Kategorie-Archiv: Stauder

Wir alle leben mit einer an unseren Sehnsüchten gestrandeten Seele…(Elmar Kupke)

Zitate sind was schönes, lassen sie doch ab und an sogar auf einen intellektuellen Text hoffen. Um dann doch eher der Vertiefung eigener Gedanken zu dienen. Als Fan von Rot-Weiss Essen leben wir ja schon lange mit unserer gestrandeten Seele. Allerdings war die Sehnsucht bis vor wenigen Wochen noch eine ganz andere. Diese tief in uns verankerte Sehnsucht nach was Besseres. Eine Sehnsucht zudem, die bei zuverlässiger Nichterfüllung der vergangenen Jahre zu oft in zu vielen von uns Verhaltensmuster zu Tage brachte, die einem guten Miteinander nicht förderlich waren. Was haben wir die Mannschaft verbal lang gemacht; uns von ihr und Verein abgewandt. Natürlich gerne verbunden mit dem Satz aller Sätze frustrierter Fußballfans: „Hier komme ich nie wieder hin, nächsten Samstag wird gegrillt…“

Ach, was waren das noch für Sehnsüchte. Wie schön war es doch, den eigenen Verein Scheisse zu finden. Es konnte doch keiner ahnen, dass es mal eine Zeit geben wird, in der  wir uns nicht damit befassen „müssen“, was unser aller RWE Woche für Woche so anstellt. Hans-Christoph Neuert (Wer kennt ihn nicht…) hat irgendwann mal geschrieben:

„Seit Du nicht mehr da bist vermisse ich auch mich“.

Ich denke, dieser Satz trifft es ganz gut, unsere Sehnsucht mit der aktuellen Situation zu verbinden. Der Fußball ruht, die Gesellschaft pausiert und unser RWE (Wie  so viele andere auch) steht somit an einem dramatischen Scheideweg! Sein oder nicht sein ist vielleicht noch nicht die Frage, aber sie kann eines Tages eine werden. Natürlich ist der RWE aktuell noch da, und befeuert unsere Sehnsüchte nach ihm auch ziemlich vortrefflich mit Einspielungen im leeren Stadion, Spielszenen und dergleichen online. Die Medienabteilung zeigt dem Virus den Mittelfinger und uns, was uns fehlt.

Uns fehlt der RWE, den wir besuchen und „anfassen“ können. Er ist gerade nicht da (Den Umständen entsprechend ist das auch mehr als gut so) und somit vermisse ich auch mich. Also mindestens den Teil von mir, der Rot-Weiss Essen lebt. Was ist das denn für ein Leben, wenn man sich nicht mehr auf ein Spiel freuen darf, nur um sich danach doch nur darüber aufzuregen? Was macht man nun mit den Tagen und Stunden, in denen man ständig „Opa Luscheskowski“ oder anderes vor sich hin gesummt hat?

In seinen Antworten auf ausgewählte Fragen zur aktuellen Situation lässt „Zeheoh“ Marcus Uhlig mehr als nur durchblicken, dass die Lage ernst ist. Denn es betrifft nicht nur einen (unseren) Verein als solches. Es betrifft auch Sponsoren, die schlimmstenfalls ihrerseits seit Wochen ohne Einnahmen sind. Wie will man da seinen Verpflichtungen nachkommen, auch wenn das Rot-Weisse Spenderherz noch so gerne sein Füllhorn über den Verein ausschütten würde? Und wie soll der Fan seinen Verein aktuell virtuell oder via Online Shop unterstützen, wenn er ebenfalls in Kurzarbeit geschickt wurde; vielleicht sogar kurz davor steht, seinen/ihren Job zu verlieren? Wir sind Essen, da hat man außer seinem RWE nicht allzu viel auf der Tasche!

Aber, noch ist nicht aller Tage Abend und ich glaube, dass wir eines Tages wieder anne Hafenstraße pilgern werden! Das am Fancontainer frisch erworbene „Rot-Weiss Essen, Corona ficken & vergessen“ Shirt in der einen und das reelle Stauder in der anderen Hand. Vielleicht haben wir Probleme, die üblichen Bekannten zu entdecken, da das Haupthaar eher an Siebziger Jahre Parties erinnert denn an aktuelle Frisuren und manche Matte die Augen trübt. Aber, egal gegen wen das erste Spiel „danach“ auch stattfinden wird, und egal in welcher Liga: Unsere Lieder dürften so intensiv gesungen werden, wie lange nicht mehr.

