Monatsarchive: Juli 2013

Der Himmel voller Geigen und anderes Liebesgedöns

Die Vorfreude wich blankem Entsetzen: Die Frikadelle war kalt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber Testspiele stellen heutzutage wohl das Reinheitsgebot unter den Fußballbegegnungen dar. Drumherum wird an allem gespart, allein das Geschehen auf dem Rasen zählt.

Testgegner war kein geringerer als der KSV Hessen Kassel, seines Zeichens Relegationsverlierer der letzten Saison. Oder auch einfach nur ein Opfer der DFB Methodik. Den Verband aller Verbände nun aber bei jedem Pfiff gegen die eigene Mannschaft an den Pranger zu stellen, das führte bisweilen zu weit. Der lautstarken, in drei Gruppen aufgeteilte, zehnköpfigen Anhängerschar des KSV aber ziemlich egal.

Rot Weiss Essen konnte dieses bisweilen sehr hart geführte Spiel letztendlich verdient mit 2:1 für sich entscheiden. Die erste Viertelstunde wurde schlicht verpennt, und auch später fand nicht jeder Pass seinen Abnehmer oder jeder Schuss sein Ziel. Aber eines wird jetzt schon deutlich: Da steht eine andere Mannschaft auf dem Feld als in der letzten Saison. Hier wurde punktuell der passende Spielertyp gefunden, der bis dato scheinbar gefehlt hat.

Und wenn nun der Knappmann knapp am Mann hochsteigt, den Körper einsetzt, wird es knapp für den gegnerischen Mann. Zudem Mannschaft und Publikum stets mit einbeziehend. Ist das dann die Identifikation mit dem jeweiligen Arbeitgeber, dann ist das professionell und kommt an, allem Image zum Trotz!.

Im Verlaufe des weiteren Spielverlaufes gewann das Spiel der rot weissen immer mehr an Sicherheit, wurde auch der angesprochenen, bisweilen übertriebenen, Kasseler Härte gut getrotzt. Zwei Mannschaften schon auf Betriebstemperatur. Alle Mannschaftsteile waren heute gefordert, konnten sich auf der Linie auszeichnen, Linie in das Spiel bringen und zweimal den Ball hinter selbige. Das einzig ärgerliche ist nun diese Mär von der verpatzten Generalprobe und anschliessend erfolgreicher Premiere. Aber, wir sind RWE, wir sind anders!

Andere Wege geht der Verein in diesen Tagen auch im Sponsoring. Der bisherige Hauptsponsor machte nicht den Weg frei, das machen ja andere, sondern die plakative Trikotbrust und verzieht sich auf den Ärmel. Die Heimat steht nun auf den Trikots geschrieben und in eben dieser Heimat finden sich viele, viele kleine Sponsoren wieder. Wir werden also in der kommenden Saison sicher eine Vielzahl an verschiedenen Logos an der Hafenstraße zu Gesicht bekommen, darf doch nun ein jeder Sponsor RWE Trikots mit seinem Logo veräussern.

Eine Idee, die einmal mehr überregional auf Interesse stiess, denn Talibane des Fußballs sind als Sponsoren nicht alltäglich. Zeigt aber einmal mehr, dass der RWE in diesen Tagen ziemlich viel richtig macht. Wenn die großen Konzerne der Stadt an anderer Stelle unterwegs sind, oder noch nicht das Vertrauen in den Verein aufbringen, eben diese Idee mittragen, dann ist der Weg frei für diejenigen, die dem Verein schon immer treu zur Seite standen und dieses nun auch manifestieren dürfen.

Zudem wird gegrillt, gespielt und gehumpat! Der RWE dieser Tage ist seine eigene Basis und furchtbar geerdet. Trotzdem sollte der RWE aufpassen, sein rotziges Image nicht zu verlieren, und den gleichen Weg in die sozialen Netzwerke einzuschlagen, wie so viele andere. Klar, wer im sozialen Netzwerk sitzt, sollte nicht mit Klicks werfen, aber eine offizielle Vereinsseite muss mit Fakten dienen, nicht mit „fishing for Klicks“.

Die sozialen Netzwerke haben den Zusatz „sozial“ bisweilen nicht verdient. Viele Seiten posten zur Zeit nach dem „Was meint Ihr…“ oder dem „Wer das auch findet, klickt auf gefällt mir“ Prinzip. Was sicher Quote bringt, aber auch inhaltliche Diskussionen im Ansatz zum Scheitern verurteilt. Der Mensch hinter dem Bildschirm ist noch nicht so weit, um sich reflektiert seiner digitalen Meinung hinzugeben. Es pöbelt und klickt sich doch so einfach.

