Monatsarchive: März 2014

Einstürzende Neubauten

Fast widerwillig, so hatte es den Anschein, näherten sich die Fans dem Stadion. Fast so, als ob sie dem Prinzip „muss ja“ und nicht dem Ruf der eigenen Mannschaft folgten. Dem gedämpften Applaus für Waldemar Wrobel folgte ein noch gedämpfterer für den neuen Trainer.

Der Stadionsprecher bemühte sich weiter, Tabellenplatzunabhängig den Fans Begeisterung zu entlocken; Sandys Rot Weisse Version des Leonard Cohen Klassikers kam in Anbetracht der sportlichen Situation fast kafkaesk daher. Die Begrüßung der Mannschaft im zugigen und weitestgehend leeren Stadion war unterkühlt und jene durch die Spieler wohl eher angeordnet denn freiwilliger Natur. „Derbystimmung“ konterkariert.

Die gerne gebräuchliche Floskel, ob der Trainer noch die Mannschaft erreicht, greift dieser Tage wohl nicht. Vielmehr beschäftigt die Frage, ob die Mannschaft nicht mehr erreicht werden will. Stets konnten spielerische Mängel und Niederlagen durch nimmermüden Einsatz einigermaßen schöngeredet werden. Gestern ging aber auch dieser flöten. Mythos weg, Charaktertypen weg, Einsatzwillen weg. Ja was wollt Ihr denn ? Maoam haben wir nicht!

Die Tabelle wird wieder hervorgekramt, Niemandsland war gestern. Dreht Euch mal rum, das Abstiegsgespenst geht um! Wir Fans spüren wieder das Lübecksyndrom in uns aufkochen. Der RWE soll nicht etwa abgeschafft werden, sondern die unermüdliche Aufbauarbeit einiger weniger in den letzten Jahren, sollte nun Saison für Saison durch seine sportlichen Angestellten unterstützt werden….was ist daran so schwer zu verstehen?

Tausend!

Der tausendste Artikel seit Bestehen von „ISdT“ sollte natürlich etwas ganz besonderes darstellen. Nun gibt es derlei gerade sportlicher Natur nicht zu berichten. Die Protagonisten dümpeln vor sich hin, die Tribünen sind gebaut. Eine Danksagung könnte es werden, ein Hinweis darauf, dass „der“ von Post Nr. 1 nicht mehr der von Post Nr. 1000 ist, dass sich die „Schreibe“ verändert hat. Wie dieses Leben halt; So wie auch Vereine und sportliche Erfolge sich verändern.

Aber Danksagung klingt gut, sollte man wenigstens einmal im Leben machen und daher auch hier: Danke somit allen, die ab und an mal mitlesen. Danke Euch beiden da in Essen: Für tolle Ideen, manch graues Haar und Eure Kabbeleien. Danke Euch drei für Eure Geduld und Eure Liebe. Danke RWE und Danke Eintracht. Danke Mama!

Nun aber zu den wirklich wichtigen Dingen: Ja wo leben sie denn nun, die RWE´ler ausser Haus? „Here are the results of the Essen vote“:

Bundesweites Stadiongebot

Bundesweites Stadiongebot

Ich Danke Sie

Es kam letztendlich, wie es wohl kommen musste. Aber es kam plötzlich und unerwartet. Freistellung Interruptus. Zu früh oder zu spät, wer weiß das schon. Die „Entscheider“ werden sich bei diesem Zeitpunkt schon etwas gedacht haben. Aber was ? Um den Zebras die Streifen aus dem Fell zu spielen, wäre der geeignete Zeitpunkt nach dem Heimspiel gegen den SC Verl: Wir kennen das ja mit den neuen Besen, die müde Männer munter machen.

Nach Duisburg kann dann ja wieder Achterbahn gespielt werden, die Saison ist verschenkt, das Saisonziel wird nicht erreicht. Saisonziele, die eine Mannschaft des RWE seit 2010 unter Waldemar Wrobel aber stets erreicht, wenn nicht gar übertroffen hat. Zeitgleich setzte klammheimlich aber ein schleichender Prozess ein, welcher erste Anzeichen von Kritik die Hafenstraße Richtung Hausnummer 97a wehen ließ. Die Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit auf den Tribünen der neuen Bude begann immer mehr auseinanderzuklaffen. Der Fußball machte oft keinen Spaß mehr.

Das Spiel der Rot Weissen begann zu stagnieren [es wurde genug diesbezüglich geschrieben und bedarf keiner Wiederholung]. Achterbahnfußball einmal mehr, allerdings mit weitaus mehr Tiefen denn spielerischen Höhen. Geradezu irritierend fast die grundsolide Vereinsarbeit, welche  stoisch am eingeschlagenen Kurs festhielt, den operativen Bereich erweiternd, Strukturen optimierend und noch vieles mehr. Eine Trainerdiskussion gab es nicht. Doch was nützen all diese positiven Meldungen abseits des Rasens, sind diese für uns Fans so lebenswichtigen 90 Minuten eine zähe und bisweilen frustrierende Veranstaltung.

