Essen in Luxuslogen

Für diesen Schuß von hinten durch die Brust ins Auge fehlt mir zu Beginn noch die Überschrift: Am Mittwoch soll ja der Stadionbau in Essen beschlossen werden. Endgültig und unwiderruflich. So wurde es kolportiert und alle Zeichen standen auf Aufbruchstimmung. Bis heute. Das renommierte Nachrichtenmagazin „der Spiegel“ hat den Stadionplänen in Essen eine ganze Seite gewidmet. Und zwar ziemlich weit vorne auf Seite 51. Der Tenor ist eindeutig: Braucht ein maroder Viertligist ein neues Stadion für 30.000 Fans, während in der Dürerschule nackte Elektrokabel aus der Wand ragen? Herr Dohmen und Frau Schmid sagen in ihrem Artikel „NEIN“ zum Neubau an der Hafenstrasse. Doch regieren hier nur die nackten Fakten oder wird hier auch polemisch agiert und wenn ja, zu welchem Zweck? Halten wir doch einmal fest: Ja, die Staatskassen sind leer, ja es gibt in jeder Stadt, in jeder Kommune Bedarf an allen Ecken und Kanten, ja der RWE hat Schulden und verdammt noch mal: Er spielt in der vierten Liga. Aber: Was wird verschwiegen: Die Pläne gehen zunächst von einem Stadion für 18.000 Fans aus. Alles andere sind Optionen. Der Verein Rot Weiss Essen ist für die Stadt immer noch der wichtigste Werbe und Kulturträger. Der Verein bietet zigtausend Menschen eine Heimat und mobilisiert mehr Zuschauer als manch Zweitligist. Der RWE ist nicht schuld an der Weltwirtschaftskrise, kann aber manch Hartz 4 Empfänger eine wertvolle Stütze im Alltag sein und bei sportlichem Erfolg das Leben leichter machen. Die Kabel hängen auch in Berlin, Düsseldorf und Hamburg aus den Wänden, sogar in Gronau und Nordhorn. Und warum vergessen die Autoren, dass das Projekt in Essen nicht das einzige seiner Gattung ist: Überall werden neue Stadien gebaut, erneuert oder an die Bedürfnisse der Sponsoren angepasst. Modernes Logentum unter Duldung der einfachen Fans. Hat die TSG aus Hoffenheim mehr Berechtigung auf das zigmal so teure Stadion, weil von einem Mäzen finanziert? Oder hätten die Autoren sich auch darauf gestürzt. Tut auch nicht zur Sache, denn was mich wirklich wütend macht ist die folgende Textpassage: „….Warum sollte sich jemand am Auftritt des 1. FC Kleve erfreuen, wenn er nach ein paar Minuten Autofahrt echte Bundesliga Dramen in Bochum,Dortmund oder auf Schlakke erleben kann“….“ Dieser Passus Herr Dohmen und Frau Schmid zeigt, dass Sie von der Seele des Spieles überhaupt keine Ahnung haben. Bundesligen Dramen, da kann ich doch nur müde lächeln: Waren Sie zum Beispiel im Mai an der Hafenstrasse zum entscheidenden Spiel? Haben Sie die Tränen in den Augen der leidenden Fans gesehen? Vielleicht auch die Auschreitungen derer, die nur über den RWE zu „resozialisieren“ sind? Jeder Spielklasse unterhalb der Bundesliga sprechen Sie indirekt ihre Daseinsberechtigung ab. Und das ist fatal. In der 4. Liga in Essen oder sogar der 5. in Nordhorn, da jubeln nach Toren noch Spieler. Männer und Mannschaften und keine posenden Hobbychoreographen mit Bändchen in den gegelten Haaren. Nein, dieser Artikel beinhaltet ohne Zweifel bittere Wahrheiten, geht aber im Thema in billige Polemik über und stellt eindeutig die Frage nach dem WARUM?

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