Monatsarchive: Dezember 2012

Tor 14

Zu lesen am 14. Dezember im wunderbaren Adventskalender von Fokus Fußball und nachgereicht nun im Blog:

Wenn das Erlebnis des Jahres zugleich das traurigste und aber auch das schönste ist, dann muß es fast zwangsläufig etwas mit Fußball zu tun haben, denn wo sonst treten Gefühle so gebündelt auf; Sind nicht nur einfach gut oder einfach schlecht? 
Der 19.Mai 2012 war es, an welchem das allerletzte Pflichtspiel im Georg Melches Stadion an der Hafenstraße in Essen Borbeck stattfand. Unser „GMS“, diese alte Kabachel, abgewrackt, amputiert und heruntergewirtschaftet. So wie kurz zuvor der ganze Verein. Und doch bis dato voller Stolz ein Stück weit auch dem modernen Fußball trotzend. Schließlich war man ja mal wer und Vorbild für viele andere Stadien der 50er Jahre. Egal auch, in welcher Liga der RWE gerade mal wieder herumwurschtelte, an Spieltagen waren die schon weit entfernt sichtbaren Flutlichter Fixpunkte für all die Fans, welche die Hafenstraße nun in Richtung Hausnummer 97a bevölkerten. Dort angekommen für diese unvergleichliche Geräuschkulisse auf dem Vorplatz der Osttribüne sorgend. Immer auch unter den wachsamen Augen der Staatsmacht. 
Essen ist kein einfaches Fußballpflaster: Essen ist rau, kann böse werden, Dich aber auch in den Arm nehmen! Dein Schicksal teilen, immer ehrlich und ist mit ganzem Herzen rot-weiss. So wurde auch Fußball gespielt an der Hafenstraße, wurde es sogar erwartet. Manchmal jedenfalls, ersteres jetzt. Wehe dem Spieler, welcher nur sein Trikot spazieren trägt. 
All das war also das Georg Melches Stadion und eben noch viel mehr. Bis eben zu diesem letzten Spieltag der Regionalliga West: Rot Weiss Essen – SC Fortuna Köln hieß die letzte Paarung an traditionsreicher Stätte, dem Mythos, dem Stadion Töpperwien`scher Lobpreisung. Es sollte ein unvergleichlicher Abschied werden. 
Früher als sonst strömten die Fans aus allen Richtungen herbei, wurden Traditionen längste vergangener Tage wieder zum Leben erweckt („Kokosnüsse jemand hier….“) und scheute fast ein jeder den Blick Richtung alte Westkurve, wo die neue Heimat schon in Lauerstellung lag. 
Heute galt es, sich noch ein letztes Mal an gewohnter Stelle mit gewohnten Weggefährten zu treffen. Alles mittlerweile ritualisiert. Im Stadion selbst bereiteten die Ultras Essen und Umfeld seit Stunden eine Choreo vor, um dem geliebten Stadion gebührend Tschüss zu sagen. Und als schon erwähnte Lobpreisung krächzend aus den altersschwachen Boxen ertönte, zeitgleich diese unglaublich schöne Choreo hochgezogen wurde, flossen erste Tränen. Zu sehen aber nur auf der Haupttribüne, denn hier wurde das mit den Fähnchen gemacht. Die Stehtribünen waren unter Georg Melches und einer gigantischen Bildergeschichte versteckt. Welch ein Erlebnis an einem Tag zu einer Zeit, in der es sich persönlich nicht nur von einem Stadion zu verabschieden galt. Zu viel der Emotionen, zu viel der Tränen um einen herum. „An der Hafenstraße, RWE“ in einer klassischen Version abgespielt, „Adiole“ in originalversion, gestandene Männer, welche mehr schluchzten denn sangen. Alles in allem Emotionen, die sich zwangsläufig in Tränen auflösen mussten. Es floss also an allen Ecken munter vor sich hin. 
Mit dem Anpfiff eines überraschend kurzweiligen Spieles in Anbetracht seiner sportlichen Bedeutungslosigkeit begannen dann die letzten neunzig Minuten im Erbgut von Georg Melches. Es herrschte einige Minuten fast völlige Ruhe, es galt wohl allerorten, das gerade erlebte zu verarbeiten, als aus irgendeiner Ecke der Haupttribüne dieses unvergleichliche „Oh immer wieder…“ angestimmt wurde. 
Was soll ich sagen ? Fußballerlebnis halt! 
Es spielte sich dann harmlos, aber wie schon erwähnt, kurzweilig weiter. Der Unparteiische pfiff mal an, mal ab und zum Schluss pfiff er den Schlusspfiff. Deshalb heisst er auch so. 
Aus,aus, das Spiel war aus und sechsundachtzig Jahre Georg Melches Stadion waren Geschichte. Fassungslose Gesichter bisweilen, die vielleicht jetzt erst realisiert hatten, daß es wirklich nun Abschied zu nehmen galt. Das Stadion leerte sich dementsprechend langsam. Viele bleiben aber auch einfach in ihrem Block stehen, kauerten auf ihren Sitzen oder formierten sich noch einmal und sangen ihre Lieder. Auf der „Haupt“ wurde „Mexico“ gesungen, einige der Sänger durften vielleicht erst jetzt nach dem allerletzten Schlusspfiff wieder ein Stadion betreten. Aber auch das gehörte zur Fußballkultur im Georg Melches Stadion. 
Dieser Tag, definitiv mein Fußballerlebnis 2012, um auf die „Aufgabenstellung“durch Fokus Fußball zurückzukommen, trotz so unglaublich vieler anderer intensiver Momente rund um das runde Leder. Ein Tag, welcher die Bedeutung dieses Vereins für die Menschen so unfassbar intensiv wiedergegeben hat. Der aber auch gezeigt hat, daß ein Stadion, richtig gelebt kein Konstrukt aus Beton ist, sondern eine Seele hat. Tausende sogar. Ein Stück Heimat ist. Das Georg Melches Stadion an der Hafenstraße war Heimat! Aber die Fans von Rot Weiss Essen wären nicht sie selbst, hätten sie die Seele des GMS nicht schon in Ansätzen einige Meter weiter mit hinübergenommen in das Stadion Essen an der Hafenstraße. Und das es hier schon wieder ein ganz klein wenig in Richtung Mythos gehen kann, verdanken wir aktuell den Sportfreunden Lotte. Ab 12:13 war auch das Spiel wieder ein Fußballerlebnis. Essen halt.

