Monatsarchive: August 2010

"Offline"

Das Internet kann dem Tempo unseres Umzuges nicht folgen und lässt daher weiter auf sich warten. Das tut mir sehr leid, hat doch gerade der RWE so richtig Lust gemacht, wieder mit Spaß an der Freud über ihn zu berichten. Aber, ich bin positiv gestimmt, daß es bald weitergeht. Bis dahin: Glück auf (…und ein herzliches Dankeschön an alle Umzugshelfer!)

Hurra, wir leben noch…

Vorab: Dieses wird kein Bericht über das Spiel des RWE gegen den VfB Homberg als solches, keine Analyse der taktischen Ausrichtung oder der Aufstellungen. Hier und jetzt schreibe ich einfach nur auf, was sich rund um ein wohl einzigartiges Fußballspiel der fünften Liga ereignet hat.

Spiel 1 also nach der Insolvenz und dem Gnadenbesuch der NRW Liga. Diesem Umstand geschuldet wird der jüngste Kader der Vereinsgeschichte (21,04 Jahre) für die Saison gemeldet. Und obwohl andere Teams personell viel besser aufgestellt sind, wird der RWE doch von vielen anderen Vereinen als Favorit gehandelt. Schließlich winken der Mannschaft doch fast 34 Heimspiele, so der allgemeine Tenor. Nur, ist dem auch so, oder haben die Fans endgültig genug von den Machenschaften der letzten Jahre? Spannend also und diesen Gedanken folgend habe ich fast etwas verpasst: Die Hafenstraße als solche nämlich: Abhängig von der Anhängerschaft des jeweiligen Gegners zeugen sonst schon kurz hinter Bottrop Einsatzfahrzeuge der Polizei von der Tatsache, sich dem Georg Melches Stadion zu nähern.Und eben diese Hundertschaften fehlten auf einmal: Freier Parkraum für freie Bürger also. Ganz klarer Punkt für die NRW Liga.

Auch entlang der “Köttelbecke” hinter der Nordtribüne konnte gewandert werden, in Richtung des alten Gästezuganges. Hier bot sich dann auch der Blick auf den Bereich, wo noch im letzten Jahr viele Märchenonkel ein neues Stadion für Essen errichten wollten. Das da trotzdem zur Zeit ein Karree aufgeschüttet wird, erstaunt den Betrachter. Zwar gibt es noch einen gültigen Ratsbeschluss, ohne Genehmigung aus Düsseldorf ist der aber wertlos. Vielleicht also nur eine Beschäftigungsmaßnahme, bei der, so wird gemunkelt, anderweitiger Schutt elegant entsorgt wird.

Nebensächlich aber an diesem Freitag. Rund um das Stadion schien es so, als sei den Fans eine jahrelange Last genommen worden. Ich habe selten soviel Vorfreude und Gute Laune vor einem Spiel des RWE gespürt. Ich glaube ein Jeder war froh, dass diese als Verein getarnte, wunderbare Chaostheorie weiterexistieren und endlich wieder bei Null anfangen kann. Konnte man eine Stunde vor Spielbeginn doch noch den Eindruck bekommen, das angestrebte Ziel “3000+” wird nicht erreicht, so bot sich kurze Zeit später ein beeindruckendes Bild vor dem Stadion: Lange Schlangen an den Kassen und jede Menge weitere Fans im Anmarsch. Folgerichtig wurde der Anpfiff verschoben.

Ja und dann gilt es eigentlich nur noch mit Gänsehaut weiter zu berichten: Als die Mannschaften auflaufen, erhebt sich die Haupttribüne und das ganze Stadion singt! “…Immer wieder RWE….” wie wahr. Mit Anpfiff beginnt dann eine Unterstützung, die vielleicht auch Rolf Töpperwien wieder zu seinem legendären Vergleich “Hafenstrasse – Maracana” veranlassen würde. Zwischendurch habe ich gedacht, irgendwo sind Lautsprecher angebracht, so brachial laut die Anfeuerung. Spieler und Fans (und auch die untereinander) bildeten eine Einheit, wie wohl seit Jahren nicht mehr. Und das bei einem Spiel, dessen Ligazugehörigkeit immer wieder aufblitzte, aber durch einen unbändigen Einsatz der rot weissen wieder wettgemacht wurde.

