionalen Kommentar diese Überdrehtheit auf den Punkt gebracht: Besorgniserregend, wenn der Mannschaft schon zu Spielbeginn jeglicher Kredit entzogen wird. “You only sing when you winning”, dieser Spottgesang aus den englischen Stadien bringt es auf den Punkt. Punkt nun auch für diesen sozialromantischen Eintrag, der bei genauer Betrachtung auch völlig überflüssig ist. Für den Moment war er aber hilfreich.

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