Geht man dieser Tage mit dem gebotenen Abstand  vor die Tür, so ist festzustellen, dass die Natur einen so freundlich begrüßt, wie schon seit Jahren nicht mehr. So bedrohlich das Szenario auch ist, so beunruhigend zudem…so sehr sehe ich auch eine Chance darin, daraus zu lernen. Zu reduzieren; Wertschätzung zu zeigen. Respekt und Zusammenhalt zu leben. Und dann kann auch Rot-Weiss Essen weiterleben. Als Einheit zwischen Verein, Fans und Finanzen. In der Gewissheit, dass unsere Seele alles verkraften würde: Außer einem Leben ohne Rot-Weiss Essen. Und vielleicht gucken wir einfach noch mal auf unser Konto, ob nicht doch noch ein Besuch im Online Shop drinsitzt. Jeder Cent hilft unserer Perle vonne Hafenstraße.

Bleibt gesund!

 

 

 

Der Schuh des Manitu

Die Vorfreude steigt, die Aufregung noch viel mehr: Die Küchenjungs aus Rödinghausen kommen an die Hafenstraße und wollen weder Dunstabzugshaube noch Kühlschrank liefern, sondern drei Punkte mit zurück in die ostwestfälische Fußballhochburg nehmen.  Rein statistisch betrachtet steht es ihnen sogar zu, davon auszugehen: Sie liegen doch in der gemeinsamen Historie um vier Mikrowellen vorn. Der „Reviersport“ sieht nun Vorteile beim Gast; die „Welt“ uns wenigstens auf Augenhöhe und ein automatisch generierter  Bericht auf „T-Online“ schwadroniert gar von einem Showdown. Da sieht man mal, wie bescheuert automatisch erstellte Texte sind! Am 23. Spieltag von einem Showdown zu sprechen, ist albern. Egal, wer am Samstag die Show macht oder wer am Ende Down sein wird: Auch dann ist noch lange nichts entschieden. Gibt ja auch noch den SC Verl, die vom Kanal, weitere Spieltage und überhaupt. Kein Showdown also und zu 100% ein Mensch hier hinter der Tastatur.

Um 14:00 Uhr mit Anpfiff ist dann jede Vorberichterstattung endlich Makulatur; interessieren Prognosen keinen mehr im Stadion. Dann heißt es Handy aus und Stimme an. Übrigens wurde (erstaunlicherweise) in fast allen Vergleichen und Vorberichten etwas ganz essenzielles vergessen: Wir alle zusammen haben doch Samstag Geburtstag, und werden 113 Jahre jung. Auf das Spiel bezogen kann das eigentlich nur eines bedeuten: 1 RWE Tor erste Halbzeit + 1 RWE Tor zweite Halbzeit = 3 RWE Punkte als Geburtstagsgeschenk aus Rödinghausen. Kann ja auch gar nicht anders: Denn wer Geburtstag hat, bekommt schließlich Geschenke. Gerne natürlich auch in Form eines Unparteiischen, der der Bedeutung dieses Spieles gewachsen ist und mit seiner Pfeife umzugehen weiss. Und mit seinen Linienrichtern am Spielfeldrand. Da wir also Geburtstag feiern, sind wir selbstredend auch gute Gastgeber und verwöhnen unsere Gästefans (gegen Gebühr) mit allen Köstlichkeiten der Hafenstraße. Als da wären: „Vierzehntausendfache Emotionen mit einem Hauch an Ungeduld und einer Prise an Leidenschaft, angerichtet auf einem Bett voller Gefühle für unseren Verein“. Dazu das Beste was eine Brauerei hierzulande abfüllen kann. Und Wurst. Und Frikadelle. Mit oder ohne Senf. Wir lassen es also richtig krachen.  Welcher Gast würde da so dreist sein, und die Punkte mitnehmen wollen?

Am kommenden Samstag können wir alle aber noch etwas mehr geben. Wir können Hoffnung geben und Glauben schenken. In den Arm nehmen, applaudieren und gut zusprechen: Vergangenen Mittwoch hat unser erster und langjähriger Fanvertreter im Aufsichtsrat, zudem ein oller Platzproll, öffentlich mitgeteilt, dass er an einer speziellen Form von Lymphdrüsen-Krebs, dem sogenannten „Mantelzell- Non Hodgkin Lymphom“ erkrankt ist. Dieses Arschloch von Krebs hat also wieder ein Opfer gefunden. Einen Rot-Weissen durch und durch. Das lassen wir uns nicht gefallen, dem nehmen wir uns an und stehen bei! Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein offener Umgang mit einer solch belastenden Krankheit zunächst kein leichter ist. Aber jetzt, drei Jahre danach, kann ich sagen: Es war der beste Weg! Zu unsicher in einem solchen Fall stets das eigene Umfeld, Kollegen und Bekannte. Darf man den Betroffenen darauf ansprechen? Muss ich ihn bemitleiden?

