Monatsarchive: November 2012

Xanthippe

Hätte mir jemand direkt nach dem Spiel am 15.08.2008 erzählt, daß aus der hübschen Lotte mal eine Xanthippe werden würde, ich hätte ihn wohl für bekloppt erklärt. Der Grund für seinerzeit kurzfristig aufwallende Sympathie lag nicht nur am 4:1 Auswärtserfolg unserer rot weissen Absteiger beim Aufsteiger: Es lag ein Hauch von Deeskalation über dem Lotter Kreuz! 
Woodstock, freier Fußball, Hair, Fußballkinder der Liebe und so. Wir parkten auf dem Acker von „Bauer Ewald“ , die Polizei benutzte Pfeffer nur zum Würzen oder stand im Schatten der Scheune. Flatterbänder statt Absperrgitter. Im Inneren der kleinen Arena zwar mehr Werbebanden als Sitzschalen, aber das ganze Ensemble durchaus nicht ohne Charme. Eine gelungene Landpartie also. Und einmal ganz ehrlich: Wer ging denn damals nicht davon aus, daß es bei einem einmaligen Gastspiel bleiben sollte! 
Nur gut, daß keine Wetten darauf abgeschlossen wurden (Diese Plattitüde sei verziehen). Wir wissen nun nicht, wie oder durch wen die Unschuld vom Lande ihre selbige in den letzten Jahren verlieren konnte, aber Rot Weiss Essen hat damit nichts zu tun. Die Sportfreunde Lotte sind nun eben auch ein ambitionierter Fußballverein geworden, der nicht nur den sportlichen Erfolg sucht, sondern auch Schuldige, wenn dieser auf der Zielgeraden einer Saison ausbleibt. 
Das Fehlverhalten weniger kann aber nicht dramaturgisch auf einen anderenVerein abgewälzt werden. Und nun kam Xanthippe endlich an die Hafenstraße, um den Ball entscheiden zu lassen. Gehen wir einmal davon aus, daß beide Trainer in den Kabinen nicht viele Worte benötigten, um ihre Mannschaften zu motivieren. Endlich einmal wurde wieder eine Auwärtsmannschaft an der Hafenstraße mit gellenden Pfiffen bedacht und brodelte es schon vor Spielbeginn. 
Mit Anpfiff hatte es sich dann für die nächsten zwölf Minuten und zwölf Sekunden ausgebrodelt, denn auch an der Hafenstraße stellt man sich den aktuellen Fanproblemen, mischt sich ein und macht mit. Es gibt sicher Stadien, in denen 12:12 schon seit Jahren und über 90 Minuten praktiziert wird, wenn auch unbewusst, aber Rot Weiss Essen gehört definitiv nicht dazu. Beeindruckend auch, wie sich der Verein Rot Weiss Essen einmal mehr positioniert hat.
Grausame Minuten waren das. Aber dann ging die Post ab. Auf den Rängen, auf dem Rasen und bei den Unparteiischen. Es folgte ein Spiel, welches an atmosphärischer Dichte alles zu bieten hatte, was den Fußball bei Rot Weiss Essen so einzigartig macht. Die Sportfreunde aus Lotte begegneten der Ballsicherheit der rot weissen mit körperlicher Robustheit, zudem traten sie oft und gerne in Rudeln auf oder bildeten welche. Es war aber auch kalt, von daher konnte ein wenig Nähe sicher nicht schaden.
Endlich durfte auf den Tribünen mal wieder dieser Abneigung gegen bestimmte Vereinsfarben lauthals Luft gemacht werden. Endlich aber traf man auch wieder vom Punkt und konnte wieder einen Rückstand egalisieren. Wie schon in Wuppertal bleibt am Ende eines tollen Spieles aber auch die eine Frage aller Fragen offen: Einen Punkt gewonnen, oder zwei verloren? 
Hier und heute, also Dienstag jetzt, hat sich der RWE bisweilen den Schneid abkaufen lassen. Diese technisch versierte, ballsichere und nie aufsteckende Mannschaft bedarf noch ein wenig mehr an Ellenbogenmentalität, und dann wird genau so ein Spiel gewonnen. Als Fußballerlebnis aber, da hat Rot Weiss Essen klar gewonnen an diesem Abend. Das war Fußball pur. Ab Minute 12:13

