Monatsarchive: August 2017

Rolle rückwärts.

Wir haben sie lange nicht mehr gesehen, unsere angestammten und so sympathischen Sitznachbarn. Bis heute. Trotz Dauerkarten für die vergangene Saison war es heute ihr erster Spielbesuch an der Hafenstraße im Kalenderjahr 2017. Sie konnten einfach nicht mehr kommen, hatten den sogenannten Papp auf, waren für den (monatelangen) Moment durch mit unserem RWE und seinem dargebotenem Fußball. Wir, die wir in Dortmund waren erzählten den beiden vor dem Spiel freudestrahlend davon und ebenfalls davon, dass nun alles besser werden würde. Dortmund war toller Fußball, dass Ergebnis hatte nur leider nicht ganz gestimmt.

Wir stehen wir denn nun nach diesem Spiel gegen den Wuppertaler SV dar? Die beiden, wie auch die vielen anderen Tausend Fans, die nicht in der Roten Erde waren, müssen sich doch komplett veräppelt fühlen nach dieser Leistung unserer Roten heute.

Von der ersten Sekunde an war klar, dass heute nur die aus dem Tal nicht in das Tal der Tränen stürzen wollten. Nicht einmal der frühe Führungstreffer des RWE, quasi aus dem Nichts erzielt, konnte kaschieren, dass hier und heute eine Mannschaft komplett neben der Spur agieren würde. Der Treffer brachte keine Ruhe in das eigene Spiel; das Mittelfeld fand kaum statt. Ebensowenig wurde die rechte Seite auch nur annähernd mit öffnenden Bällen in das Spiel einbezogen. Wollte zum Beispiel ein Pröger den Ball, so musste er sich ihn von irgendwo herholen.

Und warum betrachtet ein Torwart des RWE heutzutage den Fünf-Meter-Raum nicht mehr als seine eigene Laube und bleibt mehrheitlich auf der Linie „kleben“?  Das Ding ist eigenes Hoheitsgebiet, hier gehört alles aus dem Weg geräumt, was da nicht hingehört. Egal ob „Freund oder Feind“. Ran an den Ball möchte man verzweifelt von der Tribüne aus zurufen. Bist doch sonst ein Guter. Wie bewiesen zum Beispiel bei einem Konter der Wuppertaler irgendwann um die 75. Minute.

Nein, hier und heute ging alles schief, was nur schiefgehen konnte. Wohlgemerkt auf dem Feld. Für manche scheint ja ständig die komplette Geschäftsstelle mit auf dem Feld zu stehen, so wie nach einem solchen Spiel in alle Richtungen ermittelt geschossen wird.

Es fiel also der verdiente Ausgleich, was einen hinter uns sitzenden (und bislang stillen) Fan Zuschauer zu seinem großen Auftritt veranlasste: Mit dem Gegentor erhob er seine Stimme und brachte in einer zehnminütigen und lautstarken Schimpfkanonade einen Querschnitt all dessen dar, was die Foren und Kommentarspalten nach Niederlagen so hergeben. Ein „Best Of“ quasi. Seiner Begleiterin sichtlich peinlich, gefiel er sich in der Rolle des Hetzers über den Verein und wirkte sichtlich zufrieden. Alles Kreisklasse außer ihm. Es war schwerlich auszuhalten. Mit solchen Fans Zuschauern gewinnst Du einfach alles…

Das Spiel als solches war doch schon schwer genug auszuhalten, ein solcher Leistungsabfall gegenüber vergangenem Sonntag kaum zu erklären. Was ist passiert seit Dortmund? Spukte da schon Mönchengladbach im Kopf der Spieler herum? Mönchengladbach ist aber nur Kür, da wäre ich mit einem 1:3 sehr zufrieden. Heute aber war die Pflicht. Und diese haben Spieler und Trainer komplett vergeigt. Und das, obwohl man sich als Fan eine Woche lang wie schon lange nicht mehr auf ein RWE Spiel gefreut hatte.

Das kann man gegen Borussia Mönchengladbach auch nicht gutmachen, da eben nur Kür. Das kann die Mannschaft nur gegen die Zweitvertretung des 1.FC Köln gutmachen. Das ist die verdammte Pflicht.

RWE ist, wenn Du auf dem Hinweg die ganze RWE CD lauthals mitsingst, nur um sie nach dem Spiel direkt genervt aus dem Player zu schmeißen.

Ich hoffe nur, unsere Sitznachbarn kommen trotzdem gegen die Zwote des 1.FC Köln wieder. Und die Fahnengirls. Vielleicht wissen sie es nicht, aber sie fehlen absolut, wenn sie mal nicht da sind.