Die Lösung aller Probleme.

Es knirscht wieder gewaltig im Gebälk des Hauses RWE. Wobei wir in den letzten Tagen einmal mehr erleben, noch immer kein stabiles Haus zu besitzen, in dem wir alle zusammen unter einem Dach leben. Unter welchem wir uns auch fetzen können, unterschiedlicher Meinung sind und sein dürfen; nur um am Ende eines Tages doch wieder gemeinsam „nur der RWE!“ zu sein.

Wir sind sportlich doch schon seit Jahren eher ein Kartenhaus und auf einer Finanzierung Aufstieg gebaut, die so wackelig ist, wie ein uralter Tisch in einer noch älteren Kneipe. Und weil nun das Kartenhaus in sportlicher Sicht aktuell erstaunlich schnell in sich zusammengefallen ist; wo auch noch andere Vereine am Tisch wackeln; zudem die eigenen Mannschaft nur selten einen Stich bekommt, oft durchgemischt wird und vielleicht die Pärchen nicht zueinander passen, herrscht mal wieder dicke Luft.

Und direkt gehen wir alle wieder den eigenen Weg, um mit der Situation fertig zu werden. Annähernd damit klar zu kommen. Leider finden wir einfach, und das schon länger, nicht mehr den richtigen Weg. Ein Spieler, der noch auf dem Feld in Lotte zu den (wenigen) Guten gehörte, beendete seinen Dienst am Verein scheinbar mit Abpfiff und kassiert dafür nun einen Anpfiff. Öffentlich. Beides eigentlich Dinge für die „Interne“. Fast zeitgleich äußerte der Vereinsboss im Interview, ganz entspannt zu sein. Ein gefundenes Fressen und Startsignal für einige, in den Kommentarspalten wieder wüst in die Tasten zu hauen. Lösungsansätze waren natürlich keine darunter.

Vielleicht etwas ungeschickt, dann entspannt zu sein, wenn mal wieder verloren wurde und der Fan selbst höchst angespannt ist. In der ureigenen Kernkompetenz und mit Blick auf den Gesamtverein, dessen kleiner Teil ja nur diese eine, unsere, Mannschaft ist, aber völlig zurecht. Uns geht`s so gut wie noch nie! Gerne aber werden dann natürlich die mehrmaligen Verweise seinerseits im Interview, mit der sportlichen Situation unzufrieden zu sein, überlesen: Verloren! + Entspannt? = Gibt verbal auf die Fresse! Das blöde ist: Es ändert nichts daran.

Es änderte auch nichts daran, Sonntag direkt nach dem dritten Gegentor fluchtartig und wutentbrannt das Stadion in Lotte verlassen zu haben. Zuhause angekommen fragte die eine Tochter, ob ich denn nun kein RWE Fan mehr sei, da wir wieder verloren haben. Welch eine Frage eigentlich. Und noch erstaunlicher eigentlich die eigene Antwort, die da lautete: „Heute nicht mehr, aber morgen…morgen natürlich wieder“. Es gab also für einen kurzen Moment die unbewusste Option, einfach mit dem Verein Schluss zu machen. Was für herrliche Aussichten: Einfach nicht mehr in diesem Kartenhaus Rot-Weiss Essen zu leben. Frei von den Zwängen der fast schon zwanghaften Sehnsucht Aufstieg.

Frei aber auch von dieser verpesteten Aura, die gerade online unseren Verein umgibt. Dort also, wo sportlicher Frust anonym gerne mal in Hassbotschaften umgemünzt wird. Als ob man sich dadurch besser fühlt; ein Spieler schneller läuft oder der sportliche Erfolg auch nur eine Tag früher erreicht wird. Das Gegenteil wird eher der Fall sein. Und genauso wenig wird kein einziger Spieler durch sicher nur lieb gemeinte Mitteilungen am Trainingsplatz motiviert werden. Es führt eher zu noch mehr Druck. Zu noch mehr Blei in den Beinen und somit zu noch schlechteren Leistungen. Ist ein ziemlich beschissener Kreislauf, in welchem wir uns da schon wieder bewegen. „Kenn ich nur frohe Stunden…“ Selbst unser Vereinslied kommt regelmässig wie Hohn und Spott daher. Dem Oppa dagegen, dem geht`s richtig gut: Er hat es schließlich schon „geschafft“ und lässt es sich ohne den Verein da oben so richtig gut gehen.

Gut gehen! Es sollte uns allen gut gehen. Aber, es geht uns nicht gut. Wir leben eine Partnerschaft, die nun schon seit vielen Jahren, rein sportlich betrachtet, eine ziemlich freudlose ist. Normalerweise dauern derlei Beziehungen nicht sehr lange, und erfolgt schnell die notwendige Trennung. Da wir uns aber nicht trennen wollen und können, bleibt nur folgende Lösung, um alle Probleme mit einem Schlag zu beenden: Wir lösen unseren RWE einfach auf. Simsalabim und weg bist Du!

Kein RWE, keine sportliche Frustration. Kein Grund mehr, verbal zu eskalieren; Spieler und Trainer vom Hof zu jagen. Keine Niederlagen mehr gegen Kray, kein Hass mehr auf Schalke, keine Stadionpossen. Keine verlorenen Wochenenden, leere Portmonees oder der ein- oder andere Stress mit Ordnern und anderen Fans. Was für eine wunderschöne Vorstellung. Oder, vielleicht doch nur eine Horrorvision?

Der Verlust des großen, womöglich größten Teil von einem selbst. Das, was bleibt, wenn auch alles andere einen verlässt. Du mein RWE! Seit wir zwei uns gefunden. Es muss ein jeder für sich selbst entscheiden, aber wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Einen sportlichen Erfolg mit eingebautem Aufstieg gibt es nicht durch Wut und Beleidigung. Gibt es nicht durch jährliche Trainerwechsel und schon gar nicht durch zusammengekaufte Spielerkader. Den gibt es nur, wenn in dieser einen Saison einfach alles zusammen passt. Doch diese eine Saison…, die kann schlimmstenfalls ewig auf sich warten lassen. Ich kann sie nicht „herbeiprügeln“, im übertragenen Sinne natürlich.

Also, was tun wir? Auflösen?

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