Randnotiz

Ab einem gewissen Zeitpunkt tat sie mir fast leid, die junge Frau mit dem Stapel Revier Sport in der Hand. Vor dem Gästebereich bot ein Stand der Sportzeitung Freiexemplare feil. Natürlich auch, um neue Leser zu gewinnen. Dummerweise handelte es sich um die Donnerstagsausgabe. Das Cover königsblau. Die Personen darauf kaufen Spieler und verkaufen Fleisch. Also nichts für die rot- weissen Fans, die naturgemäß mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hielten. Die Montagsausgabe hätte hier ein ganz anderes Interesse bewirkt.

Stattgefunden hat diese Randnotiz in Duisburg, vor dem Wedaustadion. Wie auch gegen die Amateure der Aachener Alemannia wurde im Stadion der Profis gespielt. Eine Rückkehr mit Wehmut eigentlich, fand doch in diesem Stadion das bisher letzte Zweitligaspiel des RWE statt. Seinerzeit besiegelte das 0:3 den Aufstieg der Zebras in die Bundesliga und den Abstieg des RWE in das Bodenlose. Das alles aber ist Geschichte, ebenso wie ich nur kurz den Blick auf den Platz schweifen ließ, von dem aus Peter sein letztes Zweitligaspiel miterleben durfte. Den Blick in die Zukunft gewandt galt mein Interesse vor der Partie dem Stadion als solches. Mein Faible für Kampfbahnen alter Prägung wie die Rote Erde oder das Schloß Strünkede bedarf wohl keiner weiteren Erwähnung mehr.

Der RWE bekommt ein neues Stadion, endlich. Und das Wedaustadion ist eines jener Stadien, an denen es sich zu orientieren gilt. Und es gefällt. Top gepflegte Sanitäranlagen, gut ausgestattete Verpflegungsbuden ohne Kartenzwang, interessante und pfiffige Details wie die Stehtische, die an die Betonträger angebracht wurden und zwingend Kontakte und Smalltalk bringen. Optimale Barrierefreiheit als besonderer Pluspunkt. Der Tradition wurde Rechnung getragen durch Benutzung der alten Kassenbereiche und auch die alte Anzeigentafel steht trotzig an ihrem angestammten Platz. Im Stadion herrscht eine gute bis sehr gute Sicht. Das Ärgernis Plexiglas aber leider auch hier. Im Oberrang stört ein Zaun zur Gegengerade bei ausverkauftem Haus die Sicht, aber man kann wenigstens hindurch gucken. (Was sich die Planer bei der Alemannia in punkto Stehplatz Gäste gedacht haben, darüber denke ich noch heute nach; Durch Beton kann man beim besten Willen nichts sehen!).
Fazit: Die neue Hafenstrasse wird kleiner und ein Einrang Fußballstadion, aber meine letzten Zweifel sind nun verschwunden: Ein ähnlich gelagertes Stadion wird dem Verein und seinen Fans guttun. Es wird auch neue Zuschauer anlocken und so aus dem traditionellen Männerpublikum vielleicht eine gemischte Besucherstruktur entstehen lassen. Stichwort Familienblock. Mitzunehmen gilt es aber natürlich die langsam aber sicher wieder besser werdende Atmosphäre und, ja auch den herben Charakter. Wir sind schließlich Rot Weiss Essen. Übrigens: Die Akustik in einem fast leeren Stadion ist famos, wenn über 2000 Auswärtsfans ihre Gesänge anstimmen.
So, und auf dem grünen Rasen? Die erste Halbzeit war schlecht. Wenig Aufregendes wurde dem Zuschauer geboten, die Ligazugehörigkeit in puncto Tempo und Ballsicherheit an mancher Stelle nicht zu verbergen. Trotzdem konnte beiden Teams das Bemühen nicht abgesprochen werden. Nach einer Viertelstunde kam der RWE zu einer großen- und kurz vor der Pause noch zu einigeren kleineren Chancen. Mit leichten Feldvorteilen für die Spieler von Waldemar Wrobel ging es in die Pause. Ein Kombinationsspiel ließen die kleinen Zebras bis dahin einfach nicht zu, gingen sie fast immer zu zweit auf den ballführenden Essener Spieler. Ebenso nahm der Schiedsrichter durch bisweilen kleinkarierte Entscheidungen dem Spiel seinen selbigen Fluß. Trotzdem ging es mit Applaus in die Kabinen: Der Einsatz wieder einmal vorbildlich.
Vorbildlich auch die Arbeit des Stimmungskoordinators der Ultras Essen. Durch die örtlichen Begebenheiten konnte er Stehblock und Oberrang mit in seine Liedauswahl einbeziehen. Normalerweise bin ich eher ein Befürworter der spielbezogenen Unterstützung, aber wie es die Fans aus dem Stehblock geschafft haben, mit einem recht neuen Lied, sogar den Oberrang und schon betagte Fans aus den Sitzen zu reißen: Chapeau, Herr Capo!
Direkt nach Anpfiff, genaugenommen in Minute 48 passierte das, was einem jedem Spiel gut tut: Ein Tor fiel für den MSV und zwar direkt im Gegenzug nach einer vergebenen Großchance des RWE. Daraufhin nahm das Spiel ganz andere Züge an, wurde höherklassiger und spannender. Bisweilen wütende Angriffe wurden unterbrochen durch gefährliche Konter. Und fast zwangsläufig fiel der Ausgleich. Timo Brauer machte sein 4. Tor nacheinander. Richtig, ein Elfmetertor war es, welches den einen Punkt sichern sollte. Ein glücklicher Elfmeter für mich. Halb zog er ihn, halb sank er hin….In der Schlußabrechnung aber völlig verdient. Denn die MSV Amateure gehören zu den stärksten Teams der Liga. Und so halten wir unter dem Strich fest: Punktgewinn statt Punktverlust.

Und wie erging es noch der netten Dame der Revier Sport Mannschaft? Clever wurde zur Halbzeit das Cover umgeknickt. Aber, viel ging da nicht mehr in Sachen Kundenakquise.

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