Monatsarchive: April 2021

Eine Tüte Buntes

Sechs Spiele noch für unseren RWE, fünf Spiele noch für die Zwote des BVB, dann wissen wir endlich, was Aufstiegssache ist. Ich gehe weiter fest davon aus, dass die mit Abstand intensivste Aufstiegsparty nicht am Borsigplatz, sondern anne Hafenstraße gefeiert wird. Allen aktuellen Spekulationen zum Trotze. Mittlerweile weiss ich ja, warum mir das exzessive „Wer will wen und vor allem wohin“ Gedöns diese Saison so richtig auf den Wecker geht: In den vergangenen Jahren ging es für uns zu dieser Jahreszeit nur noch um die goldene Ananas. Da war man froh, dass neue Namen in den Ring geworfen wurden, damit man wenigstens hoffnungstechnisch etwas für die kommende Saison zu tun hatte.

Diese Saison liegen die Dinge aktuell etwas anders: Wir können und wir werden aufsteigen. Da stört mich wahrscheinlich gerade deshalb jede Spekulation um Namen und Vertragssituationen. Ich bin ja nicht blöd: Fußball ist auch in unserer Liga keineswegs mehr das Land der Elf Freunde, sondern die Umkleidekabine von zig Vertragspartnern, die sich bestenfalls zu einer erfolgreichen Mannschaft zusammenfinden. Das ist meines Erachtens aktuell passiert und wird die Grundlage für den Aufstieg bilden. Dass die Sause als Freilos und der mehr als Respekt einflössende Punktestand natürlich Begehrlichkeiten anderer Vereine erwecken, die ihrerseits auch schon mal in anderen Sphären (Ligen) unterwegs sind, ist leider normal geworden. Der Profifußballer, egal in welcher Liga, ist schon seit Jahrzehnten ein „Portmonee-Nomade“ geworden. Nachvollziehbar, wir wollen auch alle unsere Brötchen am liebsten dort verdienen, wo es das Meiste zu holen gilt. Für das Schönste Emblem aller Zeiten läuft da leider keiner mehr auf.

Das alles schafft zum Ende einer Saison mit Blick auf die neue Spielzeit Unruhe und macht was im Kopf der Betreffenden. Tja Jungs, da müsst Ihr jetzt durch, denn: So lange Ihr noch bei dem besten Verein aller Zeiten unter Vertrag steht, habt Ihr auch alles dafür zu geben. Natürlich kann man den Verein wechseln, oder muss es sogar, weil vielleicht auch mal die Zeit anne Hafenstraße abgelaufen ist. Alle gut, nachvollziehbar und schmerzt für den Moment. Manchmal den Spieler, und manchmal auch die Fans.

Aber in dieser, eigentlich atmosphärisch so kaputten Saison, sollten sich alle Spieler von Rot-Weiss Essen Tag für Tag eines in Erinnerung rufen: Das ist etwas, was man mit einem neuem Vertrag, oder was auch immer, einfach nicht kaufen kann. Etwas aber, was auf ewig in Eurer Vita stehen wird und Euch zu unsterblichen Helden an der Hafenstraße machen kann: Aufgestiegen mit RWE! Die Börsennotierten sind nervös geworden, genau so, wie wir vielleicht zwischendurch mal daran gezweifelt haben. Lasst den Maßen schreien und den Preuß bei uns werben, dieses Saison werden wir den Titel erben.

Es liegt halt einfach nicht in unserer DNA, dass wir mal eben locker und mit großem Vorsprung zu einer Meisterschaft galoppieren. Wir sind wie dieser Held aus unzähligen Wildwestfilmen, der zigmal angeschossen wird, es aber in der finalen Einstellung doch irgendwie an die Theke schafft, um der neuen Eroberung „dritte Liga“ bei einem Stauder zuzuzwinkern, bevor er bewusstlos zusammenbricht. Wir sind Rot-Weiss Essen, einfach können wir halt nicht. Wir müssen nun gegen das stets positive Lippstadt punkten und mal schauen, wie intensiv sich zum Beispiel der SV Rödinghausen mit seinem ehemaligen Übungsleiter auseinandersetzt.