Dafür aber leben wir und davon zehren wir. Zudem leben wir weiterhin mit dem Makel der Viertklassigkeit; Leiden einmal mehr unter dem DFB, seiner Flaschenhalsmethodik und überhaupt: Wir sind doch immer noch wer! Schon richtig früh wurde in dieser Saison klar: Das wird noch nichts! Nicht hier, nicht jetzt, definitiv nicht 2014. Von da an wurde es bisweilen richtig ungemütlich. Waldemar Wrobel wurde der Mittelpunkt einer immer lauter werdenden Kritik. Manchmal fachlich, oft emotional und subjektiv,  leider aber viel zu oft an der Tastatur und unter der Gürtellinie ausgeübt. Auch im Stadion wurde es natürlich immer ungemütlicher für den Trainer und seine Spieler.

Es gab zu viele „Grüppchen“, die auf einmal Rot Weiss Essen waren: Mannschaft und Trainer waren Rot Weiss Essen. Die Zuschauer waren Rot Weiss Essen. Oftmals zudem gespaltener Meinung. Der Verein war Rot Weiss Essen. Und alle machten ihr Ding, leider offensichtlich und auch unabsichtlich nicht mehr gemeinsam. Wahrscheinlich war sogar jede Fraktion der Meinung, alles für diese drei wunderbaren Buchstaben zu geben und sauer, dass das Bemühen durch die anderen nicht anerkannt wird.

Irgendwie so muß es gewesen sein, so erkläre ich mir die Situation an einem Tag, welcher aufwühlt. Mein Verein hat seinen Trainer freigestellt. Das tut weh. Eine Trainerentlassung ist immer auch eine Niederlage für einen Verein. Ganz besonders aber auch für seine Angestellten in den kurzen Hosen. Es gibt sicher berechtigte Kritik am Trainer, doch maße ich mir nicht an, diese konstruktiv aus der Ferne äußern zu können oder gar zu wollen.

Ich möchte mich vielmehr daran erinnern, dass mich unser Trainer vor unserem DFB Pokal Erfolg gegen die Eisernen aus Berlin auf der Autobahn Richtung Hafenstraße überholt hat. Aufblinkend, wild hupend und winkend überholte er ein Fahrzeug mit RWE Devotionalien, ohne den Fahrer überhaupt zu kennen. Das Gesicht voller Vorfreude. Oder diesen Spaß, die Mimik und Gestik vor dem damaligen Elfmeterschießen. Scheinbar ist seit dieser Zeit viel dieser Freude an unserem geliebten Verein und der Arbeit für diesen verloren gegangen. Vielleicht auch die Fähigkeit zur Selbstreflektion in sportlich schlechteren Zeiten einhergehend mit steigenden Ansprüchen.

Sehr geehrter Herr Wrobel, ich habe leider seit einiger Zeit nicht wirklich oft Freude an meiner Mannschaft gehabt, aber ich hatte auch viele schöne Erlebnisse und Spiele während Ihrer Zeit als Trainer des RWE. Dafür herzlichen Dank und alles, alles Gute für die Zukunft. Nun ist es an der Mannschaft, wieder ein Rot Weiss Essen zu formen. Geht mal in Euch und überlegt, für welchen Verein Ihr da auflaufen dürft!

Hey Du…

…ja genau Du!

Keine Angst, es winken im folgenden keine Heizdecken oder Verkaufstaktiken a`la Schlemihl. Aber, lebst Du in Essen und hast jederzeit die Möglichkeit, dem rumpelnden Zauberfußball oder alternativ, zauberhaften Rumpelball an der Hafenstraße beizuwohnen ?

Erreichst die Hafenstraße zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ? Ein Stauder in der Hand und derer zwei in der Hose ? Dann hast Du es gut. Was aber ist mit den Rot Weissen, die auswärts sozialisiert wurden, an denen der GElch glücklicherweise vorübergegangen ist; Diejenigen, die die Stadt verlassen haben ? Vielleicht aber lebt in Eurer Stadt noch ein zweiter Rot Weisser, der bereit ist, mehrere Stunden Fahrt für Hafenstraßenfußball auf sich zu nehmen.

Ist an dem so, und würdet Ihr gerne öfter gen Essen fahren ? Leid und Spritkosten, alternativ Abteil und Sixpack teilen, manchmal sogar Freude…..! Dann wird es Zeit, dass man Euch wiederfindet. An der Hafenstraße RWE!

[vimeo 84298796]