Streichelzoo

Der eine Teil der großen rot weissen Fangemeinde macht am Samstag einen Ausflug in, oder besser gesagt, an den Zoo; Der andere Teil macht es sich vor den Empfangsgeräten gemütlich, wickelt einen Schal darum und fühlt sich um Jahre zurückversetzt. Kurz gesagt: Der RWE tritt beim alten Rivalen Wuppertaler SV in dessen Stadion am Zoo an und Sport1 überträgt diese Begegnung live. 
Bis gestern hatten wir ja auch noch auf „Buschi“ als Kommentator gehofft, dem Viertligakick mit vielen Bonmots den Esprit eines WM Finales verleihend. Bis jener den RWE mit dem SSV Hagen verglich, der da spielt in der Kreisliga A1. Das aber nur am Rande. 
Beim Wuppertaler SV geht es mal wieder drunter und drüber. Wie in jeder Saison halt. Irgendwie läuft es einfach nicht Runge, die Zuschauer bleiben weg oder liegen im Clinch mit der eigenen Mannschaft. Höflich ausgedrückt. Und wo der RWE aus der Not eine Tugend gemacht hat, beziehungsweise endlich machen musste, belegt der WSV wie üblich einen Spitzenplatz nur im Marktwert sowie dem Altersdurchschnitt seines kickenden Personals. (Für Statistiker: Platz 1 und 3). 
Unterschiedliche Voraussetzungen also monetärer Natur, was aber nicht groß von Bedeutung sein muß. Zum einen hat der RWE natürlich auch einen angemessenen Etat und zum anderen gewann man ja in Köln bei der Viktoria. Einmal abgesehen von der Tatsache, daß man in der Tabelle über derer aus dem Tal rangiert und zudem auf Heimspielatmosphäre hoffen kann. Beträgt doch die Entfernung zwischen den beiden Stadien nur 36 Kilometer. 
Das „D-Wort“ anzubringen überlassen wir diesmal anderen. Für uns ist es ein alter Rivale, welcher aufgrund der häufigen Begegnungen wohl das Schalke im „Real Life“ geworden ist. Für zusätzliche Brisanz sorgen wohl auch die Vorkommnisse der letzten Saison, unschöne Szenen in beiden Begegnungen. Jetzt aber nach Jahren wieder für beide Szenen die ganz große Bühne. In einer Zeit, in welcher wir Fans uns an den Kriegsschauplätzen trotzdem noch sicher fühlen, DFB und DFL dieses  aber nicht wahr haben wollen! Und der Boulevard schmollt, wenn an einem Spieltag mal kein Stadion von marodierenden Horden in Schutt und Asche gelegt wird. 
Man kann allen Beteiligten nur wünschen, mit der nötigen Gelassenheit an dieses Spiel heranzugehen. Hoffen, daß der Kommentator gut vorbereitet ist und weiss, daß sich beide Vereine nicht grün sind und zudem die roten Fans den Grünen Ensatzkräften aus Wuppertal nicht wohlgesonnen und umgekehrt. Bleibt also zu hoffen, daß die Fans des RWE diese große Bühne lautstark, kreativ und emotional zur Eigenwerbung nutzen. 
So schön geordnete Bürotechnik ausschaut: Es besteht momentan die Gefahr, daß der Rauch einer einzigen Zigarette, richtig aufbereitet, zu einem medialen Horrorszenario namens Alptraum Stadion verkommen kann. Überspitzt formuliert.
Der RWE kann auf dem Platz einen riesigen Schritt Richtung spannender Rückrunde gehen. Und wir Fans auf den Rängen können alles dafür tun, daß sich „Fußballdeutschland“ den RWE wieder in den Profifußball zurück wünscht. 
Wem das jetzt zu appelativ war, wir können es auch direkt: Liebe Trittbrettfahrer, macht unseren derzeit guten Ruf nicht kaputt, es wird leider nicht mehr differenziert in diesen Tagen.

