Monatsarchive: August 2022

Gegnerspionage Ingolstadt.

Es geht tatsächlich so langsam los mit den anderen Bundesländern, die für uns mal wieder den Duft der großen weiten Fußballwelt bedeuten. Auch wenn wir aktuell noch den Mief weitestgehender Punktelosigkeit einatmen, soll uns das nicht in unserer Vorfreude hindern. „Wir lassen uns die 3. Liga nicht vermiesen, keine Angst, keine Angst, RWE!“. Die Bayern also, sie kommen tatsächlich nach Essen. Glücklicherweise nicht der FC Bayern, sondern die „Schanzer“ des FC Ingolstadt von 2004.

Clever eigentlich, sich offiziell FC Ingolstadt 04 zu schreiben, so manch einer könnte ja denken, dass 04 auch für 1904 als Gründungsjahr stehen könnte. Aber investigativ wie ISDT nunmal ist, decken wir gnadenlos auf, dass der FC Ingolstadt natürlich erst 2004 aus einer Fusion der beiden finanziell klammen Platzhirsche MTV Ingolstadt und ESV Ingolstadt entstanden ist. Klamm ist man in Ingolstadt seitdem eigentlich nicht mehr, auch hier greift ein Autobauer dermaßen kräftig unter die Arme, so das der gelegentliche Vorwurf, nun ein Werksverein zu sein, emotional nicht immer glaubhaft entkräftet werden kann. Uns eigentlich egal, aber allein bei „04“ gehen die Synapsen schon mal steil.

Aber kommen wir zu dem wichtigsten Punkt, der einen Artikel wie diesen hier eigentlich schon im Ansatz überflüssig macht: Es gab bisher nicht ein Spiel von Rot-Weiss Essen gegen einen Ingolstädter Verein! Daran konnten auch monatelange Recherchen bis an die Grenze der Belastbarkeit nichts ändern. Ein Spiel Rot-Weiss Essen – FC Ingolstadt 04 wurde bis dato noch nie angepfiffen. Und auch gegen die Vorgängervereine MTV oder ESV Ingolstadt wurde seitens des RWE niemals gegen den Ball getreten.

Kurioserweise haben der MTV und der ESV in ihrer langen Historie ihrerseits selbst nur zweimal gegeneinander gespielt, sofern die Informationen letztendlich stimmen. Sehr ungewöhnlich für Lokalrivalen. Es war in der Saison 1979/80 der 2.Bundesliga Süd, als beide Vorgängervereine aufeinandertrafen. Im Hinspiel 1979 bezwang der MTV vor 6.500 Zuschauern auf der heimischen Bezirkssportanlage Mitte den ESV mit 2:1. Das Rückspiel 1980 wurde gar vor 7.000 Fans im ESV Stadion ausgetragen, man trennte sich 2:2 Unentschieden. Der MTV somit ewiger Stadtmeister. Dumm nur, dass man am Ende der Saison absteigen musste, während der ESV die Klasse halten konnte. Wenn auch nur noch eine weitere Saison.

Die Wege der baldigen „Fusionistas“ trennten sich somit recht schnell wieder. Also auch hier also keinerlei sportliche Besonderheiten, bei denen unser geliebter RWE irgendwie hätte mitmischen können. Ingolstadt gegen RWE, das ist wie der Frost im Preußenstadion oder die Meisterschale auf Schalke: Es hat nie existiert. Nicht aufgebend konnten dann trotzdem noch drei kleine Querverbindungen aufgedeckt werden: So war zu lesen, dass die Bezirkssportanlage Mitte des MTV eine Eigenheit mit dem legendären Georg-Melches Stadion aufweisen konnte: Die Bezirkssportanlage bestand ebenfalls nur aus drei Tribünen. Ob eine vierte Tribüne in Ingolstadt niemals gebaut, oder wie in Essen durch Substanzverlust abgerissen wurde, konnte hingegen nicht ermittelt werden.

Und dann gab es da noch den Peter: Peter Dietrich, seines Zeichens einmaliger Deutscher Nationalspieler (1970) , wechselte 1966 vom ESV Ingolstadt an die Hafenstraße, um dort für unseren RWE achtundzwanzig Mal gegen den Ball zu treten. Drei Tore inklusive. Hans Krostina ging den entgegengesetzten Weg, zudem zum Lokalrivalen und über eine Zwischenstation: 1977 verließ Hans Krostina nach fünfzehn Spielen Rot-Weiss Essen, um sich über den Umweg FC Bayern Hof 1978 dem MTV Ingolstadt anzuschließen. Dort explodierte er allerdings so richtig und steigerte seine Torquote von null in Essen auf vierundzwanzig in Ingolstadt.

Wie es sich nun für einen Fusionsverein eigentlich auch gehört, gestaltete sich das Wachstum der eigenen Fanszene in Ingolstadt seit 2004 eher langwierig. Zudem erreicht der heimische Eishockeyverein ERC Ingolstadt seit jeher zuerst die Herzen der Fans vor Ort und kann auf einen großen aktiven Kern setzen. Nicht zuletzt aufgrund der Entfernung dürfte sich die Anzahl der Gästefans somit irgendwo zwischen Elversberg und Viktoria Köln einpendeln. Der Aufsteiger empfängt den Absteiger. Zehn Punkte treffen auf einen Punkt, Null Gegentore stehen eindrucksvoll ganz vielen Gegentoren gegenüber. Auf dem Papier dürfte somit alles klar sein. Aber wenn Rot-Weiss Essen wirklich mal wieder Rot-Weiss Essen Dinge macht, und die Loyalität der Fans so richtig im Sturm belohnt: Ja warum eigentlich nicht den ersten Sieg ausgerechnet gegen einen der Ligafavoriten einfahren?

Und dann, ja dann geht es endlich zu einem Pflichtspiel außerhalb von Nordrhein-Westfalen! Es geht nach Bayreuth, ins dortige „HaWaWi“ zur Altstadt. Das erste Pflichtspiel in einem anderen Bundesland seit dem 24. März 2012. Aber darum kümmern wir uns in der nächsten Folge der Gegnerspionage.