Monatsarchive: September 2017

Quo vadis RWE?, Episode 1907!

Für den heutigen Dauerregen kann Rot-Weiss Essen nichts. Der ist wohl automatisch mit an Bord, wenn es gegen den langjährigen Dauerbegleiter SC Verl geht. Rot-Weiss Essen kann auch nichts dafür, dass der Familientag nicht unbedingt nur positiven Anklang findet. Eine Tatsache, die sich mir persönlich nicht wirklich erschließt, denn den Familientag gibt es bereits im sechsten Jahr und wurde definitiv nicht dafür erfunden, um aktuell schlechte sportliche Leistungen zu kaschieren, sondern um der sozialen Bedeutung als Verein der Stadt gerecht zu werden; neue Fans für unsere gemeinsame Sache RWE zu begeistern (Falls sich in den letzten fünf Jahren nun mal ein Kind in Königsblau an die Hafenstraße verirrt hat: Einzelschicksale wird es nun mal immer und überall geben)!

Wofür Rot-Weiss Essen jedoch (hier und heute konkret und ausnahmslos seine sportlichen Angestellten) etwas kann ist, den heute anwesenden Zuschauern, egal ob jung oder alt, einmal mehr den Tag versaut zu haben. Aber gründlich!

Die eigene Messlatte wird ja in bester Limbo Tradition schon von Spiel zu Spiel niedriger gelegt, aber heute hat die Mannschaft ihr eigenes Niveau so tief angesetzt: Das war beim besten (Fan-)Willen nicht mehr zu schaffen, ohne daran zu scheitern. Heute hat unsere Mannschaft nicht einen einzigen jungen Fan dazugewonnen, sondern wieder etliche Veteranen vergrault. Sie scheint tatsächlich das Stadion leer zu spielen. Ich weiß, dass die Mannschaft das nicht will, und sie lieber mit uns feiern möchte. Aber umgesetzt bekommt sie es nicht mehr. Hier wird mit dem sportlichen Arsch eingerissen, was an anderer Stelle mühsam Woche für Woche wieder aufgebaut wird. Hier wird kaum noch der gute Ball, aber die Geduld der Fans und den immer noch vielen Sponsoren mit den Füßen getreten.

Das Spiel unseres RWE (auch der SC Verl hatte keinen guten Tag, was aber für uns gut war, denn sonst wären wir unter die Räder gekommen!) war von Beginn an geprägt von kompliziertem und langsamen Aufbau Richtung Verler Tor. Bevor mal ein überraschender Pass in die Tiefe kam, wurde lieber noch einmal hintenrum gespielt. Es hatte bisweilen den Anschein, als ob bestimmte Mannschaftsteile (Spieler?) lieber das Tempo herausnehmen wollten, anstatt das Spiel zu beschleunigen. Es hatte den Anschein, als ob bestimmte Spieler lieber nicht laufen wollten und bestimmte Spieler, die laufen wollten, nicht angespielt wurden.

Dafür, wie lange dieses lethargische Etwas namens Fußballspiel andauerte, war das Publikum zur Pause noch gnädig und gab es nur Pfiffe. Die Stimmung war eh schon Scheisse, da bedurfte es nicht direkt einer weiteren negativen Aufwertung. Die Körpersprache unserer Mannschaft so undefiniert, diese könnte aktuell kein noch so versierter Übersetzer entziffern.  Es wäre ja alles halb so wild, wenn wir nicht alle wüssten, dass die Jungs es können und wir gute Fußballer in unseren Reihen haben. Ich sag nur Mönchengladbach.  Aber genau das ist unser Problem da draußen auf den Rängen: Wir wissen, Ihr könnt einen emotionalen Stiefel spielen und lauft aktuell in Ackerpömps über das Feld. Wie sollen wir denn damit klar kommen?

Man möchte auf das Feld hüpfen und die Jungs fragen: „Wie kann ich Euch helfen?“. Man leidet doch mit ihnen; möchte mit ihnen feiern und zufrieden nach Hause gehen. Stolz auf seinen Verein sein. Auch in Liga Vier. Man möchte den Ball in das Tor beten, damit dem Verein der, heutzutage leider üblich, anschließende und respektlose „Shitstorm“ in den (a-)sozialen Medien erspart bleibt. Man weiss, wie direkt wieder die Verantwortlichen angegangen werden, ohne ihrerseits selbst auf dem Feld zu stehen. Das alles tut weh, trägt man die drei Buchstaben im Herzen und Respekt als eigene „zwischenmenschliche Fahne“ vorneweg. Wir zerfleischen uns doch mittlerweile schon selbst untereinander in den Kommentarspalten ob solch gezeigter Leistungen. Das darf nicht sein. Es geht doch nur um Fußball. Aber, leider geht es auch um unseren Verein.

