Fußball ist mehr, als 11 gegen 11

Irgendwann im Verlaufe dieser Tagung fiel dieser Satz. Ein Satz mit Tiefgang. Schließlich ist Fußball nicht nur das Spiel auf dem grünen Rasen, und im Falle unseres Wittekindshofer FC hebeln wir auch oft die klassische Spielvariante, abhängig von der Zahl der anwesenden Spieler/innen aus. Eine Tagung, die da hieß: “Für eine Kultur der Anerkennung – Soziale Integration im Fußball”. Angeboten und durchgeführt durch die Deutsche Akademie für Fußballkultur und der Stadt Hannover. Eine Tagung, die privat und beruflich gleichermaßen von Interesse war und durch das Einschreiben in den Workshop 3: “Behindert – ein Hindernis?!” belegt wurde. Eine Tagung auch, die mich zwei Tage lang ob ihrer Professionalität stets in Erstaunen und Verzückung gleichermaßen versetzte.

Mit der vierten Tagung hat diese Veranstaltung nicht nur die Probephase überstanden, sondern auch die DFL als Partner gewonnen. Nach der offiziellen Begrüßung durch den Hannoveraner Oberbürgermeister Stephan Weil und Willi Hink als Vertreter des DFB gab es Vorträge von Persönlichkeiten, die ob ihres Wirkens von dem ein oder anderen Fußballfan durchaus kritisch beäugt werden. Aber, Martin Kind warb heute nicht für die Abschaffung der 50+1 Regel, sondern präsentierte sich in einer launigen Rede dem Thema angemessen und sehr sympathisch. Auch “Fanprofessor” Gunter Pilz schuf keine neuen Begrifflichkeiten a`la “Hooltras”, sondern bot einen sehr interessanten Rückblick auf die vorangegangenen Tagungen.

Den inhaltlich wertvollsten Vortrag bot für mich aber der Geschäftsführer der von-Laer-Stiftung und Aufsichtsratsmitglied des DSC Arminia, Wilfried Lütkemeier. Kernthese: “Nur ein ganzes Dorf erzieht einen Menschen” oder auch “Die Gesellschaft provoziert Ausgrenzung”. In diesem Zusammenhang auch seine kritische Bemerkung, dass die Vereine selber Aggressionen schüren, wenn sie die Fans in viel zu kleine Blöcke hinter Gitter sperren.

Unser Workshop wurde dann von zwei Vertretern der DFL und einer Vertreterin der Special Olympics moderiert. Die drei ließen von Beginn an keinen Zweifel daran, dass hier bis zum nächsten Tag Ergebnisse zu erzielen waren. Die gab es dann auch, nicht zuletzt eben Dank dieser engagierten Moderatoren. Explizit hier nun auf die Ergebnisse und Gedanken einzugehen würde den Rahmen sprengen. Wer aber Interesse an Behinderte im Sport, barrierefreie Stadien und sonstige Tagungsinhalte hat, der ist über das “Vereinsheim” herzlich willkommen.

Der Präsentation der Ergebnisse aller Workshops habe ich mich am nächsten Tag zwischendurch entzogen, war mir doch ein Gespräch mit einem Tagungsteilnehmer und Vertreter der Brigade Nord wichtiger. Interessante Einblicke in das Verständnis eines Ultras. Nach den Ergebnissen war vor dem Spiel, und so galt es noch der Einladung von Martin Kind zu folgen, der uns Karten für das Spiel seiner 96ziger gegen Eintracht Frankfurt zur Verfügung stellte. Das erste Mal im Leben ein Stadion mittels VIP Karte zu betreten, durch ein Bändchen einer anderen Kaste zugeteilt zu werden, das waren ganz neue Erfahrungen, lukullische Inklusive. Und doch so abgetrennt, so dass ich vorsichtshalber gefragt habe, ob wir denn nun auch allein ins Stadion dürften. Will sagen: Für einmal war es ein ganz tolle Sache, und die Plätze im Stadion vom Feinsten, aber immer müsste ich das nicht haben, denn hier fehlen einfach Emotionen.

Trotzdem ein überaus gelungener Abschluss einer intensiven Tagung, die den Wunsch der Organisatoren nach Nachhaltigkeit mehr als erreicht hat. Es gibt noch sehr viel zu tun, wollen wir wirklich und nachhaltig unsere behinderten Mitmenschen in unser scheinbar normales Leben einbeziehen. Wenn wir aber nur einiges von dem umsetzen und intensivieren können, was wir an diesem Wochenende erarbeitet haben, so kommt es denjenigen zugute, die genauso und vielleicht noch mit viel mehr Herzblut Fußball- und Sportfans sind.

Ein Kommentar

  • Schöner Artikel zu einem gelungenen Wochenende. Auch schön: Chelsea ist gerade aus der Championsleauge ausgeschieden! Grüße Bernd

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