Monatsarchive: August 2013

Organisatorisches: Fanbrief an die Polizei!

Sehr geehrte Polizei,

ich werde am Sonntag von außerhalb mit dem PKW zum Spiel meines RWE bei RW Oberhausen anreisen. Ich mache das in friedlicher Absicht, um meinen Verein zu unterstützen.

Bitte respektieren Sie die Fans der Heim- und Gästemannschaft und unterlassen Sie Provokationen, welche zu Ausschreitungen führen könnten. Sie leisten damit einen erheblichen Beitrag zur Sicherheit im Stadion und im Umfeld.

Ein besonderer Gefahrenhinweis zum Thema Pfefferspray: Ich bitte alle Polizisten eindringlich, als gute Gäste im Stadion Niederrhein und im Stadtgebiet, auf die Verwendung von Pfefferspray zu verzichten, um die Gesundheit von anderen nicht zu verletzen oder zu gefährden. Besonders von Unbeteiligten oder auch Brillenträgern, die noch einen weiten Heimweg anzutreten haben.

Ich wünsche allen Polizeibeamten und Ordnungskräften eine angenehme An- und Abreise sowie ein sportliches und faires Fußballspiel und einen störungsfreien und angenehmen Aufenthalt in Oberhausen.

Im Schatten der Tribüne

Cutting Crew, Statement

Der Emotion folgten Telefonate. Fakten der Beklemmung. Es hatte mit dem Wuppertal Spiel der vergangenen Saison und anschließenden Fehlern in der Kommunikation zu tun. Diese werden nun aufgearbeitet. Und es gebührt Dank denjenigen, die sich der Kritik gestellt haben.

Anbei nun die Fakten: Die Kabelbinder wurden nicht auf Anweisung der Polizei, des RWE oder des Betreibers angebracht. Das Tor wurde schon nach dem Wuppertal Spiel einer technischen Überprüfung unterzogen und für einwandfrei erklärt. Das Anbringen von Kabelbinder wird nun kategorisch durch die Feuerwehr untersagt und somit de facto im Stadion Essen an der Hafenstraße nicht wieder vorkommen.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es sich lohnt, zu hinterfragen und Emotionen weiterhin zum Fußball gehören. Und nun: Auswärtssieg! Alle in Rot!

Cutting Crew

Es ist dieses eine Foto, welches mich seit Tagen nicht loslässt. Ein Foto von Unbekannt, welches zudem nur einen kleinen Ausschnitt eines großen Stadions zeigt. Es zeigt keine Fans, kein Drumherum, kein Spielgeschehen; Jubelnde oder provozierende Fans, feiernde oder traurige Spieler. Es zeigt keine Polizei.

Und doch bin ich beim Anblick dieses Fotos bei Hillsborough und der Tragik, dass bei Druck von hinten kein Entkommen nach vorne auf das Feld möglich war. Nun sind ja die Mundlöcher in unserer neuen Bude so konzipiert, dass dem Fluchtweg nach hinten ausreichend Raum gelassen wird, aber die Flucht nach vorne wurde hier scheinbar bewusst im Vorfeld ausgeschlossen.

Das Foto zeigt aus Sicht eines Aachener Fans das Fluchttor des Gästeblocks. Und es zeigt Kabelbinder, die ein natürliches öffnen des Tores bei möglicher Panik unmöglich machen. Im Klartext mag also folgende Intention dahinterstecken: Einem (eher unwahrscheinlichen) Platzsturm der Gästefans wird mit der Wahrscheinlichkeit begegnet, bei einer (zum Glück kaum vorkommenden) Panik, Verletzte bewusst in Kauf zu nehmen.

Den Gerüchten zufolge stand ein Ordner mit einem Cutter Messer in der Nähe, um in diesem Falle die Kabelbinder schnell kappen zu können. Wenn an dem so war, dann löst ein Ordner, mit einem Cutter Messer bestückt, in mir Unbehagen aus. Die Entscheidung aber, von wem auch immer getroffen, ein Fluchttor mittels Kabelbinder in eine mögliche Todesfalle zu verwandeln, macht fassungslos und wütend.

Wer hat das angeordnet und warum ? Die Begründung würde mich brennend interessieren. Schon am Sonntag in Oberhausen aber, werde ich mir nach Betreten der Kanalkurve die Fluchttore angucken. So geht das auch nicht liebe Leute, die Ihr mal wieder alle über einen Kamm geschert habt. Der- oder diejenige gehört entlassen. Ohne wenn und Kabel.