Allen kritischen Geistern, die sich noch immer daran erzürnen, dass es zum einen die Zwote des endlich absteigenden Astes aus Gelsenkirchen war, die uns unter die Aufstiegsarme gegriffen hat und es sich zum anderen auch nur um ein Unentschieden gehandelt hat, sei noch einmal wärmstens der Spielverlauf empfohlen: Die Blauen haben einen 0:3 Rückstand wettgemacht! Für einen Verein, der sonst nichts kann außer Schulden zu machen und Spiele zu verschieben, ist das schon eine richtig gute Leistung. Außerdem: Was soll das grundsätzlich? Es geht für uns doch nur um einen Verein. Um diese eine Liebe. Da ist es mir doch völlig wumpe, wer da gerade geholfen hat.

Rund um unseren RWE rollt der Ball auch in einigen Ligen weiter und vermittelt bemüht ein Stück Normalität. Gut, dass wir dann immer noch den FC Bayern haben, um uns aktuell das Lehrstück „Demut Pandemie“ in Reinkultur aufführt: In einer Zeit, in der viele kleine Betriebe um ihre Existenz kämpfen, haut der Verein, der zu Beginn der Pandemie noch um seine Existenz fürchtete und sich auch durch Jammern hervortat, einen unfassbaren Betrag raus, um den Schreihals der Liga ( Nein, nicht Maßen) an seiner Seitenlinie zu wissen. Das Thema Demut somit abgehakt. Wir danken für diesen solidarischen Akt.

Abgehakt wohl auch sämtliche Kontrollmechanismen in den Synapsen des DFB Präsidenten. Es gibt viele geschmacklose Vergleiche, um irgendeinen Tatbestand zu erklären. Und es gibt sicher auch viel Kritik am Wirken des DFB-Vize Rainer Koch. Nichts, aber rein gar nichts rechtfertig einen Vergleich zu diesem Monster, das Roland Freisler zu Lebzeiten gewesen ist. Das ist in seiner Dimension erschreckend und komplett verstörend. Hier muss der Keller Fritz in den Keller fix und seien Job an den Nagel hängen. Ist doch eh egal, wer dem Laden vorsteht. Um Fußball als solches geht es doch keinem mehr.

Geld zählt. Am Liebsten mehr und mehr. Ganz viel davon. Bis es zu den Ohren rauskommt.

Geil auch, wenn die UEFA, der solidarische Kämpfer gegen das Ungemach Super League, fordert, dass diese kommende Europameisterschaft unbedingt vor Zuschauern in den Stadien stattzufinden hat. Äh, wo leben die Verantwortlichen eigentlich? In der Liga darf zum Beispiel in München keiner rein. Aber zur Europameisterschaft schon? Und wem genau nützt das dann was? was ein Kokolores!

Gut, dass wir noch den relativ ehrliche Fußball haben. Meine Güte, was warte ich auf den Moment, wo die ersten Takte von Adiole ertönen und die Mannschaft aufläuft. Umjubelt von Elftausend Fans. Egal gegen wen. Das bekommst Du für kein Geld der Welt, dieses Gegröle aus geschmierter Ruhrpottkehle. Auch ein Argument, um Rot-Weiss Essen als den etwas anderen Verein zu betrachten.

