Hallenfußball ist doof.

Das letzte Saisonspiel des RWE datiert vom 26. November 2010 . Der 1. FC Kleve wurde mit 4:0 bezwungen, und live vor Ort beschlich mich manchmal das Gefühl, Mannschaft und Zuschauer haben sich an den Umstand gewöhnt, in der Tabelle von oben zu grüßen. Nun bot die Klever Mannschaft aber auch wirklich nicht die Gegenwehr, um größere Emotionen aufkommen zu lassen. Das es bis Dato nun das letzte Saisonspiel sein sollte, damit konnte so abrupt nicht gerechnet werden. Ironie des Schicksals: Es hat nicht einmal stattgefunden! Der 1.FC Kleve hat seine Mannschaft mit sofortiger Wirkung aus demlaufenden Spielbetrieb zurückgezogen, die Spiele wurden annuliert und jene drei Punkte und vier Tore des RWE somit für den….also nicht mehr in die Tabelle eingerechnet.
Keine Spiele mehr im Jahr 2010, aber noch eine Mitgliederversammlung. Anfang Dezember, schon in adventlicher Stimmung, wurden den anwesenden Mitgliedern Fakten präsentiert, die manch Mitglied glücklicher gemacht haben dürften, als ein Geschenk unter dem berühmten Baum. Einen Insolvenzverwalter geradezu euphorisch und dankbar an das Rednerpult zu begleiten, davon träumt Peter Zwegat nachts. Kein grundloser, gar hämischer Applaus. Ehrliche Freude und Dank für ebenso ehrliche Arbeit war es, die Herrn Kebekus dort entgegenschlug. Schließlich stehen die Zeichen mehr als gut, daß das Planinsolvenzverfahren im April/Mai dieses Jahres abgeschlossen werden kann.Der RWE wäre dann komplett schuldenfrei, vielleicht das erste Mal seit 1907. (Wie das bei den Summen funktionieren kann, bleibt mir allerdings ein Rätsel).
Richtig interessant fand ich die Zahlen zur bisherigen Saison im Vergleich zur Vorsaison (Das Zahlenwerk habe ich mir bei Reviersport abgeguckt): Jeweils 20 und 49% mehr aus Spielbetrieb und Handel (Fanartikel?) finde ich beachtlich, wird doch eine Liga niedriger gespielt. Die Reisekosten halten sich natürlich in Grenzen (Homberg oderHomburg, das macht schon einen Unterschied und tragen zu den 73% geringeren Aufwandskosten an Spieltagen bei) und auch wir Fans haben sicher mehr investiert, um unseren Verein zu unterstützen. 9% weniger Lohn/Gehalt für die Verwaltung tun mir weh, haben alle dort arbeitenden sicher mehr für den RWE gegeben, als viele Spieler und Präsidenten zusammen. 54% geringere Werbeeinnahmen stehen dann in Wechselwirkung zu der regionalen Spielklasse. So richtig gestaunt habe ich dann aber bei der Zahl, die den finanziellen Aufwand für die erste Mannschaft umschreibt. 77% weniger Lohn und Gehalt als in der Regionalliga, in Worten: Siebenundsiebzig! Alles Mölders oder was? Ich gehe doch hoffentlich davon aus, daß auch die Spieler der derzeitigen Mannschaft nicht nur für das stolze Wappen auf der Brust spielen, denn dann sind alle bekloppt. Positiv natürlich. Ja aber was hat der RWE dann im letzten Jahr und all die Jahre davor diesen Legionären auf Stollen nur bezahlt? Das konnte doch nicht gut gehen. Die Verantwortlichen für dieses Gebaren sollten sich in Grund und Boden schämen. Da gilt es in Zukunft besonders gut aufzupassen. Dieser „Low Budget“ Truppe kann gar nicht genug Respekt gezollt werden.
Das Jahr 2010, eine Achterbahnfahrt für den RWE, die seinesgleichen sucht. Wieder eine bescheidene Saison, wieder Zerwürfnisse zwischen Fans und Mannschaft, negative Bescheide in Sachen Stadion, Hohn und Spott aus den Nachbarstädten, mediales Prachtexemplar für all die gescheiterten Traditionsvereine…..All das mündete in der Insolvenz und war in der zweiten Jahreshälfte doch eine Wiedergeburt, die seinesgleichen sucht. Ok, bis auf einen natürlich. „Unkaputtbar! war auf einmal das trotzige Kommando, unter dessen Flagge sich regelmäßig mehr Fans an der Hafenstrasse einfinden als nebenan in der zweiten Bundesliga. Und dann kamen sie zurück, all die glücklichen Zufälle, die zu einer Erfolgsstory zwingend dazugehören: Das Tor des Monats von Alexander Thamm brachte direkt nach dem ersten Spieltag den RWE zurück in den bundesweiten Fokus. Mit Dr. Michael Welling betrat ein Vorsitzender die Bühne, der frank und frei behauptete, mit RWE noch nicht viel am Hut gehabt zu haben, aber nun Lust darauf hat und sich auch an verkrusteten Strukturen heranwagte. Die Fans zogen mit und legten Hüls und Co. nicht, wie bisweilen befürchtet, in Schutt und Asche sondern belebten den Mythos neu. Und dann ging etwas, was über 20 Jahre nicht gehen sollte, aus welchen Gründen auch immer und sogar nicht in irgendeiner Form den Schalkern in die Schuhe zu schieben: Das Stadion wird nun doch gebaut und auch aus Düsseldorf kam kein Veto mehr. Man muß das alles nicht verstehen, und jeder RWE Fan glaubt erst an das neue Stadion, wenn dort angepfiffen wird. Aber es passte in das Bild der zweiten Jahreshälfte. Abgerundet wurde der neue Gesamteindruck durch Reportagen im ZDF und,und,und.
Tja, das macht doch Lust auf das Jahr 2011 und birgt genau da auch die Gefahr. Was, wenn dieser Synergieeffekt nun eine Unterbrechung erfährt, die Mannschaft schlecht aus der Pause kommt und zwei bis drei Niederlagen am Stück kassiert? Bleiben die Fans bei der Stange, oder schlägt dann die öffentliche Meinung an diesem emotionalen Hochofen Hafenstrasse in`s Gegenteil um? Ich glaube es nicht, denn der Trainer hat einen Plan. Keinen Matchplan vielleicht, aber er weiß um seine Mannschaft und kennt die Spieler schon etwas länger. Der Aufstieg ist machbar und dann, erst dann beginnen die wirklichen Probleme: Verstärkungen müssten her, aber bezahlbar und in das Kollektiv passend. Die Gegner liegen nicht mehr um die Ecke, und da können die Fans nicht mehr so in Scharen folgen und jedes Spiel zum Heimspiel machen wie bisher in der Saison. Das kann also schnell mal wieder Abstiegskampf bedeuten. Aber, das ist Musik von Morgen und was soll ich mich darum kümmern. Genießen wir den RWE dieser Tage, eine tolle Mannschaftt auf traditionsreichem Boden. Quasi umgeben und auferstanden aus Ruinen, aber ein besserer Botschafter für den Verein als manch anderer. Der Verein hat viele, schwere Fehler gemacht und nun dafür bezahlt. Endlich, vermag ich so zu denken, denn nur so besteht die Möglichkeit, der Tradition endlich neues Leben einzuhauchen. Der RWE, sicher war er wer. Und er wird auch wieder wer. Aber zwischendurch hat er sich verloren. Willkommen zurück.

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