Ach, einen Scheiss muss man! Offenheit ist wichtig. Humor ist lebenswichtig. Verkriechen gilt nicht. Im Gegenteil, hier stehe ich und habe Krebs! Und ich nehme den Kampf an. Das hat uns Ralf geschrieben, so wie er uns auch jahrelang geschrieben hat, wie es um unseren RWE steht. Im Gegensatz zu seinen Berichten aus Trainingslager und AR-Sitzung habe ich den letzten natürlich nicht gerne gelesen. Aber der Humor und der Optimismus dieser Zeilen hat direkt wieder ein Lächeln ins Gesicht des Lesers gezaubert. Ab sofort sind wir nicht nur RWE und kämpfen um den Aufstieg, sondern wir sind auch Ralf und sind alle anderen Erkrankten aus der großen RWE Familie. Wenn die Mannschaft am Samstag aufläuft, applaudieren wir nicht nur ihr, sondern auch Dir und Euch. Ab sofort gilt noch mehr: „Kämpfen und siegen“.

Und deshalb ist es mir momentan undenkbar, dass wir nach dem Spiel die Hafenstraße erfolglos verlassen werden. Auf und neben dem Platz. In der Tabelle und in unseren rot-weissen Herzen. Wir werden feiern: Den Geburtstag, das Leben und die drei Punkte. Rund um den RWE ist immer auch viel Mist passiert, aber letztendlich sind wir Familie. Wie heisst es doch so schön: „Die Familie Rot-Weiss hält zusammen…“. Besonders jetzt, wo der Schuh drückt.

In diesem Sinne (Eine gemischte Tüte Fußball).

Bevor es zu denjenigen Zeilen geht, die sich natürlich um unser aller RWE drehen und heute auch wieder auf Papier zu lesen sind, einige Gedanken, die sich allgemein rund um den Fußball angestaut haben und kurz verarbeitet werden wollen:

Der Fußball ist noch nicht ganz verloren! Diese steile These mag überraschend klingen im Nachgang eines Pokalhalbfinales, in welchem ein Konstrukt endlich den ersehnten Einzug in ein Pokalfinale geschafft hat. Und das 134 Jahre nach Gründung! Ist uns natürlich Brause, kann somit weg. Aber: Es gibt sie aktuell wirklich, diese kleinen Hoffnungsschimmer. Als da wären, ganz subjektiv betrachtet:

Ajax Amsterdam: Sicher ist Ajax eine tolle Mannschaft, würde sie doch sonst nicht in der Champions League an den Start gehen. Aber für dortige Verhältnisse natürlich eine Low Budget Truppe, krasser Außenseiter und für die Großkopferten überhaupt nicht auf dem Schirm. Stört die Mannschaft aber mal so gar nicht, werden doch die gewünschten Machtverhältnisse auf dem Feld einfach und spielerisch ziemlich genial durcheinandergewirbelt. Darauf eine Tüte und „Three Little Birds“.

DAZN: Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Bezahlsender für DAS Fußball TV Erlebnis aktuell gesorgt hat? Aber dass, was DAZN im Spiel der Frankfurter Eintracht gegen Benfica Lissabon in Bild und Ton nach Abpfiff abgeliefert hat, war nichts anderes als Liebe zu unserem Fußball! Keine Werbung störte die verdienten Feierlichkeiten der Frankfurter Homogenität zwischen Mannschaft und Fans. Das waren Bilder, die man gar nicht mehr gewohnt war, die unter die Haut gingen. Auch ohne Fan der Frankfurter zu sein. Das war ganz großes Fußballemotionskino; ein Lehrfilm für alle anderen Sender. Danke dafür!

Eintracht Frankfurt: Siehe DAZN. Tolle Saison. Unsere Sanitäranlagen waren seinerzeit trotzdem nicht soooo begeistert von Euch.

SV Waldhof Mannheim: Der Verband hat ja nun wirklich alles versucht, den Waldhof für das Fehlverhalten einiger auf ewig zu bestrafen und mit absurden Strafen zu belegen. Die Mannschaft hat sich aber trotzdem einmal mehr nicht davon beirren lassen und ist nach drei verlorenen Relegationen und insgesamt sechzehn (und wir jammern herum) schweren Jahren endlich wieder in den Profifußball aufgestiegen. Wir kommen bald nach!

Stauder: Der RWE stagniert auf dem Platz, aber Stauder zollt den Leistungen auf den Rängen Tribut. Bleibt nicht nur treu, sondern erhöht noch sein monetäres Engagement. Eine (Pils-)Blume der Stadt weiter das Bier des Vereins. Grün ist Stauder, grün ist die Hoffnung. Lecker!