Flaschenhals

Wäre doch der Theo mal besser nach Lodz gefahren, anstatt den Zwanni zu publizieren und damit das höchste Amt im Staate für Fußballfans nachhaltig zu beschädigen. Der Nimbus der Unfehlbarkeit ist weg! Momentan herrscht das Prinzip einer verbalen dritten Halbzeit vor: „Alle gegen alle“. 
Da wir Fans aus den Niederungen der Ligenpyramide aber ständig mit Publikationen von Seiten des DFB, nachfolgend Ligenreform genannt, konfrontiert werden, kommen wir mit einem weiteren uninteressanten Buch recht gut klar. Hatten wir doch unsere Schnappatmung eben bei der Einführung jener neuen aktuellen Regionalliga. 
Womit wir nun endlich zum Thema kommen: Heute gilt es, eine spannende, gar existenzielle Frage zu klären: Die „A Frage“. Nachfolgend „Aufstieg“ gennant. Aufstieg bedeutet nach Höherem zu streben. Und dafür reicht es, DFB sei Dank, nicht mal mehr, die Saison als Meister zu beenden, sondern es schließt sich der Meisterschaft auch noch eine Aufstiegsrunde, nachfolgend „Scheissendreck“ genannt, an. 
Grundsätzlich sind solche Spiele sicherlich das Highlight einer jeden Saison für die betreffenden Vereine, mobilisieren sie auch in unteren Ligen stets eine Vielzahl mehr an Fans/Zuschauer, als diese normalerweise im Schnitt anwesend sind. Ausser, man heisst RWE. Dort würde sich wohl der gesamte Zuschauerdurchschnitt auf den Weg in fremde Gefilde, nachfolgend „Stadien“ genannt, machen. Sogar ein politisches Statement setzen: Wo Rot unterwegs, ist auch Grün nicht weit entfernt. 
,#jetztaber kommen wir zu folgender These, welche uns beim Anblick der Tabelle, dem Kontostand, dem Stadion und der unglaublichen Menge an Fans beschäftigt: Sind wir reif für die Meisterschaft, nachfolgend als „verboten“ bezeichnet, um uns für Scheissendreck zu qualifizieren?
Oder dient die aktuelle Tabellensituation nur dazu, die Saison nicht frühzeitig ad acta zu legen? Gar nicht so einfach, diese Frage zu beantworten, driften die Meinungen doch ziemlich weit auseinander. Zudem noch unter dem Eindruck der aktuellen Insolvenz in Aachen und selbiger drohender in Duisburg. Die Finanzen halt: Reissen einen Verein zu Boden, entlassen den Fan in sein eigenes Schicksal. 
Nimmt man also Geld in die Hand um einen Aufstieg ad hoc zu planen, oder lässt man eine Mannschaft organisch wachsen um dann in naher Zukunft den Aufstieg zu erwarten. Überhaupt: Ist ein Aufstieg planbar, egal wann? Und wie verkauft man den Fans eine weitere Saison als Kult, wenn es mit dem Aufstieg dann doch nichts wird, oder sich ein Meisterschaftsfavorit frühzeitig absetzt?
Schwierig und problematisch zugleich! Der RWE dieser Tage ist dran. Dran an der Tabellenspitze. Der Anschluß wurde wiederhergestellt, der Frust nach Duisburg wurde zur Lust von Mönchengladbach, beziehungsweise Rheydt. Das Umfeld spekuliert, träumt, mahnt, erinnert an die Insolvenz… auch hier wieder eine typische Essener Gemengelage: Einmal mit alles dabei bitte! 
Und die Moral nun von der Geschichte ? Einigen wir uns auf ein: „Ist der Titel noch in Sicht, verspiele ihn frühzeitig nicht. Reicht es dann für die Aufstiegsrunde, ist es eine gar frohe Kunde“. Es ist also nie zu früh, um Meister zu werden, und wenn die Mannschaft merkt, es ist möglich, dann legt Euch in`s Zeug. 
Aber nicht mehr, wie in früheren Jahren, um jeden Preis. Ein gesunder und immer wieder RWE ist uns lieber, auch in Liga Vier! Aufsteigen werden wir. Eines Tages, nicht genau wissend wann, dann aber zurecht und für jeden einzelnen Fan, welcher auch in Liga Fünf an die Hafenstraße gepilgert ist.