Ich möchte aber nicht, dass mein Verein eines Tages seine Seite schließt oder begrenzt, weil sich Diskussionen als sinnlos erweisen oder in gegenseitigen Pöbeleien ergehen. Ich möchte von meinem Verein informiert werden. Mehr nicht. Für alles andere können wir Fans uns hingeben.

Kommenden Samstag beginnt die neue Saison. Und es beginnt zu kribbeln. Hat eigentlich nie aufgehört. Nur der RWE!

Director`s Cut

„Zurück in die Zukunft – zurück in den Westen! – Der Mythos kehrt zurück auf die Stehplätze“, so beschreibt es die Westtribüne Essen in Vorfreude auf die bald beginnende Saison. Anlass genug, um zwei Blogeinträge, von vergangenen Zeiten handelnd, digital remastered, im Director`s Cut als Blog Ray im Pappschuber anzubieten. Soundtrack und Interaktionen auf der Bonus DVD.

SIEBEN!

Die Bundesligageschichte des RWE ist, im Gegensatz zu seiner sonstigen Historie, eigentlich schnell und als Siebenzeiler erzählt: Pro Zeile eine Saison! Wobei auch in diesen sieben Spielzeiten nicht wirklich für großes sportliches Aufsehen gesorgt werden konnte. Aber man war halt trotzdem immer wer, schließlich in der alten Ligenordnung von 1948 bis 1961 durchweg erstklassig. Dazu noch Pokalsieger und Deutscher Meister. Georg Melches, Helmut Rahn, Essen!

Leider hat es trotzdem nicht gereicht, direkt in der Premierensaison im Oberhaus mitzumischen. Mit der Saison 1966/67 war es dann aber soweit. Und da der ungeliebte Nachbar Schalke 04 direkt im ersten Heimspiel mit 4:1 aus dem Mythos gefegt wurde, durfte getrost wieder abgestiegen werden: Saisonziel früh erreicht! Neuer Anlauf dann in der Saison 1969/70, welche nicht mit dem Abstieg, sondern einem respektablen 12. Platz abgeschlossen wurde.

Diesen schaffte man aber, um nicht aus dem Rhythmus zu kommen, in der darauffolgenden Saison 1970/71 wieder. Den Abstieg jetzt! Raus mit Applaus jedoch, denn es galt einmal „Spitzenreiter, Spitzenreiter..hey,hey…“ zu skandieren [Sollte es dieses Highlight kreativer Fan Dichtung schon seinerzeit gegeben haben]. Einfacher gesagt: Am 3. Spieltag der noch jungen Saison war der RWE zum ersten und auch zum bislang letzten Male Tabellenführer der Bundesliga.

Diese Saison wurde in ihrem weiteren Verlauf zur schicksalsträchtigsten für den RWE und vielleicht auch der Grundstein für die gewisse Tragik, welche dem Verein von nun an anhaftete. So wurde am 13. Februar 1971 der FC Bayern mit 3:1 bezwungen; Zum einen der letzte Heimsieg dieser Saison und zum anderen auch die öffentliche Geburtsstunde für die Rüpel aus der Westkurve. Ein Gymnasiast (welch Anachronismus eigentlich) war es, welcher dem Arbeiterverein nicht nur ein schlechtes Image bescherte, sondern Sepp Maier zudem noch ein Messer in seiner Nähe. Immerhin hat sich der junge Mann später noch telefonisch entschuldigt. Heutzutage, wo es so oft an Respekt und Anstand fehlt, wohl eher eine Seltenheit.

Ja und dann war da noch dieser Skandal! DER Skandal! Der FC Meineid war geboren, der RWE hatte verloren. Die Manipulationen anderer hatten den erneuten Abstieg und abermals Platz 18 zur Folge. Davon hat sich der RWE nie wieder erholt und sah von nun an blau! Trotzdem war man in der Saison 1973/74 schon wieder zurück im Oberhaus und belegte nach einer recht unspektakulären Saison am Ende den 13. Platz. In der nächsten Spielzeit 1974/75 konnte sich der Verein um einen Platz auf Rang 12 verbessern, musste aber zusehen, wie die WM Stadien in Gelsenkirchen und Dortmund errichtet wurden. Essen als Metropole blieb aussen vor.