Frohe Weihnachten

Auch in diesem Jahr wieder, und weil er so schön und auch so wahr ist: Der Brief der kleinen Virginia O`Hanlon aus New York an die „Sun“ aus dem Jahre 1897 und die Antwort des Redakteurs. Bis 1950 wurde dieser Brief jedes Jahr in der „Sun“ gedruckt und seit 1977 führt die „WamS“ diese Tradition fort (seit 2007 auch Im Schatten der Tribüne):
„Mit Freude antworten wir sofort und auf die in ihrer Weise herausragende Mitteilung unten und drücken gleichzeitig unsere große Befriedigung aus, dass ihr gewissenhafter Autor zu den Freunden der Sun zählt:
„Lieber Redakteur: Ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Papa sagt: Wenn du es in der Sun siehst, ist es so. Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann?“
Virginia O’Hanlon. 115 West 59 Street
Virginia, deine kleinen Freunde haben unrecht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Alters. Sie glauben nichts, was sie nicht sehen. Sie denken, dass es nichts geben kann, was für ihren kleinen Geist nicht fassbar ist. Alle Gedanken, Virginia, ob sie nun von Erwachsenen oder Kindern sind, sind klein. In diesem unseren großen Universum ist der Mensch vom Intellekt her ein bloßes Insekt, eine Ameise, verglichen mit der grenzenlosen Welt über ihm, gemessen an der Intelligenz, die zum Begreifen der Gesamtheit von Wahrheit und Wissen fähig ist.
Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen, und du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie würde so öde sein, als wenn es dort keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch Gefühl und Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht.
Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Du könntest ebenso gut nicht an Elfen glauben! Du könntest deinen Papa veranlassen, Menschen anzustellen, die am Weihnachtsabend auf alle Kamine aufpassen, um den Weihnachtsmann zu fangen; aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sehen würden, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Zeichen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Die wirklichsten Dinge in der Welt sind jene, die weder Kinder noch Erwachsene sehen können. Sahst du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen? Selbstverständlich nicht, aber das ist kein Beweis, dass sie dort nicht sind.
Niemand kann die ungesehenen und unsichtbaren Wunder der Welt begreifen, oder sie sich vorstellen. Du kannst die Babyrassel auseinander reißen und nachsehen, was darin die Geräusche erzeugt; aber die unsichtbare Welt ist von einem Schleier bedeckt, den nicht der stärkste Mann, noch nicht einmal die gemeinsame Stärke aller stärksten Männer aller Zeiten, auseinander reißen könnte. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können diesen Vorhang beiseite schieben und die himmlische Schönheit und den Glanz dahinter betrachten und beschreiben. Ist das alles wahr?
Ach, Virginia, in der ganzen Welt ist nichts sonst wahrer und beständiger. Kein Weihnachtsmann! Gottseidank!, er lebt, und er lebt auf ewig. Noch in tausend Jahren, Virginia, nein, noch in zehnmal zehntausend Jahren wird er fortfahren, das Herz der Kindheit zu erfreuen.“
FROHE WEIHNACHTEN und ein gutes neues Jahr wünscht Ihnen und Euch „ISDT“