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The End

Seit 1967 quälte sich Jim Morrison mit seiner Band „The Doors“ zumeist am Ende eines Konzertes fast zwölf Minuten durch die von ihm geschriebene musikalische Klagemauer „The End“. Grund für den fatalistischen Singsang war das Verarbeiten einer Trennung. Dieser Song hätte aus Essener Sicht über weite Strecken durchaus die Titelmelodie für das Halbfinalaus gegen den SV Straelen darstellen können. Die Straelener ihrerseits legten spätestens im Elfmeterschießen den Gassenhauer „Shiny Happy People“ von REM auf. Was bedeutet: Der RWE hat sich mit sofortiger Wirkung vom Pokal getrennt, während der SV Straelen nun das Finale gegen den WSV spielen wird.

Vor dem Spiel war der Tenor in Fankreisen ja stets der, dass ein Ausscheiden im Pokal allemal eher zu verkraften ist, als die kleine Chance auf den Aufstieg in irgendeiner Form zu gefährden. Nach dem wirklich schlechten, bisweilen saft- und kraftlosen Spiel unserer Mannschaft stellt es sich zunächst dann doch wieder wie gewohnt dar: Die Pessimisten und Dauernörgler sind mit Abpfiff zur Stelle und schreiben die Mannschaft in Grund und Boden. Manchmal wirkt das, als ob lediglich Textbausteine eingesetzt werden. Schließlich wurde die eigene negative Einstellung endlich wieder bestätigt. Aber, wie sagte schon Robert Lembke („Was bin ich“) seinerzeit: „Pessimisten haben den Vorteil, daß sie seltener enttäuscht werden“. Somit ist der Pessimist im eigenen Haus unfreiwillig wohl auch ein Gewinner dieses Halbfinalspiels.

Was an dieser vermeidbaren Niederlage wirklich ärgert ist weniger, dass man gegen eine mutige Straelener Mannschaft ausgeschieden ist. Das kann im Pokal passieren, dafür ist der Pokal da! Man frage mal in München, Bielefeld, Düsseldorf oder Leverkusen nach. Was hingegen so richtig ärgert ist schlicht die Tatsache, dass dieses Spiel überflüssig viel an eigener Kraft gekostet hat, und man somit auch den SV Straelen zu Überstunden gezwungen hat. Wir werden kommenden Sonntag sehen, ob der zukünftige Pokalfinalist die Euphorie mit in das Spiel gegen ausgeruhte Dortmunder nimmt und auch dort engagiert Paroli bieten kann, oder sich aufgrund der dann doch zu schweren Beine genüsslich auseinandernehmen lässt. Vielleicht aber hat man in Straelen auch etwas falsch verstanden: Bei einem Sieg gegen uns gibt es kein Faß Stauder mit nach Hause. Der Deal gilt erst gegen Dortmund!

Vor allem aber werden wir Sonntag sehen, ob unser RWE die Lehren aus diesem Spiel gezogen hat. Ein ähnlicher Auftritt im Kölner Südstadion und wir brauchen nicht mehr auf das Ergebnis der anderen Begegnung zu schauen, denn dann hat es sich endgültig von selbst erledigt. Vielleicht aber war es dieser berühmte Schuss vor den Bug zur rechten Zeit. Ein „Hallo-Wach“ der unangenehmen Art. Irgendwie aber auch die logische Konsequenz aus den letzten Spielen, ließ der Elan von Spiel zu Spiel merklich nach. Nachvollziehbar in Anbetracht der Vielzahl an Spielen in dieser Saison. Zudem sind hier keine Maschinen am Werke, auch wenn einige dass vielleicht glauben. Dann lieber gegen Straelen als in Köln verlieren.

Was jetzt auf jeden Fall von der Mannschaft erwartet werden darf ist, dass sie sich noch einmal für die letzten drei Spiele zusammenreisst, sich motiviert und alles dafür geben wird um uns zu zeigen, dass der Aufstieg weiter und bis zur letzten Sekunde das erklärte Ziel aller bleibt. Die Saison war so beeindruckend erfolgreich (ja, trotz Ahlen), dass darf nun nicht einfach alles verspielt werden. Drei Endspiele, die gewonnen werden müssen, ohne es selbst in der Hand zu haben, ob es dann auch für den großen Wurf reichen wird! Das ist keine einfach Aufgabe. Aber so ziemlich alternativlos. Also sollte man es auch so angehen, damit wir Optimisten nicht doch noch enttäuscht werden. Und wenn die Mannschaft noch immer nicht weiß, was uns der Aufstieg bedeutet, so kann man ihr nur mitteilen: Alles. Und noch viel mehr!