Die Saison 1975/76 brachte dann den 8. Platz nach dem 34. Spieltag. Niemals zuvor oder danach konnte der RWE in der Bundesliga einen weiteren einstelligen Tabellenplatz belegen. Horst Hrubesch, Willi Lippens…, es lag ein Hauch von beginnenden Glamour über Vogelheim und Borbeck. Der Hauch verfing sich aber in den Fabrikschornsteinen und der nächsten Spielzeit 1976/77 recht schnell: Abstieg und einmal mehr Platz 18. Daran konnte auch das aufstrebende Talent Frank Mill nichts mehr ändern.

Im Mai 1977 wurde also die Akte Bundesliga an der Hafenstraße vorerst zugeklappt und verstaubt dort nun schon seit schlappen 36 Jahren. Schuld daran sind natürlich zuvorderst der FC Schalke 04 und der DFB. So das Selbstverständnis der weiterhin erstklassigen Fans des RWE. Und überhaupt: Wenn uns auch der RWE seit Dekaden nicht mehr mit Bundesligafußball beglückt, so war doch alles dabei, was einen Verein so begehrenswert macht. Auch, wenn es es sich meistens nur um Negativerlebnisse handelte.

Die Recherche Bundesliga und sein RWE hat übrigens noch einen erschreckenden Fakt zutage geführt: In vier ausgesuchten Spielen gegen die SG Eintracht Frankfurt in den Jahren 1975 und 1977 kam der RWE auf ein Torverhältnis von unglaublichen 2 : 28 Toren! Vielleicht auch ein Grund für die Sanitärfachmesse viele Jahre später an der Hafenstraße. Unter dem Bundesligastrich bleibt aber folgende Erkenntnis zwingend festzuhalten:

„Dem Verein Rot Weiss Essen, der 1971 wegen der Manipulationen anderer abgestiegen war, wurde keine Wiedergutmachung gewährt“ [Zitat]

SPIELÜBERBRÜCKUNG!

Als Kuddel seine Kutte trug, ihn keiner nach dem Wege frug. Stand es doch auf seinem Rücken: Kuddels Kutte wird die Hafenstraße schmücken. Die Kutte zeigt ein Unikum, wölbt sich um manch Bauch herum.

Oft getragen, aus der Mode gekommen; Ist Fußballkultur, unbenommen. Heute trägt die Kurve schwarz, Sonnenbrille, Bauchtasche!   Trikot, Schal, die Bierflasche. Und ist doch eine Gerade. Schade!

Aber eines weiss der Kuddel ganz gewiss: Früher wurd gespielt, gab´s kein Geschiss. Die Haare, da voll und heute licht; Schon vor dem Spiel annähernd dicht.

Nach dem Spiel die Kutte in den Schrank, öfter mal am Montag krank. Alles total Latte, wenn er denn die Punkte hatte.

„SOUNDTRACK“ SIEBEN!  [Seven Angels, Avantasia]

Director`s Cut by ISDT 2012/2013

Fotos SIEBEN!/SPIELÜBERBRÜCKUNG!  by ISDT, 1x fijny [Island], 1x Norbert Enker [norbert-enker.de]

„Soundtrack“: Seven Angels by Avantasia

„Hier stehe ich! Und kann nicht anders!“

Martin Luther hat zwar nicht mehr den DFB reformieren können, ziemlich sicher aber das Lebensmotto vieler Fans auch schon vor Erfindung des Fußballs kundgetan. Und so stehen sie schon bald wieder an der Hafenstraße 97a im Essener Norden. Mit dem Rücken zur alten West, wenn auch etwas versetzt. Somit auf der neuen Ost. Die aber nicht an die alte Ost erinnern soll, sondern die neue alte West wird.

Wem das jetzt zu kompliziert wird: Bis zu 6.000 Fans des RWE können nun wieder stehend die Heimspiele verfolgen. Damit sie dieses auch noch möglichst lautstark tun, hatte Martin Luther auch hier [die Psychologie des Fußballs weise vorhersehend] ein weiteres Zitat für Spieler und Fans parat: „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“. IMG_9863-imp

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Auch Du, mein Sohn Staudus!

