Wir sind alle abhängig und hadern mit dem Schicksal.

Leicht abgewandelt eine Aussage von Bayerns KHR (nicht zu verwechseln mit KMH aus dem ASS) als Titel. Nur gut, das wir uns aktuell nicht mit dieser dreisten Forderung nach einer finalen Wild Card auseinandersetzen müssen, um auf ewig für ein Finale gegen den FC Barcelona gesetzt zu sein. KHR tritt jeglichen Wettbewerbsgedanken im Fußball mit den Füßen.

Den Fußball mit den Füßen traten die Kicker von der Hafenstraße auch. Jedoch in letzter Zeit so schlecht, so dass sich die Situation rund um die Hafenstraße 97a immer mehr zuspitzte und nach der Niederlage vergangener Woche in Düsseldorf in wütendes Aufheulen der Anhängerschaft gipfelte. Unter dem Strich stand nach dem Spiel unter dem Strich. Man ist geneigt zu schreiben: Endlich!

Wochenlang schon pfiffen es die Spatzen von den Dächern: Abstiegskampf, Ihr seid im Abstiegskampf! Schien aber so wirklich keinen zu interessieren, denn verloren wurde ja auch nicht wirklich. Und so ging es stark kritisiert immer weiter. Unterbrochen gar von einem Halbfinalerfolg im Pokalwettbewerb des kleinen Mannes gegen den Angstgegner FC Kray. Wer glaubte da schon ernsthaft an einen Abstieg? Scheinbar keiner der Aktiven auf dem Feld, denn ansonsten ist die Leistung gegen Düsseldorfer Zweitfortunen nicht zu erklären. Oder ging es doch gegen den Trainer? gegen den Mitspieler? Gegen den Fan? Wir werden es wohl nie erfahren.

Jedenfalls brachte uns Düsseldorf nun definitiv die Erkenntnis, in höchste Abstiegsgefahr geraten zu sein. Wir, der Meister von 1955, welcher unterklassig höchstens durch Lizenzentzug absteigt, steht auf einem Abstiegsplatz der Regionalliga West. „Caramba, mir kocht der Blut“, um es mal mit Marika Rökk zu schreiben! Das war und ist zu viel für den leidgeprüften Fan. Die Kommentarzeilen kochten über; oftmals auch mit ungesundem Hass und blanker Gewaltandrohung. Das geht leider noch weniger, als eine unterirdische Leistung auf dem Feld! Isso! Die Tage nach Düsseldorf also Tage, die verwirrten; sprachlos machten und zugleich unfähig, auch nur annähernd etwas zu Papier zu bringen, was der Situation entsprechen könnte. Als außenstehender Blogger jedenfalls.

Die Argumente wogten hin und her; die Zuordnungen wurden im Minutentakt neu verteilt, ebenso die Schuldfrage. Jan Siewert schien schon entlassen, als Suspendierungen zweier Spieler ausgesprochen wurden und der suspendierende Trainer überraschenderweise bleiben konnte. Es ist ja nicht so, als ob ich mir nicht gewünscht hätte, dass der Trainer zum Verein gepasst hätte oder immer noch passen könnte. Ich würde mir aber wünschen, dass Jan Siewert wenigsten einmal auch menschelt. In einer Pressekonferenz zum Beispiel. Er agiert bisweilen so trocken und unnahbar wie die britischen Kronjuwelen hinter Panzerglas. Herrgott von Bentheim, da ist es doch kein Wunder, dass wir Unwissenden von schlechtem Betriebsklima zwischen Mannschaft und Trainer schwadronieren. Wir haben doch bald mehr Abgänge und Suspendierte als aktive Spieler im Kader. Zuzüglich Drölftausend Neuzugängen.

So viele Spieler, so viele Namen. Aber für uns nur ein Verein: Rot-Weiss Essen! Ok, wir atmen einmal kurz durch und sammeln die Fakten bis zum heutigen Spielbeginn: Trainer und sportlicher Leiter weiter im Amt; Mannschaft dezimiert; Vorstand in der Kritik; Abstiegsplatz; Boykott vieler Fans; Boykott des Boykottes durch ebenso viele Fans….na das konnte ja was werden. Und es wurden, um das Ganze ein wenig abzukürzen, drei Punkte! Der SC Verl erwies sich gestern Abend als der endlich richtige Gegner, den es verunsichert galt, verunsichert zu bezwingen. Wir alle im Stadion haben kein richtig gutes Fußballspiel gesehen. Und nur der Verler Harmlosigkeit in diesen neunzig Minuten war es zu verdanken, das stets kämpfenden und vollsten Einsatz zeigenden Essener zu einem 1:0 Kantersieg kamen. Dem ersten Dreier seit langer, langer Zeit. Die Verunsicherung und der Willen gaben sich bei den Spielern des RWE die berühmte Klinke in die Hand. Erst das einzige Tor des Abends offenbarte einen kleinen Einblick in die Seele des rot-weißen Vertragsspielers: Die Auswechsel- und somit nicht suspendierten, Spieler rannten wie von Sinnen auf das Feld nach jenem Treffer, während es andere Spieler sogar Richtung Trainerbank zog. Der Trainer also doch nicht derjenige welche?

„Siewert raus“ Rufe gab es übrigens nur dezent zweimal. „Abgefeuert“ auf der Haupttribüne von einem älteren Fan in Zivil. Der Boykott übrigens sollte nicht unerwähnt bleiben, denn meines Erachtens hat er funktioniert! Funktioniert deshalb, weil er beiderseitig respektiert wurde. Von denen die trotzdem gucken und jenen, die wegschauen wollten. Beide bekamen ihre Bühne Westtribüne. Und das war gut so! Gewaltandrohungen weniger, denn die helfen einfach keinem. Was auch nicht hilft, ist der Auftrag der RevierSport, alles und jedes in dermaßen überzogener Art zu martialisieren. Flatterbänder sind de facto keine Barrikaden. Warum muss immer alles so überzogen dargestellt werden? Warum diese Gier nach reisserischen Überschriften und Artikeln? Kommt mal runter und schreibt wieder über Fußball. Ein frommer Wunsch, ich weiß. Aber wünschen darf man sich alles, hat meine Mutti früher immer gesagt. Tja, wir alle haben also endlich einmal wieder drei Punkte mit auf den Heimweg bekommen. Drei Punkte für die Seele, aber noch nicht zur Beruhigung. Und sicher nicht annähernd dafür geeignet, um etwas Ruhe an die Hafenstraße zu bekommen. Das schaffen nur weitere Punkte. Und vielleicht mal klare Worte, was wirklich los war, im Frühjahr 2016.

2 Kommentare

  • Pingback: Wir sind alle abhängig und hadern mit dem Schicksal. | re: Fußball

  • Kommentar in eigener Sache: Da einseitig anderweitiges behauptet wird: Ich habe hier nachträglich lediglich „schlechtes“ Spiel gegen „kein gutes Spiel“ geändert, denn alle Spieler haben ihr Bestes gegeben. Sonst nicht ein einziges Wort und schon gar nicht auf etwaige negative Reaktionen hin, die es auch nicht gegeben hat. Ich bitte diesbezüglich darum, keine falschen Behauptungen zu verbreiten. Konstruktive Kritik immer gerne, aber Hetze? Das muss nicht sein, oder?

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