Kategorie-Archiv: Der Libero

Von Hölzken auf Stöcksken

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Der Libero ist gesperrt. Vorsorglich. Für 90 Tage. Diese Meldung erinnerte mich an den anderen Libero, denn er warf mir etwas zu: Ein Blogstöckchen. Mein erstes überhaupt. Jetzt erst aufgehoben, weil ziemlich an der vergangenen Saison verhoben. Nun ist sie aber doch noch gekommen, die Lust auf eine weitere Fußball WM. Und in Anbetracht der bisherigen Leistungen an Pfeife und Spraydose wird sich diese noch bis in das Finale steigern. Somit also zu den Fragen, die ich im Anschluss an eine weitere Frohnatur weiterreichen möchte:

Dein erstes bewusstes WM-Erlebnis war ?

Die Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land. Verblasste Erinnerungen zwar, aber auch schöne. Ziemlich nah vor dem nachbarlichen Empfangsgerät hockend mit Brillengläsern, dick wie Bullaugen. Damals halt! Diese Frisuren; Helmut Schön, hellblaue Trainingsjacke und Schiebermütze. Und Regen. Ziemlich viel Regen seinerzeit in Frankfurt. Unsere Väter waren jünger als wir ( also ich) heute und gingen nicht zum Public Viewing, sondern nach dem Spiel in die Stammkneipe am Kanal. Fachsimpeln. Es war halt alles nicht so hysterisch zu jener Zeit. Vielleicht ein Vorteil, sich dauerhaft in den Fußball als Spiel zu verlieben.

Mit welcher WM-Legende würdest Du gern einmal Doppelpass spielen ?

Mit Helmut Rahn. Was in diesem Leben natürlich nicht mehr machbar ist. Aber wir holen das dann eines Tages nach. Mir würde dann auch der verbale Doppelpass reichen. Es ist nicht nur der Fußballer Helmut Rahn der mich fasziniert, sondern gerade auch der Mensch Helmut Rahn. „Der Boss“, welcher außerhalb des Platzes nie einer sein wollte. Dessen Leben kein wirklich ruhiger langer Fluss war. Ich sitze gerne an seinem Platz in der Frisenstube und hätte ihn wohl auch gebeten, mir das Tor zu erzählen. Obwohl es ihm zuwider war, von seinen eigenen Taten zu erzählen. Den guten wie den weniger guten. Was aber wirklich gut ist: Helmut Rahn kommt bald zurück an die Hafenstraße!

Welchem TV-Kommentator wirst Du bei der WM gerne zuhören ?

Manchmal gar keinem. Letztendlich ist es aber auch eine schwierige Frage, denn wie wir alle, haben auch Kommentatoren gute und schlechte Tage. Zudem bröseln wir bei Twitter jeden Satz auf, geben unsere eigenen Spitzfindigkeiten weiter; Würden doch wohl selber jämmerlich versagen in dem Versuch, live ein solch Spiel zu kommentieren. Ich weiss, wem ich nicht gerne zuhöre und bin froh, dass das nicht die Frage ist. Ich höre grundsätzlich gerne angenehmen Menschen zu. Aber um einen Namen zu nennen: Gerd Gottlob ist der Kommentator meiner Wahl.

Die Iren haben sich für die WM am Zuckerhut leider nicht qualifiziert. Welchem weiteren Land drückst Du neben Jogis Jungs als »Zweitteam« die Daumen ?

Zweitteam ist gut. England ist seit jeher mein „1B“ Team bei den Turnieren. Ungefragt schrieb ich diesbezüglich letztens noch im Blog darüber. Es wird wieder mit Müh und Not die Gruppenphase überstanden, um dann irgendwann im Elfmeterschiessen auszuscheiden. Aber es wird die Gesänge und diese wunderbare Hymne geben. Vielleicht auch einen Torwartfehler oder den ein oder anderen Geniestreich. England ist England. Ein Turnier ohne die „Three Lions“, und es fehlt etwas essentielles. Den Wechsel von Umbro zu einem anderen Ausrüster habe ich übrigens noch nicht verwunden. Wahrscheinlich würde nur eine Weltmeisterschaft in England ähnlich intensive Gefühle auslösen, wie diese wunderbaren Wochen im eigenen Land vor acht Jahren.

Zu Jogis Jungs: Nenne Deine beiden Lieblingskicker aus dem deutschen Kader ?

Lukas Podolski und Miro Klose. Beides auf eine wundersame Art und Weise Spielertypen, welche mit der Nationalmannschaft verwoben sind, wie kaum manch andere. Die Saison kann noch so schlecht gelaufen sein, der Adler auf der Brust scheint zu beflügeln. Zudem mag ich die zurückhaltende Art und Weise eines Miroslav Klose und die Frohnatur eines Lukas Podolski. Beides keine Garanten für Tiefgang am Mikrofon, aber auch ohne Allüren oder irgendwo negativ austretend.

Wie weit kommen Jogis Jungs ?

Ich bin da eher skeptisch und hoffe, dass die Vorrunde überstanden wird. Aber: Turniermannschaft, nech ?

(Wenn nicht Jogis Jungs:) Wer wird am 13.07.2014 im Maracanã Weltmeister ?

