Der Hexenschuss für das Fußballherz.

Vorfreude ist ja die bekanntlich schönste Freude. So liegt es gerade auch im Naturell eines fast jeden Fußball Fans, sich allen Erfahrungen der Vorsaison zum Trotze doch wieder auf die neue Saison zu freuen. Man „betet“ sie förmlich herbei; zudem steigert eine halbwegs gelungene Vorbereitung Erwartung und Ungeduld. „Erwartung und Ungeduld“, eigentlich die optimalen Synonyme für den RWE Fan. Wer allerdings direkt mit Anpfiff der Saison eine perfekt geölte Systemmaschinerie erwartet, die auch noch innerhalb der neunzig Spielminuten variiert werden kann; der wird natürlich wieder schnell enttäuscht werden.

Mit dieser Erwartung ist heute wohl keiner der knapp über Neuntausend Fans an die Hafenstraße gepilgert, behaupte ich einfach mal. Wir haben nun wohl endgültig begriffen, dass erst etwas wachsen muss, bevor geerntet werden kann. Das Basismenü Regionalliga wurde also dieser Tage wirklich sehr wohlwollend bestellt. Das Trüffelschweinchen Fortuna essen wir dann erst nächste Woche. Lass deren Fans ruhig saufen. Essen ist immer noch der wahre Genuss. Wie dem auch sei, der Pokal tat heute kaum etwas zur Sache.

Aus Wiedenbrück kam heute kaum ein Fan mit an die Hafenstraße, der Fanbus wurde aufgrund der Urlaubszeit gecancelt. Irgendwie auch schon wieder sympathisch. Herrlich kommentiert übrigens am Pissoir, wo nicht nur die Dinge in die Hand genommen werden, sondern bisweilen auch der Flachs blüht: „Iss der Gästeblock voll, leck mich anne Socken“. Die Zeit der gemeinsamen Austreterei war übrigens ca. nach dreißig gespielten Minuten. Es stand noch 0:0, der RWE hatte scheinbar das Spiel im Griff, erste Ansätze einer neuen Spielphilosophie waren zu erkennen, wobei die Mannschaftsaufstellung durchaus überraschte. Noch mehr jedoch die Namen derer, die heute nicht einmal dem Kader angehörten. Einem Marc Fascher hätte man dafür noch vor Anpfiff direkt seine Taxofit Kappe verkehrt herum auf den Kopf getackert. Verbal natürlich.

Die Abwehr stand aber solide, der Einsatz war wie eigentlich immer schon nicht zu bemängeln. Bis zur 44. Spielminute schien es also nur eine Frage der Zeit, wann der Führungstreffer fallen würde. Die Fans auf den Tribünen recht launig, und im übrigen auch wieder mit koordinierter Unterstützung. Der Sozialromantiker in mir freute sich sehr, dass es scheinbar auf vielen Ebenen positive Ansätze gegeben hat, die wieder zu einer gemeinsamen Unterstützung für diesen Verein, den wir alle so sehr lieben, geführt haben. Danke dafür! Ganz gelegentlich ist einem Wiedenbrücker Spieler vor Schreck der Ball über den Spann gerutscht, als es plötzlich von allen drei Tribünen schallte.

Die 44. Minute also: Wendepunkt kurz vor der Halbzeit. Jeffrey Obst machte bei seinem Gegenspieler wohl Fruchtfliegen aus und wollte sich dessen erwehren. Jener sank also dahin und eine rote Karte war die Folge. Folgerichtig übrigens, denn schon der Versuch ist strafbar. Eine dumme Aktion, die nachhaltig der Mannschaft geschadet hat, musste sie doch in der Folge eine komplette Halbzeit mit einem Mann weniger auskommen. Glücklicherweise schienen die Wiedenbrücker aber gar nicht mitbekommen zu haben, dass sie einen Mann mehr auf dem Feld waren; machte doch der RWE weiter das Spiel und grätschte sich mitunter in den Szenenapplaus. Es gab auch die ein- oder andere Torchance. Ungenutzt leider.

Dann kamen aber die letzten Minuten, endlich hatten die Ostwestfalen ihre Gegenspieler durchgezählt und festgestellt, dass mit numerischer Überlegenheit auch mal ein blitzsauberer Konter gefahren werden kann. Tenor: Fußball kann so einfach sein. Fußball war dann noch einmal einfach und sogar noch ein drittes Mal. Endstand 0:3 also und es gab das, womit bei aller Bescheidenheit kaum einer in dieser Form gerechnet hatte: Einen Fehlstart! Untermalt von einer überflüssigen roten Karte nebst sicher längerer Sperre. Da hilft auch der neue Hardcore Stehbereich inklusive Flatrate nicht weiter.

Ein wenig Schockstarre machte sich breit. Keine Häme zum Glück, keine vulgären Reflexe. Es gab sogar zaghaften Applaus für eine Niederlage trotz engagierter Vorstellung, die so nicht wirklich zu erklären ist. Die Niederlage jetzt. Und noch weniger zu begreifen. Ist nun mal passiert. Ich glaube, dass des Trainerteam aus diesem Spiel seine richtigen Konsequenzen ziehen wird. Und nein, sicher werden wir nicht, wie nun bisweilen in den sozialen Medien befürchtet, 0:9 gegen Fortuna Düsseldorf untergehen. Sie sollen hart an uns zu knabbern haben. Und dann geht es weiter. Immer weiter. Isso!

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