Von Tränen

Einmal davon ausgehend, daß Rod Stewart nicht justament an einer rohen Zwiebel gerochen hat oder ihm gerade die Penny von der Lane ging, so liegt die Vermutung nahe, daß ein Fußballspiel der Grund für die rührseligen Tränen sein könnten. Vielmehr der Ausgang eines solchen. 
Und, wir liegen mal wieder richtig: Schon in jungen Jahren, einem Leoparden nicht unähnlich, widmete Rod Stewart seiner großen Fußballliebe Celtic FC einen Song. Vermochte sich Celtic die Landesmeisterschaft bis zu dieser Saison in der Regel stets mit den Rangers teilen, so kann man doch nur bedingt von ihren Fans als Erfolgsfans sprechen. Außerhalb des Paradieses und der Landesgrenzen gab es bis auf wenige Ausnahmen (Lisbon Lions) eben nicht viel zu holen. Und nun wurde mit leidenschaftlichem Spiel der FC Barcelona mit 2:1 bezwungen. 
Wohl genau diese Komponenten Leidenschaft, Atmosphäre, Glück und Erfolg ergaben unter dem Strich Tränen der Freude. Es werden an diesem Abend noch wohl viele dieser Freudentränen geflossen sein, aber nicht alle CFC Fans heißen nun mal Stewart und weinten von einer Kamera beobachtet Rod`s und Wasser. Was aber auch egal ist! 
Hier stehen die Tränen eines Fans doch nur stellvertretend dafür, was der Fußball bisweilen mir uns macht. Er nimmt uns mit, ist uns oft Enttäuschung (Je nach Vereinszugehörigkeit) , manchmal gar Freude (Je nach Vereinszugehörigkeit) und dann, ganz ganz selten, ist der Fußball eine Sternstunde in unserem Dasein als Fan. 
Bekommen wir dieses eine Spiel geschenkt, auf das wir Jahre vergeblich gewartet haben, von dem wir aber den Rest unseres Lebens schwärmen werden. Fragen Sie mal in Essen nach einem gewissen Jörg Lipinski, in Nordhorn nach einem 2:1 gegen den SV Meppen. Und fragen sie in 25 Jahren mal Rod Stewart nach einem Spiel gegen den FC Barcelona. 

Derby

Der 1.FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach ist das Rheinische Derby. Der 1.FC Köln gegen Bayer Leverkusen aber auch. Bayer Leverkusen gegen Fortuna Düsseldorf ist auch ein Rheinisches Derby. Somit also auch Bayer Leverkusen gegen Borussia Mönchengladbach. Der 1.FC Köln gegen Fortuna Düsseldorf ist natürlich auch ein Rheinisches Derby. 
Ebenso wie Borussia Mönchengladbach gegen Alemannia Aachen. Fortuna Düsseldorf ist aber auch kompatibel im Niederrheinischem Derby mit dem MSV Duisburg und entsprechend der Ligazugehörigkeit auch mit Rot Weiss Essen. Alles Derby halt. Rot Weiss Essen hat auch Derbys, ganz viele sogar. Aber noch mehr Rivalen. 
Ich vergass: Borussia Mönchengladbach gegen Fortuna Düsseldorf ist natürlich auch ein Derby. Ebenso wie der VfL Wolfsburg gegen die TSG Hoffenheim. Ein börsengeführtes Derby. Und hat eigentlich Fortuna Köln Derbys gegen die zuvor genannten Vereine, sollten sie jemals wieder Bundesliga spielen? 
Der FC Bayern hat sein Derby ja gegen den HSV, nämlich das Nord- Süd Derby. Manchmal auch Gipfel genannt. Ist dann der VfL Bochum gegen Energie Cottbus das West – Ost Derby ? Was ist dann das Südwest gegen Nordost Derby ? Derbe eigentlich, diese „Derbykunde“.

Der Kaffee, zu stark!