Dummerweise gibt es nach einem Spiel wie dem heute gesehenen kein Argument mehr, sich auch als gemäßigter Fan vor Mannschaft und Trainerteam zu stellen (Und trotzdem wird unsererseits nicht blind gepöbelt, denn das hilft wirklich niemanden). Die Ergebnisse der anderen Vereine noch immer beständig so, so dass man dem Ziel „Oben mitspielen“ mit zwei gewonnene Spielen nacheinander ruckzuck hätte näher kommen können. „Wäre, wäre Fahrradkette“ um in Lothar Matthäus zu schreiben. Das frustriert umso mehr: Keine andere Mannschaft marschiert uneinholbar vorneweg!

Nein, spätestens nach heute hat man das Gefühl, dass ganz andere Kräfte innerhalb und/oder rund um die Mannschaft wirken, welche eine gute Leistung kopfmäßig verhindern. Das Fleisch ist willig, der Geist ist schwach. So vielleicht, ein bekanntes Zitat umgekehrt? Ist es das, was unsere Spieler ausbremst? Ist der Trainer das „R“, die Mannschaft das „W“ und vielleicht jemand dazwischen, der stört, das „E“? Wir wissen es nicht. Das Problem aber dabei: Wir sind alle drei Buchstaben zusammen. Wir sind RWE! Und das macht uns gerade komplett fertig. Lässt uns fassungslos und, was viel schlimmer ist, bisweilen lethargisch nach Hause gehen. Gut, manch einer wankt auch nach Hause. Aber dann hat sich wenigstens das gelohnt.

Es muss sich dringend etwas ändern. Am besten sofort. Klärt das. Seid Männer! Wollt Ihr, oder wollt Ihr nicht? Und wir außerhalb: Bitte lasst uns ohne Beleidigungen auskommen. Wir reden immer noch über das, was wir bis an unser Lebensende doch lieben. Manchmal und meistens von Geburt an. Ich bitte daher auch hier auf „ISDT“ um eine weiterhin so gute und sachliche Auseinandersetzung mit dem „Ist Zustand“ wie bisher hier.

Du unser RWE, wohin gehst Du? Liegt es an uns? An der Geschichte? was ist los mit Dir?

Sein oder Nichtsein.

Samstag: Das Spiel in Bonn brachte einen Punkt mit nach Essen, der aber verdreifacht mit zurück an die Hafenstraße gehört hätte: Die Vielzahl an Chancen; der eine Spieler mehr auf dem Feld ab Minute 65: All das reichte nicht aus, um die Führung über die Runden zu bringen. Aus 2:3 wurde also in der 86. Minute 3:3. Ärgerlich!

Dienstag: Unter der Woche, zudem eine relativ ungünstige Anstoßzeit. Brütende Hitze! Und doch machten sich über den Daumen gepeilt rund an­dert­halb­tau­send Fans des RWE auf den Weg nach Uerdingen in die dortige Grotenburg. Ein Stadion alter Schule zum Niederknien übrigens. So viele Rot-Weisse also, die einmal mehr doch wieder hinterherfahren. Welcher Viertligakicker kommt sonst unter der Woche zur besten Feierabendzeit aus den Katakomben auf das Spielfeld gelaufen und wird mit viel Applaus von einer solch großen Anzahl eigener Fans empfangen? Nicht wirklich viele!

Unser RWE war nicht der Favorit an diesem heißen August Abend in der Grotenburg! Auch dessen sollte man sich ab und an bewusst werden. Der KFC hat seinerseits und bekannterweise mal wieder einen Neuen. Wieder einen, der richtig Kohle raushaut. Und so wurden vor der Saison (und aktuell auch wieder) mehrere sogenannte „gestandene“ Spieler verpflichtet, die auch schon höherklassig unterwegs waren. Der KFC somit neben Relegationslusche Viktoria und Küche Rödinghausen direkt in der Verlosung um Tabellenplatz Eins.

Unsere Roten hielten gut dagegen in diesem von Beginn an intensivem Spiel. Die Anfeuerung auf Gästeseite wuchs bisweilen zu einem Chor der Leidenschaft für diesen Verein. Diese Stimmgewalt von acht bis achtzig bemerkenswert. Jeder hier auf Seiten der Gästefans wollte mithelfen.

Die fünfundzwanzigste Minute: Führung RWE! Die Stimmgewalt wurde noch gewaltiger. Nur um zehn Minuten später geschockt zu schweigen: Ausgleich KFC Uerdingen. Leider kommentiert in der Nachbereitung fast keiner mehr, dass dem Tor ein glasklares Foul an einem Rot-Weißen vorausging. Wie auch? Ich muss ja direkt in den Kommentarspalten meinen ungefilterten Frust hinterlassen. Da ist für Differenzierung kein Platz mehr.

