Monatsarchive: Juni 2012

The Homes of Football

Stuart Roy Clarke, Engländer seines Zeichens und Fotograf. Was nicht ganz unwichtig ist, zeichnet Mister Clarke doch für eine ganz besondere Art verantwortlich, den Fußball als Emotion darzustellen. Und das, obwohl in seinen Bildern so gut wie nie der Ball rollt. Stadien, bisweilen verrottet; Fans, bisweilen aus der Mode gekommen, sind seine Hauptprotagonisten. Jedes Bild ein Kunstwerk, eine eigene Geschichte oder auch ein Schicksal. Man vermag gar nicht aufzuhören, darin einzutauchen und sich für einen Moment in das Bild hineinzuversetzen. Der geneigte Eventfan wird hier sicher Bilder a`la „schwarz-rot-geil“ vergeblich suchen. Der Fußballfan aber wird wissen, was ich meine.    


The Homes of Football from Northern Stars on Vimeo.

Europameister..

..wird auf dem Feld hoffentlich Deutschland, denn die Engländer können es ja nicht mehr werden. Auch auf den Rängen sind die Deutschen Fans in Zahl und Lautstärke eines Titels würdig. Leider ist dieser Titel schon in der Vorrunde vergeben worden. Ich verrate da sicher kein Geheimnis an wen, aber vielleicht ist dieses Video dafür noch recht unbekannt: 

Der Pokal und sein Murmeltier

Der 1. FC Union Berlin wird also das neue Energie Cottbus, und der RWE kann im Europapokal nur in Serie. Nach diesem unglaublichen Erlebnis gegen die Eisernen in der letzten Saison, habe ich mir eine Neuauflage insgeheim gewünscht. Es war das letzte, würdige und zugleich wunderbare sportliche Erfolgserlebnis im alten Georg Melches Stadion! Ein Pokalspiel welches nicht nur die eigenen Gesetze dessen intensiv durchlebte, sondern auch an Dramatik kaum zu überbieten sein dürfte. Nur konsequent also, daß mit diesem ersten Pflichtspiel auch die Zukunft an neuer Wirkungsstätte eingeläutet wird. 
Fraglich allein wohl der genaue Spieltermin, denn rund um das Spielfeld geht es ja noch zu wie bei Hempels unter`m Sofa! In der Liga startet der RWE daher bewusst mit mehreren Auswärtsspielen hintereinander, um etwas Zeit zu gewinnen. Ein Risikospiel gegen den königsblauen Nachbarn zum Beispiel hätte wahrscheinlich kaum auf einer Großbaustelle durchgeführt werden können. 
Aber zurück zu meinem Wunschspiel: Wunschspiel gleich die Option, erneut tolle Fans der Eisernen in Essen begrüßen zu dürfen. RWE vs Union, für mich mehr als ein Spiel. ich freue mich darauf.  

Vertragsende

Klar, man hat nicht nur gute Spiele abgeliefert. Manche waren sogar richtig schlecht. Aber, man hat immer die Knochen hingehalten. Sich in jeden Angriff geworfen, die eigene Mannschaft auch gegen interne Kritik verteidigt, oft sogar gegen besseres Wissen. Tag für Tag nur an den eigenen Verein gedacht. Gedacht, es werden auch einmal bessere Zeiten kommen, nach soviel Abstiegen und Turbulenzen. Verletzungen ertragen, Schicksale ausgehalten und besiegt. Ordentlich auf die Fresse bekommen. 
Aber, es war ja für den Verein. Und dann kommt er doch, der Tag, an dem Du Deinen Spind räumen darfst. Nach aussen hin von Lobhudeleien begleitet, intern mit einem Arschtritt versehen. Es gilt Platz zu machen. Für die, die nachrücken, diejenigen, die Dein Spiel übernehmen wollen. Der Vertrag wird ausgehebelt, bisweilen mit Argumenten, die einen ehrlichen Kämpfer blass erscheinen lassen. Man passt halt nicht mehr in das System. Zur Not wird die ganze Mannschaft ausgetauscht. 
Man geht. Man kehrt dem geliebten Verein den Rücken. Gekränkt sicher, aber auch voller Stolz. Denn das geleistete ist gesehen worden, wird anerkannt. Manchmal völlig überraschend. Ein Blick zurück im Zorn, er fällt flach. Richtet sich nach vorne, und ist erstaunt ob der Möglichkeiten, die sich auftun. Es war nicht umsonst.