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Prefa, der Fußball wird immer extremer!

Wir stehen so ziemlich in allen Ligen am Anfang einer noch langen Saison und doch fühlt man sich andauernd an einen Werbespot erinnert: Brachte man sich noch vor einigen Jahren frühestens nach dem 10. Spieltag in Stellung um die Messer zu wetzen, so geschieht dieses bisweilen direkt nach Abpfiff der ersten Begegnung.

Manchmal wird aber gnädigerweise ein zweites Spiel abgewartet, um die digitale-, multimediale-, und Expertenflut loszutreten. Ein Trainer in Gelsenkirchen beispielsweise: Gegen Ende der letzten Saison dann doch im Sattel geblieben, schwadronierte ein freier Mitarbeiter einer Münchener Brauerei und früherer Inhaber einer peinlichen Fußballtalkshow in einem etwas angeseheneren Fußball Talk über diesen Trainer. Der HSV zum Beispiel bekommt leider kein Heimspiel zu seinem Alleinstellungsmerkmal und wird doch nach dem zweiten Spiel zu einem RWE auf allerhöchsten Niveau: Fanunterstützung en masse, aber sportlich schon seit Jahrzehnten nichts mehr bewegt. Aber halt die dauerhafte Erstklassigkeit in seiner Vita. Dass  sofort der Name Felix Magath gehandelt wird, nehmen wir dankend zur Kenntnis.

In Düsseldorf wird ein Spieler zur persönlichen, verbalen Zielscheibe einiger Spielbesucher, in Essen bekanntermaßen der Trainer nebst einigen Spielern und überhaupt. Die Fans des VFB Stuttgart hadern weiter mit Bruno Labbadia während in Dresden direkt Nägel mit Köpfen gemacht wird: Trainerentlassung jetzt! Die von uns so geliebte Fußballtradition scheint also ein wenig zu schwächeln, was grausam und eiskalt in Hoffenheim und Wolfsburg ausgenutzt wurde. Peter Neururer wird peinlich und auch die Hochfinanz von Viktoria Köln hat schnell ihre erwarteten Problemchen: Erst in Essen gewinnen, und dann wieder Streit anfangen. Das hätte Euch auch früher einfallen können!

Unter dem Strich zählt also nicht das ich, sondern früh das Prinzip: Alle gegen alle. Nicht zu vergessen auch der FC Bayern, der seinen Fans zwar Pokale schenkt, ihnen aber die Seele nimmt. „Das ist doch populistische Scheiße. Für die Scheißstimmung seid ihr doch zuständig und nicht wir“. Dieser legendäre Ausspruch kommt bisweilen wie blanker Hohn daher. Vielleicht war aber auch nur eine Abteilung im Finanzamt gemeint.

Aber nicht nur Vereine, Trainer und Spieler haben aktuell ihre Problemchen: Ein wichtiger Bestandteil des Fußballs beginnt scheinbar langsam aber sicher zu eskalieren. Der allseits bekannte Slogan, welcher alle über einen Kamm schert, mag mir nicht gefallen! Aber einige Einsatzleiter und -Kräfte der Polizei haben definitiv jegliches Gespür für den Fußball, seine Emotionen und diejenigen, die ihn lieben verloren.

An dieser Stelle sei noch mal erinnert: Der Fußball ist ein Spiel, in welchem zwei gegnerische Mannschaften versuchen, mittels Fußlümmelei einen Gewinner zu ermitteln. Bisweilen haben Mannschaften auch Fans! Gute Fans, böse Fans, weibliche Fans, junge Fans, alte Fans, männliche Fans. Kutten, Normalos, Ultras, Hools und Allesfahrer. Früher gab es Listen, welcher Verein denn nun die härtesten Fans hatte, welche Auswärtsfahrt am gefährlichsten sei usw.

In den wackeligen Videos der 80iger rennen sportliche Männer mit Blue System Sweater und Hodenhochstand fördernden Jeans um die Wette, begleitet von einigen Polizisten im Galopp. Und eigentlich war alles gar nicht so schlimm, bisweilen galt sogar ein Ehrenkodex und konnten normale Fans unbehelligt ihrer Wege gehen. Heutzutage ist es scheinbar genau andersherum: Hundertschaften martialisch gekleidete sportliche Männer und Frauen rennen um die Wette, begleitet von einigen Fans mit Fahne vorneweg im Galopp. Ein Kessel Buntes.