Gewisse Umstände an diesem regnerischen Novembernachmittag ergaben einmalige Situationen. Man könnte auch sagen: Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Letztendlich führten aber auch diese Dinge nur zu einem Ziel: Ein Fußballspiel von Rot Weiss Essen zu verfolgen. 
Bis zur 20. Minute war es sogar ein recht gut geführtes: Den Ball sicher am Fuß führend, das Spiel als solches geschickt in die Breite gezogen. Bisweilen aber zu überhastet oder den letzten Pass ungenau spielend. 1:0 stand es schon nach acht Minuten und besagter Zeitraum ließ auf einen entspannten Fußballnachmittag hoffen. 
Dann aber gab es einen ersten Fünfer für das Phrasenschwein, nämlich den vielzitierten Bruch im Spiel. Und direkt noch einen Fünfer hinterher für: Der RWE ließ sich den Schneid abkaufen. Vor der Halbzeit passierte zwar nichts mehr, aber wer sich dem Fußball etwas angenähert hat, der wusste: Hier bettelt eine Mannschaft quasi um das Gegentor! In der Halbzeit passierte dann nicht viel, ausser, daß Herr Rehhagel der Kaffee zu stark war. 
Im Anschluss daran wurde zwar der Kaffee nicht milder, daß Spiel des RWE aber auch nicht besser. Und es begann auf den Tribünen zu rumoren. Ein lang nicht mehr gehörtes und wohl kaum vermisstes Geräusch ertönte: Pfiffe gegen die eigenen Mannschaft. Wenige zwar, aber doch vernehmbar. Zudem war die Unzufriedenheit mit dem Spiel spürbar, auch wenn der Stimmungskern wirklich sein Bestes gab, um die eigene Mannschaft zu unterstützen. Logische Konsequenz übrigens der Ausgleich. Es blieb bei diesem 1:1. 
War jetzt der Erfolg in Köln ein Muster ohne Wert ? Natürlich nicht, aber er konnte auch nicht versilbert werden. Macht weitere zehn Euro für das Phrasenschwein. Drei Punkte wären aber besser gewesen.

Viki Leaks

Geld schießt keine Tore? Nun, diese These konnte Viktoria Köln letzten Samstag widerlegen, denn einmal traf Geld. In Form eines Spielers der Viktoria. Man sollte die Kölner Finanztrauben aber auch nicht zu hoch hängen. Natürlich existiert die Viktoria in der Regionalliga nur durch Mäzenatentum, der Kader gespickt mit ehemaligen Profis und anderen hochpreisigen Stutzen. 
Wir kennen das: Etat plus Namen ergibt: Aufstiegsfavorit. Dieser Rolle wurden die Fußballer in Diensten der Viktoria im bisherigen Saisonverlauf auch durchaus gerecht. Bis eben Rot Weiss Essen im rechtsrheinischen Sportpark Höhenberg auflief. Die sportliche Favoritenrolle der Kölner wurde mit Spielbeginn durch rot weisse Zweidrittelmehrheit auf den Rängen kompensiert. 
Heimspielatmosphäre also. Wie immer, wenn nun rot weisse auswärts eine Haupttribüne bevölkern: Verschreckte Blicke der schweigenden Einheimischen, erhebt sich der eigentlich sitzende Gästefan aus seiner Plastik und verleiht fortan lautstark seiner Vereinsliebe Ausdruck. Unterstützt von einer eigenen Mannschaft, die auf diesem schwierig zu spielenden Rasen und der extremen Lichtverhältnisse erstaunlich souverän begann. 
Die Kölner erwiesen sich zu Spielbeginn noch als guter Gastgeber und boten den rot weissen reichlich Platz auf dem Feld, welche sich stets gefährlich und flott kombinierend in Richtung Kölner Tor bewegten. Hatte was von „Entdecke die Möglichkeiten“. Zwei Tore, lautstark bejubelt, also für den RWE, waren die Folge. Freude auf der einen, völlige Verblüffung auf der anderen Seite. 
Fußball ist eben doch kein Ponyhof und schon gar kein Planspiel. Der zu Beginn angesprochene Treffer sorgte noch vor der Pause für den Anschluss und war zugleich das letzte Tor dieser Partie. Halbzeitpause und in der Mehrheit freudig überraschte Fans. 
Den gewünschten Kaffee gab es aber auch diesmal nicht. Ansonsten wusste das Ambiente der Viktorialzeit durchaus zu gefallen. Abseits des Rasens ging es nett zu. Zudem der Fußballnostalgiker noch durch die gemeine Pinkelrinne beglückt wurde. 
Die zweite Halbzeit bot nun das zu erwartende Schauspiel: Favorisiert wurde versucht, gegen Leidenschaft den Ausgleich zu erzwingen. Spannend allemal, lief es ab und an aus dem Ruder, flogen die Schwalben tief, lagen die Nerven auf dem Börsenparkett blank. Gelbe Karte, Rote Karte, auf die Tribüne, Rudelbildung… einmal mit alles bitte. Und es reichte! 
Ein altes Kölner Sprichwort kam dafür nicht zum Tragen, auch wenn die rechtsrheinischen sich bisweilen recht linkisch benahmen, gar wunderlich. Nein, der RWE gewann dieses Spiel mit 2 : 1, hält die Liga somit spannend, sein eigenes Umfeld bei Laune und freute sich verdient. Kerl inne Kiste, Trainer erreicht Mannschaft.