Unabhängig davon sollte die eigene Herangehensweise an die Aufarbeitung der Saison noch so lange zurückstehen, bis auch wirklich der letzte Pfiff ertönt ist. Dann jubeln im Aufstiegsfalle der Optimist und der Pessimist gemeinsam und alle haben es gewusst. Oder aber der Optimist bricht bei Nichtaufstieg traurig zusammen während der Pessimist zufrieden konstatiert , es doch gleich gewusst zu haben.

Niemals aufgeben RWE, da geht noch was!



Das Bier gewinnt!

Ab heute ist Schluss mit lustig. Die ungestörten Überholmanöver auf dem Tabellenhighway to Hell sind Geschichte: Borussia Dortmund startet wieder in den Trainings- und Ligabetrieb. Mit sicherlich exakt ausgewogener Anzahl an Spielern, um allen Auflagen gerecht zu werden. Fünf Spiele gegen drei Spiele bei zwei Punkten im Voraus: Die Karten liegen weitestgehend auf dem Tisch. Vielleicht sollten wir spätestens Sonntag vor dem zeitgleichen Anpfiff beider relevanten Spiele in Köln und Straelen eine Runde Diazepam für alle schmeißen, um die mittlerweile doch arg strapazierten Nerven in den Griff zu bekommen.

Vorher aber haben unsere Roten noch eine andere Aufgabe zu bewältigen: Heute Abend geht es ab 19:00 Uhr gegen den Sportverein 1919 Straelen e. V im „Europapokal Vier“ (früher mal als Niederrheinpokal bekannt) um den Einzug in das Finale. Das zweite Halbfinale bestreiten zudem der Wuppertaler SV und der MSV Duisburg. Immer öfter nun stellt sich die Frage der Belastungssteuerung unser arg strapazierten Fußballer. Oder der einer möglichen Rotation. Ordnet man das Halbfinale dem Ligaspiel am Sonntag unter oder doch nicht? Und warum hatten wir keinen Frühling?

Wir können sicher darauf vertrauen, dass unser Trainerteam natürlich auch heute auf Sieg stellt, um ins Finale durchstecken zu können. Daher sollten die Körner einmal mehr reichen, um mit den Spielerpässen in die Schnittstelle zu kommen. Im Ernst und abseits der Phrasendrescherei: Heute ist Pokal und der hat seine eigenen Gesetze…

Die Spiele als Freilos im DFB Pokal haben uns allen nicht nur unvergessene sportliche Momente beschert, sondern natürlich auch Bares für rare Zeiten in die Kassen gespielt. In Zeiten der Pandemie ein unverhoffter Baustein, der Rücklagen schafft und Möglichkeiten bietet. Alles in allem ein gern durchlebtes Szenario, welches man auch für die kommende Saison gerne wieder mitnehmen möchte. Somit auch hier: Niemals aufgeben!

Der heutige Gegner aus Straelen übrigens Sonntag der Erste der „glorreichen Fünf“ gegen den BVB und somit auch ein Zünglein an der Waage Aufstieg. Das dachte sich wohl auch das stets rührige Team von jawattdenn und hat sich intern überlegt, wie man Fußballer immer noch am Besten dafür motivieren kann, ein Spiel zu gewinnen. Hier kommt als Ergebnis nach vielen Zoom-Meetings die alte Kreisliga Wahrheit „Das Bier gewinnt“ ins Spiel: Was hat Rot-Weiss Essen, was andere nicht haben? Außer „Alles natürlich“ kommt direkt danach unser gutes Stauder als unschlagbares Argument! Weder in Straelen, Wuppertal, Rödinghausen oder Bergisch-Gladbach gibt es meines Wissens eine eigene Brauerei. Und Homberg als Stadtteil von Duisburg dürfte unter KöPi genug leiden.

Die Motivation war also schnell gefunden, beschlossen und verkündet: Derjenigen Mannschaft, die es schafft, gegen Borussia Dortmund einen Punkt zu holen, winken 50 Liter Stauder. Sorgt der Anreiz Stauder gar für richtig flüssige Beine und solch perlende Kombinationen, so dass es zu einem Sieg gereicht, werden sogar 100 Liter Stauder ausgelobt. Das ist natürlich kein unlauterer Wettbewerb, aber allemal eine Hommage an Fußballligen, in welchen sportliche Dinge im Nachgang stets bei einer Kiste Bier geklärt wurden und hoffentlich bald wieder werden. Die Stutzen dabei schon auf Halbmast, aber noch so hoch, so dass die Schachtel Kippen darin Halt finden kann.