Statt großer Kurven mit Platz für alle gibt es manchmal nur Kuchenstücke mit Platzangstgarantie. Und nun droht die Stimmung zu kippen, fühlt sich auch der normale Fan immer mehr gegängelt, droht Pfeffer im Gesicht statt Hummeln im Hintern. Bleiben Kinder aus Angst lieber zuhause. Aber aus Angst vor der Polizei, dem eigentlichen Freund und Helfer. Was ist Provokation im Stadion, oder worauf darf ich in Zukunft auf bloßen Verdacht hin untersucht werden ? Es gab doch runde Tische. Hat denn da gar keiner zugehört?

Sollte zum Beispiel der RWE jemals wieder ein Ligaspiel gegen den FC Schalke bestreiten, darf dann unsere Vereinsführung der Polizei einen Tipp geben, dass wir rot weissen uns von den blau weißen Trikots provoziert fühlen ? Und dann reitet die Polizei ein und sprüht alles blaue weg ? Es geht nun nicht um eine Generalanklage Richtung Polizei, auch wir Fans bieten weiterhin genug Anlass zur Kritik! Aber was nach den beiden ersten Spieltagen an strategischen Fehlern gemacht wurde, stimmt in der polizeilichen Taktik nachdenklich und lässt zum Beispiel für das morgige Spiel des RWE gegen Alemannia Aachen einiges befürchten. Zumal die Stimmung im Essener Lager schon gereizt genug ist. Ein Spiel, vielleicht die erste wirkliche Härteprobe auf allen Ebenen nach der Insolvenz.

Da nun kaum davon auszugehen ist, dass Johannes Baptiste Kerner auf dem Innenhof der ARD Sendeanstalt Waldemar Hartmann und Oliver Pocher aus Gründen der Anschaulichkeit Pfefferspray in das Gesicht sprüht, erhoffe ich mir Selbstreflektion. Ja, diesen pädagogischen Scheiss! Aber, aktuell ganz deutlich auf Seiten der Polizei. Denn ich möchte sie vor Ort wissen, wenn es Hilfe bedarf. Und den Rest der Zeit bitte im Hintergrund. Denn Fußball ist immer noch ein Fest! Übrigens wird gemunkelt, die Rotterdamer kommen morgen auch….

Niveau ist keine Creme

Dienst: Liveticker. SMS. Die einzigen Möglichkeiten, dem Auftritt des RWE in Düsseldorf bei der Zweitfortuna einigermaßen Folge leisten zu können. Und, es las sich ja auch wirklich gut, rein numerisch im linken Feld des Reviersport Tickers. Auch noch in dem kleinen Kästchen rechts daneben, in welchem eingeloggte Daheimgebliebene ihre Meinung frei äussern können.

Mit einer 2:1 Führung für den RWE ging es in die Pause, der weitere Spielverlauf ist bekannt, und kann hier nicht näher beschrieben werden, da eben nicht vor Ort. Mit 4:3 verliert der RWE dieses Spiel, der verpatzte Saisonstart ist perfekt. Ich bin mittelschwer geschockt, denn nach dieser guten Vorbereitung hatte ich niemals mit nur einem Punkt aus drei Spielen gerechnet. Zudem mit diesen Unsicherheiten in der Zuordnung, den Problemen im Spielaufbau und in der Abwehr.

Agonie macht sich breit, man möchte einen Wassereimer umtreten oder wenigstens den Klienten des Büros verweisen, welcher Gazprompt gekleidet seiner Schadenfreude Ausdruck verleiht. Richtig fassungslos macht mich dann aber dieses kleine Kästchen auf den zweiten Blick: Schon nach dem 1:2 kippte die bis dato recht gute Stimmung und artete nach Rückstand gar in getippte Hasstiraden einiger User der Mannschaft und dem Trainer gegenüber aus. Unglaublich zum einen der fehlende Respekt, mit welchem da im Schutze der Anonymität agiert wird, unfassbar aber auch, dass die Reviersport dieses so zulässt und nicht regulierend eingreift.