Der etwas andere Verein hat auch die etwas anderen Fanbetreuer*innen. Und ein großes Banner der Rude-Fans vor der „West“ war einem von ihnen gewidmet. Mit Roland Sauskat geht ein Fanprojektler vor dem Herrn geht in den wohlverdienten Ruhestand. In allen Themen der komplexen und nicht immer unproblematischen rot-weissen Fanszene über viele Jahre hinweg mindestens so fest verankert, wie Namensvetter Roland als Figur auf dem Bremer Marktplatz. Es existiert ein ganz wunderbares Foto des zwölfjährigen Roland vor der berühmten Ruine Schloss Heidelberg. Ausgerüstet mit Hut, RWE-Fahne und auch sonst komplett in rot und weiss gekleidet, ging es am 3. Juni 1968 mit der Familie in das Ludwigshafener Südweststadion. Die Begegnung der Bundesliga Aufstiegsrunde zwischen dem SV Alsenborn und unserem RWE war das Ziel und der junge Roland brachte ein 1:1 mit zurück an die Hafenstraße. 1968! Man ahnt: Wenn man so lange dabei ist, kann es eigentlich keinen Ruhestand geben. Schließlich gibt es für Leidenschaft und Berufung eigentlich keinen fest definierten Zeitpunkt um sich zu verabschieden. Trotzdem bleiben natürlich in Zukunft mehr Zeit für Familie, Fotografie oder den Reitsport. Egal was die Zeit auch bringt, Roland Sauskat wird sicher weiterhin den Roten ein treuer Fan und den Fans ein integer Ansprechpartner im Schatten der Tribüne bleiben.

Die glorreichen Zwölf

Sie haben es also getan, die glorreichen Zwölf. Ihre eigene Liga gegründet und gestern dann verkündet. Natürlich existiert auch schon eine eigene Internetseite, die nicht verlinkt wird und ein kritischer Wikipedia Eintrag, der natürlich verlinkt wird. Gefühlt wurde die Fußballwelt auf dem kalten Fuß erwischt, obwohl derlei Planungen doch schon seit Jahrzehnten in den Schubladen einiger Vereinsbosse lagen und bei Bedarf immer mal wieder herausgeholt wurden. Meistens dann, wenn die Qualifikation für weiterführende Wettbewerbe verpasst wurde, oder die Schulden mal wieder zu sehr drückten. Wie dem auch sei: Das Damoklesschwert „Closed Shop“ schwebte schon lange über den Ligenpyramiden des Kontinents.

Der Aufschrei also nicht nur der der Überraschung, sondern auch ein wütender. Bisweilen aber einer, der mich dann doch eher verwundert und sogar Galgenhumor hervorruft. Dass ausgerechnet die UEFA, der DFB und die DFL sich mehr als geschockt geben (vielleicht sind sie es ja sogar wirklich), ist schon lustig. Wenn es nicht so bitter wäre. Die angekündigte Reform der Champions League ist doch auch nichts anderes als ein Weg hin Richtung geschlossene Gesellschaft und einer garantierten Geldverteilung. Geldvermehrung nicht ausgeschlossen. Steht da nicht eher Verlustangst hinter der plötzlichen Empörung? Das Vertrauen in die Funktionäre genannter Institutionen ist bei mir dermaßen wenig vorhanden, so dass ich es keinem abnehme, die Super League als Totengräber des Fußballs zu erklären, den wir alle so sehr lieben.

Der Fußball, den wir mal geliebt haben, der ist doch schon lange tot. Den Fußball in klar nach Leistung definierten Wettbewerben mit Auf- und Abstiegen, Pokalspielen ohne Kokolores, sondern nur von Runde zu Runde. Ich bin ja schon froh, dass die Bundesliga nicht kurzfristig aufgestockt wurde, um einen Verein aus Gelsenkirchen vor dem Abstieg zu bewahren. Gar nicht absteigen zu können, das wäre richtig schlimm. Jahr für Jahr nun dieselben Gegner, die immer gleichen Spiele, das ist doch hochgradig langweilig. Dummerweise wissen die Macher aber auch, dass sich die Spiele am TV wohl trotzdem wie geschnitten Brot verkauft und angeschaut werden. Der Fußball dieser Tage ohne die Seele des Spiels, er rollt schließlich auch weiter. Die Tribünen der großen Stadien mittlerweile vollgekleistert mit riesengroßen Werbebannern.

