Die fünfte Kalenderwoche: Mittwoch.

Mit nacktem Oberkörper sitzt Felix Herzenbruch vor einer Traube seiner Mitspieler und greift sich fassungslos vor Freude an den Kopf. Dieser Moment kurz nach Abpfiff ist das Bild des gestrigen Abends, denn es umschreibt die Leistung unserer Mannschaft auf das Trefflichste. Völlig platt, das Trikot den Emotionen geschuldet und dann dieser Blick. Diese Szene gehört von einem großen Künstler auf Leinwand gemalt, gerahmt und in den Katakomben der Hafenstraße aufgehangen. Während der „Freilos“ Held aus der Springer Redaktion mittlerweile wohl seinen Hut nehmen durfte, hagelt es von der nationalen- und internationalen Presse Respekt und Glückwünsche für einen solchen Pokalkampf. Und unsere Pokalhelden? Die sitzen wahrscheinlich immer noch mit dem Poppes in der Eistonne, um überhaupt mal runterzukommen.

Auch nach dem Spiel in den Interviews haben die Rot-Weissen weiter fleissig Sympathiepunkte sammeln können. Keine Phrasen dreschenden Redepartner, sondern stolze und glückliche Fußballer, die das in der Form nicht jeden Tag machen. Man muss aber auch konstatieren, dass der übertragende Sender mit Hansi Küpper, Martin Groß und Kollegen*innen ebenfalls eine gute Mannschaft an die Hafenstraße beordert hat. Hansi Küpper kennt die Befindlichkeiten der Hafenstraße und kommentiert das Spiel als solches. Ließ sich zudem von der Dramatik mitnehmen. Bei seinem Kollegen Buschmann hätte ich persönlich ziemlich sicher abgeschaltet.

Man muss sich das vielleicht noch einmal in aller Ruhe und über die gesamte Distanz anschauen, mit welcher Leidenschaft hier das eigene Tor verteidigt wurde. Alles wurde hier in die Waagschale geworfen. Wirklich alles, unter gütiger Hilfe sämtlicher Hilfsmittel wie Pfosten, Latte und was weiss ich noch. Möglicherweise hätte diese Mannschaft im Februar 1836 selbst Fort Alamo für Texas gegen die mexikanische Übermacht gehalten und Geschichte hätte umgeschrieben werden müssen. Zudem hat auch der Angriffsmodus immer wieder aufblitzen können. Allein den Pass von Cedric Harenbrock auf Simon Engelmann hätte auch MacGyver nicht besser basteln können, um sich aus einer ummisslichen Situation zu befreien. Unter dem Strich also ein verdienter Erfolg. Einer für die Ewigkeit.

Diese fünfte Kalenderwoche also bisher ein einziger Erfolg. Die komplette Klaviatur Rot-Weisser Emotionen wurde mehr als einmal rauf und runtergespielt. Wir sind ganz, ganz nahe dran an dieser Seelenverwandtschaft, wie wir sie zum Beispiel mit der 94er Mannschaft um Jürgen Röber empfunden haben.

Das einzige, was uns aktuell aufhalten kann, ist wohl der gepeinigte Rasen. Das wird eine enge Kiste bis Samstag.

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