Ich glaube nicht, dass sich diejenigen „User“ nun noch schnell auf den Weg nach Düsseldorf gemacht haben, sich dort unter der Gürtelinie anschleichend, nur um Spieler und Trainer zu bespucken und zu bepöbeln, bei welchen sie doch laut Anfeuerung kein Problem mit der Viertklassigkeit haben. „Wir steh´n zu Dir, auch in Liga Vier……“ Wir sind beim Fußball, das vorneweg, da ist es legitim, seine Enttäuschung herauszuschreien. Auch ein „Scheisse“ oder „Trainer raus“ ist da durchaus nicht fehl am Platze, wenn es denn nun die Meinung des Fans ist.

Aber, es gibt Grenzen, die gilt es nicht zu überschreiten, sind nicht im Eintrittspreis inbegriffen. Wir sind alle sauer, wahrscheinlich sogar Mannschaft und Trainer noch viel mehr. Sie betreten nämlich das Spielfeld um zu gewinnen, und planen eventuell mit der möglichen Siegprämie eine Neuanschaffung. Alles legitim. Sie betreten, genau wie wir Fans, aber sicher nicht ein Stadion, um bewusst schlecht zu spielen und um ein Spiel zu verlieren. Ausnahmen bestätigen leider auch hier die Regel, aber das ist ein anderes Thema. Und ja, wir sind mehr wert, als nur noch ein normaler Viertligist zu sein, können uns auf viel Tradition und manch Mythos berufen.

Geschichte leider, denn nun zählt nur noch das hier und jetzt. Nur, auch dessen aktuelle Tristesse rechtfertigt in keinster Weise, die eigenen Spieler verbal hochnotpeinlich zu beleidigen, anzuspucken. Auch Spieler sind nur Menschen. Spieler, die sich erklären wollten. Ein Trainer aber auch, der sich nun konstruktiver Kritik zu stellen und den berühmten Bock umzustossen hat. Gut, an diesem Bock sind in Essen schon einige gescheitert, wird die Begrifflichkeit bisweilen zum Running Gag. Aber, es klang doch alles so plausibel vor der Saison, liessen sich die Tests recht gut an. Nur, wenn es denn gerade nicht erklärbar ist, dann den Zustand bitte nicht schönreden. Vielleicht sind wir Fans ein Leben lang RWE, Ihr nun laut Vertrag gerade auch. Aber dies in der Gewissheit, das die Gattung der Lamas eine verschwindend geringe Minderheit rund um die Hafenstraße darstellt. Friday on my Mind!

Hier bin ich Fan, hier darf ich sein!

Alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, und doch verloren, was das Herz begehrt. Der FC Bayern und sein Diktat der Fankultur. Vielleicht ist es manchmal doch ganz schön, Fan eines chronisch erfolglosen Vereins zu sein, der sich bisweilen nur durch den Mythos und seine Fans über Wasser gehalten hat. Der RWE Fan kennt keine Grauzone,  entweder ist alles weiss oder pechschwarz. Dazwischen passt nicht mal eine Stadionwurst. Geschweige denn mit Senf „dabei“.

Aber, anscheinend leben wir doch auf der Sonnenseite des Fan – Daseins. Rot Weiss Essen, hier bin ich Fan, hier darf ich sein. Wie heisst es doch noch: „Wir steh`n zu Dir…..scheiss auf Liga Vier“

West Side Story! Jets & Sharks

Der letzte Akt, und dann ist es endlich vollbracht: Der Weg für neue Überschriften ist frei. Den Versuch war es ja wert, die Eröffnung einer Tribüne mit drei zeitnah aufeinanderfolgenden Heimspielen als Melodram nebst Fotostory aufzuziehen. Der Titel bot sich zudem geradezu an.

Aber die Planung dieses „Projektes“ beinhaltete eine fatale Fehleinschätzung: Es ging um Fußball. Dieser jedoch lässt sich nun mal nicht als Dreiteiler mit möglichem Happy End und schönen Bildern planen. Der Fußball pfeift auf Regieanweisungen, manchmal pfeifen gar Pfeifen an der Pfeife. Was dann wieder viel Gepfeife zur Folge haben kann. Oder, noch viel schlimmer: Es ist ein guter Pfiff. Der eigene Spieler schreitet zum Punkt, das Publikum macht sich fertig zum Jubeln und schlägt nur Sekunden später fassungslos die Hände vor`s Gesicht. Wirft alles von sich, fühlt es sich auch noch provoziert. Emotionen.