Zurück aber zum DFB und der DFL. Wenn in einer gemeinsamen Erklärung ausgerechnet dieser Häuser von der Zukunft des Volkssports Fußball die Rede ist, dann bereitet mir das Bauchschmerzen. Diesen Traum von einer geschlossenen Gesellschaft, der in der Erklärung angeprangert wird, den leben beide doch auch. Man schaue sich einmal nur unsere Ligenpyramide an. Die geschlossene Gesellschaft ist der Profifußball, gekoppelt mit einer komplett gestörten Verteilung der Gelder.

„Solidarität statt Egoismus“. Spätestens da hatte mich diese Erklärung dann komplett in seinen Bann gezogen. Schließlich haben sich DFB und DFL seit Jahren selbst die Maxime „Egoismus statt Solidarität“ auf ihre Fahnen geschrieben und ihre Optimierung gnadenlos vorangetrieben. Die Verteilung der TV Gelder hier nochmals stellvertretend angemerkt.

Reisende soll man nicht aufhalten, also lasst diese Vereine ihre eigene Liga gründen. Unter einer Bedingung: Schmeisst sie aus den nationalen Ligen raus, verwehrt ihnen den Zugang zu allen anderen Wettbewerben. Sie wollen ihre ganz eigene Blase? Dann sollen sie diese bekommen. Mit allen Konsequenzen. Keine fünf Jahre wird es dauern, bis sich die Vereine gegenseitig so auf den Sack gehen werden, weil sie einander nicht mehr sehen können. Einen Vorteil hat diese Kommune aber, das muss man zugeben: Die Spielpläne können auf zehn Jahre im voraus geplant werden.

Konsequenzen zu ziehen gilt es natürlich nun auch für die Fans der betroffenen Vereine. Es soll ja immer noch viele, viele darunter geben, die an den Verein als solches glauben, an den Wettbewerb in all seinen Facetten. An Tränen der Freude und der Trauer. Es ist ja nichts neues, dass ich mein Fußballherz in England schon einige Jahrzehnte an die Reds verloren habe. Daher hat es mich auch ziemlich getroffen, dass ausgerechnet der Verein (Die Besitzer), bei dem man doch niemals alleine gehen wird, seine Fans so brutal vor den Kopf stößt. Die Erkenntnis, dass man als Fan in so vielen Vereinen doch nur noch Marionette ist, sie kommt manchmal dann doch unverhofft. Obwohl sich dessen schon längst bewusst. Da lobe ich mir Rot-Weiss Essen: Hier biste Fan, hier darfst Du es sein. Natürlich auch der Ligenzugehörigkeit geschuldet. Gott bin ich froh, dass wir für solch eine konstruierte Liga niemals in Frage kommen werden. Lange Rede kurzer Sinn: Die Mitgliedschaft habe ich heute via Mail gekündigt, der Mitgliedsausweis ging in den Schredder. Also der aus Liverpool jetzt.

Das einzig Gute an der neuen Spielwiese der glorreichen Zwölf wäre gewesen, wenn sich der traditionsreiche Arbeiterverein RB Leipzig dazu bereiterklärt hätte, sich allzu gerne in die geplante Aufstockung auf fünfzehn Vereine einzubringen. Man hätte sie dann aus der Bundesliga werfen können und das weitere Schicksal wäre uns allen endgültig Brause. Aber wahrscheinlich würde der DFB den frei gewordenen Platz in der Bundesliga dann an die zweite Mannschaft des BVB vergeben. Als Dank dafür, dass der BVB der neuen Liga (Stand jetzt) ablehnend gegenübersteht. Es ist wirklich gut, dass bislang eine Absage aus München, Wuppertal und Dortmund Richtung Florentino Pérez erfolgt ist. Das dürfte schon der erste Dämpfer gewesen sein, denn Fußball können wir immer noch erfolgreicher als impfen. Die Suche nach den drei noch fehlenden Vereinen gestaltet sich somit durchaus spannend. Wer will sich noch komplett entwurzeln?