Mixtur aus Wunderbauten

Der Mix macht es! Eine Mixtur, welche es auf höchst interessante Art und Weise schafft, traditionelle und wunderschöne Namen mit neumodischen Bezeichnungen zu verquicken. Bei einigen Namen leuchten die Augen eines jeden Fußballfans, bei anderen eher nicht.
Aber hier macht es die Mischung. Zusammengestellt und kommentiert auf eine sehr interessante und vielfältige Art. Stammt ein Fotobuch fast ausschließlich von Fotografen, ein Buch über ein Stadion überwiegend von Autoren und eine Autobiografie von Lothar Matthäus: Das Buch „Fussball Wunder Bauten“ geht einen anderen, ganz eigenen Weg. Das zeigt sich im Cover und setzt sich in der Zusammenstellung der Macher fort. In der subjektiven Auswahl der Stadien sicher auch.
Andreas Bock und Benjamin Kuhlhoff, Redakteure der 11Freunde; Alexander Gutzmer, Architekturjournalist und stellvertretend für die optischen Wunder; Reinaldo Coddou H., Fotograf, beleuchten Fussballwunderbauten aus vielen Perspektiven: Die bauliche Faszination ebenso, wie die optische oder die erlebte.
Um die Stadionauswahl ein wenig zu selektieren hat man sich der hoch angesetzten Fußballpyramide bedient: Auf die Champions League folgt die Erste Liga und danach geht es schon zu den Überraschungserfolgen. Die Regionalliga West wurde in dieser Ausgabe noch ausgeklammert. Sorgfältig ausgewähltes Bildmaterial sorgt unter anderem dafür, dass der Leser und Betrachter sich gleichwohl in das jeweilige Stadion hineinversetzen kann, etwas „Umfeldanalyse“ betreiben oder gar in die Gesichter der Protagonisten schauen darf.
Spezielle Skizzen und Fotografien aus architektonischem Genius sorgen zudem für Erstaunen. Wir, die wir die Traversen bevölkern, kennen kaum die intimen Details einer solch langjährigen und aufwendigen Planung. So ist sogar die Allianz Arena ein höchst spannendes Bauwerk, und das Stadion in Braga eben einzigartig.
Unser persönlicher optischer Höhepunkt ist die Seite 189, versehen mit den Nummern 12, 63 – 65 und in Beton gegossen: Das Estadio Tomas Adolfo Duco, fotografiert von Reinaldo Coddou H. steht in Buenos Aires und beheimatet den Fahrstuhlverein Huracan. DIE Fotostrecke des Buches. Zugleich völlig konträr zu den modernen Tempeln dieses Buches. Eben auch ein „Fussballwunderbau“.
Oder Craven Cottage. Welcher Fan würde nicht selber gerne einmal ein Spiel vom Cottage Pavillon aus verfolgen? Soweit also die optische Betrachtung. Die Inhaltliche steht den Bildern aber in nichts nach. Auch hier eine spannende Mixtur, bestehend aus ehemaligen Spielern, ewigen Fans. Weiterhin aus journalistischer Sicht und Berichten; Mitarbeitern und Campino. Fakten wechseln sich ab mit verklärter Fußballromantik, Historie schlägt eine Brücke zur Gegenwart.
Endlich wissen wir nun auch, wie der FC St. Pauli und die „Bhoys in Green“ wirklich zusammengefunden haben. Und wenn ein Spieler dann auch noch den grössten Moment seiner Karriere auf den Traversen anstatt auf dem Rasen des eigenen Stadions erlebt hat, dann schließt der Betrachter und Leser dieses Buch mit einem wohligen Gefühl. Die Verpackung dieses Buches, um noch einmal von der Mixtur zu sprechen, ist eine sehr gelungene. Hier fehlt kein Bild: Der Buchtitel, sein Untertitel und die Stadiennamen sprechen für sich. Dieses Buch ist ein Premiumprodukt, zum Glück nicht verschlüsselt, sondern auf 192 Seiten frei zugänglich. Bald ist Weihnachten!