Und dann greift diese unerklärliche Spezies Fußballfan im Anschluss an ein solches Spiel auch noch in den Gefühlskarton, ist die unglückliche Niederlage zum Schluss gar nicht so hoch zu bewerten, wie die kurzfristig aufflammende Rückkehr zum Mythos Hafenstraße. Wer den RWE, seine Spieler oder Fans provoziert, provoziert das eigene Ich und bekommt direkt die Antwort darauf. Unter dem Strich ändert das leider auch nichts daran, dass es mit dem erhofften „Dreier“ nichts wurde und diese schreibende Hobbythek nun ziemlich belämmert und ohne Happy End dasteht. Scheissendreck!

Es hätte aber durchaus eines werden können, denn Viktoria Köln, die Mannschaft der foulenden Mehrverdiener, war nicht den Kontostand besser, der vielleicht zu erwarten war. Der RWE stand etwas sicherer als noch am Samstag, kämpferisch gab es einmal mehr nichts zu kritisieren. Gesucht wird aber weiterhin der Ballverteiler, der Mann mit der zündenden Idee, der „Durchstecker“. Der für den tödlichen Pass und die lebendige Torchance. Den hatte Viktoria nun auch nicht, eine Übermannschaft wurde weit und breit nicht gesichtet. Dafür einen Nachmittag im Hotel zu verbringen, aber wer es braucht….

Wir brauchen es nicht, sondern Punkte. Punkte für das eigene Ego, die Sicherheit und das Umfeld. Es ist zu spüren, dass es so langsam nur noch um das Sportliche geht. Und wenn am Ende eines Spieles, welches auch hätte gewonnen werden können, kein Konjunktiv sondern eine Niederlage steht, dann heult er auf, der RWE Fan. Ist zutiefst getroffen, macht sich Sorgen, ist sauer bis besorgt, schiesst bisweilen über das Ziel hinaus. Hunderte Trainer treffen auf Mahner in der Wüste, auf Optimisten und Pessimisten. Randnotizen können zu Blockbuster werden, und manchmal fragt man sich, bei welchem Spiel das „Tickerteam“ der Reviersport zu Gast war. Es ist, wie es ist: Der RWE hat gegen Viktoria Köln in einem eher schwachen Spiel mit dramatischen Höhepunkten und Zutaten am Ende 1:2 verloren.

Es gibt viel zu tun für die Spieler und das ganze Team. Packt es an. Und wir packen an dieser Stelle ein. Die West Side Story ist beendet.

West Side Story! Riff & Bernardo

Der zweite Akt der West Side Story war ein schlechter mit akzeptablem Ausgang. Liegst Du 0:2 hinten und erkämpfst Dir dann noch ein 2:2, ist es nach Abpfiff ein gewonnener Punkt, soweit der Fakt. Vielleicht war es ja das sogenannte Premierenfieber, welches die Spieler pünktlich zu ihrem ersten Punktspielauftritt der neuen Spielzeit befiel.

Das erste Punktspiel vor fast 4.000 Zuschauern weniger, als noch am Dienstag gegen Werder Bremen C vor Ort waren. Das überraschte schon ein wenig. Aber drei Heimspiele in einer Woche sind eine Hausnummer, es ist noch Ferienzeit und vielleicht ward der zweite Akt auch als der unattraktivste eingestuft.

Noch einmal an die Grundregel des Fußballs erinnert, dass eine Eintrittskarte nicht automatisch einen glanzvollen 8:0 Erfolg beinhaltet, stockte den anwesenden Fans doch recht schnell der Atem, als unsere Mannschaft den Bayer Spielern hinterher laufen musste, statt ein Heimspiel aufziehen zu können. Schnelle Konsequenz daraus das 0:1 nach neun Minuten. „Das kann doch einen Essener nicht erschüttern“ schallte es als Antwort darauf von der Westtribüne, welche mit einer wunderbaren Akustik daherkommt.

Eine Antwort auf dem Feld von Essener Seite auf das Gegentor gab es nicht wirklich. Zu umständlich wurde agiert, vor lauter Übereifer stellte man sich selber zu und machte die eigenen Räume eng. Kein Überraschungsmoment, kein Durchkommen, kein Flügelspiel, zu langsam. Ballverluste, die bisweilen von demjenigen zurückerobert wurden, der eigentlich mit Flanken gefüttert werden sollte. Vorbildlich aber auch diesmal wieder der Einsatz. Angst essen vielleicht Seele auf, aber das tut der Grätsche keinen Abbruch. Und da das Publikum diese Maloche stets anerkennt, gab es zur Pause zwischen Kenntnisnahme und aufmunternden Applaus auch nicht viel anderes zu hören.