Somit gibt es für mich noch drei Ligen, die ich als spannend, erstrebenswert und dem tiefen Sinn des Fußballs entsprechend erlebe: Die zweite Bundesliga, unseren Sehnsuchtsort dritte Bundesliga und die Bezirksliga Weser-Ems. Und das Hallenturnier der Lebenshilfe Nordhorn. Bei den Pokalwettbewerben ist der DFB-Pokal durchaus noch mit der Faszination Fußball einhergehend und wird allein schon durch die Fans aufgewertet und am Leben erhalten. Wie hingegen der traditionsreiche FA-Cup als einstmals wundervollster Wettbewerb aller Wettbewerbe aufgegeben und vernichtet wurde, ist eine ganz eigene Tragödie.

Vielleicht sollten wir die neue Liga einfach komplett ignorieren. Bei Arsenal zum Beispiel klappt das doch auch ohne Super League schon immer hervorragend.

Straelen

Freitag, 16. April 2021: es gab an diesem Tag nicht nur den feuchten Traum aller Fußballvisionäre in Form von RB Leipzig gegen die TSG Hoffenheim, sondern als Bonus obendrauf auch noch den Aufstieg des FC Viktoria Berlin von 1899 in die dritte Bundesliga. Dort, wo wir so sehnsüchtig hinwollen und uns über eine Qualifikation über zweiundvierzig Runden Qualen müssen, hat der 2013 nach Fusion entstandene und 2018 in eine Kapitalgesellschaft umgewandelte Verein ohne taugliches Stadion die Meisterschaft und den Aufstieg nach elf Spieltagen zugesprochen bekommen (Die absolvierten Spieltage hat die Mannschaft übrigens tatswahrhaftig allesamt gewonnen (Diese Anmerkung gebührt der sportlichen Fairness!).

Dafür gratulieren wir ganz herzlich. Klasse Regelung. Endlich mal jemand, dem Corona in die Karten gespielt hat. Dass der FC Viktoria nicht einmal über ein eigenes Stadion verfügt, welches den (stets zu) hohen Anforderungen des DFB entspricht, hat nur insoweit kurz Wellen geschlagen, als dass der viertplatzierte aus Jena in den Sufstiegstopf geworfen wurde, da das dortige Paradies allen Anforderungen entspricht und zudem einem Umbau zu einer reinen Fußballarena entgegensieht.

Es geht also auch relativ einfach, in den Profifußball aufsteigen, anstatt sich wie wir mit einer lästigen Zweitvertretung herumzukloppen, drei Mittel nicht immer den unseren entsprechen. Klar spielen wir beide stets gegen dieselben Gegner und haben es zuletzt manches Mal selbst verdaddelt, aber die Umstände und Untergründe wurden das ein oder andere Mal schon faszinierend in Richtung BVB gelenkt. man erinnere sich nur an das Hinspiel gegen unseren Nachbarn RWO: Der Nebel hat die Führung der Kleeblätter geschluckt und als torlosen „Re-Start“ wieder ausgeworfen. Faszinierend!

Unter der Woche nun hatte Lippstadt einmal mehr positives zu vermelden, so dass es wieder nicht zum Heimspiel gegen den SVL kam. Für die einen kamen wir so wieder aus dem Rhythmus und konnten uns nicht wie erhofft dem BVB annähern. Für die anderen hingegen wurde der seit einiger Zeit unheilvolle Mittwoch umgangen und bleibt das Spiel als optionales drei Punkte Dingen weiter in der Hinterhand.