Liest man nun quer durch alle Rot-Weissen Kanäle, so findet sich eine solch breite Unterstützung für die Idee der jawattdenns, so dass die Mannschaften mit Punktgewinnen gegen den BVB ihre Saisonabschlussfeier fast in trockenen Tüchern haben dürften. Von Grillwürstchen über weitere Stauderspenden bis hin zu Zwiebeln ist alles dabei. Da dürfte sich das Engagement auf dem Feld endlich einmal so richtig lohnen. Was ist schon eine Siegprämie allein, wenn man dazu noch die kleine Persönlichkeit bekommen kann? Und natürlich plündert auch „ISDT“ als „Hangaround“ von jawattdenn seine Vereinskasse, und ist mit einer Kiste Stauder im Falle von Unentschieden oder Sieg dabei.

Viel mehr können wir aktuell leider nicht tun, um unsere Mannschaft auf unsere Weise zu unterstützen. Den Fußballgott allein anzubeten bringt gerade auch nicht wirklich viel. Zum einen ist der eh nie da, wenn man ihn braucht, und zum anderen dürfte er schon unter einem unheilbaren Burnout leiden, was seinen Auftrag DFB angeht. Aber, wir sollten nicht nur kritisch sein: Das mit Schalke hat er endlich mal hinbekommen. Wurde ja auch Zeit!

Jetzt geht es in die finale Phase, die allen noch einmal so richtig alles abverlangen dürfte. Auf dem Rasen und vor den Monitoren. Hoffnung im Mai, ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl.

Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher (Charlie Rivel)

Das war eine ziemlich aufregende Sause über 95 Minuten am Mittwochabend im Stadion an der Hafenstraße. Und ich war heilfroh, als der Schlusspfiff ertönte. Realistisch betrachtet hätte es bei andauernder Spielzeit sonst womöglich noch das zweite Tor für die Borussen gegeben oder der Unparteiische hätte irgendeinen Dummsinn gegen uns gepfiffen. Grund zu dieser Annahme bot die unglaublich beeindruckende Physis der Dortmunder. Da waren zum Schluss Duracell-Hasen unterwegs, denen man gefühlt auch noch Flügel verliehen hatte. Da konnten unsere Roten kaum noch mithalten. Aber, wir sind ja auch keine U23 mehr, sondern schon was älter. Und auch der Unparteiische fiel zu oft oft die Dortmunder Theatralik rein. Lass da dann noch mal kurz vor Feierabend einen im Strafraum den Kieler machen, und wir gucken dumm aus der Wäsche..

Ok, es kam glücklicherweise nicht zu meinen schlimmsten Phantasien, weshalb wir auch von den üblichen Verdächtigen nur Unentschieden-Frust zu lesen bekommen und nicht den noch etwas schlimmer ausgearteten Niederlagen-Frust. Also, wenn man es denn liest. Gottseidank ist dieses Spiel nun endlich gespielt. Nach der Pokalsause war es der nächste Akt, auf den sich alles konzentrierte. Zu sehr für meinen Geschmack. Die mahnenden Stimmen, dass die Saison nach diesem Spiel noch lange nicht vorbei ist, verhallten irgendwo zwischen Berne und Tankstelle. Sie ist es aber nicht, und sie geht weiter. Noch lange weiter. Vielleicht ist es das Gefühl des „Nicht mehr in der eigenen Hand zu haben“, was reflexartig immer für großen Kummer sorgt. In der Tat sind wir, stand heute, auf die Schützenhilfe anderer Mannschaften angewiesen. Aber, dass kann sich mit einem Spiel schon wieder ändern. Und dieses Wechselspiel wird uns noch einige Zeit viele Nerven kosten.

Gefühlt spielen wir gerade die Saison 2018/19 der Premier League nach (von der Dramatik her), als Manchester City und die Reds aus Liverpool eine Saison der Superlative spielten und beide den Meistertitel mehr als verdient gehabt hätten. Wieder runtergebrochen auf unsere Regionalliga bin ich aber mehr als optimistisch, dass diesmal der Titel an die richtige Mannschaft gehen wird, und zwar an unsere Roten! Wir müssen einfach nur weiter optimistisch sein und auch dran glauben, nicht jedesmal in Zweifel ausbrechen. Das ist kaum zielführend. Die Probleme, die auch Mittwoch wieder gut zu sehen waren, sehen die Verantwortlichen doch auch, und wohl auch ziemlich kompetenter. Aber wir können uns auf die Schnelle keinen zweiten Engelmann backen, der das Torverhältnis mal eben optimiert.