Anpfiff zweite Halbzeit: Bayer bekommt den Ball, unsere rennen hinterher und schwupps steht es 0:2. Die Anfeuerung reduziert sich für die nächsten Minuten auf den Stimmungskern, erste zaghafte Pfiffe werden laut, bisweilen gar Unmutsäusserungen bei einzelnen, wirklich verunglückten Aktionen. Wird dann der Ball aber noch von der Seitenlinie gekratzt, applaudiert auch der zuvor Unzufriedene. Für das bisweilen gebotene war es aber nun wirklich nicht so, dass das ganze Stadion gegen die Mannschaft Musik gemacht hat, wie es unser Trainer nach dem Spiel dem Regionalliga West Kanal gegenüber zu Protokoll gab.

Hier hätte ich mir durchaus konstruktive Kritik an der Mannschaft gewünscht, denn die war berechtigt und kann nur weiterhelfen. Jeder wird wissen, dass des Trainers Vorgabe nicht dieses Spielverhalten war. Das Stadion war eigentlich zu jeder Minute wohlwollend bei der Sache. Und wie schnell dann zu hundert Prozent, war ja nach der Elfmetersituation, sowie den beiden eigenen Toren zu erkennen. Der Elfmetergrund war ein übles Foul, aber nicht innerhalb. Und wenn es sich vom Rudel bis zur Ausführung dann so lange hinzieht, ist ein Scheitern vom Punkt fast zwangsläufig. Trotzdem hat Christian Knappmann hier die Verantwortung übernommen und sich durch seinen Einsatz nicht nur den Ausgleich redlich verdient sondern auch unselige Diskussionen im Keim erstickt.

Ein Unentschieden also, welches uns von der Relegation soweit entfernt, wie die Meisterschale von Gelsenkirchen. Uns wieder auf den Rasen der Tatsachen zurückbringt. Besonders auf den Rasen, denn nachdem wir nun unseren Verein in den letzten Monaten und Jahren eindrucksvoll als etwas ganz besonderes und lebenswertes gewürdigt haben, ist es nun wieder an den Spielern, aus dem RWE einen Verein der Zukunft zu machen. Vielleicht auch ein Grund für die schweren Beine in diesem Spiel.

Schon Dienstag aber können wir uns im dritten Akt der West Side Story davon überzeugen, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass Mannschaft und Trainer die richtige Antwort auf des gestrige Spiel finden werden. Wie gesagt: „Das kann doch einen Essener nicht erschüttern….“

West Side Story! Tony & Maria

Die gestrige Erstaufführung der West Side Story sollte im ersten Akt noch keine Dramen erzeugen, so der Plan. In der zweiten Minute jedoch war diese Regieanweisung hinfällig: Zweikampf! Der stets besser werdende Cebio Soukou geht zu Boden und bleibt liegen. Die Mimik der Beteiligten spricht in solchen Momenten stets Bände und so war sehr schnell klar: Das Verletzungspech bleibt dem RWE hold und holt einen Spieler längerfristig von den Beinen. Das ist bitter und wir wünschen Cebio Soukou an dieser Stelle alles Gute.

Fast zwei Stunden zuvor das erste große Staunen auf der Bottroper, Ecke Hafenstraße: Was ist denn hier los ? Die Tankstelle des Vertrauens und früheren Verhauens voller Fans; Linienbusse, Fußgänger, abgestellte Fahrzeuge allerorten. Rot und Weiss dominierte die Szenerie, ordentlich durchsetzt von Fans in Grün und Weiß. Und dabei ging es doch „nur“ um einen freundschaftlichen Eröffnungstribut ohne seinen „Tributeur“.

Zudem war nach der Bremer Pokalschlappe klar, dass hier und heute nicht die Stammformation des SV Werder auflaufen würde. Unverständlich eigentlich, sollten gerade dann diejenigen Spieler auflaufen, die es verbockt haben. Öffentliches Straftraining quasi. Aber was kümmert den Essener in letzter Konsequenz seine Bremer Sympathie, denn an die Hafenstraße geht man zu RWE und nicht wegen einer anderen. Zudem wollte ja nach vielen Jahren die West Side Story endlich wieder aufgeführt werden.

