Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal im azurblauen Meer im August.

Wenn man nicht weiß, welche Überschrift auch nur annähernd zu einem Pokalspiel passen könnte, helfen Filmtitel! Filmtitel helfen grundsätzlich immer, um ohne Vorwarnung mit der Tür in das Haus potentieller Leser zu fallen. Rot-Weiss Essen hat gegen Fortuna Düsseldorf so ziemlich alle Besucher im Stadion und an den Bildschirmen hingerissen. Kommentatoren an den Mikrofonen waren hingerissen; Reporter an den Tastaturen ebenfalls.

Und die Fans wurden von diesem ungewöhnlichen Schicksal einer solch tollen Mannschaftsleistung dermaßen hingerissen, so dass die Spieler unserer Mannschaft nach dem Ausscheiden in einem Meer voll Stolz und Aufmunterung baden durften, an diesem schwülwarmen Sonntag im August. Am Ende intensiv gespielter hundertzwanzig Minuten stand ein Null zu Null als vorläufiges Endergebnis, welches der Fortuna als klassenhöherer Mannschaft sicherlich schmeichelte. Was sich gegen Wiedenbrück schon ansatzweise angedeutet hat, setzte nun eine personell stark veränderte Mannschaft fort.

Die „Rumpelfußball & Co. KG“ vergangener Saison scheint in das Zeitalter des Konzeptfußballs Einzug zu halten. Vielleicht war dieses Spiel aber auch nur eine grandiose Eintagsfliege, dem Wettbewerb, der Kulisse und medialer Aufmerksamkeit geschuldet. Wir werden es spätestens schon kommenden Freitag im Hinspiel des diesjährigen Zwiebelpokals gegen den amtierenden Tabellenführer SV Rödinghausen erfahren. Natürlich könnte der Mannschaft geholfen werden, fahren ihrerseits wieder Fünfzehntausend RWE Fans auf den Tribünen ein ähnliches Stimmungskonzept wie im Spiel gegen die Fortuna. Auch wenn eine dann leere Gästetribüne hemmend wirken mag. Aber, nur mal so als Gedankenspiel: Ihr tragt uns und wir tragen Euch. Oder umgekehrt. Das „Konzept“ Rot-Weiss Essen funktioniert eh nur mit den Fans gemeinsam. Es war schon beeindruckend, wie es bisweilen von den Tribünen schallte.

Das es nun im Elfmeterschießen ein eher tragisches Ende nebst Ausscheiden nahm: Machste nichts dran! Und: Vielleicht ist es momentan sogar gut, dass wir nicht regelmäßig den DFB Pokal bevölkern, sondern immer nur Stippvisiten im neuerdings laut Medien „härtesten Pokal der Welt“ abgeben: Sind wir dann plötzlich wieder wer! Werden wir dann auch noch einem unserer vielen alten Westrivalen zugelost: Ja dann sind alle Medien direkt wieder am Start. Graben all diese Geschichten rund um unseren derzeit verblassten Mythos aus. Ruckzuck stehlen wir sogar ambitionierten Erst- und Zweitligisten die Schau, sind flott ausverkauft und bedienen noch flotter den Boulevard, der vermeintlich wortgewandt und doch nur plump eine kriegerische Auseinandersetzung befürchtet; Familien und Kinder vor zuviel Stadionnähe warnt.

Ich weiss einfach nicht, was und warum Zeitungen so agieren. Manche Journalisten sollten durchaus auch mal ihr eigenes Handeln hinterfragen, so wie es doch auch von uns Fans und der Polizei ständig verlangt wird. Rot-Weiss Essen ist also vor einer DFB Pokalhauptrunde in aller Munde und wird thematisch durchgekaut. Alle wollen plötzlich einen Happen abbekommen. Möchten den RWE mindestens zwei Ligen höher spielen sehen. Aus Tradition natürlich. Welche verpflichtetet, aber am Status Quo leider überhaupt nichts ändert. Rot-Weiss Essen im DFB Pokal, dass ist für den verwöhnten Profibengel, der immer oben steht, stets die verruchte Schlampe aus der Unterwelt mit dem gewissen Etwas; den verdammt langen Beinen. Die mit den harten Jungs und der geilen Bude, wo man gerne oft Gast sein und spielen möchte.

Aber, wir müssen Euch alle noch zappeln lassen. Wir würden ja gerne auch öfter kommen. Nun gab es also dieses atmosphärisch dichte Erlebnis, und das Netz liegt der Hafenstraße vom vergangenen Wochenende zu Füßen. Keiner musste sich das Erlebnis azurblau trinken, es bleibt  auch so haften.

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