Puh….natürlich England. Was aber nicht geht, da vorher schon ein Elfmeterschiessen vergeigt wird. Und dann höre ich in den letzten Tagen immer öfter von Belgien als Geheimfavorit. Rot Weiss Essen wird es in diesem Jahr auch noch nicht. Ich lege mich fest: Argentinien wird der Weltmeister 2014!

Sieben

Die Bundesligageschichte des RWE ist, im Gegensatz zu seiner sonstigen Historie, eigentlich schnell und als Siebenzeiler erzählt: In jeder Zeile eben eine Saison. Wobei auch in diesen sieben Spielzeiten nicht wirklich für großes sportliches Aufsehen gesorgt werden konnte. Aber man war halt trotzdem noch wer, schließlich von 1948 bis 1961 in der alten Ligenordnung durchgehend erstklassig. 
Gar Pokalsieger und Deutscher Meister. Leider hat es trotzdem nicht gereicht, um direkt in der Premierensaison im Oberhaus mitzumischen was dann aber mit der Saison 1966/67 der Fall war. Und da der ungeliebte Nachbar Schalke 04 direkt im ersten Heimspiel mit 4:1 bezwungen wurde, durfte getrost wieder abgestiegen werden. Das Saisonziel wurde ja früh erreicht. Neuer Anlauf in der Saison 1969/70, die nicht mit dem Abstieg, sondern Platz 12 abgeschlossen werden konnte. 
Diesen schaffte man dann aber direkt in der nächsten Saison 1970/71 wieder. Den Abstieg jetzt! Raus mit Applaus aber, denn es galt einmal „Spitzenreiter,Spitzenreiter..hey,hey…zu skandieren. Sollte es dieses Highlight kreativer Fan Dichtung schon seinerzeit gegeben haben. Ich hätte aber auch einfach schreiben können: Am 3. Spieltag der noch jungen Saison war der RWE zum ersten und letzten Male Tabellenführer der Bundesliga. 
Diese Saison wurde in ihrem weiteren Verlauf zur schicksalsträchtigsten für den RWE und vielleicht auch der Grundstein für die gewisse Tragik, welche diesem Verein von nun an anhaftete. So wurde am 13. Februar 1971 der FC Bayern mit 3:1 bezwungen, es war aber nicht nur der letzte Heimsieg dieser Saison, sondern auch die Geburtsstunde für die Rüpel aus der Westkurve. 
Ein Gymnasiast (welch Anachronismus eigentlich) war es, welcher dem Arbeiterverein nicht nur ein schlechtes Image bescherte, sondern Sepp Maier auch noch ein Messer in seiner Nähe. Immerhin hat sich der junge Mann später noch telefonisch entschuldigt. Heutzutage, wo es oft an Respekt und Anstand fehlt, wohl eher eine Seltenheit. Ja und dann war dann ja noch dieser Skandal. Der Skandal! 
Der FC Meineid ward geboren, der RWE hatte verloren. Die Manipulationen anderer hatte den erneuten Abstieg und wieder Platz 18 zur Folge. Davon hat sich der RWE nie erholt. Trotzdem war man in der Saison 1973/74 schon wieder zurück im Oberhaus und belegte nach einer recht unspektakulären Saison am Ende den 13. Platz. In der darauffolgenden Spielzeit 1974/75 konnte sich der Verein um einen Platz auf Rang 12 verbessern, musste aber zusehen, wie die WM Stadien in Gelsenkirchen und Dortmund errichtet wurden, aber eben nicht in der eigenen Stadt. 
1975/76 gab es dann den achten Platz nach dem 34. Spieltag. Niemals zuvor oder danach konnte der RWE einen einstelligen Tabellenplatz am Saisonende belegen. Horst Hrubesch, Willi Lippens… es lag ein Hauch von beginnenden Glamour über Vogelheim und Bergeborbeck. Der Hauch verflog dann aber in der nächsten Spielzeit 1976/77 recht schnell. Abstieg und Platz 18. Daran konnte auch das aufstrebende Talent Frank Mill nichts mehr ändern. 
Im Mai 1977 wurde also die Akte Bundesliga an der Hafenstraße vorerst zugeklappt und verstaubt dort nun schon seit schlappen 35 Jahren. Schuld daran ist natürlich nur der FC Schalke und der DFB. So das Selbstverständnis der weiterhin erstklassigen Fans des RWE. Und wenn uns auch der RWE nun seit Dekaden nicht mehr mit Bundesligafußball beglückt, so war doch alles dabei, was einen Verein so begehrenswert macht. Auch wenn es sich meistens nur um Negativerlebnisse handelte. 
Die Recherche „Bundesliga trifft RWE hat“ übrigens noch einen erschreckenden Fakt zutage gefördert: In Vier ausgesuchten Spielen gegen die SG Eintracht Frankfurt in den Jahren 1974/75 und 1977 kam der RWE auf ein Torverhältnis von unglaublichen 2: 28 Toren! 
Unter dem Bundesligastrich bleibt aber folgende Erkenntnis zwingend festzuhalten:
 
„Dem Verein Rot-Weiss Essen, der 1971 wegen der Manipulationen anderer abgestiegen war, wurde keine Wiedergutmachung gewährt“