Das Stadion hatte sein Stehpublikum wieder und das Stehpublikum seine Stehtribüne. Beides von schönster Abendsonne erleuchtet. Etwas unglücklich kommt der Vorplatz nun daher. Früher ausserhalb des Innenbereiches und stets durch Fans aller Tribünen belagert, darf sich der geneigte Stehtribünenfan zunächst als der belagerte fühlen. Ist doch der Vorplatz nun innerhalb. Will heissen: Möchte ein „Rahn“ Besucher mit „Neue West“ Kumpel in der Pause in Kommunikation treten, so geht das nur durch den Zaun. Umgekehrt natürlich genauso. Das ist salopp gesagt blöd, denn es sind ja alles Rot – Weisse.

Innerhalb des Stadions ist so eine gefüllte Stehtribüne, zumeist in den Vereinsfarben bevölkert, immer wieder ein Fest. Und die Akustik, liebe Alleskritiker, die ist schon aller Ohren wert. Ein gut gefüllter Gästeblock erfreut dazu noch die Augen und wird uns auch nicht allzu oft beschert werden. Höchst erfreulich und ansehnlich auch die Gastgeschenke der Werderaner.

Und was war sonst noch ? Ach ja, das Spiel! Eine 0:2 Niederlage gegen einen Bundesligisten, zumal vom Range eines SV Werder, liest sich immer gut. Einmal abgesehen davon, dass die Bremer definitiv nicht wirklich so in der Bundesliga auflaufen werden. Aber waren unsere Kicker nun gut oder schlecht an diesem lauen Sommerabend unter Freunden ? Mit dieser Frage beginnt nun ein richtiges Drama: Je nach Forum sagen die einen so, und die andern so. Manche sagen aber auch so! Man ist sich halt nie wirklich einig an der Hafenstraße 97a in Essen. Aber, das waren Tony & Maria zu Beginn des Musicals auch nicht. Es war ein gelungener Abend, so oder so!

West Side Story! Prolog

Vor einigen Tagen noch, da hatte man in Essen Muffensausen. Hat sich zwar nicht die Hosen, aber direkt mal ein ganzes Geschoss vollgemacht. Vor nicht allzu langer Zeit noch ein Grund für so viele, einmal mehr hämisch auf Essen, RWE und allen, die sich damit verbunden fühlen, herumzureiten.

Doch es kam anders: Nahtlos wurde damit begonnen, an einem Strang und Bilanz zu ziehen; Lösungen zu finden, statt zu lamentieren; Spontan Soli- statt Erinnerungs Shirts auf den Markt zu bringen. Die Fans kauften halt eine Karte mehr für das nun nachzuholende Spiel gegen Viktoria Köln und der SV Werder kommt sportlich; Zwar nicht auf den grünen Zweig, aber doch in den Genuss, der erste „4T“ Gegner seit Menschengedenken an der Hafenstraße sein zu dürfen.

Ohne nun die Werte unterschlagen zu wollen, welche der RWE angeschafft hat, die nun verlustig sind und ersetzt werden, oder die Kompromisse, welche nun in den nächsten Monaten gelebt werden müssen: Das war Teambuilding der besonderen Art!

Das nun der SV Werder nicht bei allen Fans der angemessene Verein für das heutige Eröffnungsspiel zu sein scheint, liegt in der Natur manch RWE Fans begründet: Ohne Meckern iss halt nicht! Der FC Kiffen 08 Helsinki war aber einfach nicht zu bekommen. Gleich also Werder, Samstag dann endlich der Ligaauftakt gegen Bayer Zwo und Dienstag darauf das Duell gegen den erklärten Ligafavoriten, Viktoria Wollitz.

Drei Spiele in einer Woche, die unterschiedlicher nicht sein können. Die im Anschluss daran aber sicher einen ersten Hinweis darauf abgeben, wie sich in etwa der weitere Saisonverlauf sportlich und auf den Tribünen darstellen wird. Steigen wir schon ab, oder werden wir doch Deutscher Meister ? Daher werden diese drei Spiele unter dem Oberbegriff „West Side Story“ als eine Einheit behandelt und in Bild und Text „abgearbeitet“. Das werden spannende sieben Tage an der Hafenstraße 97a.

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