Seit heute wissen wir, was wir schon immer wussten: In den Reihen des RWE befinden sich nicht nur begnadete Fußballer, sondern auch schauspielerisches Talent, welches grob zwischen Oliver Pocher und Peter Ustinov angesiedelt werden darf. Das alte Rom nun verweist in diesem Jahr auf das kommende Spiel zwischen Rot Weiss Essen und der „Auf Asche“ Elf. Nebenbei wurde mal eben die Frage nach der Herkunft der Adilette geklärt. Nach dem Dreh ist nun aber vor dem Dreh und laut geheimen Storyboard können wir uns schon auf die nächsten Jahre und Höhepunkte auf Zelluloid freuen:

„Vom Stauder verweht“

Das ist die Geschichte von Scarlett O`Paß und Doc Rett; Die Geschichte von Tara, aufgebaut durch Thomas Mitchell Melches; Die Geschichte von Pacht und Liebe unter Rot Weisser Sonne und der Einnahme Stauder`s durch die Armee der Auf Asche Staaten.

„Die vier Stauder der Katie Elder“

Nach dem Ableben von Katie Elder kehren ihre vier Stauder Michael Elder, Waldemar Elder, Damian Elder und Vinzent Elder zurück nach Clearwater, um auf der Georg Melches Farm Abschied zu nehmen. Anschließend sollte mit dem Insolvenzverwalter das Erbe geklärt werden. Leider gestaltet sich dieses Unterfangen nicht so einfach, haben doch mittlerweile Morgan Hastings und seine „Auf Asche“ Auftragsfußballer die Stadt fest im Griff. Diese Amateure bereiten den vier Stauder`s einen heißen Empfang.

„Der Schatz vom Staudersee“

Colonel Brinkley und seine „Auf Asche“ Bande sind durch einen hinterhältigen Überfall an eine Taktikkarte aus der Rot – Weissen Kabine gekommen. Es ist nun an Häuptling Wellingtou, seinem Vertragsbruder Old Wrobelhand und den tapferen Rotweisshäuten, dieses und weiteres Ungemach zu verhindern. Der Film dauert wie üblich 90 Minuten plus Nachspielzeit und am Ende gewinnt immer das Gute.

Bis es aber soweit ist, blicken wir weiter auf das alte Rom. Seine Senatoren und Feldherren: 

Tesafilm

Spielankündigungsplakate hatten etwas mystisches. Zeugten sie doch von einer bald stattfindenden Begegnung, ohne jedoch dessen Ausgang zu verraten. Oder das Wetter. Ich fand das toll, vor dem örtlichen Sportgeschäft zu verweilen, das Spielankündigungsplakat zu lesen und die Tage bis zum Anpfiff zu zählen. Und je mehr dieser Plakate ich in meiner Stadt sah, desto mehr Zuschauer erhoffte ich mir.

Heute gibt es ja keine Spielankündigungsplakate mehr, dafür haben wir das Internet. Wieder mal Fluch und Segen zugleich. Denn die Städte sind nicht mehr so bunt, die Schaufenster nicht mehr so zugeklebt. Der Rahmenterminkalender findet sich auf der jeweiligen Homepage, wird andauernd aktualisiert. Synchronisiert und direkt an die Partnerin via App übermittelt.

Wir warten heute nicht mehr auf Briefe aus Preston, da wir unbedingt etwas von Preston North End FC wissen wollten. oder auf „The Football Grounds of Britain“ von Simon Inglis, welches 1987 bestellt wurde und ungefähr ein Jahr später den örtlichen Buchhandel erreichte. Welch ein Aufwand, aber auch welch Freude, dieses Buch dann endlich in den Händen zu halten.

Ausgetauscht wurde sich noch auf den Tribünen und nicht in den Foren. Was den unschätzbaren Vorteil hatte, sich mit Fans auszutauschen, die auch wirklich vor Ort waren. In den Foren geht bisweilen jedes zwischenmenschliche Miteinander verloren. Ein jeder kann mitreden, obwohl vielleicht noch nie im Stadion gewesen, jedoch der Zitatschlange mächtig. Konstruktive Diskussionen werden bisweilen im Keim erstickt. Gegenseitiger Respekt erscheint so manches Mal wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Hier ist meine Tastatur, hier darf ich sein. Genau in solch Momenten, wünscht man sich das Spielankündigungsplakat zurück. Zumeist in DIN A 1, mit vier Streifen Tesafilm befestigt. Und , mit einer ganz klaren Botschaft versehen: Spieltag!

Celtic