Sicher gibt es noch weitere Beispiele für den kleinen Hoffnungsschimmer Fußball abseits der Gier und Statuten. Wer selbst welche in Sachen Fußball erlebt hat, mag sie  sehr gerne hier erzählen.

Nun aber wieder RWE, noch einmal kurz RWO und dann ist das einfach mal so:

Unser aller RWE hat Ostersonntag bei Viktoria Köln ein respektables Unentschieden geholt. Torlos das Ganze, was logischerweise bedeutet, selbst nicht getroffen zu haben. Aber, der selbsternannte Meister seiner Klasse; dieser Verein der Massen aus Köln…der hat eben auch kein Tor erzielt. Ein Null zu Null der schlussendlich besseren Sorte, wurde doch hinten clever verteidigt und ging es auch mal ganz gut in Richtung Kölner Strafraum. Dort war dann aber auch schnell Schluss, die echte Torgefahr blieb aus. Trotzdem ein Achtungserfolg einer weiter arg dezimierten Mannschaft. Alle Achtung definitiv auch den mitgereisten Fans, die nicht wie unsereiner den PC Bildschirm als Quelle der Spielverfolgung auserkoren hatten, sondern sich ganz in echt und in Farbe auf den Weg nach Köln machten. Dort nicht nur eine schön anzuschauende Choreo präsentierten, sondern auch für Fußballatmosphäre verbaler Natur sorgten. Hat man bei Viktoria ja alles eher weniger. Darf man auch ruhig mal so schreiben. Als Gratiszugabe bekamen die Mitgereisten auf der Gegengerade natürlich jede Menge österliche Frühlingssonne ab. Auch nicht schlecht, kostet sonst. 

Nicht schlecht auch die Zweitvertretung des 1.FC Köln. In der zweiten Begegnung des Tages unter dem Motto „Ruhrpott vs Domstadt“ wurde mit 6:1 beim Nachbarn RW Oberhausen gewonnen. An dieser Stelle sei einmal erwähnt: Damit haben wir nichts zu tun! Wir, also unser RWE, hatte auch nichts mit der vorzeitigen Verkündung des Wechsels von Jörn Nowak zu RWE zu tun. Auch wenn Ostern die Zeit der Verkündigung ist; man an der Emscher endlich die Zeit gekommen sah, den Nachbarn aus Essen als den bitterbösen Rivalen zu positionieren: Wir pellen uns darauf höchstens ein Ei. Ist doch so, Ostern halt. Rot-Weiß Oberhausen legt eine dermaßen respektable Saison hin, die uns mehr als nur sportlichen Respekt abnötigt, uns bisweilen sogar neidisch macht. Ach was, nicht nur bisweilen: RWO spielt um unseren Traum Aufstieg mit. Wir nicht! Aber, das Umfeld der Kleeblätter spielt nicht um den Aufstieg mit, trägt die Mannschaft nicht und kommt nicht in angemessener Zahl in das Stadion. So versucht man nun im Verein Rot-Weiß Oberhausen auf unsere Kosten Stimmung zu machen. Der Eindruck wird auf jeden Fall erweckt! In einem offenen Brief ist zudem von einem „östlichen Nachbarn“ die Rede. Was jetzt aber der VfB Bottrop als östlicher Nachbar damit zu tun hat, erschließt sich mir überhaupt nicht mehr. Der VfB ist da völlig außen vor.

Was ich sagen will: Es ist jetzt gut gewesen, und in Hinblick auf das bald folgende, sportliche Aufeinandertreffen im Niederrheinstadion sollten auch auf Oberhausener Seite die Emotionen wieder auf das Normalmaß heruntergebrochen werden. Es ist schön, Euer Nummer Eins Rivale zu sein (War das nicht mal der MSV?), aber Ihr seit nun mal einfach nicht der unserige. Isso! Ist auch  nicht böse gemeint. Seit stolz auf das Erreichte und vielleicht langt es ja, dank unserer Schützenhilfe bei Viktoria, doch noch für den Aufstieg. Dann winkt ja möglicherweise wieder der MSV und könnt Ihr endlich loslassen, was uns betrifft. Täte allen gut. In diesem Sinne….

Postskriptum: Meine Güte, was taten mir die beiden Benfica Fans leid, die sich in Frankfurt/Oder wiedergefunden hatten. Sie taten mir auch dann noch leid, als außer mir   schon alle von dem Geniestreich aus dem Hause 11Freunde wussten. Liebe Freunde deren 11 Ihr seid: Da habt Ihr wirklich richtig schön den Finger in die Wunde des sich immer schneller drehenden Online Zirkus gelegt. Da ist dann unter anderem auch DAZN drauf reingefallen, was letztendlich natürlich Abzüge in der B-Note gibt.