Wird die Eintagsfliege gegen Abend traurig?

Schmetterlinge im Bauch und und eine fast juvenile Begeisterung machten sich seit Tagen breit; äußerten sich in einem beherzten Druck auf das Gaspedal. Nach langen Monaten endlich wieder Hafenstraße! Endlich wieder RWE und endlich  wieder viele wunderbare rot-weisse Menschen. Nun gut: Fans sportlich erfolgreicher  Vereine könnten an dieser Stelle zurecht auch auf das anstehende Spiel verweisen, welches doch prinzipiell stets der Hauptgrund eines Spielbesuches sein sollte. Daher ja auch der Name Spielbesuch. Erfolgsfans mögen mir aber verzeihen und auch aktuelle Kunden von RBL würden sicher mit Unverständnis reagieren: Eine Fahrt an die Hafenstraße nach Essen ist aktuell erst „Familienbesuch“ und dann Spielbesuch. Ändert sich auch wieder.

(Natürlich freue ich mich trotzdem und immer wieder auch auf die neunzig Minuten Fußball. Auch um die goldene Ananas können sich bisweilen spannende Spiele ereignen und solange rein rechnerisch noch was geht, hoffe ich auch stets fröhlich vor mich hin)

Vor dem Stadion schwebte eine leichte Brise aus Hanf, welcher die Anwesenheit einiger tiefenentspannter Fans bedeuten dürfte. Ein Geruch, den man in die Wiege gelegt bekommt, wächst man an der Grenze zu den Niederlanden auf.

Vor dem Anpfiff noch schnell Zutaten für den kommenden „Abend der Legenden“ übergeben, ging es raus auf die Tribüne. Gerade noch rechtzeitig für dem Ruhrmichell seine Choreo. Minuten, die unter die Haut gingen. Minuten, die immer auch daran erinnern, selbst einen rot-weissen Freund bis zu seinem letzten Tage begleitet zu haben; mich aber auch sprachlos machen, welches Glück mir beschieden wurde, weiterleben zu dürfen. Dankbarkeit, Trauer und Mitleid in einem. Schwierig zu beschreiben. Oder doch ganz einfach: Rot-Weiss Essen!

Eine weitere innige Umarmung; ein weiterer fester Händedruck. Anpfiff! Der Ball rollte endlich wieder live in einem Stadion. Er rollte so vor sich hin in der ersten Halbzeit, wenn er denn rollte und nicht gedroschen wurde; es geschah nichts wirklich weltbewegendes. Das so oft zitierte spielerische Element fehlte bisweilen völlig, aber dafür stimmte der Einsatz. Fünfundvierzig Minuten, welche somit nicht in die Geschichte des Fußballs eingehen werden.

Die zweite Halbzeit gestaltete sich auf Seiten des RWE definitiv besser und vor allem überlegener. Ohne jedoch weiterhin den öffnenden Pass zu spielen, oder einen feinen Ball durchstecken zu können. Es wurde Fußball gearbeitet und man kam auch zu Chancen. Die leider nicht verwertet wurden. Bis auf die eine, von der ich behaupte, dass es ein regulärer Treffer war. Dafür saß ich zu gut. Ich kann mit dieser Regel nicht konform gehen: Entweder der Torwart hat den Ball, oder er hat ihn nicht. Mit „Hand drauf“ kann ich nicht viel anfangen. Ist mir in der Dynamik des heutigen Spiels zu schwammig.

Mit diesem Tor im Rücken hätte sich der weitere Spielverlauf vielleicht entspannter und erfolgreicher gestaltet und hätte sich ein Stürmer unserer Mannschaft vielleicht auch jene peinliche Schwalbe ersparen können, zu welcher er abhob. Ich mag keine Schwalben im Fußball! Aber natürlich ist der Fußball eben kein Konjunktiv und somit ging es weiter Richtung ziemlich einseitig Richtung Düsseldorfer Tor. Nicht jedoch ohne den einen oder anderen Konter zuzulassen. Da rutschte das Herz direkt immer ziemlich in die Hose. Man kennt das ja: Überlegenes Spiel und der Gegner macht doch noch das 0:1. War an diesem Samstag glücklicherweise nicht der Fall, und so konnte das torlose Unentschieden bis zum Abpfiff gehalten werden.

Während die eine Hälfte der ehemals anwesenden Zuschauer noch der Mannschaft für ihren nimmermüden Einsatz applaudierte, tat die andere, und schon gegangene, Hälfte via Smartphone unverzüglich in diversen sozialen Medien ihren Unmut über das Spiel kund. Leider wie so oft in einem Mischmasch aus Beleidigungen und unproduktiver Wut. Meines Erachtens besteht die größte Aufgabe, die der RWE jemals zu bewältigen hatte, aktuell darin, alle wieder unter die geliebten drei Buchstaben zu bekommen.  Auch im zehnten Jahr nach Lübeck werden wir mit der Viertklassigkeit leben müssen. Ob wir wollen oder nicht. Aber, wir können immer noch keinen Aufstieg erzwingen oder herbeipöbeln. Ob wir wollen oder nicht.

Natürlich, die Transferpolitik der  letzten Dekade erscheint eher desatrös; und zu sehen, wie ehemalige Rot-Weisse in schöner Regelmäßigkeit bei anderen Vereinen aufblühen (den in Aue mal ausgenommen), tut auch weh. Aber, es ändert nichts am Status Quo. Und aufgeben gilt schon mal gar nicht. Wir kommen da raus. Aber, das geht nur gemeinsam. Gemeinsam gesungen wurde übrigens auch: Ein Lied von Jürgen Drews, wie ich mir sagen lassen habe. Das kam richtig gut, vereinte es doch Ironie und Melodie auf schöne Art und Weise. Den beiden Trommlern dürften noch am Sonntag die Arme geschmerzt haben. Das hat Spaß gemacht zuzuhören.

Unter dem Strich also ein schlechtes viertklassiges Fußballspiel ohne Sieger. Und doch für mich das Spiel des Lebens. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nur der RWE!

Heute ist nicht alle Tage! Wir kommen wieder, keine Frage!

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