Dem somit eigentlich ungerechtfertigten Ausgleich folgte in der zweiundvierzigsten Minute erneut die Führung für den RWE. Kurz vor der Halbzeit ist ja meistens auch der perfekte psychologische Zeitpunkt, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Sagt man jedenfalls so. Konzeptlos hingegen einmal mehr an der Grotenburg die Planung an den Kassenhäuschen. Wenn ich weiß, dass ein Verein mit traditionell großer Anhängerschaft zu Gast ist, dann muss ich mehr Kassenhäuschen besetzen, um einen zügigen Einlass zu gewährleisten. Unter der Woche ist nun mal nicht immer eine frühzeitige Anreise möglich; gehen doch sogar RWE Fans einer geregelten Arbeit nach. Entgegen dem allgemeinem Klischee.

Richtig schön allerdings nicht nur die Lage der Grotenburg Kampfbahn, sondern auch der kostenlose Gästeparkplatz direkt davor. Danke für diesen Service. Das dann aber alle Gästefans durch nur einen Tribünenaufgang müssen, gefühlt nicht breiter als ein PAX Kleiderschrank, ist wiederum richtig unschön. Es staut sich. Im Stadion selbst entschädigt dann aber einmal mehr der Rundblick. Vier charmant marode Tribünen und vier massive Flutlichter sorgen für ein wohliges Gefühl bei all denen, für die Fußball noch im Stadion und nicht in einer Arena gespielt wird. Selbst beim Austreten hält man(n) kurz inne beim Anblick der Pinkelrinne. Akustisch kann die Grotenburg dann auch noch einiges. Natürlich nur unter dem Dach.

Die Geschichte der zweiten Halbzeit ist relativ schnell erzählt: Unsere Roten überließen weitestgehend dem KFC die Initiative und versuchten sich immer öfter mit „Langholz“ aus der Umklammerung zu befreien. Ab und zu gelang das auch noch ganz gut, ging aber deutlich an die Substanz derer, die vorne allein auf sich gestellt versuchten, ihrerseits mal wieder Richtung Uerdinger Tor zu kommen.

Der RWE Fan auf der Tribüne spürte so langsam, dass es so nicht mehr allzu lange dauert, bis es das zweite Mal im eigenen Tor klingelt. Mimik und Gestik rund um einen herum verrieten es. Gesichtsfarben wechselten in rascher Abfolge. Es wurde unruhiger. Die Auswechselungen brachten optisch keine Erleichterung, eher den berühmten Bruch im Spiel. Einigen unserer Spieler waren die Strapazen der Kombination Wetter plus Spiel deutlicher anzumerken als den Kollegen aus Uerdingen. Und so kam es dann letztendlich auch wie es kommen musste:

War es in Bonn noch die 86. Minute, geschah das Elend diesmal in der 84. Minute.

Der Ausgleich zum 2:2 stellte zugleich auch den Endstand dar.

In Bonn musste ohne Frage gewonnen werden in Anbetracht des Spielverlaufs. Legt man den Spielverlauf an diesem Dienstag zugrunde, kann man unter dem Strich noch dankbar sein, dass es nicht eine Niederlage wurde. Trotzdem hätte man auch diese Führung nach Hause bringen können. Vielleicht auch mal müssen.

Das dann aber direkt mit Abpfiff gleich wieder der „Shitstorm“ begann, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Oft gab es doch Szenenapplaus, weil unsere Spieler sich in Bälle warfen oder die gute alte Grätsche erfolgreich auspackten. Tadelloser Einsatz. Auf dem Platz und der Tribüne.

Was wirklich der bislang einzige unentschuldbare Auftritt war, ist und bleibt Wuppertal zuhause. Dortmund, Bonn und Uerdingen: Alle hochgehandelt vor der Saison. Da fährt man nicht einfach hin und nagelt die mit 4:0 an deren eigene Stadionwand. Wir haben dreimal hintereinander auswärts nicht verloren. Auch eine Sichtweise. Und selbst wenn wir direkt nach einem solchen Spiel Trainer, Vorstand und was weiss ich wen noch, rauswerfen…die Relegation erreichen wir dann trotzdem nicht direkt automatisch.

Wir hätten mehr Punkte haben können. Aber ich bin sicher, die holen wir uns im Laufe der Saison noch zurück. Bei den drei bisherigen Auswärtsgegnern werden außerdem auch noch ganz andere Mannschaften Punkte liegen lassen.

Noch ist mein RWE Glas eher halbvoll denn halbleer.

Vorausgesetzt, wir gewinnen das heutige Spiel gegen den SC Wiedenbrück.