Bleibt also von der englischen Woche lediglich das Spiel heute und zwar auswärts beim dortigen Sportverein von 1919. Die Kanarienvögel aus dem Kreis Kleve sind in dieser außergewöhnlichen Saison als Neuling ziemlich gut unterwegs und Habens schon stolze vierundvierzig Punkte gesammelt. Das sind nach Adam Riese übrigens elf Punkte mehr als der stolzeste aller stolzen Aufsteiger in die dritte Bundesliga an seinen elf Spieltagen sammeln konnte.

Und wer hätte jemals gedacht, dass wir nicht nur am Samstag alle den Fünfer für den Stream aus Straelen investieren, sonder gleich auch etwas mehr für den sonntäglichen Kick aus Oberhausen hinterher? Ein Wochenende im Zeichen des Kleeblattes sorgt prinzipiell für leichtes Magengrummeln, aber es ist wie es ist: RWO möchte ja eigentlich auch immer nur wie RWE sein, und an diesem Wochenende dürfen sich die Kleeblätter endlich einmal auch so fühlen. Unser Zuspruch ist ihnen gewiss! Was natürlich den Auswärtserfolg der eigenen und wahren rot-weissen voraussetzt. Gewinnen wir das Spiel in Straelen nicht, kann uns das Spiel tags drauf zwischen Emscher und Rhein-Herne Kanal direkt wieder am Allerwertesten vorbei gehen.

Ein Aufstieg nach elf Spieltagen bedeutet natürlich auch, seit ziemlich Anger zeit keine Einnahmen mehr generiert zu haben. Nicht einmal den obligatorischen „Streaming Zehner“. Von unverhofften Einnahmen aus dem DFB Pokal einmal ganz abgesehen. Da wäre einmal eine „Unter dem Strich“ Rechnung der Finanzvorstände aus Essen und Berlin genau interessant: ist def Wunsch und das Füllhorn dritte Liga so groß, so dass elf Spieltage plus monatelanger Flaute besser zu ertragen sind, als zweiundvierzig Spieltage zuzüglich moderater Einnahmen? Aber gut, wir sollten die große Fanbasis des FC Viktoria nicht unterschätzen. Da wurde sicher Millionen im Fanshop umgesetzt.

Leider sind wir aber auch weiterhin nicht bei „Wünsch Dir was“, sondern bei „So Isses“, denn ansonsten hätten die Sympathien im Nordosten natürlich eher einer Mannschaft wie dem FC Carl-Zeiss gegolten denn einer weiteren Vereinigung monetärer Optimierung im Sinne von RBL und Hoppelheim. Deren Spiel endete übrigens mit einem torlosen Unentschieden. Ein passendes Ergebnis, welches sich ziemlich mit dem emotionalen Esprit beider Mannschaften deckt.

Ach RWE, in Anbetracht Deiner fußballerischen DNA kann es trotzdem noch zu einem Aufstieg in dieser Saison reichen. Und wenn es in der sechsten Minute der Nachspielzeit am allerletzten Spieltag ist. Wir können halt nicht einfach. Und somit glaube ich weiter an das Wunder von (der) Bern(e)!

Auswärtssieg!

Totgesagte leben länger

Moooooment: Zu den Gefühlen der letzten Tage komme ich noch später im Text und bediene mich dazu in Auszügen der letzten Kolumne. Was ich mich aber gerade komplett irritiert, sind die Abgesänge der 11Freunde und von Liga3-Online auf unseren RWE. Unter der Überschrift lesen sich beide Artikel durchaus zugewandt, lassen bisweilen Bedauern erkennen und beziehen sich auch auf auf das kranke Ligensystem hierzulande, soweit, so gut.

Aber scheinbar wurde sich hier auch der Glaskugel bedient. Zumindest im Hause unser aller 11Freunde! Während man RWE bei Liga3 wenigstens noch auf dem bestem Wege dahin wähnt, einmal mehr am Aufstieg zu scheitern, wird man im Hause der gehobenen Fußballkultur nach dem späten Ausgleich der Kleeblätter direkt beerdigt. In Sachen Aufstiegshoffnungen natürlich nur. Des Artikels erster Satz: Rot-Weiss Essen wird auch nächste Saison nicht in der 3.Liga spielen. Werden wir doch, antworte ich mal ganz patzig darauf!  

