Achttausender!

Mir ist da die letzten Tage etwas aufgefallen, und ich weiß nicht, ob es nur mir so geht: Die schwere Last der Unaufsteigbarkeit ist weg, drückt nicht mehr auf den Schultern. Es fühlt sich aktuell einfach leichter an als all die Jahre zuvor, Fan von Rot-Weiss Essen zu sein. Die ständige Erfolglosigkeit hat schon was mit einem gemacht, das muss man einfach auch mal ganz ehrlich so konstatieren. Irgendwo zwischen ständig zermürbt und doch noch/nicht mehr daran glaubend, so unser Bewegungsprofil der letzten Jahre. Jetzt fordern wir aktuell nicht mehr den Aufstieg, sondern eher den Spielplan und Anpfiff zum ersten Pflichtspiel in der 3. Liga. Heiß auf Rot-Weiss, eine platte Floskel, die aber exakt den Umstand rund um unseren Verein und die Mannschaft zu beschreiben weiß.

Und um das zu dokumentieren nutzen viele Fans aktuell scheinbar vor allem das Anmeldeformular und werden Mitglied von Rot-Weiss Essen e.V. Ich habe jetzt den Verlauf der letzten, sagen wir einmal, zwei- bis drei Jahre nicht im Kopf, und kann daher mit keiner Steigerungsrate dienen. Aber gestern, einen Tag vor der Sommersonnenwende, wurde das achttausendste Mitglied registriert. Das liest sich schon beachtlich. Und wenn all diese Mitglieder nun das Vorkaufsrecht auf eine Dauerkarte nutzen sollten, zuzüglich zu den bisherigen Dauerkarteninhaber*Innen, die verlängert haben, ohne Mitglied zu sein: Dann dürfte schon relativ früh vor der Saison feststehen, dass es kommende Saison in unserer Jubiläumsbude immer kuschelig voll werden wird.

Aber wo stehen wir mit unseren achttausend und all denen, die da noch folgen werden, überhaupt im Kontext der ersten drei Fußballligen? Nach längerer Recherche konnte nur transfermarkt.de im Bereich Daten und Fakten die Mitgliederzahlen in Gänze auswerfen. Diese aber sicher nicht auf dem aktuellsten Stand, sondern so rund um 2020/21 angesiedelt. In der Fußball-Bundesliga ist die Sache ganz einfach: Wir würden einen stabilen (ab sofort bedienen wir uns der Ziffernschreibweise) 17. Platz belegen. Würden wir, wenn es nicht einige Besonderheiten zu beachten gäbe: Der kommende Deutsche Meister aus München hat numerisch ja schlappe 293.000 Mitglieder. Aber davon sind auch 285.000 Erfolgsfans, Kunden oder Karteileichen abzuziehen. Also hat auch der FC Bayern wie RWE 8.000 Mitglieder. So einfach geht das!

Mit uns im Pott buhlen ebenfalls viele Vereine um Mitglieder: In Gelsenkirchen stehen daher 160.023 Mitglieder im Register und auf der anderen Seite des Reviers in Dortmund 157.000 Angehörige. Wer’s glaubt, denn es gibt auch hier das Haar in der Suppe: Sowohl in Gelsenkirchen als auch bei Borussia Dortmund gibt es ganz viele Doppelmitgliedschaften bei jeweils dem anderen Verein. Und das, obwohl man doch eine solche Rivalität pflegt. Diese gehören also abgezogen und somit bleiben in Gelsenkirchen und Dortmund erstaunlicherweise auch jeweils 8.000 Mitglieder übrig. Das befeuert nun erst Recht die These, dass unser RWE auf lange Sicht die Nummer drei im Pott werden wird.

Schauen wir uns also die beiden Erstplatzierten unserer Region an: Der VfL Bochum wird mit 17.726 Mitgliedern geführt, und daran gibt es nichts zu deuten. Alles korrekt! In Duisburg bei unserem zukünftigen Ligakonkurrenten freut man sich über 8.439 Mitglieder. Und auch diese Zahl ist definitiv und faktisch richtig. Erfolgsfans gibt es in Duisburg nicht, sondern trägt auch hier der Mitgliedsausweis sadomasochistische Züge. Das ist ebenfalls aller Ehren wert. Somit liegt also der VfL Bochum im Revier vor dem MSV Duisburg und RWE (mittlerweile zeigt der Counter 8.001 Mitglieder an), dicht gefolgt von den Schwarz-Gelben und den Blauen. Das Ziel, welches es also als nächstes zu erreichen gilt ist, die Zebras zu überholen!

Nach dem Firlefanz der bisweilen nicht ganz korrekten Zahlenspielerei nun ein paar Dinge, die in Sachen Mitgliedschaften wirklich erstaunen: Wir liegen gleichauf mit den Lilien aus Darmstadt. Dort hätte ich mehr Mitglieder erwartet, ist man am Böllenfalltor doch auch sehr eng miteinander verbandelt. Das wiederum die TSG Hoffenheim schon fünfstellig mit 10.275 Mitgliedern gelistet wird, überrascht mich dann doch sehr. Vielleicht ist das ausgefüllte Mitgliedsformular Bedingung bei SAP, um dort arbeiten zu dürfen. In Sandhausen beim dortigen Sportverein hat auch der Glanz von Dennis Diekmeier keine Auswirkungen auf das positive Wachstum gehabt und stehen lediglich 950 Mitglieder zu Buche. Allerdings liegt man damit noch vor so Mitgliedsmonstern wie TSV Havelse, SV Wehen-Wiesbaden und unserer heißgeliebten Vikki aus Köln.

Was fällt sonst noch auf? Nun, an Standorten, wo die Mitgliederzahl das Fassungsvermögen des heimischen Stadions übertrifft, kommt man mit einem Vorverkaufsrecht für Mitglieder dann auch nicht weiter. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was das für die Hafenstraße bedeuten würde, kippt eines Tages das Verhältnis zwischen Mitgliederzahl und Stadionkapazität. Dafür wurde dann wohl der Begriff „Härtefälle“ geschaffen. Wird das zum Beispiel bei Union, in Frankfurt oder Köln gelost? Oder gilt da weiterhin das Erbrecht unter den Dauerkarten? Stell Dir vor, Du bist Mitglied, aber hast keine Chance auf einen festen Stadionplatz. Kannst nur auf den freien Verkauf hoffen, den Du Dir aber auch noch mit zigtausend anderen Fans teilen musst. Nee, keine gute Sache. Gibt es sonst noch Auffälligkeiten? Bei der Braunschweiger Eintracht, da hätte ich aufgrund der großen Loyalität der Fans wesentlich mehr Mitglieder als jene aufgerufenen 5.304 erwartet. Was im umgekehrten Falle für den VfL Wolfsburg zutrifft: Kaum atmosphärische Dichte, aber 21.500 Mitglieder. Das passt auch nicht wirklich zusammen, aber wenn jede Familie dort Drillinge hat, dann passt das eben doch. Der Waldhof auch nicht wirklich auf Mitglieder gebaut und in Heidenheim wird der sportliche Erfolg einfach nicht am Verein honoriert. Spannend, diese Zahlenspielereien.

Aber sie kommen doch nur zu einem Ergebnis: Aufgrund unserer so langen Zeit im sportlichen Untergrund ist die aktuelle Mitgliederzahl einfach phantastisch. RWE war wer – RWE ist wer – RWE wird noch viel mehr! 

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