Hier wurde kein Ball freiwillig dem Gegner überlassen. Donnernder Applaus zur Halbzeit, und kurz vor Spielende ein Torjubel, der einer Eruption der Gefühle gleichkam. Ein wunderschönes Tor belohnte den nimmermüden Einsatz diesseits und jenseits der Seitenlinie. Die ersten drei Punkte der “Hurra wir leben noch” Saison waren Fakt und kurzzeitig schrieb der RWE endlich einmal wieder überregional positive Schlagzeilen.

Vielleicht wird das erste Auswärtsspiel in Velbert verloren und dann ist alles direkt wieder Scheiße, aber dieser Abend wird allen RWE Fans unvergesslich bleiben. Hurra, wir leben noch!!

Aufbruchstimmung?!???

Da sind wir nun, angekommen in den Grenzen des eigenen Bundeslandes, namentlich der NRW Liga. Und letztendlich doch nur dem sportlichen Sensenmann von der Kreisklassenschippe gesprungen. Rot Weiss Essen ist insolvent, spielt in der niedrigsten Klasse seit anno dunnemals, das Stadion fragmentiert und doch an vielen Stellen noch Lebens- und liebenswerter als so mancher Stadion Komplettbausatz.

Die Spieler unbekannt den Fans, jung an Jahren und letzte Saison noch größtenteils in der zweiten Mannschaft spielend, und daher nicht neu in der NRW Liga. Es liest sich also prinzipiell nicht gut, schließlich schreiben wir das Jahr 2010 und da sollten wir es doch alle sehen….Aber, anstatt nun diverse Pokale in die Luft zu stemmen, galt es einfach nur tief durchzuatmen: Es hätte auch noch schlimmer kommen können (obwohl, bei RWE geht immer was…) und ein Nachfolgeverein RWE2010 in der Kreisklasse C antreten müssen. Die Streichung aus dem Vereinsregister konnte somit vermieden werden und viele sehen nun ENDLICH eine Basis für einen Neuanfang geschaffen.

Allein störend die Tatsache, dass es der gefühlte 35zigste ist. Was uns nun sportlich erwartet, keiner wagt bisher eine Prognose. Die meisten Spieler beendeten die letzte Saison quasi ohne Fanunterstützung auf einem respektablen fünften Platz in eben der gleichen Liga, in der sie nun wieder antreten werden. Der Unterschied dabei: An der Hafenstrasse werden 5000 statt 50 Fans zugucken und auswärts will jeder die Erben Helmut Rahns bezwingen und vor der größten Heimkulisse der Saison bestehen. Ansporn und Erwartungsdruck zugleich. Vielleicht auch endlich eine Saison ohne “Söldner in Stutzen”, denn an der Hafenstrasse dieser Tage werden keine überhöht dotierten Verträge mehr unter dem wandernden Fußballvolk verteilt. Und wenn es auch nur gedacht, denn öffentlich ausgesprochen wird: Die Auswärtsspiele gerade am Schloß Strünkede bei Westfalia Herne oder im Stimberg Stadion der SpVgg Erkenschwick sind allemal interessanter als bei den Zweitvertretungen.

Alles in allem trotzdem eine traurig stimmende Entwicklung und ein fast einmaliger Abstieg binnen weniger Jahre. In diesem Zusammenhang möchte ich mich einmal bei denjenigen bedanken, die in den öffentlichen Mitleidsbekundungen stets zu kurz kommen, denn da wird meistens an uns Fans gedacht. Natürlich bleiben wir, während die meisten Spieler am nächsten Tag das Wappen mit dem meisten Netto küssen, aber was ist mit denjenigen, die Tag für Tag den RWE leben? Ich denke, es wird höchste Zeit sich zu bedanken! Und zwar bei den vielen tollen Menschen, die für den RWE arbeiten, sofern sie es denn noch dürfen.

Ein sportlicher Abstieg bedeutet zumeist auch personeller Abbau auf logistischer Ebene. Da geraten Arbeitnehmer in Existenznöte, die aber nun mal öffentlich nicht für einen Artikel taugen oder von besonderem Interesse sind. Speziell für mich als auswärtigem Fan sind aber gerade diese Mitarbeiter von Belang. Egal ob es um Unterstützung für Peter ging, für Karten auch nach Feierabend, für das Zurücklegen von Fanartikeln, Freikarten für unseren WFCG und noch so vieles mehr….auch, oder gerade diese Menschen sind es, die einen Verein ausmachen und unter dessen Entwicklung zu leiden haben. Vielen Dank für alles! Also, um hier ein Ende zu finden: Freitag, 13. August 2010, 19:30 Uhr, Georg Melches Stadion an der Hafenstrasse: Der RWE startet in eine neue Saison. Ich freu mich darauf.