Fußball ist Bildung

Fußball Bildungspreis 2009

Bewerbung des WFCG 04 (Wittekindshofer FC Gronau 04)

Fußball bewegt, so oder so. Und Fußball setzt sich über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg. So verwundert es auch nicht, dass im Wittekindshof Gronau, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen jeden Alters, der Fußball eine große Rolle einnimmt. Kommen dann noch Mitarbeiter mit einer entsprechenden Affinität zum Runden Leder dazu, ist der Weg zu einer Mannschaft kein weiter mehr. Diese haben wir dann im Jahre 2004 als „WFCG 04“ gegründet. Und eigentlich können wir nun fairerweise diese Bewerbung auch abschließen, denn Spieler, die zum Zeitpunkt der Mannschaftsgründung noch den Kriterien entsprachen und unter 18 Jahren waren, haben nun die Volljährigkeit erreicht. Auch haben wir Spieler/innen in unserer Mannschaft, die sich schon jenseits der 40 bewegen. Nehmen wir aber das geistige Alter unserer begeisterten Spieler als Grundlage, dann bewegen wir uns definitiv auf einem kindlichen Niveau. Ob wir nun trotzdem an dem Bewerbungsverfahren teilnehmen dürfen, überlassen wir somit der Entscheidung der Jury. Somit bewegt sich unser wechselnder Spielerstamm in einer Altersspanne zwischen 16 und 45 Jahren. Unsere ersten Trainingseinheiten haben wir auf einem ziemlich unebenen Rasenstück hinter dem Schülerhaus des Wittekindshofes in Gronau durchgeführt. Unsere Einrichtung beschaffte uns zu diesem Zwecke zwei transportable Tore, um wenigstens den Ansatz eines Spielfeldes zu haben und dieses auch den läuferischen Fähigkeiten unserer Spieler anpassen zu können. Lange durften wir nicht dort trainieren, waren fußballspielende behinderte Mitmenschen doch zu laut für einen Nachbarn und somit mussten wir das Training einstellen. Daher suchten wir Kontakt zum nahegelegenen Sportverein, der SG Gronau. Dort durften wir einige Monate auf einem Nebenplatz trainieren, der sogar ein Flutlicht besaß und uns auch ein Training in den Wintermonaten ermöglichte. Leider wurden wir oft wieder unverrichteter Dinge nach Hause geschickt, da der Platz für Nachholspiele etc. benötigt wurde. Von daher war es nicht verwunderlich, dass wir recht bald eine komplette Absage erhielten, den Platz weiter zu nutzen. Nur die Begeisterung für den Fußball und das Gefühl einer Mannschaft hielt unserer Spieler anschließend bei der Stange. Der nächste Neubeginn fand in einer Sporthalle der Stadt Gronau statt. Auch diese ziemlich nahegelegen, so dass wir die Betreuung für den Hin- und Rückweg sicherstellen konnten. Aber auch dieses Intermezzo war nur kurzfristig, pochten doch die Regel Sportvereine auf diese, unsere Trainingszeit. Integration ist für viele immer noch ein Fremdwort und gar schwerlich umzusetzen. Lange Zeit wieder ohne Trainingsmöglichkeit nutzten wir dann den „Platz“ der zum Wittekindshof gehörenden Johannesschule. Zu nutzen natürlich nur im Sommer. Mit Beginn dieses Jahres konnten wir dann aber einen entscheidenden Durchbruch erzielen: Der Sportverein SV Arminia Gronau nahm unsere komplette Mannschaft als eigene Sparte in seinen Verein auf. Somit sind wir dort Mitglieder mit Anrecht auf eine feste Trainingszeit. Die Beiträge übernimmt der Wittekindshof Gronau. Das ein kleiner Einblick über die Schwierigkeiten, einer Mannschaft von behinderten Sportlern eine sportliche Heimat zu bieten. Aufgrund dieser Platzproblematik waren die Unternehmungen abseits von Training und Hinhaltetaktiken viel wichtiger: Unser erster Spiel bestritten wir gegen die Mannschaft unserer Haupteinrichtung in Bad Oeynhausen und verloren dort, sagen wir mal recht deutlich, mit 2:29. Ebenfalls bestritten wir dort das alljährliche Hallenturnier und sahen sportlich schon etwas besser aus. Es folgte an einem bitterkalten Novemberabend das Vorspiel zu einer Regionalligapartie des SV Eintracht Nordhorn im großen Eintrachtstadion unter Flutlicht gegen die Mannschaft der Lebenshilfe Nordhorn. Spielbesuche beim SV Eintracht, einer Bundesligapartie in Duisburg, Regionalligafußball an der ruhmreichen Hafenstrasse beim Besten Verein der Welt, dem RWE; Wir waren in Dortmund, haben dort das Halbfinale der WM für geistig behinderte Fußballer gesehen, spielten weiter gegen Jugendmannschaften von Regelvereinen, richteten ein kleines Turnier aus und wurden unsererseits Bestandteil des integrativen Hallenfußballturniers der Lebenshilfe Nordhorn. In all den Spielen haben wir vielleicht zwei Spiele gewonnen und agieren auf einem recht einfachen Niveau. Viele „normalgeistige“ Sportler hätten schon längst ihre Fußballschuhe an den Nagel gehangen, doch unsere Sportler hängen an unserer Mannschaft, den gemeinschaftlichen Erlebnissen und vor allem den Kontakt zu anderen Mannschaften. Über den Fußball können wir bieten, was den Menschen, die bei uns leben, am wichtigsten ist: Akzeptanz und Normalität. Warum nun diese Bewerbung: die Menschen unserer Einrichtung unterliegen ja meistens einer Vollversorgung und erhalten somit nur ein kleines Taschengeld (Schüler) oder Entgelt (Werkstatt für behinderte Menschen). Eine Fußballausrüstung zu kaufen gestaltet sich daher nicht immer einfach, geht das doch zu Lasten des sogenannten Bekleidungsgeldes. Unseren Satz Trikots verdanken wir einer Spende usw. Gesetz dem Falle einer Förderung durch die Spielwarenmesse könnten wir alle Mitspieler mit Fußballschuhen, einer Sporttasche und einheitlichen Trainingsanzügen ausrüsten. Das einheitliche Auftreten allein würde unsere Sportler stolz machen und mit Freude erfüllen. Und vielleicht könnten wir dann auch wieder ein kleines Turnier ausrichten.

