Der offene Blog an den DFB

Lieber DFB, natürlich kannst Du nicht jedes Deiner einzelnen Fußballschäfchen kennen. Dafür sind wir doch viel zu viele und zählen Millionen. Also versuche ich einfach mal so, Dir einen Wunsch zukommen zu lassen, der mich schon seit längerer Zeit beschäftigt:

Vielleicht ist es Dir ja noch gar nicht aufgefallen vor lauter strategischen Planungen die Zukunft betreffend. Zudem will muss auch das Sommermärchen aufgearbeitet werden und nimmt viel Zeit in Anspruch. Der eigene Fanclub will koordiniert werden, denn natürlich bedarf ein jedes noch so unwichtige Spiel seine eigene Choreo; die Amateure als Basis unseres so geliebten Sports wollen beruhigt und eigentlich doch nur abgezogen werden. Der TV Fußball soll nun über allem stehen. Die DFL natürlich auch sehr wichtig. Neue Schlagwörter wie Setzlisten und angestrebte weltweite Präsenz der führenden Vereine bestimmen aktuell das Geschehen. Und noch so viel mehr ist zu tun. Da ist es also, um darauf zurückzukommen, kein Wunder, dass Dir noch nicht aufgefallen ist, was uns (ältere) Fans immer mehr beschäftigt:

Es gibt zu viel Fußball am heimischen Empfangsgerät. Natürlich gibt es diejenigen die gar nicht genug Fußball gucken können und auf diversen Internet Plattformen auch noch das Derby Lions Gibraltar FC gegen Gibraltar United FC anschauen würden. Zum Beispiel jetzt. Bestenfalls noch mit der geöffneten App der Wettanbieters der Wahl um noch schnell eine Wette zu platzieren. Der Rubel muss schließlich rollen. Oft genug erscheint es heutzutage so, als ob eben jener rollende Rubel wichtiger ist als die rollende Kugel. Ich jedoch, als Kind von 1966 und durch Uwe Seeler zu seinem Vornamen gekommen; endgültig fußballerisch sozialisiert mit der WM 1974 im eigenen Land, möchte den Fußball noch als etwas besonderes erleben und mich darauf freuen. Oft genug habe ich in kalten und zugigen Stadien der 80er Jahre gestanden. Und es war auch toll! Nach der Schule die Hausaufgaben vernachlässigt, weil sich Eberhard Stanjek via schlechter Telefonleitung aus dem nebeligen Sofia gemeldet hat, um ein Europapokalspiel der Landesmeister in der ARD zu kommentieren. Nachmittags wohlgemerkt. Das Rückspiel im UEFA Pokal 1980 zwischen der Frankfurter Eintracht und der Borussia aus Mönchengladbach habe ich abends im Radio verfolgt obwohl kein Fan eines der beiden Finalisten. Fußball im Radio, bisweilen und auch immer noch, eine packende Art, Fußball zu verfolgen. Weisst Du noch, die legendäre Schlusskonferenz 1999? Das war Fußball pur. Heute verkommt Fußball bald zu einer Art Ramschware: Alles muss raus, alles muss gezeigt werden. Fußballübertragungen fluten den Fernseher wie Castingshows.

Heutzutage blicke ich oftmals gar nicht mehr durch, welcher Wettbewerb gerade mal wieder am Fernseher gezeigt wird, oder um welchen Spieltag es sich überhaupt handelt. Es muss ja alles auseinander gezerrt werden, um möglichst viele Spiele live zu zeigen. Auf die Fans im Stadion nimmst Du dabei schon lange keine Rücksicht mehr. Willst Du überhaupt noch Fans im Stadion? Man kann doch technisch sicher schon Stimmung simulieren. Schließ uns doch komplett aus, dann kannst Du endlich Spiele ansetzen, wie Du lustig bist. Aber jetzt mal im Ernst: Vielleicht ist das Angebot für Fans jeden Alters, die kaum über Stadionerfahrung verfügen und diese wohl auch nicht mehr bekommen werden, durchaus ein gutes. Aber wir, die wir wissen, dass kein TV Spiel jemals den Stadionbesuch ersetzen kann, wir brauchen das nicht immer! Der FC Bayern und der BVB zum Beispiel erfreuen sich einer stets immer größer werdenden Fanschar, aber eben aufgrund der medialen Präsenz in Einklang mit den vielen sportlichen Erfolgen. Es wird dabei fast vergessen, dass auch diese beiden Vereine über Jahrzehnte schon von Fans begleitet wurden, die auch schlechte Zeiten und nicht immer gefüllte Stadien mitgemacht haben. Für sie tut es mir manchmal leid, dass sie sich heute ihren Verein mit dem modernen (TV) Fan teilen dürfen. Aber auch das nur nebenbei, ich schweife ab. Die Emotionen.

Gestern Abend also, das Testspiel in Mailand gegen Italien zum Beispiel: Ich kenne die TV Quoten nicht und mache mir jetzt auch nicht die Mühe, diese zu recherchieren. Denn ich weiss von so vielen Fußballfans, die sich dieses oder ähnlich gelagerte Spiele nicht angeschaut haben und in Zukunft auch nicht anschauen werden. Das geht nicht gegen den Fußball oder Deine Mannschaft, die ja auch die unsere ist. Nur es ist für alle außerhalb Deines Trainerstabs ein Spiel ohne sportlichen Wert und daher nicht sonderlich von Interesse. Und wenn Du ehrlich bist, weisst Du das auch. Daher frage ich Dich einfach mal ganz frech: Warum muss das letzte Spiel des Jahres auch erst um 20:45 Uhr beginnen? Die Vorweihnachtszeit beginnt gerade und somit wäre doch auch schon jetzt mal die Zeit für ein Geschenk gewesen: Millionen junge Kicker und Kickerinnen schnüren ab der G- Jugend (Bambini) die Fußballschuhe und versuchen oftmals noch im Rudel das Runde in das Eckige zu bekommen. Gleichwohl müssen sie aber früh zu Bett, denn schon am nächsten morgen klingelt früh der Wecker, da Schule. Warum also machst Du nicht mal Deiner Zukunft in Stutzen ein Geschenk und überträgst ein solches Testspiel nicht schon um 17:00 oder 18:00 Uhr?

So bekommst Du sicher auch Deine erhoffte TV Quote und Millionen Nachwuchsfußballer hätten vielleicht das Gefühl, dass ihre Nationalmannschaft, von der sie doch insgeheim alle träumen, ausschließlich nur für sie spielt. Ja, das wollte ich Dir eigentlich nur schreiben. Denk doch bitte einmal darüber nach.

Und wenn Du schon mal nachdenkst, dann vergiss auch bitte nicht die unselige Aufstiegsregelung aus den Regionalligen. Da besteht dringend Handlungsbedarf. Aber das ist natürlich nur ein rein egoistisches Anliegen meinerseits. Mir jedoch ganz wichtig ist: Verliere einfach nicht den Bezug zu uns, den wir den Fußball lieben. Denn lieber DFB: Wer meint etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.

Herzlichst,

Uwe

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