Protestnote an die Stadt Essen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Mitglieder des Rats der Stadt Essen,

Die Frage nach einer neuen Spielstätte an der Hafenstraße weitet sich zu einer Neverending-Story aus. Durch das erneute Vertagen dieses Themas auf Januar 2010 und wenig Hoffnung weckende Äußerungen zum künftigen städtischen Engagement steigt die Sorge bei den Anhängern und Freunden von Rot-Weiss-Essen. Die Sorge, dass sich die Stadt aus dem Thema häppchenweise zurückzieht und das noch immer sportliche Aushängeschild der Ruhrmetropole seinem Schicksal überlässt. Wir sind der Meinung, dass Essen als Kulturspielstätte gerade des „kleinen Manns“ dringend ein neues Fußball-Stadion braucht. Und zwar nicht erst seit heute, sondern schon seit langen Jahren, ja fast Jahrzehnten. Und zwar unabhängig von der aktuellen Spielklassen. Es wird von jenem Verein bespielt, der in dieser Stadt weiterhin stark verwurzelt ist und bei Heimspielen noch immer zum Teil mehr Zuschauer anzieht als andere Städten mit Dritt-oder sogar Zweitligateams. Wir empfinden es als unfair, wenn jetzt so getan wird, als habe Rot-Weiss Essen zum Großteil selbst Schuld an der momentanen Situation. Sicher wurden an der Hafenstraße in den letzten Jahren viel zu viele Gelder verbrannt. Doch die Stadt Essen hat es seit Jahrzehnten versäumt – Stichwort Abriss Westkurve – ein Stadionneubauprojekt auf den Weg zu bringen. Und damit die Rahmenbedingungen, unter denen erfolgreicher Profifußball heute überhaupt erst möglich ist. Wir fordern daher gerade mit Blick auf das Kulturhauptstadtjahr 2010 jetzt einen klaren Pro-Kurs der Stadt in Sachen Stadion, ein Ende des ständigen Aussitzens und Herumlavierens, ein Bekenntnis zu einer Arena als unverzichtbaren Teil des kulturellen Angebots in dieser Stadt. Essen putzt sich überall heraus, droht aber im Spitzensport von der bundesweiten Landkarte zu verschwinden. Für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl von 580.000 ist es peinlich, über keine den modernen Ansprüchen genügende sportliche Infrastruktur zu verfügen. Ihr Vorgänger Wolfgang Reiniger hat des öfteren den Begriff der sozialen Symmetrie in dieser Stadt angesprochen. Zu Recht. Der Essener Nordwesten befindet sich schon jetzt in einer bedenklichen Schieflage – ein Stadionbau mit damit verbundenen Infrastruktur-Maßnahmen könnte diese Viertel aufwerten und vor einem weiteren Absturz bewahren. Es ist sicher legitim zu fordern, dass auch der Verein RWE jetzt noch einmal seine Hausaufgaben nachbessert und ein tragfähiges Sparkonzept vorlegt. Doch jetzt den schwarzen Peter an den Verein zurückzugeben – frei nach dem Motto „Was stören mich meine wahltaktischen Versprechungen von gestern“ – ist Täuschung am Wahlvolk und ein klassischer „Fehl-Paß“. Sie haben schon jetzt Millionen in die Ablösung der Kölmel-Altlasten, den Teilabriss der Nordtribüne und der Aufbereitung des Geländes hinter der Ex-Westkurve investiert. Soll das alles für die Katz gewesen sein? Wie wollen sie dem Steuerzahler diese Ausgaben erklären? Herr Paß: Wollen Sie dieses Projekt jetzt stoppen, ehe es wirklich losgeht? Wollen Sie den zehntausenden Gästen im nächsten Jahr eine marode Fußballruine als Attraktion verkaufen? Essen macht sich zum Gespött ganz Deutschlands. Schon die Fußball-Damen-WM 2011 ist an unserer Stadt vorbeigegangen – statt dessen erhielt das deutlich kleinere Bochum den Zuschlag. Ein schmerzlicher Prestige-Verlust. Herr Paß, wir fordern Sie auf, nein bitten Sie: Finden sie die vergleichsweise bescheidenen 31 Millionen – warum werden eigentlich die Handelshof-Erlöse jetzt nicht mehr wie einst geplant für den Stadionbau verwendet? – und machen sie das Bauvorhaben nicht vom Verbleib in einer bestimmten Liga abhängig. Dieser Fehler wurde schon in der Ära Reiniger/Hempelmann begangen, als es hieß, RWE müsse sich erst in der 2. Liga (!) längere Zeit etablieren. Wir RWE-Fans und Essener Bürger fordern noch einmal: Ende des Schlingerkurses, ernsthafter Beginn der Bauarbeiten im Frühjahr 2010. Zum Wohle von Rot-Weiss-Essen, zum Wohle von ganz Essen. Denn: We love this city!

Unter diesem Link kann das Schreiben in der Reviersport nachgelesen und der aktuelle Stand der Forumsunterstützer eingesehen werden.

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