Es sind gute und wichtige Artikel, und ich denke, dass sich beide Redaktionen weniger über eine weitere Zweitvertretung in der dritten Liga freuen, als über einen Verein der „Kategorie E“ (Gleiches dürfte für alle anderen Staffeln gelten) zum Beispiel. Das was mich also wirklich ärgert, ist der frühe Zeitpunkt der Trauerreden. Es sind noch zehn Spieltage zu spielen. Da kann man noch bis zu dreißig Punkte sammeln. Das ist ja viel aufregender als Ostern. Und wenn es ganz dramatisch kommt, mischen sich auch noch die schwertlosen aus Münster ein, könnten am Ende allen eine lange Nase zeigen und ihrerseits aufsteigen.

Wenn beide Artikel aber vielleicht nur so eröffnet wurden, um unsere Mannschaft noch einmal richtig zu motivieren, dann ist das in der Tat wahrlich gelungen. Ich würde die ersten Abschnitte vergrößern, kopieren und in der Kabine auslegen. Zehn Spieltage vor Saisonende ist die Messe in dieser Liga noch lange nicht gelesen. Den Deckel drauf machen wir erst, wenn rechnerisch nichts mehr geht! 

Ahlen:

Nach dem Auftritt auf seifigem Untergrund im schummerigen Licht von Ahlen war man natürlich in der Tat mehr als bedient. Der eigene Kompass nach Abpfiff ziemlich gestört. In etwa so wie die Kamera unter dem Dach der Tribüne des Wersestadions, die auch nicht immer auf Ballhöhe war sondern oftmals sinnlos umherfokussierte.

Den Abpfiff in Ahlen habe ich nicht mehr mitbekommen, da kurz vor Schluss aus dem Stream ausgestiegen. Wenn man so lange dabei ist, kann man durchaus schon mal ein Spiel „lesen“ und weiss, was noch passiert. Und so war dann auch der späte Siegtreffer für den Tabellenletzten die logische Konsequenz eines Spiels, welches man nie und nimmer hätte verlieren dürfen. Zu verlieren ist grundsätzlich überhaupt kein Problem, allein die Art und Weise hat mich aber in eine Art Schockzustand versetzt, in dem ich reflexartig und direkt alle eigenen sozialen Kanäle deaktiviert habe. Schließlich weiß man, was nach Niederlagen bei Twitter, Facebook & Co. Mannschaft und Umfeld an ungefilterter Wut ins Gesicht getippt wird. Derlei will ich nicht mehr lesen.

Kolumne

Sinnlos einmal mehr die Anfeindungen im Nachgang eines nicht gewonnenen Spiels. Versuche, unsere Spieler auf ihren persönlichen Accounts in direkten Nachrichten anzugehen sind spätestens ein „No Go“. Da wird eine rot-weisse Linie überschritten. Es ist ja schon unfassbar, was nach einem Spiel wie das in Ahlen in den Kommentarspalten gewütet wird. Vielleicht ist es eines Tages technisch machbar, eine Beleidigung vor dem Absenden noch einmal zu hinterfragen. Drei Sekunden Bedenkzeit können manchmal eine Menge bewirken. Fakt aber: Es sind nur wenige. Leider sind diese, wie im wahren Leben auch, immer so laut, so dass man die weiter an die Mannschaft glaubende Mehrheit nicht direkt wahrnimmt. 