Viele Grüße aus Nordhorn/ Gronau

…soweit unsere Bewerbung für den WFCG. Es ist wichtig für den Fußball, aber vor allem für die Gesellschaft, dass es solche Projekte gibt. Und da unsere Spieler ja in ein funktionierendes System eingebunden sind, gibt es vielleicht Projekte, die eine Förderung mehr verdient haben. Aber verdient haben es unsere Spieler allemal, überregional Beachtung und Erwähnung zu finden.

Ein Kommentar

  • Mir ist beim Lesen (auch der älteren Artikel) manches leider nicht ganz klar geworde, dabei interessiert mich das Thema ungemein:

    Ist der WFCG ein eingetragener Verein? Die Gründungsmotive entsprechen ja recht eindeutig gemeinnützigen Zwecken und dank eines anscheinend ausreichend großen Zuspruchs dürfte da kein allzu großes Problem bestehen, anerkannt zu werden.

    Die Einrichtung selbst müsste doch schon einen gemeinnützigen Träger haben, der Anspruch auf vom Stadtsportbund oder der Stadt verwaltete Trainingsgelegenheiten hat?

    Wenn ja, dann kann ich über die Probleme, eine Trainingshalle zu finden nur staunen. Ich würde da sehr gerne Näheres erfahren. Ich melde mich noch über andere Kontaktkanäle – falls meine Wortmeldung da untergeht, hoffe ich hier etwas prominenter in Erscheinung zu treten 😉

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