Von einem freundlichen Spiel

Deutschland gegen die Niederlande, die einen sagen so, die anderen so. Auf jeden Fall immer ein besonderes Spiel für alle Beteiligten, sogar eines eigenen Wikipedia Eintrages würdig.
Nachbarschaftsderby, Klassiker… auch die mediale Klaviatur kann zu diesem Spiel nach Belieben rauf und runter gespielt werden. Gab es besonders in den Jahren 1988 und 1990 auch hier einige Unruhen und Provokationen an den Grenzen, so hat dieses Spiel speziell hier in der Grafschaft Bentheim fast den Charakter eines „Friendly Derby“ angenommen. Ein Grund dafür ist, daß hier in der Grafschaft viele Familien grenzüberschreitend „gegründet“ wurden, und das schon lange vor dem dunkelsten Kapitel der Deutschen Geschichte. 
In der Neuzeit dagegen haben die hohen Immobilienpreise jenseits der Grenze viele Niederländer dazu bewogen, diesseits der Grenze, zudem noch doppelt gefördert, heimisch zu werden. Zu erkennen aktuell an Fahrzeugen mit NOH Kennzeichen und orangenem Fähnchen, oder an Wohngebieten, in der sich schwarz rot gold und oranje abwechseln. 
Und was wäre besonders die Stadt Nordhorn ohne unsere niederländischen Nachbarn ? Arm dran, würde ich einmal behaupten. An manchen Tagen wird das Freibad zu 90% bevölkert, manchmal sich auch so benommen und der schöne Tierpark gestaltet sich gleich komplett zweisprachig und erfreut sich zurecht auf beiden Seiten der Grenze großer Beliebtheit.   
Fährt der Grafschafter gerne nach Enschede auf den Markt,  steht besonders gerne an Feiertagen vor einem Blumengroßhandel im Stau, so kommen die Nachbarn ihrerseits am Koniginnendag rüber, um das Bruttosozialprodukt anzutreiben. Wir tanken Diesel nebenan und die Nachbarn kaufen hier Küchen. Eigentlich sind wir hier in der Region schon ein ganz eigenes Völkchen geworden. Die Älteren brauchen nicht einmal Kenntnis der jeweiligen Landessprache, man versteht sich hier Platt .
Und so bestimmt dieses Spiel schon Tage vorher an den neuralgischen Punkten der Region jedes Gespräch, wird sich gefoppt oder der Ton manchmal doch wieder etwas schärfer. Am Spieltag selber nimmt der Grenzverkehr dann erstaunlicherweise ab. Man lässt sich dann weitestgehend in Ruhe. Vielleicht auch noch am Tag nach dem Spiel, muß das Ergebnis doch erst einmal verarbeitet werden.
Aber Barrikaden an den Grenzen, oder ein provozierendes „rübermachen“, das wird es hier in der Region wohl nicht mehr so schnell geben. Freundlich wie wir hier alle sind. Übrigens,  auch Im Schatten der Tribüne ist anteilig niederländischer Abstammung.

Krass

Endlich einmal eine umgangssprachliche Überschrift: Krass, was gerade so alles passiert und krass auch die Eindrücke für all diejenigen, die sich in diesen Tagen rund um die Hafenstraße 97a in Essen aufhalten. Am Georg Melches Stadion knabbert die Abrissbirne und gleich nebenan erhebt sich immer klarer das neue Stadion Essen. 
Ein Stadion, welches auch gestern durch die ARD einmal mehr öffentlich in der Sendung Panorama thematisiert wurde. Das Stadion Essen als politischer Zündstoff, das ist doch nun seit fast Jahrzehnten nichts neues mehr. Ich hatte von einer Sendung wie Panorama jedoch etwas bessere Recherche erwartet, so den aktuellen Trainer im Bild. Das aber nur nebenbei. 
Was mich in den Tagen nach dem Spiel der Legenden wesentlich mehr beschäftigt hat, war bisweilen die Grobheit, mit der diesem Stadion nach dem letzten Abpfiff zu Leibe gerückt wurde. Ich kann ja verstehen, wenn sich viele Fans ein kleines Andenken von der Stätte sichern wollen, wo sie so viele Jahre ihres Lebens mehr gelitten, als sich denn gefreut haben dürften. Aber, teilweise hatte es den Anschein von moderner Barbarei, wie in dem Ansinnen, sich ein Stück GMS zu sichern, vorgegangen wurde. 
Mit dieser Wucht hatte ich nicht gerechnet. Sicher aber auch nicht damit, eher zufällig und zum ersten Mal den Spielerbereich der Haupttribüne zu betreten. Fast ergriffen, sind doch die Räumlichkeiten so alt und marode, wurden zudem so gut wie nie renoviert! Was dazu führt, daß man sich vor dem geistigen Auge neben Helmut Rahn in der Dusche stehen sieht. Mindestens der typische“ Fußballerkabinengeruch“ dürfte seinerzeit identisch gewesen sein. 
Besonders glücklich war ich gestern jedoch darüber, einmal in der Tribünen eigenen Turnhalle gewesen zu sein. Jener Turnhalle, die öfter in den Dokumentationen rund um den RWE oder Willi Lippens eine Rolle spielt. Wird doch immer eingespielt, wie er dort seine Runden gedreht hat. 
Übrigens, die Tribüne kann noch lange nicht abgerissen werden: Erst einmal muß dort im Inneren aufgeräumt werden, und das könnte dauern. Oder, man öffnet einfach alle Türen und wartet zwei Tage.
Anbei aber nun die ziemlich letzten Eindrücke dieser unnachahmlichen Sportstätte und seiner damals modernsten Tribüne Europas.

Abrissbirne