Rot-Weiss Essen muss nun als Kollektiv in Lauerstellung liegen und immer bereit ein, jeden Dortmunder Stolperer mit eigenen drei Punkten zu kontern. Dass dabei der jeweilige Gegner nicht nach Tabellenplatz bewertet werden darf, das hat die Elf vom Borsigplatz selbst noch vor kurzem in Ahlen erfahren.

Einwurf:

Fühlt sich dieses Kopf an Kopf Rennen vielleicht auch nochmal nerviger an, weil es sich bei dem größten Konkurrenten um eine Zweitvertretung handelt? Möglicherweise, aber eigentlich haben wir uns ja mittlerweile an die vielen Zweitvertretungen gewöhnt, der langen Verweildauer in der Regionalliga geschuldet. Und manchmal stellen die Zwoten durchaus einen sympathischen Fußabdruck ihres Gesamtvereins dar. Auswärts bei Zweitvertretungen Fußball zu gucken hat immer noch ein wenig von Fußball aus einer anderen Zeit, dafür sorgen oft schon die Austragungsstätten wie in Rheydt oder die „Rote Erde“ (Sofern Ordnungskräfte und Sicherheitsbestimmungen nicht wieder alles vermiesen).

Bei der Zwoten aus Dortmund hat sich das Bild mittlerweile kräftig gewandelt. Mit einem Markwert versehen, der ziemlich exakt im Mittelfeld der dritten Bundesliga liegt, verfügt die Mannschaft zudem über die gewaltige Infrastruktur der Fußballmacht Borussia Dortmund. So gepusht und flexibel in der Frage des jeweiligen Spielfeldes hat man es fast mit einem eigenen Verein im Verein zu tun. Trainiert von einem Trainer, der ohne Frage „Meister“ kann, aber mit seinem Auftreten am Spielfeldrand durchaus einen Platz in der „Kreischgau-Combo“ eines Julian Nagelsmann finden dürfte. Allein für solche Auftritte wünscht man sich sehnlichst die Kulisse auf den Rängen zurück. Dieses hysterische Gekreische, kundgetan durch manch Mannschaftsvertreter auf der Bank oder in der Coaching Zone, treibt jedem E-Jugend Vater am Seitenrand die Schamröte ins Gesicht. Und wie wir alle wissen, wird gerade dort oft über Gebühr sinnlos rumgebölkt. Das hat mit Fußballemotionen nicht mehr viel gemein.

Die Dortmunder Zweitvertretung also gefühlt eine Erstvertretung, denen auf schwarz-gelber Fanebene ziemlich viel echte Liebe entgegengebracht wird. Auch das ein Unterschied zu den anderen „Zwoten“. Natürlich wird vor so einem „Kracher“ auch noch die Chefetage aller Dortmunder Borussen hinzugezogen und zu den Ambitionen mit dem Nachwuchs gefragt. Und ebenso natürlich wird von dort bekräftigt, wie wichtig ein Aufstieg für den Gesamtverein ist, um Talente an die Bundesliga heranzuführen und so weiter und so weiter. Das übliche halt. Keiner würde sich doch in München oder Dortmund vor das Mikrofon stellen und sagen, dass es für den Fußball viel besser wäre, wenn die Zweitvertretungen in einer eigenen Nachwuchsrunde spielen um sich zu entwickeln. Entwickelt haben diese jungen Dortmunder hingegen schon die ganze Palette am Habitus der Profikollegen, lassen sich gerne schon mal bedarfsorientiert fallen, wenn es der Situation zuträglich ist. 

Einwurf Ende.

Es ist nun gespielt, und am Status Quo hat sich durch das Unentschieden im Vergleich zu vor dem Spiel nichts verändert. Aber vielleicht können wir uns alle nun wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser bewegen und von Spiel zu Spiel denken. Nicht mehr von Kracher zu Showdown und den vielen anderen Superlativen der vergangenen Wochen. Da wird man ja auch ganz wuschig im Kopf. Die Mannschaft muss malochen was das Zeug hält, und wir sollten optimistisch bleiben. Es geht wie immer nur gemeinsam. Isso!

Niemals aufgeben!