Oberhausen:

Bis zum Spiel in Oberhausen wurde die eigene Krone wieder gerichtet und in Trotz umgewandelt. Dass das Trikot dann trotzdem nach dem Elfmeter ebenfalls frustriert in den Schrank gepfeffert wurde, lag in der punktuellen Natur der Sache. Dort traf es dann auf das noch zerknülltere Gegenstück aus dem Ahlen Spiel. Der abergäubige Fußallfan in mir stellte sich in Anbetracht der weißen Trikots nun die Frage, ob man vielleicht selbst schuld an den ausgelassenen Punkten dieser Woche gewesen sei. Schließlich hätte ich Auswärts ja auch das „Mauertrikot“ tragen können. Hätte ich nicht, da ich es gar nicht besitze. Das Design irgendwie nicht meins. Dafür quillt der Schrank über in den Farben Rot und Weiß. Der Auftritt in Oberhausen trotzdem couragiert und eine Wiedergutmachung für Ahlen. Auch die optische Aufbereitung des Spiels eine ganz andere als noch Tage zuvor. 

Ach Mensch, es ist schon schade, dass die Euphorie der letzten Wochen und Monate temporär  verflogen ist und viele wieder den Hafenstraßen Blues singen. Man wähnte sich auf Gefühlsebene ja fast auf den Spuren der Frankfurter Eintracht bei ihrer Sause im Europapokal. Nun müssen wir wieder für zehn Spiele in den regionalen „Recall“, und dort so vorspielen, so dass es die Konkurrenz nervös macht und ihrerseits zu Patzern zwingt. Dass es am Ende dann doch noch für den bundesweiten „Liga Drei Contest“ reichen kann, ergibt sich eigentlich schon aus unserer eigenen DNA: Wir können nicht einfach mal so mit einer geilen Saison aufsteigen. Wir sind nicht wie die Bayern und halten schon am siebten Spieltag gelangweilt die Schale hoch. Rot-Weiss Essen braucht stets das ganz große Drama, um zu scheitern oder Erfolge zu erzielen. Am letzten Spieltag, in der letzten Minute oder noch lange darüber hinaus am grünen Tisch. Und genau daher beziehe ich meinen Optimismus, dass wir noch lange nicht beerdigt werden sollten. 

Ein Stelldichein überregionaler Presse mit vielen wunderbaren, teils romantisch verklärten, Artikeln folgte Runde um Runde und Dreier auf Dreier. Wir waren zeitweise das moderne Woodstock des Fußballs, brachten Virtuosität und Leidenschaft eines Jimi Hendrix oder Joe Cocker auf und neben den Platz und Liebe in die Herzen der Fans.

Kolumne

Der nächste Gegner nun das Beste, was der designierte Zweitligist aus der Nachbarstadt aktuell zu bieten hat, nämlich seine Zweitvertretung! Die Roten gegen die Blauen. Ein schwerer Gang mit personellen Veränderungen, der fünften Gelben und einer positiven Testung geschuldet. Der Blick auf die Aufstellung also wieder ein sehr spannender. Möge diesmal die Macht wieder mit uns sein. Das Trikot passt ja auf jeden Fall wieder. Diesmal wird es das frisch gewaschene Heimtrikot mit der Nummer einundzwanzig und Spielernamen Aufstieg sein. Nomen est omen!

Diesen Beitrag nun (aktuell) nicht auf eigenen sozialen Kanälen zu teilen, ist ein bisschen wie Fußball früher, als man nach den Spielen eben im Auto oder an der Theke darüber philosophierte oder das Gesehene runterspülen musste. Fünfzehn Jahre „Im Schatten der Tribüne“, da ist man vielleicht auch ein wenig zu alt geworden, um noch im Haifischbecken der sozialen Medien mitzuschwimmen.

Nur der RWE!

PS: Es gab eine vorherige Version dieses Textes, den ich aus Versehen hier gelöscht habe. Der mir aber sprachlich viel besser gefallen hat, da mit mehr Esprit und einem Stauder getippt. Dies also nur der Versuch, den Text sinngemäß wiederzugeben.